Für die Spaltung. Gegen die (neuen) roten Sekten.

Hiermit sei eine Auseinandersetzung im Internet dokumentiert, die gerade wegen der Sammlung an „innerlinker“ Auseinandersetzung (Spaltung, Gewalt und Mord) lohnt gelesen zu werden. Es begann mit einer Stellungnahme von Unabhängigen Antifas in Bochum, diese war Anlass war für einen geschichtlichen Rückblick zwischen Stalinisten, Leninisten… vs. Anarchist*innen.

Wir beginnen mit den Antifas aus Bochum, darunter dann die Reaktionen auf einer social Media Plattform mit der geschichtlichen Rückschau, die teilweise gar nicht soweit zurück reichen muss, wenn an den Angriff in Athen gedacht wird.

„Autoritäre im Angriffsmodus“ – (https://www.bo-alternativ.de/2026/04/24/autoritaere-im-angriffsmodus/)

Unabhängige Antifas Bochum (UAB) nehmen zur Auseinandersetzung im Zusammenhang mit der Vorabenddemonstration am 30. 4. Stellung: »Mit der Anmeldung einer Demonstration durch die SDAJ-Bochum als Konkurrenzveranstaltung zu der jährlichen, überregionalen „Revolutionären Vorabenddemo“ in Witten ist offenkundig geworden, was sich bereits zuvor im Kleinen vollzog. Es ist der offensichtliche Spaltungsversuch der großen Vorabenddemo und damit die Fortsetzung der destruktiven Tendenzen mit anderen Mitteln.

Am 4. März veröffentlichen die „Antifa Witten“ und die „Antifaschistische Linke Bochum“ auf Instagram den Aufruf zur „Revolutionären Vorabenddemo“ in Witten. Zuvor war die SDAJ zu Vorbereitungstreffen explizit eingeladen worden und nahm daran teil. Sie hätte Teil der „Revolutionären Vorabenddemo“ sein können, entschied sich jedoch überraschenderweise dagegen und meldete schließlich am 3. April, also ziemlich genau einen Monat später überraschend eine gleichnamige Demo in Bochum an.

Die SDAJ ist ein marxistisch-leninistisch orientierter Jugendverband und betrachtet sich laut eigener Homepage als Jugendorganisation der DKP. Dort steht auch, dass SDAJ-Mitglieder in aller Regel im Erwachsenenalter in die Mutterpartei überwechseln. Die SDAJ strukturiert sich in Orts-, Schul-, Hochschul- oder Betriebsgruppen, Landesverbände und den Bundesverband. Alles zunächst weder überraschend oder besorgniserregend.

Problematisch wird es aber da, wo Ideologie dogmatisch und Hierarchie autoritär wirkt. Die MLPD ist für beides ein mustergültiges Beispiel, mit dem viele linke Strukturen ihre Negativerfahrungen machen durften, bevor es einen strukturübergreifenden Ausschluss dieser destruktiven und hochgradig eigennützigen Struktur gab.

Die Differenzen innerhalb der Linken sind nun wirklich nicht neu und verlaufen zwischen autoritären und antiautoritären, zwischen hierarchischen und basisdemokratischen, zwischen partikularistischen und universalistischen Perspektiven.

Oft fand man Kompromisse, manchmal eben auch nicht – getreu dem Motto „Leben und leben lassen“. Werte auf die man sich jedoch abgesehen von der obengenannten Ausnahme bislang immer auch übergreifend einigen konnte waren Antifaschismus und Solidarität.

Diese friedliche Koexistenz hat die SDAJ nun sukzessive aufgekündigt.

Zum Hintergrund sei gesagt, dass die Organisator:innen der revolutionären Vorabenddemo in Bochum bereits zwei Mal Negativerfahrungen mit autoritär ausgerichteten Gruppen machen mussten, weil diese sich nicht an den Demokonsens hielten, auf den man sich zuvor (auch mit ihnen) verständigt hatte.

Dies war 2019 (https://antifabochum.noblogs.org/2019/05/stellungnahme-der-bochumer-antifa-gruppen-zum-sog-roten-block-auf-der-revolutionaeren-vorabenddemo-2019/) und 2024 der Fall (https://antifabochum.noblogs.org/2024/05/statement-zum-ausschluss-eines-blocks/).

Zuvor hatte es stets Gespräche gegeben und es bestand der Wille, zumindest an diesem einen Abend das gesamte Spektrum „unter einen Hut“ zu bekommen. Die Größe der Demos, die im letzten Jahr bis auf 2500 Teilnehmende angewachsen war, ist der Beleg, dass ein wirkungs- und ausdrucksstarke Szene-Demo nur bei gegenseitiger Rücksichtnahme und dem zeitweisen Zurückstellen von Partikularinteressen möglich ist.

Dafür ist ein Demokonsens notwendig, der eine spektrenübergreifende Teilnahme ermöglicht – ansonsten wird die Demonstration zwangsläufig von egozentrischen Selbstdarsteller:innen gekapert und verkommt zwangsläufig zum dreistelligen Szene-Event ohne jedwede Anschlussfähigkeit.

Zu diesem Konsens gehört, das Partei- und Nationalfahnen bei dieser Demonstration nicht erwünscht sind. Es geht darum nicht das Spaltende sondern das Gemeinsame zu betonen, also zum Beispiel um Werte und Symbole von Solidarität, Feminismus und Antifaschismus.

Jede Struktur kann sich an 364 Tagen im Jahr so inszenieren, wie sie es will und für richtig hält. Diese ideologisch und strategisch begründete Unterschiede dürfen bestehen und existieren zum Großteil des Jahres ohnehin parallel.

Doch gerade jetzt, wo die extreme Rechte so stark und organisiert ist, wie nach dem Nationalsozialismus nicht mehr, ist es geboten die Revolutionäre Vorabenddemo im Ruhrgebiet weiterhin als Symbol für einen starken Antifaschismus aufrechtzuerhalten.

Genau dies wird in diesem Jahr durch die Konkurrenzveranstaltung der SDAJ in Bochum planmäßig torpediert. Sie setzt damit ihr destruktives Werk aus 2024 fort, bei dem sie bereits Teil des unkooperativen Blocks war, der die Vorabenddemo mit Ansage störte und schließlich ausgeschlossen werden musste.

Dabei wurde die SDAJ trotz dieses Vorfalls erneut zum Planungstreffen für die diesjährige Vorabenddemo eingeladen und kam diesem versöhnlichen Angebot auch nach. Während die Organisator:innen der Vorabenddemo aus genannten Gründen am bewährten Demokonsens festhielten bestand trotz wortreicher Begründungen der zentrale Dissens darin, dass die SDAJ auf das Präsentieren von Nationalfahnen bestand und davon auch für diesen Abend nicht abrücken wollte.

Es scheint für sie an diesem Abend nicht möglich ihre Solidarität anders zu zeigen als mit Nationalfahnen, dabei wäre es doch gerade für eine revolutionäre Vorabenddemo entscheidend eine universelle und radikale Kapitalismuskritik zu üben.

Nun ist es grundsätzlich legitim eine Abspaltung aufgrund ideologischer oder strategischer Gründe vorzunehmen, die Geschichte der Linken ist voll davon. Dass die Spaltung in diesem Fall ausgerechnet mit dem Beharren auf Nationalfahnen bei einer revolutionären Demonstration begründet wird, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

Abgesehen davon geht es bei diesen symbolischen Gesten vielmehr um das befriedigende Gefühl, moralisch gehandelt zu haben. Den notleidenden Menschen in den verschiedensten Ländern der Welt ist damit leider nicht geholfen aber immerhin das Gewissen einiger SDAJ-Mitglieder vorübergehend beruhigt.

Durch die identische Namensgebung ihrer Demonstration zeigt die SDAJ zudem, dass sie nun, da die Revolutionäre Vorabenddemo nach 10 Jahren von Bochum nach Witten weiterzieht, endlich die Chance hat, mithilfe des angeeigneten Demo-Labels und den dadurch mobilisierbaren Demoteilnehmenden ihren Raumkampf in Bochum voranzutreiben.

Dieser aggressive Raumkampf der SDAJ geht mittlerweile so weit, dass Plakate für die Revolutionäre Vorabenddemo in Witten abgerissen und provokativ zerschnitten zur eigenen Mobilisierung genutzt werden. Das Überkleben linker Aufkleber durch SDS- oder SDAJ-Aufkleber gehört seit einiger Zeit auch zum Repertoire der immer autoritärer auftretenden Strukturen.

Als nächste Stufe bleiben der SDAJ nun nur noch Bedrohungen und körperliche Angriffe gegen Andersdenkende, wie es von anderen autoritär-„linken“ Strukturen wie beispielsweise dem mittlerweile aufgelösten „Jugendwiderstand“ bekannt ist oder aber die Bereitschaft Anzeigen gegen andere Linke zu stellen, wie es die MLPD tat und wie es zuletzt in Dortmund geschah.

Diese Akte der Feindseligkeit, die nun in immer deutlicherer Form gegen antifaschistische Strukturen verübt werden, entspringen dem eigenen Dogmatismus, der durch eine geschlossene Denkstruktur gekennzeichnet ist, der für sich selbst die Wahrheit bzw. einzig legitime Position beansprucht.

Dogmatisches Denken verlangt oft die Unterwerfung unter eine vorgegebene Autorität und eine klare Freund-Feind-Bestimmung. Denkweisen, die vor allem für den Rechtsextremismus charakteristisch sind, auch wenn die politischen Positionen natürlich anders aussehen. Daher sind auch nicht diejenigen autoritär, die vor diesen Strukturen warnen und eigene Strukturen vor den Angriffen schützen möchten.

Wer das tut, unternimmt eine Täter-Opfer-Umkehr und hat offenbar keinen Begriff von politischem Autoritarismus. Die SDAJ sucht also in ihrer übersteigerten Selbstgewissheit die Auseinandersetzung, während die Gegenseite lediglich eine möglichst große, überregionale Revolutionäre Vorabenddemo zum Ziel hat und der Tatsache Rechnung trägt, dass „Politik auf der Tatsache der Pluralität der Menschen beruht“ (Hannah Arendt, 1993).

Es geht hier also nicht um einen Konflikt zwischen zwei unversöhnlichen Seiten, sondern um politische Grundhaltungen: die zwischen dogmatischem und differenziertem Denken.

Während die SDAJ primär auf Nutzen und Wirkung für die eigene Struktur setzt, versuchen die Organisator:innen der „Revolutionären Vorabenddemo“ der vielfältigen Bewegungslinken ein spektrenübergreifendes, jährliches Stelldichein zu geben.

Natürlich hat die SDAJ das Recht eine eigene Demo parallel zur gemeinsamen Vorabenddemo in Witten anzumelden, aber dann ist das halt nicht nur unsolidarisch mit den antifaschistischen Strukturen der Region, sondern ein bewusster und eigennütziger Spaltungsversuch, der obendrein von gezielten Provokation begleitet wird.

Sie hat sich aus dogmatischen und autoritären Gründen dafür entschieden, das Trennende zu betonen. Und deshalb fahren wir nach Witten.

Unabhängige Antifas Bochum (UAB)

Wir legen euch zum Abschluss die Thesen der „Basisgruppe Antifa“ zur autoritären Linken ans Herz: https://basisgruppe-antifa.org/wp/2024/07/05/thesen-ueber-die-autoritaere-linke/«

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Auf diesen Text reagierte ein anarchistischer Account mit:

„Die Dummheit der antiautoritären Linken besteht halt schon auch darin, dass man diese ML-Kasper immer wieder einlädt, mit ihnen Bündnisse schmiedet, gemeinsame Aktionen plant und veranstaltet. Für die Spaltung. Roten Sekten aufs Maul. Deren ganzes Politikverständnis besteht darin, Kämpfe und Bewegungen zu hijacken und zu dominieren. Und wir lernen einfach nicht daraus, weil alle auf Masse und Mehrheiten schielen und sich das Hirn mit Left Unity-Bullshit verkleistert haben. Bisschen Theorie- und Geschichtsbewusstein wäre gut.“

Auf diesen Kommentar zur Stellungnahme aus Bochum reagiert ein „kommunistischer Account“ mit Hammer und Sichel-Logo:

„ich wenn ich links bin: „lass kommunisten verprügeln“
aber ja es geht ja nur die autoritären linken sichi diggah sag mir mal 1 kommunistische orga die für euch nicht da drunter fällt“
(Beispiele werden darunter aufgeführt, aber für den „kommunistischen Account“ sind diese keine „kommunistischen orgas“.

Der anarchistische Account reagiert auf den Kommentar mit einer Vielzahl an Beispielen, der hier dokumentiert werden sollen:

„Ich fühle mich tatsächlich keiner ominösen Gesamtlinken verpflichtet und bleibe dabei: Tod den Stalinisten. Nieder mit den Leninisten. Roten Sekten aufs Maul. Und ich gebe im folgenden ein paar Hinweise darauf, in welche Tradition ich mich damit stelle.

Ich sage das mit dem anarchistischen Dichter Lev Chernyi, 1921 von der Tscheka erschossen. Ich sage das mit Fania Baron, Gefährtin von Lucy Parsons und Emma Goldman, 1921 von der Tscheka erschossen.

Ich sage das mit der jüdischen Anarchistin Olga Taratuta, die auch die frühe Zusammenarbeit mit Lenin im Exil nicht davor schützte, 1938 im Alter von 62 Jahren von den Bolschewisten erschossen zu werden.

Ich sage das mit Nestor Machno und seiner aufständischen Armee, die den Bolschewisten erst den Arsch retteten, um dann von ihnen verfolgt und massakriert zu werden, und den vielen Anarchist*innen, die 1919 Opfer bolschewistischer Massenerschießungen wurden.

Ich sage das mit der sozialrevolutionären Anarchistin Fanny Kaplan geboren, deren Leben 1928 vor einem bolschewistischen Standgericht endet. Ich sage das mit Emma Goldman und Alexander Berkman, deren Aufenthalt in der Sowjetunion sie zu überzeugten Kritikern der bolschewistischen Diktatur machte.

Ich sage das mit den anarchistischen Gewerkschaftern Adrien Poncet und Nicolas Clos, die 1924 von Mitgliedern des Sicherheitsteams der französischen Kommunistischen Partei erschossen wurden.

Ich sage das mit den revoltierenden Jugendlichen der Autonomia, die sich 1977 in Palermo unter dem Motto „Kommunistische Partei: Neue Polizei“ Schlägereien mit Kommunisten lieferten. Und auch mit denen, die im gleichen Jahr in Rom den Sicherheitsdienst der KP verdroschen.

Ich sage das mit dem jüdischen Anarchisten Jacques Doubinsky, der als junger Gewerkschafter an der russischen Revolution teilnahm und dann von den Bolschewiki in die Folterhaft nach Bulgarien gezwungen wird.

Ich sage das mit den 1921 in der Petrograder Troubotchny-Fabrik Streikenden und den Matrosen von Kronstadt, deren revolutionären Forderungen die Bolschewiki mit gewaltsamer Niederschlagung begegnen.

Ich sage das mit den koreanischen Anarchist*innen, deren erfolgreiches Kommune-Experiment in der Mandschurei von sowjetischen und japanischen Imperialisten beendet wurde.

Ich sage das mit dem jüdisch-ukrainischen Anarchisten Simon Radowitzky, der 1908 den Polizeichef von Buenos Aires erschossen hatte, in Spanien gegen die Faschisten kämpfte und für die Stalinisten nur Hass übrig hatte.

Ich sage das mit den 90 Deligierten der „Bulgarischen Anarchistischen Föderation“, die 1945 von den Kommunisten verhaftet, gefoltert und anschließend in Lagern zu Zwangsarbeit gezwungen wurden. Drei Jahre später wird der Anarchismus komplett verboten.

Ich sage das mit den vielen Anarchist*innen, die 1919 während der ungarischen Räterepublik durch den „Roten Terror“ umgebracht wurden (die Kommunisten hatte sich vorher mit den Sozialdemokraten verbündet).

Ich sage das mit dem deutschen Anarchisten Willi Jelinek, der 1952, nachdem er die Nazis knapp überlebte, im stalinistischen Foltergefängnis in Bautzen starb.

Ich sage das mit den dutzenden Anarchist*innen der Schwarzen Garde, die 1918 in einer zweitägigen Raserei gegen anarchistische Strukturen in Moskau den Bolschewisten zum Opfer fielen.

Ich sage das mit der anarchistischen Arbeiterin Martha Wüstermann, die im Laufe ihres Lebens von den Nazis, dem südafrikanischen Apartheidsregime und den Stalinisten verfolgt wurde.

Ich sage das mit den italienischen Anarchisten Camillo Berneri und Francesco Barbieri, die 1937 in Spanien von Stalinisten ermordet wurden.

Ich sage das mit der feministischen Wissenschaftlerin Madeleine Pelletier, die nach einer eigentlich als Sympathiebekundung gedachten Reise in die Sowjetunion Stalins für immer mit dem Kommunismus bricht.

Ich sage das mit dem anarchistischen Arbeiter und Gewerkschafter Louis Bertho, der in die Sowjetunion reist, um dort von der Tscheka erschossen zu werden.

Ich sage das mit anarchistischen Student*innen, die im Mai 68 in Paris von den Kommunisten angegriffen werden, weil diese keine schwarzen Fahnen dulden wollen.

Ich sage das mit dem anarchistischen Aktivisten und Gründer der Columna Ascaso Domingo Ascaso Abadía, der 1937 von Stalinisten in Barcelona erschossen wird.
Ich sage das mit Vera Sassulitsch, einer lebenslangen Revolutionärin, die zu einer engagierten Gegnerin der Folgen der Oktoberrevolution wurde.

Ich sage das mit den US-Arbeiterorganisationen, die schon 1924 dazu aufriefen, Druck auf die Bolschewiki auszuüben, und der Verfolgung ein Ende zu setzen, deren Opfer revolutionäre und anarchistische Aktivisten waren.

Ich sage das mit dem Schauspieler Alexander Granach, der vor den Nazis in die Sowjetunion floh, um dort weiterverfolgt zu werden. Nur eine Intervention Lion Feuchtwangers rettete sein Leben.

Ich sage das mit dem bulgarischen Anarchosyndikalisten Manol Vassev, der 1956 11 Jahre nach seiner Verhaftung und nur einen Tag vor dem Ende seiner Haftstrafe von der kommunistischen Geheimpolizei Bulgariens im Knast vergiftet wurde.

Ich sage das mit George Orwell, der nach seinen Erfahrungen im spanischen Bürgerkrieg über den Segen kommunistischen Dominanzbestrebens Weltliteratur verfasste.

Ich sage das mit Zenzl Mühsam, der Frau der ermordeten Erich Mühsam, die von den Stalinisten für viele Jahre in den Gulag gesteckt wurde. Ich sage das mit Max Hölz, dem kommunistischen Banditen, der 1933 von Stalinisten ermordet wird.

Ich sage das mit den vielen Wütenden, die 2011 in Athen von den Kommunisten angegriffen werden, die gemeinsam mit den Cops das Parlament beschützen.

Ich sage das mit dem Syndikalisten Francesco Ghezzi, der 1942 in einem sowjetischen Gulag in Workuta am Polarkreis stirbt.

Ich sage das mit den hunderten 1937 in Spanien von Truppen unter dem Kommando des Stalinisten Enrique Lister erschossenen Anarchisten. Anschließend werden die Bauern gezwungen, Land und Werkzeuge an die reichen Landbesitzer zurückzugeben.

Ich sage das mit den kubanischen Anarchist*innen, denen Fidel Castro ab 1962 jegliche Tätigkeit untersagt und dies auch mit massenhafter Lagerhaft durchsetzt.

Ich sage das mit jenen, die 1968 in der Tschechoslowakei versuchten, einen Sozialismus mit menschlichem Antlitz zu etablieren und von Sowjet-Panzern überrollt wurden.

Ich sage das mit den vielen vor den Nazis in die Sowjetunion Geflohenen, die im Rahmen des Hitler-Stalin-Pakts an die Gestapo ausgeliefert wurden.

Ich sage das mit den italienischen Autonomen, die 1977 in Rom gegen Polizei und den Ordnerdienst der KP kämpfen mussten, um gegen die Freilassung eines deutschen SSlers, der wegen eines Massakers in Italien inhaftiert war, protestieren zu können.

Ich sage das mit dem Dichter und bulgarischen Anarchisten Georgi Getchev, der nach der Befreiung vom Faschismus direkt in einem stalinistisches Lager landet, weil er sich für die Freiheit der Kunst ausspricht.

Ich sage das mit dem italienischen Anarchisten Sergio di Modugno, der 1927 in Paris einen engen Vertrauten Mussolinis erschießt und sein Leben im Gulag beendet.

Ich sage das mit den vier libertär-sozialistischen Aktivisten, die 1944 in Montfort-sur-Boulzane von Stalinisten ermordet wurden, weil sie sich ihnen nicht unterordnen wollten.

Ich sage das mit dem anarchistischen Autor und Aktivisten Konstantinos Speras, der 1943 in Athen von Stalinisten ermordet wird.

Ich sage das mit Rudolf Rocker, am Ende seines Lebens erklärter Antikommunist, der wusste: „Wer die Macht hat, mißbraucht sie. Deshalb gilt es die Machtergreifung durch Parteien oder einzelne Personen zu verhindern.“

Ich sage das mit Gavril Iljitsch Myasnikow, der als linkskommunistische Mitglied der Arbeiteropposition gegen die bolschewistische Diktatur in die Sowjetunion gelockt, verhaftet und 1945 hingerichtet wurde.

Ich sage das mit Victor Serge, dessen Flirt mit dem Bolschewismus ihm ein Leben auf der Flucht und wahrscheinlich ein Lebensende durch Vergiftung einbrachte.

Ich sage das mit den vielen Verletzten und 150 Festgenommenen, nachdem 1998 der Ordnungsdienst der Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE) in Kooperation mit den Cops den antiautoritären Block auf einer Gedenkdemo angegriffen hatte.

Ich sage das mit der Gründerin des „Waisenhauses der französischen Arbeiterbewegung“, Madeleine Vernet, deren Versuch der Zusammenarbeit die Kommunisten mit Übernahme des Hauses und ihrem Ausschluss danken.

Ich sage das mit der jüdischen Anarchistin Mollie Steimer, die nach ihrer Ausweisung aus der Sowjetunion den Nazis nur knapp entkommen kann.

Ich sage das mit dem russischen Anarchisten Nikolai Rogdajew, der schon gegen den Zaren kämpfte, dann aber 1932 im Gulag verreckt.

Ich sage das mit dem Anarchisten Paolo Schicchi und dem Rätekommunisten Otto Rühle, die früh nach einer Einheitsfront gegen Faschismus und Bolschewismus riefen.

Ich sage das mit Ida Mett, Mitbegründerin des Plattformismus sowie Teilnehmerin der Oktoberrevolution und dann trotzdem bald im Sowjetknast.

Ich sage das mit dem italienischen Anarchisten Alfonso Petrini, der von der Sowjetunion ans faschistische Italien ausgeliefert wird, damit er dort im Knast verschimmelt.

Ich sage das mit dem anarchistischen Historiker Volin, der als Chronist der Machnowtschina schon 1934 und aus einer dezidiert revolutionären Perspektive von einem „roten Faschismus“ schrieb.

Ich sage das mit den Anarchisten und libertären Kommunisten, die 1944 von Stalinisten bei Athen massakriert wurden.

Ich sage das mit den Berliner Autonomen, die sich Anfang der 90er Jahre gegen maoistische Schlägerbanden auf der revolutionären 1. Mai-Demo wehren mussten.
Ich sage das mit den im letzten Jahr in Athen von autoritären Kommunisten angegriffenen und verletzten Anarchist*innen.

Ich sage das mit denen, die gemeint sind, wenn in einem derzeit kursierenden Video mit einem kommunistischen Aktivisten davon gesprochen wird, der Anarchismus müsse ausgerottet werden.

Für mich bleibt es dabei: Tod den Stalinisten. Nieder mit den Leninisten. Roten Sekten aufs Maul.

(Kleiner Nachtrag. Da steht ganz bewusst nicht „Kommunisten aufs Maul“, auch wenn jene, die ich da als politische Gegner bezeichne, sich Kommunisten nennen. Wie auch im Anarchismus gibt es im Kommunismus viele Denkschulen, Traditionen, Praktiken. Manche finde ich sogar ganz gut.)“