Sie haben ein Einser-Abi. Und gehen zur »Führerschule«

Sonnwendfeiern, Fahnenrituale, NS-Literatur: Über Jahre hat sich im Geheimen ein rechtsextremer Jugendbund formiert – mit gutem Kontakt in den Bundestag.

An einem Julitag 2019 bricht eine merkwürdige Reisegruppe in den Südwesten Polens auf. Sechs junge Frauen, die jüngste ist 16 Jahre alt. Sie haben Gitarre und Fahne im Gepäck, tragen lange, dunkelblaue Röcke und geflochtene Zöpfe. Etwas altmodisch angezogene Pfadfinderinnen, könnte man denken.

Von Görlitz aus trampen und wandern die jungen Frauen übers Riesengebirge bis nach Breslau. Ihre auf den ersten Blick harmlosen Abenteuer halten sie in einem Reisebericht fest.

Sie springen demnach bei Mondschein in einen See und singen in Fußgängerzonen. Sie ziehen in Regenponchos durch Nebelschwaden, zelten verbotenerweise in Wäldern und wachen morgens mit Schneckenschleim im Haar auf. Sie pflücken Himbeeren und rollen sich auf dem Boden zu einem Kuschelhaufen zusammen.

Mittags gibt es Schokomüsli mit Obst, zum Abendbrot Brennnesseln, angebraten in Butter. Einmal fangen sie mit der Hand einen Frosch und erwägen, ihn zu küssen. Am letzten Abend lassen sie beim Singen am Lagerfeuer einen Flachmann kreisen. Als Gutenachtgeschichte lesen sie ein Kapitel aus dem Buch Fliegen – mein Leben von Hanna Reitsch.

Reitsch war die bekannteste Pilotin Nazideutschlands, eine fanatische Unterstützerin des Regimes, die sich für Hitler opfern wollte und Berichte über Gaskammern als »Feindpropaganda« abtat.

Die jungen Frauen sind keine Pfadfinderinnen.

»Schlesiengroßfahrt 2019« steht, in Frakturschrift hingeschnörkelt, auf dem 28 Seiten langen Reisebericht, der der ZEIT abfotografiert vorliegt. Eine der jungen Frauen schreibt darin, sie habe sich gefragt, »wie sich die Polen und Tschechen wohl fühlten, wenn sie unser Schlesien bewohnten?! Ob es ihnen egal war, wem sie die Heimat weggenommen hatten? Ob es ihnen egal war, dass sie nicht in ihrer RICHTIGEN Heimat wohnten? Freuten sie sich, weil sie uns dieses Land weggenommen hatten?«

Die jungen Frauen sprechen auch über ihre künftige Rolle als Mütter, die für sie noch wichtig sei – anders als für andere Mädchen.

In den Bericht eingeklebte Bilder zeigen nicht nur die Teilnehmerinnen beim Feuerholzsammeln, Kochen und Trampen, sondern auch eine schwarze Fahne mit einem Sonnenrad darauf. Es ist das Logo einer geheimen Organisation. Ihr Name: Jungadler.

Wohl mindestens ein Jahrzehnt lang blieb der Jungadler im Verborgenen, agierte in ganz Deutschland, veranstaltete Lager und Fahrten wie die »Schlesiengroßfahrt«. Erst Anfang 2025 wurden die Sicherheitsbehörden auf den Jungadler aufmerksam.

Seitdem steht die Frage im Raum: Ist in Deutschlands Wäldern und Wohnzimmern etwas sehr Altes zu neuem Leben erwacht, eine Organisation, die junge Menschen im Geist der Hitlerjugend indoktriniert?

Mutmaßliche Akteure des Jungadlers reagierten auf Anfrage nicht auf diesen Vorwurf. Nur einer schrieb, er sei falsch, sein Jugendbund sei unpolitisch.

Die Behörden halten sich zum Stand der staatlichen Ermittlungen bedeckt. Fragen dazu ließ die Berliner Staatsanwaltschaft unbeantwortet. Das Bundesamt für Verfassungsschutz bestätigt nur, der Jungadler sei bekannt.

Und die Bundesregierung gibt keine Auskunft zum Thema, auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen hin erklärte sie, aus »Gründen des Staatswohls« schweigen zu müssen.

Die ZEIT hat mehr als ein Jahr lang im Umfeld des Jungadlers recherchiert. Sie erhielt aus mehreren Quellen Reiseberichte und Fotoringbücher der Organisation, Terminkalender, Einladungsschreiben und Schulungsunterlagen.

Nachforschungen führten zu einem niedersächsischen Moor, zum Haus eines AfD-Politikers – und in die argentinischen Anden. Die so gewonnenen Informationen erlauben erstmals tiefere Einblicke ins Innere einer Gruppe, die sich gezielt vor der Öffentlichkeit zu verstecken suchte.

Der Jungadler war nie als Massenorganisation gedacht, eher als elitäres Projekt mit sorgsam ausgewählten Teilnehmern. Rund hundert lassen sich mithilfe der vorliegenden Dokumente über die Jahre zählen, gut vierzig von ihnen konnte die ZEIT identifizieren. Es sind keine frustrierten, perspektivlosen Neonazis in Springerstiefeln, sondern oft hochgebildete junge Männer und Frauen.

Viele haben ein Einser-Abitur, haben bei Musik- oder Sportwettbewerben geglänzt. Nicht selten tragen sie altdeutsche Namen wie Sunhild oder Wieland und entstammen Elternhäusern, in denen das deutsche Volk als Rassegemeinschaft verehrt wird.

Es sind diese Elternhäuser, über die sich Verbindungen zu früheren, inzwischen verbotenen rechtsextremen Jugendorganisationen ziehen lassen bis hin zu jener Organisation, mit der vor rund hundert Jahren alles begann: der Hitlerjugend.

Die Anfänge

Scharf und abgehackt schepperte Adolf Hitlers Stimme über die Lautsprecher, als er 1935 auf dem Nürnberger NSDAP-Parteitag verkündete, wie er sich deutsche Jungen vorstelle: »Schlank und rank« müssten sie sein, »flink wie Windhunde, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl«. 50.000 Mitglieder der Hitlerjugend (HJ) jubelten ihm zu. Einige ihrer Fahnen zeigten einen Adler, andere ein Sonnensymbol mit Hakenkreuz.

Längst waren andere Jugendbünde verboten, ihre Formen und Rituale vereinnahmt worden: die Fahrtenromantik, das Singen am Lagerfeuer, auch Sonnwendfeiern und Heimabende, die es zuvor schon gegeben hatte, bei Pfadfindern, Wandervögeln oder der bündischen Jugend.

Jetzt unterrichteten in »Führerschulen« ausgebildete HJ-»Führer« ihre Kleingruppen in »Rassekunde«. Sie schürten Hass auf Juden und propagierten »große Deutsche« als Vorbilder, Friedrich den Großen ebenso wie Hermann Göring. Hitlerjungen mussten zum Exerzieren und zu Märschen antreten: vormilitärischer Drill.

Die Mädchen wiederum bereitete der Bund Deutscher Mädel (BDM) auf die Mutterrolle vor und bläute ihnen »Rassenhygiene« ein: Sie sollten arische Kinder gebären. Im Völkischen Beobachter legte Hitler dar, worin er den Zweck von HJ und BDM sah: Kinder seien »schon von ganz klein an für diesen neuen Staat zu dressieren«.

Das Ende des NS-Regimes war auch das Ende der Hitlerjugend. In der Bundesrepublik garantiert zwar der Artikel 9, Absatz 1 des Grundgesetzes »das Recht, Vereine und Gesellschaften zu bilden«, aber, wie Absatz 2 klarstellt, Vereinigungen, »die sich gegen die verfassungsgemäße Ordnung oder gegen den Gedanken der Völkerverständigung richten, sind verboten«.

Dies hielt alte HJ-Führer allerdings nicht davon ab, schon im Jahr 1950 eine Organisation namens Reichsjugend ins Leben zu rufen, sie wirkte fast wie eine Kopie der Hitlerjugend, nur dass die Jungen jetzt olivgrüne statt braune Hemden trugen.

Es war der Beginn einer jahrzehntelangen Auseinandersetzung zwischen Staat und Rechtsextremisten, die bis heute andauert.

Kaum wurde die Reichsjugend im Oktober 1952 verboten, gründete sich wenige Monate später ein neuer Verein: die Wiking-Jugend. Die Hemden waren zunächst schwarz, dann wieder braun, allerdings etwas heller als in der Hitlerjugend. Als Symbole dienten ein Adler und eine Sonne, nur ohne Hakenkreuz, sowie eine germanische Rune, die während der NS-Zeit für »Rassenhygiene« gestanden hatte.

Wie die NSDAP organisierte sich die Wiking-Jugend in »Gauen«. Ihre Satzung nannte als Geltungsbereich das »Deutsche Reich«, so kann man es in vergilbten Akten nachlesen, die in Koblenz im Bundesarchiv lagern. Mit Wandermärschen und Zeltlagern wollte sie junge Menschen zu »Härte und Ausdauer« erziehen.

15.000 Kinder und Jugendliche drillte die Wiking-Jugend nach eigenen Angaben, bis sie am 10. November 1994, nach über vier Jahrzehnten, schließlich ebenfalls verboten wurde. Unter der Tarnung als Brauchtumsverein war sie dem Blick der Behörden lange entgangen.

Jetzt aber rückte die Polizei frühmorgens zu mehr als 40 Objekten in ganz Deutschland aus, um Beweismaterial sicherzustellen. Sie fand Uniformen und Propagandamaterial, nahm Mitgliederlisten mit, Trommeln und Stahlhelme.

Die Beamten klingelten auch in einem kleinen Ort in der Nähe von Stuttgart bei einem Mann, dessen Familie Jahre später bei den Aktivitäten des Jungadlers von Bedeutung sein sollte: Ralf W.

W. war zu diesem Zeitpunkt 29 Jahre alt. Fotos von damals, die der ZEIT vorliegen, zeigen einen großen, drahtigen Mann. Auf einem Bild steht er bei einem »Totengedenken« der Wiking-Jugend neben einem Trauerkranz, den Rücken durchgedrückt, die Handflächen an der Hosennaht.

W. gehörte zur Funktionärsebene der Wiking-Jugend, er war für einen »Gau« zuständig. »WIKING-JUGEND Schwaben« stempelte er gemeinsam mit seinem Namen und seiner Adresse mit schwarzer Tinte auf Schriftstücke. Seine Verlobung vermeldete die Vereinszeitschrift, darunter ein Foto von Adolf Hitler. Er lud Kinder zur »Sonnwendfeier« und zum Silvesterlager ein und grüßte sie mit »Heil Euch!«.

Auch seine beiden Schwestern waren in der Wiking-Jugend aktiv, sein Bruder war als »Bundesfahrtenführer« sogar noch hochrangiger als Ralf W. selbst.

An jenem 10. November, als die Wiking-Jugend verboten wurde, warnte der damalige Bundesinnenminister Manfred Kanther (CDU) in einer Pressemitteilung: Vereine, die junge Menschen zu »Gewaltbereitschaft, Intoleranz und Hass auf die Demokratie« anleiteten, müssten »aus dem öffentlichen Leben ausgeschaltet« werden. Mit der organisierten Erziehung im Geiste der Hitlerjugend sollte endlich Schluss sein.

Und doch ging sie weiter. Denn die Wiking-Jugend war zwar verschwunden, aber, das zeigt das Beispiel von Ralf W., die Menschen, die sie geführt und getragen hatten, blieben weiterhin aktiv.

Die Wiking-Jugend hatte ihrer Gefolgschaft eingebläut, sich als Elite zu sehen, als der reine Kern einer arischen Volksgemeinschaft: Es sei »Pflicht«, den Anteil des »nordischen Bluteinschlags im Deutschen Volk zu erhalten und zu mehren«, zitierte ein Vereinskalender von 1991 einen Leitsatz der NS-Rassenlehre.

Viele der jungen Männer und Frauen aus der Wiking-Jugend heirateten untereinander, viele hatten vier, fünf, manchmal auch sechs oder sieben Kinder, denen sie oft altdeutsche Namen gaben. Auch Ralf W. und seine Frau hatten vier Kinder bekommen. Nun, da die Wiking-Jugend verboten war, fehlte ihnen eine völkische Organisation für ihren Nachwuchs.

Zumindest kurzzeitig. Dann wandte sich Familie W. einem Verein zu, der sich im Jahr 2000 in Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ) umbenannt hatte. Dort trugen die Jungen graue Hemden, die Mädchen lange blaue Röcke, als Symbol diente eine rote Flamme auf schwarz-weißem Grund: die Flaggenfarben des Deutschen Reichs.

Familie W. war inzwischen in einen kleinen Ort am Rand des Schwarzwalds gezogen. Ralf W. arbeitete bei einem Autohersteller, auf seinen Namen ist ein Patent angemeldet. Im Alltag fiel bald die altbackene Kleidung auf, in der die Kinder öfter herumliefen. In der Gegend gab es Spekulationen, was der Grund sein könnte. Ob es an der Gesinnung der Eltern lag?

2008 durchsuchte die Polizei ein Ferienlager der HDJ in der Nähe von Rostock. Sie fand ein Buch aus der NS-Zeit namens Das Wesen der soldatischen Erziehung, eine CD mit dem Titel »Das Reich« und Geschirrtücher mit abgerundetem Hakenkreuz. So dokumentiert es ein Einsatzbericht. Auch alle vier Kinder der Familie W. tauchen namentlich in dem Polizeidokument auf. Sie saßen demnach in einem VW-Bus, zusammen mit Ralf W.s Frau.

Wenig später verbot der Staat auch die HDJ. Die entsprechende Verfügung las sich stellenweise wie eine Neuauflage des Schriftsatzes, mit dem rund 15 Jahre zuvor der Wiking-Jugend ein Ende gemacht worden war. Die HDJ sehe sich »in der Tradition der Hitlerjugend«, habe eine »neonazistische Elite« ausbilden wollen und sei dem Nationalsozialismus »wesensverwandt«.

Inzwischen amtierte Wolfgang Schäuble (CDU) als Innenminister. Er versprach, man werde »alles tun«, um Kinder und Jugendliche »vor diesen Rattenfängern zu schützen«.
Der Jungadler

Mindestens drei Kinder der W.s wechselten nach dem Verbot der HDJ mutmaßlich zum neu gegründeten Jungadler. Eine ihrer Töchter ging elf Jahre nach dem HDJ-Lager bei Rostock mit dem Jungadler auf jene »Schlesiengroßfahrt«, deren Reisebericht der ZEIT nun vorliegt.

Die beiden Söhne der W.s sind mittlerweile um die 30 Jahre alt. Auf einem Bild in einem Wandkalender des Jungadlers aus dem Jahr 2020 sieht man sie in Lederhosen bei einem Volkstanz im »Sommerlager Süd«. Einer der beiden soll im Jungadler eine Zeit lang eine Führungsfunktion innegehabt haben. Zuletzt zeigte ihn ein Instagram-Post bei einer Besprechung des rechtsextremen österreichischen Fernsehsenders Auf1, für den er arbeiten soll.

Wie ihr Vater Ralf W. scheinen auch die Kinder leistungsbewusst zu sein: Einer der Söhne erhielt als Student einer Ingenieurhochschule eine renommierte Auszeichnung für seine Abschlussarbeit, eine Tochter gewann als Auszubildende einen Handwerkspreis.

Mittlerweile soll Ralf W. verstorben sein. Mitglieder seiner Familie antworten auf Fragen zum Jungadler nicht.

Belegen Familiengeschichten wie die der W.s eine personelle und ideologische Kontinuität von der Wiking-Jugend über die HDJ bis hin zum Jungadler – oder handelt es sich um Einzelfälle?

Nach Recherchen der ZEIT wären es erstaunlich viele Einzelfälle. Rund die Hälfte der jungen Leute, die die Redaktion auf Fotos des Jungadlers identifizieren konnte, hat familiäre Bezüge zu verbotenen Organisationen: zur HDJ, zur Wiking-Jugend oder zu einem sektenähnlichen, antisemitischen Verein namens »Artgemeinschaft«. Im Jungadler trafen sich Kinder und Jugendliche aus einigen der prominentesten Neonazi-Familien des Landes.

Da ist eine Tochter der Familie U. aus Nordrhein-Westfalen, der Vater war erst bei der Wiking-Jugend, dann führte er die HDJ-Einheit »Hermannsland«.

Da ist ein Sohn eines früheren NPD-Landtagsabgeordneten aus Mecklenburg-Vorpommern. Der Mann war erst in der Wiking-Jugend und tauchte später bei der HDJ auf.

Da sind mindestens vier Kinder der Familie S. aus Nordrhein-Westfalen. Der Vater war auf einem Cover der HDJ-Zeitschrift Funkenflug abgebildet und fungierte als Schriftführer der »Artgemeinschaft«.

Da ist ein Kind der Familie R. aus Mecklenburg-Vorpommern, der Vater war in der HDJ und bezeichnete sich selbst öffentlich als Nationalsozialisten.

Sie alle sind oder waren mutmaßlich beim Jungadler aktiv. Laut Einträgen in Terminkalendern verbrachten sie viel Zeit miteinander, mal reisten einige in die Eifel, mal nach Rügen und bis nach Schweden, es ging zu Lagern, »Bundesmädeltreffen«, Heimabenden, Sonnwendfeiern, »Älterentreffen« oder zu einem »Thing«, wie offenbar die Bundesversammlung hieß.

In ideologischer Hinsicht wirkt der Jungadler zurückhaltender als die HDJ, in seinen Schriftstücken findet man keine Hitler-Zitate mehr. Niemand grüßt schriftlich mit »Heil Euch!«. Die Regionalgruppen heißen »Horten« statt »Gaue«, die Leitung »Gefährtenschafts-« statt »Bundesführung«.

Und doch sind Ähnlichkeiten zur HDJ und zu ihren Vorläufern offensichtlich. Blättert man durch Wandkalender, Fotobücher und Flugblätter des Jungadlers, sieht man viele blonde und blauäugige Kinder etwa ab dem Grundschulalter, die wandern, Volkstänze tanzen, auf einem See paddeln oder gemeinsam einen Pfahl aufrichten. Die Jungen tragen nun dunkelblaue Hemden, die Mädchen hellblaue Blusen.

Es wimmelt in dem Material von veralteten Wörtern in Frakturschrift: »Jahrweiser« steht da etwa statt Kalender, die Monate sind in alten Namen wie Ostermond (April), Wonnemond (Mai) und Brachet (Juni) angegeben, die schon die HDJ benutzte und vor ihr die NSDAP.

Um eine Jungadler-»Horte« zu leiten, musste man offenbar – wie einst in der Hitlerjugend – eine »Führerschule« absolvieren. 76 Jahre nach Kriegsende heißt es in einer Einladung zur »Praktischen Führerschule« des Jungadlers für Pfingsten 2021 in Frakturschrift: »Manche Dinge kann man hart oder weich erleben, wir erleben sie hart.«

Kompass, Beil und wasserdichter Poncho seien mitzubringen. Außerdem solle man vorab die zehn »wichtigsten Personen« der jüngeren deutschen Geschichte auflisten und die Auswahl begründen können.

Einen Hinweis, welche Art Personen gemeint sein könnten, gibt ein Test bei einer anderen Veranstaltung. Gefragt nach Deutschen, »die sich für ihre Heimat eingesetzt haben«, antwortete dort eine Jugendliche: Hans-Ulrich Rudel, der sei ein sehr guter Pilot im Zweiten Weltkrieg gewesen. Rudel gründete nach Kriegsende ein Hilfswerk für NS-Verbrecher und half damit neben anderen dem Auschwitz-Arzt Josef Mengele.

Offenbar wurden die angehenden »Führer« auch in konspirativer Arbeitsweise geschult. Bei Kontakt mit der Polizei, schrieb eine Jugendliche, solle man höflich und verständnisvoll reagieren und Fragen glaubwürdig beantworten.

Anders als bei der HDJ, die offen agierte und sogar Werbefilme drehte, heißt es in einem Leitfaden für die Jungadler-Führerschule: Man dürfe auf keinen Fall für die Organisation werben, nicht an Schulen, nicht auf Flugblättern oder im Internet, nicht einmal in rechtsextremen Zeitungen. So wurde der Jungadler zur Geheimgruppe.

Bei einem Fahnenritual sollten Mitglieder einen Vortrag über Ulrich von Hutten halten, einen von den Nationalsozialisten verehrten Dichter und Kirchenkritiker des frühen 16. Jahrhunderts. Zur Vorbereitung sollte ihnen ein Buch von Lisbeth Grolitsch dienen, einer Gau-Unterführerin beim Bund Deutscher Mädel und späteren Mitgründerin der Wiking-Jugend, sowie ein Buch des 2014 verstorbenen Rechtsterroristen und Holocaust-Leugners Manfred Roeder.

Die ZEIT hat dem Politikwissenschaftler Gideon Botsch von der Universität Potsdam Teile des internen Jungadler-Materials vorgelegt. Er sieht dort eine »Häufung« von NS-Bezügen. Botsch beschäftigt sich seit Jahren mit der rechtsextremen Jugendbewegung.

Botsch sagt, es sei absehbar gewesen, dass der »harte innere Kern der Szene« nach dem Verbot der HDJ versuchen würde, eine neue Organisation aufzubauen. Es wundere ihn nur, wie lange es der Jungadler geschafft habe, seine Existenz geheim zu halten.

Mehrere Kalendersprüche und Gedichte auf Flyern wirken, als habe der Jungadler einen soldatischen Geist der Kinder fördern wollen. Zitiert wird etwa der NS-Propagandist Herbert Böhme mit den Zeilen: »Was kann eines Menschen würdiger sein / als sich zu opfern«.

Eine »Einladung zum Sommerlager« 2018 zeigt Jungen, die den Verwundetentransport üben, wie Soldaten. Rücklings liegt ein Kind auf einer Stofftrage, es reckt seine rechte Faust in die Luft. In Frakturschrift steht daneben: »Habt ein Ziel!« Die Losung stammt aus einem Gedicht der Österreicherin Ursel Peter, einer Verehrerin des Nationalsozialismus, die nach dem Krieg als Lehrerin arbeitete.

Die Einladung ist mit einem seltenen Vornamen unterschrieben, den auch einer der Söhne der Familie W. trägt. Auf Anfrage dazu äußerte er sich nicht.
Der Heimkehrer

Bariloche ist eine Stadt am Fuße der argentinischen Anden, im Sommer glitzern die schneebedeckten Berge in der Sonne. Hier steht ein Haus mit Holzgiebeln, in dem bis in die Neunzigerjahre ein Deutscher namens Wolf-Dieter S. lebte. Sein Vater hatte einst ein Eliteinternat der Hitlerjugend durchlaufen und noch minderjährig im Volkssturm gekämpft. Nach dem Krieg war er nach Argentinien ausgewandert.

In Bariloche versteckten sich viele Nationalsozialisten. Sie bauten sich Häuser im Alpenstil, feierten Sonnwendfeiern und den Geburtstag des Führers. Ihre Kinder schickten sie auf eine deutsche Schule im Stadtzentrum, ein beige-roter Flachbau, sie ist noch immer in Betrieb.

Lange, erzählt der Vater eines ehemaligen Schülers, hätten in der Schulbibliothek noch Nazi-Bücher im Regal gestanden. Erster Vorsitzender des Schulvorstands war viele Jahre lang der frühere SS-Mann und Kriegsverbrecher Erich Priebke – bis er schließlich Mitte der Neunzigerjahre an Italien ausgeliefert wurde.

Auch Wolf-Dieter S. engagierte sich an der Schule, ein Foto aus dem Jahrbuch 1992 zeigt ihn als Anfang-30-Jährigen zusammen mit Priebke im Vorstand.

Wolf-Dieter S. soll zudem mit einem fast vergessenen Ex-Ideologen der Hitlerjugend befreundet gewesen sein: mit Dieter Vollmer, der in der Nazizeit »Führerschulungen« zum Thema Rassenpolitik gegeben hatte. Auch er war nach Argentinien geflohen und hatte sich dort mit Familie S. angefreundet.

Sowohl der im Jahr 1913 geborene Vollmer als auch der knapp 50 Jahre jüngere Wolf-Dieter S. schrieben Artikel für die Zeitschrift der rechtsextremen »Artgemeinschaft«. Beide hatten eine Faszination für sogenannte Sonnenscheiben, archäologische Funde von Sonnensymbolen, so geht es aus ihren Texten hervor.

1983 veröffentlichte Vollmer ein esoterisches Buch mit dem Titel Sonnenspiegel; Wolf-Dieter S. steuerte dafür Fotos bei. Auf dem Umschlag prangt das Bild einer Scheibe aus der Bronzezeit, in der Mitte: ein Sonnenrad mit fünf Spiralarmen. Es ist das spätere Symbol des Jungadlers.

Die ZEIT hat Wolf-Dieter S. per E-Mail gefragt, wie der Jungadler zu diesem Sonnenrad kam. Er hat nicht geantwortet. Dieter Vollmer kann man nicht mehr fragen: Er verstarb 2009.

Fest steht, dass der Jungadler Vollmer über die Jahre prominent würdigte, etwa auf dem Deckblatt des Wandkalenders 2020, auf dem aus einem von Vollmers Texten zitiert wird: »Unsere Aufgabe ist es, uns so zu erfüllen, wie Leben uns angelegt hat«, steht dort. »Unser Feind ist, wer uns daran hindern will.«

Wolf-Dieter S. zog Mitte der Neunzigerjahre nach Deutschland. Wann genau sich der Jungadler gründete, ist nicht sicher belegt. Aufzeichnungen eines Jugendlichen zufolge könnte er Ende 2011, zwei Jahre nach dem Verbot der HDJ, das erste Winterlager abgehalten und zu Pfingsten 2012 seine »Fahnen geweiht« haben, doch auch ein früheres Datum kursiert.

Heute führt Wolf-Dieter S. mit seiner Familie eine Schmiede am Rande eines niedersächsischen Moors. Er hat mittlerweile mehrere erwachsene Kinder, einige sollen Vollmer laut dessen Autobiografie noch persönlich kennengelernt haben.

Auf dem Anwesen steht ein Backsteingebäude mit rotem Dach und blau gepinselten Sprossenfenstern. An einem Märztag ist ein blondes Kleinkind vor dem Haus zu sehen, es trägt einen langen dunkelblauen Rock, genau wie die älteren Jungadler-Mädchen, wenn sie gemeinsam auf Fahrt gehen.

Das ist wohl kein Zufall. Familie S. scheint seit Jahren mit den Aktivitäten der Gruppe verwoben zu sein. Mehrere undatierte Fotos sollen das Anwesen der Familie zeigen. Einmal sitzen Mädchen vor einer Hütte, Bildüberschrift: »Materialpflege Nord«.

In Fotobüchern der Organisation ist auch das Innere einer Schmiedewerkstatt abgebildet. Man sieht, wie ein Kind der Familie W. aus Baden-Württemberg einen glühenden Metallstab bearbeitet. Ein Sohn von Wolf-Dieter S. hilft dabei. Heute soll er mit einer Frau aus dem Jungadler verheiratet sein, die mit auf der »Schlesiengroßfahrt« war.

Womöglich ließ Familie S. den Jungadler auch in ihren Räumlichkeiten feiern. Eine Aufnahme dokumentiert, wie junge Leute in Trachten in einer Holzhütte musizieren. Der Fußboden ist mit einem Kreis aus brennenden Teelichtern dekoriert, von der Decke hängen Fahnen.

Eine ist mit einem Adler bedruckt, die andere mit dem Jungadler-Sonnenrad. In einer Ecke des Raums erkennt man das Logo der Schmiede. Es sieht jenem des Jungadlers verblüffend ähnlich: ein Sonnenrad, bloß mit sieben Spiralarmen statt fünf.

Für eine geheime Organisation wäre die Schmiede ein perfekter Treffpunkt. Das Gelände ist abgeschieden, der Garten schwer einsehbar. Jenseits des Zufahrtswegs liegt eine Wiese, auf der man Zelte aufschlagen kann.

Einer der erwachsenen Söhne des Hausherrn Wolf-Dieter S. kommt an das Gartentor. Kennt er den Jungadler? Der junge Mann in Zimmermannshosen und rotem Karohemd bittet um Entschuldigung. In der Schmiede warte Kundschaft, sagt er freundlich, für ein Gespräch habe er leider keine Zeit.

Nächster Versuch, wenige Kilometer weiter, neben der Dorffeuerwehr. Dort lebt ein anderer Sohn von Wolf-Dieter S. Auch er lehnt ein Gespräch in ebenso tadelloser Höflichkeit ab, lässt allerdings erkennen, dass er von den Recherchen der ZEIT weiß. Aus den alten Geschichten seines Vaters halte er sich lieber heraus, sagt er.

Auf schriftliche Fragen der ZEIT zu den Jungadler-Verbindungen der Familie antworteten weder er noch sein Bruder noch sein Vater Wolf-Dieter S.
Der Bundestag

Da ist Familie W. in Baden-Württemberg, die den Nationalsozialismus weitergetragen hat, von der Wiking-Jugend zur HDJ, und deren Kinder später mutmaßlich zum Jungadler gingen. Da ist Familie S. in Niedersachsen, die das Vermächtnis des Nationalsozialisten Dieter Vollmer bewahrt haben soll – und dann mutmaßlich den Jungadler unterstützte.

Man kann im Jungadler eine Fortführung von etwas Altem vermuten, eine Nachfolgeorganisation einer Nachfolgeorganisation.

Aber es gibt bei dieser Organisation auch etwas, was weder bei der Wiking-Jugend noch bei der HDJ zu finden war. Es verbirgt sich unter der Glaskuppel des Reichstags in Berlin.

An einem Januarabend tritt dort der AfD-Abgeordnete Peter Felser, 56, im Plenarsaal ans Rednerpult. Die Bundesregierung will den Abschuss des Wolfs erleichtern. Felser, passionierter Hobbyjäger aus dem Allgäu, spricht als erster Abgeordneter: Die Gesetzesänderung sei überfällig, sagt er mit weichem süddeutschem Einschlag, er halte sie für einen »Schritt in die richtige Richtung«.

Als parlamentarischer Geschäftsführer hat Felser kürzlich die Personalverantwortung für die gesamte AfD-Fraktion übernommen. Er ist ein einflussreicher Stratege. Auf den ersten Blick möchte man ihn fast für jemanden halten, der die rechtsextreme Partei mäßigen könnte. Und doch sollen mehrere seiner Kinder bei Veranstaltungen unter der Sonnenrad-Fahne des Jungadlers mitgemacht haben.

Auf einem undatierten Gruppenfoto sieht man zum Beispiel drei Dutzend junge Menschen mit Jungadler-Fahnen auf einem kleinen Grashügel sitzen, darunter ein Kind Felsers. Die ZEIT hatte erstmals vergangenen Sommer darüber berichtet. Auf Fragen hatte ein Anwalt geantwortet, Felser habe nichts von der Teilnahme des Kindes gewusst, es sei zudem volljährig.

Was er nicht erwähnte: Auch eines seiner minderjährigen Kinder ist auf Fotos mit der Sonnenrad-Fahne zu sehen. Auf einem sitzt es mit anderen auf einem Felsen. Drei Personen aus dem Umfeld der Familie haben gegenüber der ZEIT angegeben, es sei das Kind Peter Felsers. Diesmal antworteten weder Felser noch sein Anwalt auf Fragen.

Auch Kinder eines weiteren AfD-Politikers sollen sich unter der Fahne versammelt haben: die von Laurens Nothdurft, Mitarbeiter der AfD-Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt und Ortsbürgermeister von Roßlau. Ähnlich wie Peter Felser tritt er öffentlich eher versöhnlich auf. Er gehe auf alle zu, sagte er kürzlich einem Regionalsender, verschiedenste Parteien kämen in Roßlau »wunderbar« miteinander aus. Es gebe weder Grabenkämpfe noch Brandmauern.

So moderat Nothdurft sich heute präsentiert, einst war er »zweiter Bundesführer« der HDJ, seine Frau wirkte zeitweise als »Bundesmädelführerin«. Eine seiner Töchter scheint beim Jungadler eine wichtige Rolle gespielt zu haben. Schon 2019 ging sie, noch minderjährig, mit auf »Schlesiengroßfahrt«, danach soll sie Dokumenten zufolge die »Führerschule« absolviert und selbst Fahrten organisiert haben.

Ende 2023 soll die Polizei schließlich ein Auto von Laurens Nothdurft auf einer Silvesterfeier in Baden-Württemberg bemerkt haben, bei der die Sonnenrad-Fahne im Wind flatterte. Fragen dazu und zur Beteiligung seiner Kinder am Jungadler beantwortete Nothdurft nicht. Auf frühere Fragen hatte ein Anwalt geantwortet, Nothdurft könne nach eigener Wahrnehmung ausschließen, dass seine Kinder an einer HDJ-Fortführung beteiligt waren.

Mittlerweile ist aus dem Umfeld des Jungadlers zu hören, dass es Konflikte über dessen Ausrichtung geben soll. Sie scheinen die Frage zu betreffen, wie sehr man am völkischen Erbe festhalten oder sich öffnen sollte. Einige Akteure des Jungadlers bemühen sich, dem Eindruck entgegenzuwirken, sie könnten unter anderem Namen womöglich die verbotene HDJ fortführen.

Sie sollen sich vom Rest der Organisation abgespalten und das Symbol des Sonnenrades und sogar den Namen Jungadler abgelegt haben. Nach ZEIT-Informationen scharen sie sich um einen Anführer ohne bekanntes HDJ-Elternhaus. Zu ihnen sollen auch Kinder von Laurens Nothdurft gehören. Ein Akteur aus diesem Lager schrieb der ZEIT, die Gruppe habe sich stark verändert.

Und dann ist da noch der Fall, der die Ermittlungen zum Jungadler überhaupt erst ins Rollen brachte: der eines Brandenburger Oberstaatsanwalts. Seine Ehefrau, selbst vor vielen Jahren im HDJ-Milieu aktiv, hatte ihn im Januar 2025 im Trennungsstreit angezeigt: Er unterstütze eine Gruppe namens »Jungadler«, die die HDJ fortführe.

Ermittler durchsuchten sein Haus und prüfen nun, ob seine Frau falsche Vorwürfe gegen ihn in Umlauf gebracht haben könnte, Belege für eine aktive Unterstützung des Jungadlers gibt es bislang nicht. Der Oberstaatsanwalt könnte aber von dem Jugendbund gewusst und geschwiegen haben. Mit Familie Nothdurft ist er eng verwandt. Auf Fragen dazu reagierte er nicht.

In einer Ausbildungsschrift der verbotenen HDJ findet sich das Gedicht Ackergrund des von den Nationalsozialisten gefeierten völkischen Schriftstellers Georg Stammler. Darin heißt es, man habe es in der Hand, »die stillen Knospen in der Volksrinde zu schützen, / oder zu zerstören, die aufbrechen können, / wenn die Stunde des Bedarfs für sie gekommen ist«.

Die HDJ, so kann man das Gedicht verstehen, sollte das Personal für einen neuen NS-Staat heranzüchten.

2020 zitierte auch der Jungadler zwei Strophen des Stammler-Gedichts in einem Wandkalender. Die Verbindungen zur AfD waren da schon eng: Vier Elternteile waren ZEIT-Recherchen zufolge damals in der Partei. Auch der Schmied Wolf-Dieter S. soll von 2017 an AfD-Mitglied gewesen sein, bevor er wieder austrat. Nachfragen dazu ließ er unbeantwortet.

Der Staat

Noch Anfang 2025 antwortete das Bundesamt für Verfassungsschutz der ZEIT auf Anfrage, eine Gruppe namens »Jungadler« sei dort nicht bekannt.

Es scheint, dass der Staat aus den Erfahrungen mit der Reichsjugend, der Wiking-Jugend und der HDJ wenig gelernt hat. Dabei, sagen Kenner der Szene, sei immer klar gewesen, dass nach dem Verbot einer Jugendorganisation die nächste gegründet werde. Die Indoktrinierten wurden erwachsen, bekamen eigene Kinder, schickten sie zu neuen Gruppen.

Die Verfassungsschutzbehörden aber hielten die Sache nach jedem Verbot offenbar für erledigt. Erschwerend kam hinzu, dass der Verfassungsschutz keine Daten von Kindern unter 14 Jahren speichern darf.

Die Rechtsextremisten dagegen lernten augenscheinlich aus den Verboten. Der Jungadler ist wohl auch durch sein besonders klandestines Vorgehen dem Blick entwischt. Die Jugendlichen verabredeten sich per Brief zum Wandern im Wald und schalteten dann ihr Handy aus, wohl damit der Verfassungsschutz sie nicht orten konnte.

Der Jungadler blieb so lange unentdeckt, dass seine Anfänge vielleicht schon zu sehr im Dunkeln liegen und die Behörden womöglich nicht mehr aufklären können, wer die Organisation wann gegründet hat.

Vielleicht wirkt die Szene auch deshalb nicht übermäßig eingeschüchtert von den Ermittlungen. Im vergangenen Sommer, ein halbes Jahr nach der Enttarnung des Jungadlers, gingen einige junge Leute wieder auf große Fahrt, diesmal offenbar nach Georgien und Armenien.

Fotos, die der ZEIT zugespielt wurden, zeigen Wanderer vor grasgrünen Bergketten. Ein Junge stakst barfuß durch einen schäumenden Bach und schultert dabei eine Gitarre. Einmal erkennt man auch die schwarze Fahne mit dem Sonnenrad. Sie ist an einen Rucksack geschnallt.

Und am Gründonnerstag dieses Jahres sieht man einen VW-Bus am Haus des AfD-Politikers Laurens Nothdurft vorfahren. In früheren Jahren endete an diesem Tag die Osterfahrt der Gruppe.

Ein paar junge Menschen steigen aus, darunter eine Tochter von Nothdurft in langem Rock und Wanderschuhen. Sie tragen Rucksäcke und eine Gitarre ins Haus, Laurens Nothdurft kommt heraus, um ihnen zu helfen. Man könnte sie für harmlose Pfadfinder halten.

Mitarbeit: Christian Fuchs, Johannes Grunert, Tilmann Steffen, Sascha Venohr