2. Mai – Internationaler Kampf- und Feiertag der Arbeitslosen: Wir haben Zeit! Gegen sinnlose Produkte! Gegen Lohnarbeit!
In Leipzig gab es wie in den letzten Jahren auch in Connewitz Aktivitäten zum 2. Mai. – Internationaler Kampf- und Feiertag der Arbeitslosen. Einen Tag vorher sogar eine längere Veranstaltung im Conne Island mit dem Titel „JOBCENTER-OLYMPIADE“ (https://conne-island.de/termin/2026-05-01.html).
Alles jedoch nichts im Vergleich zur traditionellen Demonstration in Berlin Prenzlauer Berg:
Über 300 Gegner:innen der Lohnabhängigkeit folgten am Kampf- und Feiertag der Arbeitslosen in Berlin tanzend den kämpferischen Reden.
Aufruf:
„Wir gehen auf die Straße um gegen den Zwang zur Lohnarbeit zu protestieren. Wir wenden uns gegen die Spaltung in Arbeitende und Arbeitslose, Arbeitswillige und Arbeitsscheue, Einheimische und Zugewanderte. Jeder Mensch ist ein wertvolles Mitglied unserer Gesellschaft. Lasst euch nicht gegeneinander aufhetzen. Es gibt nicht zu wenig von allem, es ist nur ungerecht verteilt. Wir haben Zeit! Gegen sinnlose Produkte! Gegen Lohnarbeit! Kommt alle, denn es ist traditionell die lustigste und beste Demo des Jahres. Weil es samstags ist, können diesmal auch die Arbeitenden dabei sein. Wir sehen uns dort!…“ (https://bastaberlin.de/artikel/2cf2724c-c64f-4d68-9947-b2ece671eed3)
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Drei Reden aus Berlin vom 2. Mai:
Unser Redebeitrag 1 (von 2) zum Kampf- und Feiertag der Arbeitslosen
Basta vom 4.5.2026
Bärbel Bas, SPD Frau an der Spitze des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, setzt sie sich für die Belange der Arbeitenden ein und engagiert sich für den Erhalt von Tarifverträgen. Für arbeitslose Arbeiter*innen oder Arbeiter*innen, wie jenen Abertausenden aus Ost- und Südosteuropa, die auf dem Bau, in Schlachthöfen, als Reinigungskräfte oder Paketbot*innen für Subunternehmen von Onlineriesen schuften, scheint sie sich dagegen nicht engagieren zu wollen.
Statt beispielsweise zu erklären, wie sie Migrant*innen dabei unterstützen will, ihnen vorenthaltenen Löhne zu erhalten, kündigte Bas – mit antiziganistischem Unterton – an, »mafiöse Strukturen« beim Bürgergeldbezug zerschlagen zu wollen.
Dabei gäbe es tatsächlich »mafiöse Strukturen«, die es zu zerschlagen gälte: Berliner Baustellen zum Beispiel sind berühmt dafür, ihre (oft osteuropäischen) Arbeiter extrem auszubeuten. Opfer der mafiösen Baumafia besser vor kriminellen Unternehmen zu schützen, kann Bärbel Bas aber kaum im Sinn haben, wenn zugleich eine »Entlastung von Berichtspflichten« für Firmen verhandelt wird.
Ein Blick zurück: Über die immense Bedeutung des Progroms im Jahr 1992 von Rostock Lichtenhagen für den Rassismus des wiedervereinten Deutschlands sind wir uns hoffentlich einig. Das jene Ausschreitungen jedoch vor allem das Ergebnis der antiziganistischen Gerüchte und Ressentiments waren, mit denen Politik und Medien bereits 1990 gegen damals noch asylsuchenden Rumän*innen hetzten und die Debatte über den „Asylkompromiss“ befeuerten, wird oft übersehen.
Bärbel Bas knüpft heute an diese antiziganistischen Gerüchte an ohne das es einen Aufschrei gäbe, auch nicht in der gesellschaftlichen Linken. Sie kann trotz einer geltenden EU-Freizügigkeit auch für Bulgaren und Rumäninnen über eine vermeintliche „Einwanderung in die Sozialsysteme“, von „bandenmäßigem Betrug“ und von „Sozialschmarotzern“ schwadronieren, ohne das ihr wiedersprochen wird.
Der Antiziganismus erklärt immigrierende Roma zur Gefahr für Sicherheit und Ordnung.
Es wird laut überlegt Rücknahmeabkommen mit den osteuropäischen Herkunftsländern abzuschließen. Das wiederspricht zwar dem Freizügigkeitsrecht Europas, aber egal. Deshalb kann die Arbeits- und Sozialministerkonferenz im November 2025 in München ohne Widerspruch überlegen, wie eine Abschiebung (sie nennen das zynisch „geordnete, freiwillige Rückkehr in Osteuropäische Herkunftsländer“) zu bewerkstelligen sei. Bis dahin werden von Jobcentern wohl bundesweit Arbeitsverträge von Personen aus Osteuropa ob ihres tatsächlichen Bestehens angezweifelt oder auch rechtswidrig behauptet aufstocken mit Grundsicherung ginge erst ab einem 20-stüngen Arbeitsvertrages, ein Beispiel dafür ist das JC Stuttgart.
Bis Ende 2026 gibt es für alle Grundsicherungsbeziehenden keine Anpassung an die Lebenshaltungskosten, Inflation hin oder her. Eine 100% Sanktion, also der Entzug der kompletten Lebensgrundlage ist seit April 2026 wieder möglich. Die Deckelung der Miethöhe wird wohl einige mehr in die Obdachlosigkeit zwingen. Schon vereinbart ist hingegen die Verlängerung der Zusammenarbeit zwischen Bundeswehr und Bundesagentur für Arbeit. Man will gemeinsam Jugendliche für den Beruf des Soldaten aktivieren. Unserer Einschätzung nach sollte es als Lehre aus der Geschichte weder Militär noch Rüstungsindustrie in der Bundesrebublik geben.
Politiker*innen wie Bärbel Bas, Sahra Wagenknecht, Karsten Linnemann und Alice Weidel zeigen und befördern eine brutale Gleichgültigkeit gegenüber der Verelendung und Armut von Migrant*innen, alleinerziehenden Frauen, Kinder und Jugendlichen, sowie erkrankten Personen. Auch bei der Verächtlichmachung der Armen gehen bürgerliche Parteien sowie die SPD Hand in Hand mit der AFD, nicht nur beim Thema Migration. Es ist die Mitte der Gesellschaft, die gewaltätig und gleichgültig ist.
Erwerbsloseninitiative Basta!
Unser Redebeitrag 2 (von 2) zum Kampf- und Feiertag der Arbeitslosen
Basta vom 4.5.2026
Hi, ich bin von BASTA, der Erwerbsloseninitiative und auch wir haben eine Meinung zur Lohnarbeit: Arbeit ist scheiße!
Wir alle wissen, durch das Arbeiten wird niemand reich, nur durch Erben wird man reich. Aber was erben unsere Kinder von uns? „Wir haben die Erde nur von unseren Kindern geliehen“ heißt es ja und jetzt übergeben wir den Kindern diesen Planeten, der nicht mehr ist, als ein vergifteter, abgebrannter Haufen Scheiße!
„Macht euch die Erde untertan“ steht in der Bibel und das hat der Mensch dann auch gemacht und die Erde ausgebeutet. Durch Lohnarbeit. Erst durch einfache körperliche Arbeit und später dann mit maschineller Unterstützung. Bis dann in der industriellen Revolution die Ausbeutung der Erde durch Arbeit industrielle Züge annahm. Die protestantische Arbeitsethik unterstütze und forcierte das Ganze. Immer effektiver und rationeller. Immer schneller! Immer schneller! Ohne Rücksicht auf Verluste. Die Menschen haben den Planeten wörtlich kaputt-gearbeitet.
Das ist ein Grund mehr, warum wir gegen Lohnarbeit sind. Nicht nur weil wir Bequemlichkeit und Faulheit lieben, sondern auch weil Lohnarbeit eben nicht nur einzelne Menschen kaputt macht und deren Leben zerstört, sondern weil Arbeit die Gesellschaft und die ganze Erde zerstört. Ob Ölförderung, Fracking, die Förderung seltene Erden, Abholzung der letzten Urwälder, oder Monokulturen und intensive Landwirtschaft, ob Weichmacher, Ewigkeitschemikalien oder Serverfarmen, Batteriefabriken, sie alle verbrauchen sauberes Trinkwasser und produzieren CO2, sie machen die ganze Umwelt kaputt.
Dann gibt es noch diese Jobs: Menschen bombardieren, auf Menschen schießen, Gefangene beaufsichtigen, Hilfesuchende an der Grenze zurückschieben, Menschen abschieben, Menschen verwalten, Racial Profiling machen, in den Öffies rum-mackern, Jugendliche im Park auf die Nerven gehen. Alle diese Tätigkeiten sind als angeblich sinnvolle Arbeit anerkannt und es gibt Geld für sie. Aber sie machen die Gesellschaft mehr kaputt als das sie helfen.
Was wir als Basta! und viele Andere machen: Sozialberatung, Gegenseitige Hilfe, Care-Arbeit, das gibt kein Geld, das wird nicht entlohnt. Wir schaffen eben nicht den berühmten Mehrwert, sondern unsere Solidarität ist dem System noch ein Dorn im Auge, wie man an unserer Razzia ja sehen kann. (https://bastaberlin.de/artikel/ed1bcd12-178e-424b-aee4-a5691e3ecca9)
Lohnarbeit hat die Erde dahin gebracht hat, wo wir jetzt sind. An den Rande des Abgrunds, aber mit einem Bein schon drinnen und immer fröhlich weiter.
Wenn wir unter Lohnarbeit alles zusammenfassen, was der Mensch der Erde aus Profitstreben angetan hat, kann man sagen:
Lohnarbeit hat den Planeten zerstört! Und Lohnarbeit zerstört die Gesellschaft! Und Lohnarbeit zerstört die einzelnen Menschen! Arbeit ist Übel. Arbeit ist Leid. Arbeit richtet die Menschen physisch und psychisch zugrunde.
Ich sehe es als unsere Pflicht als Menschen, Lohnarbeit abzulehnen und gegen sie zu kämpfen! Deswegen sind wir heute hier zusammen auf der Straße, um gemeinsam zu sagen: Lohnarbeit ist Scheiße, besser geht es ohne sie!
Redebeitrag von PunkNotWar
Basta vom 5.5.2026
PunkNotWar – Redebeitrag auf der Demo zum Tag der Arbeitslosen am 2. Mai 2026 in Berlin
Stellt euch mal vor, ihr müsstet – mal wieder – zum Jobcenter, weil die einfach nicht einsehen wollen, dass nicht alle Menschen Bock darauf haben, früh morgens aufzustehen, den ganzen Tag irgendeinen quatsch zu machen, nur um ein Dach über dem Kopf und genug zu Essen haben. Weil für viel mehr reicht die Kohle von den Bullshit-Jobs, die sie euch da anzubieten haben, ja eh nicht. Stellt euch das mal vor!
Und dann stellt euch vor, ihr kommt zum Jobcenter, hängt da rum, bis eure Sachbearbeiter*in damit fertig ist, die Leute vor euch zu gängeln und zu drangsalieren, bis nur noch das Häuflein Elend von ihnen übrig ist, das sie in den Augen eurer Sachbearbeiterin auch sind. Stellt euch das mal vor!
Und dann stellt euch vor, ihr wärt an der Reihe, geht zu eurer Sachbearbeiter*in, wünscht ihr einen schönen Guten Tag, fangt dann an zu lächeln und stellt euren Gehörgang auf Durchzug. Aber auf einmal werdet ihr dann doch hellhörig: Eure Sachbearbeiter*in hat euch doch gerade tatsächlich eine Karriere als Kanonenfutter vorgeschlagen. Bei der Bundeswehr. Stellt euch das mal vor!
Wie das kommt, das müsst ihr euch nicht vorstellen. Denn ihr wisst genau, dass dieser schießwütige Trachtenverein gerade massiv auf der Suche nach neuem Kanonenfutter ist. Dafür haben sie sogar die seit 2011 ausgesetzte Wehrpflicht faktisch wieder eingesetzt. Sie haben nämlich festgestellt, dass nur die Doofsten der Doofen doof genug sind, sich freiwillig in das militärische System aus bedingungslosem Befehl und Gehorsam einzugliedern. Diese Leute denken auch noch, für beschissene Ideen wie Volk und Vaterland zu morden und zu sterben, wäre eine gute Sache. Stellt euch das mal vor!
Das ist aber jenseits eurer Vorstellungskraft. Ihr seid ja auch nicht doof! Ihr seid gegen jeden Krieg und gegen jedes Militär. Ihr wisst genau, dass jeder Krieg nur für irgendwelche beschissenen Ideen wie Nation und „Rasse“, wegen geopolitischem Machtgeschiebe oder aus wirtschaftlichen Interessen geführt wird. Darauf habt ihr aber genauso wenig Bock, wie in irgendwelchen Bullshit-Jobs ökonomisch verwertet zu werden.
Stellt euch deshalb einfach vor, ihr würdet tatsächlich im Jobcenter sitzen, eure Sachbearbeiterin würde euch eine Karriere als Kanonenfutter vorschlagen und ihr würdet einfach sagen:
Foxtrott Tango Alpha
Dann wird euch diese phantasielose Kreatur wahrscheinlich fragend mit großen Augen angucken. Weil ihr ja nicht so seid, würdet ihr ihr etwas auf die Sprünge helfen und sagen:
What the fuck haben wir damit zu tun,
wenn die scheiß Weltordnung zusammenbricht
und sie medial wie die letzten rechten Nattern
schon von der Neuen Weltordnung schnattern
Das Militär soll Garant einer neuen Ordnung sein
vielleicht wird das Militärische sogar selbst die neue Ordnung sein
so sieht es zumindest gerade aus
und von allen Seiten kommt dafür
sogar noch viel Applaus.
Unsere Antwort darauf ist einfach nur:
Foxtrot Tango Alfa
F.T.A.
Fuck the Army
Fuck the Army
and life will be magic
if we start to break free
from those fucking wars
and this shitfucking military
Und weil – während ihr ihr das sagt – ihre Augen größer geworden sind und ihr Mund vor Staunen sperrangelweit offensteht, gebt ihr ihr zum Schluss noch einen Tipp:
Mach es wie wir
Mach es dir leicht
Scheiß’ auf den shit
Mach einfach nicht mit
Wir sind jetzt schon viele
Und wir werden noch mehr
Mit uns keinen Krieg
Mit uns kein Militär