Leipzig: Grimbart Studio – Die KI-Propagandamaschine der Neuen Rechten

Das „Grimbart Studio“ ist ein Unterprojekt von Tannwald Media

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Das KI-Filmprojekt „Grimbart Studio“ will mit nationalistischen und geschichtsrevisionistischen Erzählungen ein junges Publikum erreichen. Dahinter steckt der Rechtsextreme Alexander „Malenki“ Kleine, verantwortlich für mehrere KI-Projekte und von der AfD unterstützt.

„Diese Stadt hat Bombenterror, Feuer und Besatzung ertragen“, erzählt eine Stimme emotional über die alliierten Bombenangriffe auf Dresden 1945. Das Kurzvideo stammt vom neurechten Comic- und Animationsprojekt „Grimbart Studio“. Verantwortlich für die Inhalte ist der szenebekannte Rechtsextremist Alexander Kleine mit seinem Unternehmen „Tannwald Media UG“.

Kleine war bis vor einigen Jahren eines der prominentesten Gesichter der Identitären Bewegung und ist mittlerweile federführend bei mehreren neurechten Medienprojekten. Der ehemalige YouTuber zählt zu den Schlüsselfiguren neurechter digitaler Strategien. Seine alternativen Geschichtserzählungen sollen jetzt auch an Bildungseinrichtungen verteilt werden und so ein junges Publikum erreichen.

Das KI-Video über Dresden erzählt im Anime-Stil die Geschichte eines Mädchens, das – geflüchtet aus den deutschen Ostgebieten – die Bombardierung Dresdens miterlebt: „Es war so grausam, dass selbst die Engel weinten“, heißt es im Video. 250.000 Zivilist*innen seien während der Bombardierungen Dresdens getötet worden. Eine Propagandazahl des NS-Regimes, die längst auf etwa 25 000 Tote korrigiert wurde, aber seit Jahrzehnten auf Neonazidemos und in geschichtsrevisionistischen Opfererzählungen kursiert.

Geschenkt von der AfD: Comics für den Schulhof

„Grimbart Studio“ hat das Video – zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Textes über 125.000 Aufrufe und 6000 Likes – auf Instagram gemeinsam mit Sebastian Münzenmaier, dem stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der AfD im Bundestag, hochgeladen. In den Kommentaren fast ausschließlich Zuspruch: Ein Profil spricht vom „Völkermord an den Deutschen“.

Das Studio möchte seine Alternativbildung nicht nur mit Kurzfilmen, sondern auch mit Comics verbreiten. Ein Comic heißt „1813 – Eine Nation erwacht“, ein anderer handelt vom „Eisernen Kanzler Bismarck“.

Auf Instagram veröffentlicht das Studio Videos zur „Lügenpresse“, „Antifa“ oder zu Albert Leo Schlageter – einem Soldaten im Ersten Weltkrieg, der Angehöriger verschiedener Freikorps und Mitglied der NSDAP war. Ein Beitrag über Katharina die Große, erschienen in Kooperation mit dem rechtsextremen Magazin „Compact“, betont vor allem ihre „preußischen Tugenden“.

Viele KI-Videos werden aus der Ich-Perspektive der jeweiligen historischen Person erzählt und sollen mit zugänglicher Sprache und Animation im Stil japanischer Animes ein gezielt junges Publikum ansprechen.

Auf der Website bestätigt „Grimbart Studio“ dann auch Schulen, Bibliotheken sowie anderen Bildungseinrichtungen vergünstigte Konditionen für die pseudopädagogischen Comics anzubieten. Inzwischen verkauft Kleines Studio sogar ein Malbuch mit „Schlachten und Abenteuern“ der deutschen Geschichte.

Auch ein Comic zu Bismarck eigne sich bestens für junge Leser*innen, wie es in der Beschreibung heißt. Bismarck stünde wie kaum ein anderer für „deutsche Vernunft, Ordnungsmacht und den Willen zur Form“.

Wie das junge Publikum in der Praxis erreicht werden soll, zeigt ein Vertreter der AfD: Christoph Grimm, Abgeordneter für die AfD im Bundestag, kündigte im Februar dieses Jahres an, Comics von „Grimbart Studio“ an Grundschulen und Kindergärten zu verteilen.

Die Bücher sollen in seinem Wahlkreis etwa an Grundschulen in Ludwigslust-Parchim und Nordwestmecklenburg versendet worden sein. Nach der Ankündigung gab es deutliche Kritik, insbesondere von der Bildungsministerin Mecklenburg-Vorpommerns, Simone Oldenburg. Sie spricht von einer „besonders perfiden“ Indoktrinierung junger Schüler*innen mit extremistischen Propagandaerzählungen.

In der Vergangenheit warben weitere AfD-Politiker*innen für „Grimbart Studios“, darunter Matthias Helferich, der sich selbst als „freundliches Gesicht des NS“ bezeichnete, und der Brandenburger Landtagsabgeordnete Fabian Jank, ehemaliger Aktivist der völkischen „Identitären Bewegung“.

Der KI-Stratege für die AfD

Die Nähe des KI-Studios zur AfD ist kein Zufall. Erst zur vergangenen Bundestagswahl soll die AfD Inhaber Alexander Kleines „Tannwald Media UG“ beauftragt haben, ihren Wahlkampf mit KI-Inhalten zu unterstützen. Zuvor initiierte der rechtsextreme Aktivist bereits mehrere Medienprojekte, darunter YouTube-Formate wie „Laut gedacht“, einen Podcast und verschiedene Social-Media-Kanäle. Heute ist der IB-Kader verantwortlich für verschiedene KI-Projekte.

Dazu zählt auch die berüchtigte rechtsextreme Memeseite „Wilhelm Kachel“. Unter dem Pseudonym postet die „Tannwald Media UG“ KI-Stickermotive, die etwa zu „Remigration“ aufrufen, oder LGBTQ-Aktivismus als „Pädo-Propaganda“ bezeichnen. Die Sticker lassen sich neben passender Szenekleidung und rechtsextremen Büchern etwa auf „Patria Laden“ bestellen.

Der Shop wird vom Identitären und Ex-NPD-Politiker Torsten Görke betrieben. Zu haben ist dort auch offizielles Merchandise der AfD. Eine Website mit demselben Namen wirbt damit, der offizielle Materialversand der ehemaligen Jugendorganisation der AfD zu sein, und verlinkt heute auf ihren neuen Shop, den von Görke.

Alexander Kleines Projekte zeigen exemplarisch, wie sich Rechtsextreme neue Technologien zunutze machen, um ihre Ideologien zeitgemäß zu verbreiten. Sticker-Motive, Animationen und Grafiken lassen sich mithilfe von künstlicher Intelligenz in Sekundenschnelle erstellen.

Dabei werden geschichtsrevisionistische Narrative und rechtsextreme Denkmuster in niedrigschwellige Formate wie kurze TikTok-Videos oder Sticker verpackt. Die AfD hilft fleißig dabei, die Projekte zu vermarkten – und das trotz Unvereinbarkeitsschluss zur Identitären Bewegung.