Autistici/Inventati: USA sanktionieren italienisches Internetkollektiv

Die USA setzen ihren Kampf gegen linke zivilgesellschaftliche Projekte in Europa fort. Nun hat es das bekannte Internetkollektiv Autistici/Inventati getroffen. Das wehrt sich gegen die Vorwürfe und Sanktionen.

Die US-Regierung hat am Mittwoch das bekannte linke italienische Internetkollektiv Autistici/Inventati mit Sanktionen belegt und als „Globale Terroristen“ eingestuft. Das Amt zur Kontrolle von Auslandsvermögen (OFAC) behauptet, dass es mit der Maßnahme „der wachsenden Bedrohung durch gewalttätige linksradikale Terrorgruppen“ entgegenwirken würde. Auch US-Außenminister Marco Rubio äußerte sich.

Die Trump-Regierung setzt die Maßnahme zudem in Zusammenhang mit Maßnahmen gegen „die Antifa“, die sie im November 2025 ergriffen hatte. Sie begründet die Sanktionen damit, dass das Kollektiv angeblich „spezielle digitale Architektur, Tools und Dienstleistungen für Antifa-Zellen und andere gewalttätige linksradikale Extremisten bereitstellt“. Die Regierung sagt in ihrer Mitteilung, dass angeblich auch die Arbeiterpartei Kurdistans die Dienste des Kollektivs genutzt habe, die mit der Erdogan-Regierung verhandelt und ihre Auflösung verkündet hat.
USA gegen „die Antifa“

Die US-Regierung behauptet, ohne Beweise vorzulegen, dass das Internetkollektiv eine terroristische Handlung wesentlich gefördert oder finanziell, materiell oder technologisch unterstützt habe bzw. Waren und Dienstleistungen für eine solche Handlung oder zu deren Unterstützung bereitgestellt habe. Die Trump-Regierung bedient sich rechtlich bei einer Verordnung von George W. Bush nach denn Terroranschlägen am 11. September 2001.

Das Kollektiv weist in einer Erklärung alle Vorwürfe zurück:

„Wir weisen alle in den Erklärungen enthaltenen Vorwürfe zurück und bekräftigen gleichzeitig nachdrücklich unser Engagement, eine Plattform mit Werkzeugen zur digitalen Selbstverteidigung bereitzustellen, die dem Bedürfnis nach freier Kommunikation von Aktivisten sowie anderen Einzelpersonen, Gruppen und Vereinigungen gerecht wird.

Wir werden nicht nachgeben. Wir werden weiterhin das tun, was wir all die Jahre getan haben. Und wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um den falschen Anschuldigungen einer politisch verzweifelten Regierung entgegenzuwirken. Deren einzige Absicht besteht darin, die Aufmerksamkeit der Menschen und der Medien von ihrer eigenen Gewalt und Kriegstreiberei abzulenken.

Antifaschismus und Antikapitalismus sind kein Terrorismus. Protestieren ist kein Terrorismus. Und jeder hat das Recht, seine Meinung zu äußern und für die Menschlichkeit zu kämpfen.“

Autistici/Inventati existiert seit dem Jahr 2001. Das Kollektiv wurde im Umfeld des G8-Gipfels in Genua gegründet. Den Namen „Autistici“ entnahmen die Aktivist:innen der ironischen Selbstbezeichnung, quasi autistisch auf einen Bildschirm fixiert zu sein. „Inventati“ bedeutet, je nachdem wie ein Akzent gesetzt wird, entweder „sich selbst erfinden“ oder „die Erfundenen“.

Bekannt ist das Kollektiv unter anderem für die Blogplattform NoBlogs.org, die auch in Deutschland rege genutzt wird und auf der tausende Blogs gehostet sind. Das Kollektiv von Ehrenamtlichen stellt sozialen Bewegungen seit Jahren unentgeltlich Mailadressen, Instant Messenger und selbstverwaltete Infrastruktur abseits von großen Plattformen und Unternehmen zur Verfügung. Laut Informationen des ND hostet das Kollektiv 1500 Webseiten.

Mögliche Probleme mit Spendenkonten

Autistici/Inventati finanziert sich ausschließlich über Spenden. Hier könnten Sanktionen greifen und dem Kollektiv die Finanzierung schwer machen, wenn Banken und Zahlungsdienstleister aus Angst vor US-Sanktionen Konten kündigen.

Es ist nicht das erste Mal, dass politisch-motivierte Sanktionen der rechtsradikalen US-Regierung Folgen für zivilgesellschaftliche Organisationen in Europa haben.

Zuletzt waren der deutschen Rote Hilfe ihre Konten bei GLS Bank und Sparkasse gekündigt worden. Die Sparkasse bestätigte einen Zusammenhang mit den US-Sanktionen. Die Rote Hilfe konnte nur durch Proteste und Gerichtsverfahren den Zugang zu ihren Konten wiedererlangen.

Die US-Regierung belegte zudem Ende 2025 die Organisation HateAid mit Sanktionen und begründete dies mit angeblicher Zensur.

Update 16:30 Uhr:

In einer längeren Erklärung schreibt das Medienkollektiv Sabotmedia, was nun passieren könnte. Autistici/Inventati hat den Text auf seinem Blog gecrosspostet:

Nun sei der Stichtag des 25. Septembers entscheidend. Denn ab diesem Tag gelten die Sanktionen vollends. Ab diesem Zeitpunkt sei mit dem Verlust von Bankkonten und Zahlungsabwicklung, Hosting, Cloud-Infrastruktur und Upstream-Netzwerkdienste, Domain-Registrierung, Zertifikate usw. zu rechnen – auch wenn nicht alle, die mit dem Kollektiv Geschäftsbeziehungen haben, gesetzlich verpflichtet sind, zu reagieren.

Weiter heißt es, dass sich die Einstufung zwar gegen das Kollektiv an sich richte, doch die Maßnahme Auswirkungen für alle haben wird, die die Infrastruktur nutzen:

„Die Infrastruktur von A/I wird von Schriftstellern, Organisatoren, Forscher:innen, Künstler:innen, Publikationen von Bewegungen und Menschen genutzt, die sich gerade deshalb dafür entschieden haben, weil kommerzielle Plattformen unsicher, politisch feindselig oder darauf ausgelegt waren, ihre Daten abzugreifen. Diese Nutzer werden nicht automatisch sanktioniert, nur weil sie eine A/I‑Adresse haben oder auf Noblogs veröffentlichen. Sobald jedoch der Anbieter selbst auf eine Terrorismus-Blacklist gesetzt wird, kann eine gewöhnliche Verbindung zu einem Risikosignal werden.“

Mehr als nur das Kollektiv betroffen

Sabotmedia warnt in diesem Sinne vor einem „Kreis der Angst“, der sich auf alle Nutzer:innen der Services auswirken könnte. Das umfassendere Ziel der Maßnahme sei die Community rund um die Server des Kollektivs und soziale Bewegungen insgesamt, indem unabhängige, zensurfreie, nicht-kommerzielle Infrastrukturen, die auch kontroverse Inhalte und Gruppen hosten, unter Druck gesetzt werden.

Im Text heißt es weiter:

„Nutzer:innen könnten von vertrauenswürdiger Infrastruktur der Bewegung zu kommerziellen Systemen abwandern, die leichter zu überwachen, per Vorladung zu erzwingen und zu kartieren sind. Der Staat gewinnt an Einfluss, selbst wenn er keine Klartextdaten von den verschlüsselten Festplatten von A/I erhält: Menschen isolieren sich voneinander, Anbieter sammeln mehr Informationen, und die sozialen Beziehungen rund um regimekritisches Engagement lassen sich leichter beobachten.“

Die Struktur der Maßnahme der USA sei erkennbar. Sie ersetze eine eng gefasste Anschuldigung gegen identifizierbares Verhalten durch eine pauschale Sanktion gegen die Infrastruktur; verlagere die Durchsetzung vom Gerichtssaal in ein globales Netz vorsichtiger Institutionen; und mache die Ungewissheit selbst zu einem Instrument der Kontrolle. Das unmittelbare Ziel möge darin bestehen, A/I außer Gefecht zu setzen. Die weiterreichende Wirkung bestehe aber darin, jeden zu warnen, der Kommunikationswege außerhalb der Kontrolle von Unternehmen und Staat aufbaue, dass der Schutz, den diese bieten, als Beweismittel gegen sie umgedeutet werden könne.

Solidarität jetzt wichtig

Weiter heißt es im Text, dass das Kollektiv zwar die technischen Infrastrukturen vermutlich retten könne und für dies gut gerüstet sei. Die Maßnahme ziele aber nicht auf die technische Infrastruktur, sondern das Gefüge rund um diese. Genannt werden dabei Finanzierung, Spenden, Verträge mit Rechenzentren, usw. Es komme deswegen darauf an, dass es Solidarität mit dem Projekt gebe. Der 25. September sei kein Stichtag für Schweigen, heißt es weiter:

„Unabhängige Berichterstattung, Kritik, Protest, Aufklärung und politisches Engagement bleiben möglich. Die Menschen können die Geschichte von A/I erzählen, die Behauptungen der Regierung hinterfragen und anfechten, Journalist:innen und Bürgerrechtsorganisationen kontaktieren, öffentlich zugängliche Materialien sichern und sich unabhängig gegen die Kriminalisierung widerständiger Kommunikationsinfrastruktur organisieren.“

Dennoch würde es ab dem 25. September schwieriger das Kollektiv offen und direkt zu unterstützen. In einem Kapitel „Was Unterstützer vor dem 25. September tun können“ ruft das Kollektiv auf, die Geschichte des Kollektivs zu erzählen und die Darstellung der US-Regierung zu kontern, was mit der Maßnahme wirklich angegriffen wurde. Weiter heißt es in dem Solidaritätsaufruf von Sabotmedia, den wir an dieser Stelle in voller Länge dokumentieren (automatische Übersetzung):

„Bildet eine öffentliche Verteidigungskoalition. Bittet unabhängige Serverkollektive, Organisationen für digitale Rechte, Hacklabs, Freie-Software-Projekte, radikale Bibliotheken, unabhängige Verlage, Journalisten, Rechtsanwälte, Forscher und ehemalige Nutzer, öffentlich Stellung zu nehmen. Sichert das Archiv. Server können beschlagnahmt werden. Domains können gesperrt werden. Hosting-Anbieter können in Panik geraten. Sichert öffentlich zugängliche und historisch wertvolle Noblogs-Beiträge sowie die Manifeste, technischen Dokumente, Rechtsunterlagen und die Bewegungsgeschichte von A/I. Erfasst Quell-URLs, Urheberschaft, Veröffentlichungsdaten und Abrufdaten. Respektiert Datenschutz, Urheberrecht und Löschanträge. Greift nicht auf private Konten zu und umgeht keine Sicherheitsvorkehrungen. Persönliche Archivierung, Forschungsarchivierung und gewöhnlicher Journalismus sind nicht dasselbe wie der öffentliche Betrieb einer Ersatzinfrastruktur; wer einen öffentlichen Mirror in Betracht zieht, sollte zunächst qualifizierten Rat einholen.

Dokumentiert übermäßige Compliance. Erfasst Unternehmen, Banken, Registrare, Plattformen und Institutionen, die Dienste einstellen oder Material entfernen. Bewahrt Mitteilungen und Korrespondenz auf. Die öffentlichen Aufzeichnungen sollten zeigen, wie weit die Einstufung über ihren formalen Wortlaut hinausgeht. Fordert Antworten. Fragt Digitalrechtsgruppen, europäische Institutionen und Amtsträger, ob sie zulassen werden, dass amerikanische Sanktionen ein italienisches Kommunikationskollektiv zerschlagen. Fragt, welcher Schutz für europäische Infrastruktur, Nutzer und Archive besteht. Organisiert Euch unabhängig. Führt öffentliche Diskussionen über autonome Infrastruktur, Sanktionen, Überwachung und das Gesetz zur materiellen Unterstützung. Veröffentlicht Erklärungen. Vermittelt Kenntnisse über Verschlüsselung. Unterstützt unabhängige Bürgerrechtsarbeit, die sich gegen weitreichende Terrorismus-Einstufungen wendet. Bereitet rechtmäßige materielle Unterstützung vor. A/I hat sich in der Vergangenheit durch freiwillige Spenden finanziert, doch US-amerikanische Unterstützer sollten während der Gültigkeit der Einstufung ohne klare Genehmigung kein Geld senden oder umleiten. Organisationen für digitale Rechte und Rechtshilfe können eigenständig rechtmäßige Unterstützungsmechanismen, Lizenzierungen und mögliche Verfahren zur Aufhebung der Einstufung prüfen.

Hört euch die öffentliche Stellungnahme von A/I aufmerksam an und achtet dabei darauf, dass die Interessenvertretung rechtlich unabhängig bleibt. Die Erklärung des Kollektivs sollte darüber Aufschluss geben, wie seine Geschichte und die Umstände beschrieben werden. Jede koordinierte Kampagne, jeder Fundraising-Kanal oder jede direkte Dienstleistung erfordert eine gesonderte rechtliche Prüfung. Das unmittelbare Ziel ist es, ein stilles Verschwinden von A/I unmöglich zu machen.

Das Netzwerk namens Solidarität

A/I hat Konzerne überstanden, die Zensur forderten, sowie verdeckten polizeilichen Zugriff, beschlagnahmte Festplatten, feindselige Provider, Angriffe aus dem Parlament und internationale Ermittlungen. Der Fall Trenitalia führte zu Spiegelservern und einem juristischen Sieg. Der Aruba-Hack führte zu „Plan R*“. Die Zensur durch Provider führte zu Redundanz.

Die Beschlagnahmung in Norwegen zeigte, dass sich das Netzwerk innerhalb von Stunden wieder erholen konnte. Jeder Versuch, das Kollektiv zu isolieren, verbreitete Wissen darüber, wie Zensur und Überwachung funktionieren. Jeder Angriff wurde zu einer Gelegenheit, mehr Menschen beizubringen, wie sie sich gegenseitig schützen können. Die Vereinigten Staaten haben diese Geschichte nun in einen globalen Test verwandelt. Auf dem Spiel steht nicht nur das Überleben eines italienischen Hacker-Kollektivs. Es geht darum, ob die Aufrechterhaltung einer Infrastruktur für radikale Bewegungen an sich schon als Terrorismus behandelt werden kann; ob Privatsphäre als Verschleierung neu definiert werden kann; ob die Weigerung, identifizierende Informationen zu sammeln, als Behinderung dargestellt werden kann; und ob ein Provider politisch und rechtlich für jeden Text, jede Taktik und jede Behauptung verantwortlich gemacht werden kann, die über seine Maschinen übertragen werden.

A/I hat sich 25 Jahre lang auf den Tag vorbereitet, an dem ein Server verschwindet. Es weiß, wie man eine Maschine ersetzt, einen Dienst verlagert, verschlüsselte Daten wiederherstellt und den Betrieb fortsetzt, nachdem Polizei oder Provider den Stecker gezogen haben. Die Vereinigten Staaten versuchen etwas anderes. Sie versuchen, Banken, Hosts, Registrare, Infrastrukturanbieter und Unterstützer auf der ganzen Welt einzuschüchtern, damit sie das Kollektiv im Stich lassen. Ob das gelingt, wird zum Teil von der Architektur von A/I abhängen.

Es wird auch von uns abhängen.

Bewahrt bis zum 25. September die Geschichte. Teilt die Geschichte. Baut die Koalition auf. Dokumentiert die Isolation. Vermittelt die Werkzeuge. Bereitet eine rechtmäßige Verteidigung vor. Lasst nicht zu, dass der Staat stillschweigend festlegt, dass der Aufbau einer datenschutzfördernden Infrastruktur für Dissens an sich schon ein Akt des Terrorismus ist. Vor fünfundzwanzig Jahren versammelten sich zehn Menschen um einen ausrangierten Rechner und ließen sich bewusst viel Zeit bei der Konfiguration, weil jeder im Raum etwas lernen sollte. Das ist nach wie vor die Lehre daraus. Überlasst das Wissen nicht den Experten.

Konzentiert die Infrastruktur nicht an einem Ort. Lasst die Betroffenen nich allein.

Der erste Server hieß Paranoia.

Das Netzwerk, das er schuf, hieß Solidarität.“

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Matthias Monroy 27.08.2026

USA stufen Tech-Kollektiv aus Europa als Terror-Unterstützer ein

Neben Palestine Action aus Großbritannien sanktioniert die Trump-Administration nun einen linken Internetdienstleister aus Italien und einen Berliner.

Das US-Finanzministerium hat das italienische Technologiekollektiv Autistici/Inventati als in einer Mitteilung »speziell ausgewiesene globale Terroreinheit« eingestuft und auf die Sanktionsliste des »Office of Foreign Assets Control« (OFAC) gesetzt. Die Macher*innen unterstützen mit ihren IT-Diensten »gewalttätige linksextremistische Organisationen«, so der Vorwurf. Auch die britische Kampagne Palestine Action sowie das transnationale Netzwerk Masar Badil sowie zwei Einzelpersonen wurden mit OFAC-Sanktionen belegt.

Die Maßnahmen frieren sämtliche Vermögenswerte der betroffenen Organisationen in den USA ein. US-Bürger*innen und -Unternehmen sind jegliche Transaktionen mit den Betroffenen verboten. Da große Finanz- und Internetdienstleister ihren Sitz in den Vereinigten Staaten haben, betreffen die Sanktionen auch europäische Banken und Kreditinstitute: Sie riskieren, den Zugang zum US-Finanzsystem zu verlieren. EU-Bürger*innen könnten außerdem nach Transaktionen mit den Gelisteten Probleme bekommen, wenn sie in die USA einreisen wollen.

Verschlüsselte Dienste für Aktivist*innen

Das zum G8-Protest in Genua 2001 gegründete Kollektiv Autistici/Inventati betreibt eine wichtige digitale Infrastruktur für linke Bewegungen mit verschlüsselten E-Mail-Konten, Mailinglisten, Chat- und Videokonferenzdiensten und hostet rund 1500 Websites. Unter der Domain »Noblogs.org« haben rund 10 000 Gruppen WordPress-Blogs angelegt. Die Dienste sind kostenlos und richten sich an Nutzer*innen, die sich kommerziellen IT-Dienstleistern entziehen wollen. Wer dafür über das Internet spendet, kann nun in den USA verfolgt werden.

Das US-Finanzministerium wirft Autistici/Inventati vor, technologische Unterstützung für »extremistische Organisationen« bereitzustellen. In einem ergänzenden internen Memo werden die in Portland ansässige »Rose City Antifa« sowie die Gruppe »Jane’s Revenge« genannt. Letztere führt Kampagnen gegen selbsternannte »Lebensschützer« und für die Entkriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen. Die verschlüsselten Kommunikationsmittel des italienischen Tech-Kollektivs würden die beiden Organisationen bei der Koordination von Protesten, der Planung von Operationen und der Verbreitung von Informationen helfen, führt das Memo aus.

Tech-Kollektiv kritisiert »Kriegstreiberei« der USA

Autistici/Inventati wies die US-Vorwürfe in einer ersten Stellungnahme am Mittwochabend zurück. Die Sanktionen gegen ein kleines, von Freiwilligen betriebenes Kollektiv seien unverhältnismäßig. Die von ihnen bereitgestellten Dienste befähigten Aktivist*innen zur »digitalen Selbstverteidigung«. Die Trump-Regierung verfolge die Absicht, »die Aufmerksamkeit der Medien von ihrer eigenen Kriegstreiberei abzulenken«, heißt es weiter. Die Macher*innen von Autistici/Inventati würden sich davon nicht beeindrucken lassen.

Die US-Regierung hatte bereits im November 2025 mehrere linke Gruppen, darunter aus Deutschland eine »Antifa Ost«, als terroristische Organisationen auf die OFAC-Liste gesetzt. In der aktuellen Mitteilung des Finanzministeriums wird außerdem auf die »Informelle Anarchistische Föderation/Internationale Revolutionäre Front« (FAI/FRI) aus Italien verwiesen, die ebenfalls seit letztem Jahr als »ausländische terroristische Organisation« gilt. Die FAI/FRI versteht sich als Netzwerk für direkte Aktionen. Auf ihrem bei Autistici/Inventati gehosteten Blog erschien vor zwei Wochen eine Warnung vor einer im Netzwerk aktiven Gruppe, der Methoden vorgeworfen werden, die an verdeckte Ermittler*innen erinnerten.

Auch britische Aktivistengruppe jetzt verfolgt

Ebenfalls neu gelistet hat das US-Finanzministerium das britische Kampagnennetzwerk Palestine Action, das von der Regierung in London am 5. Juli 2025 im Rahmen ihres Terrorismusgesetzes verboten wurde. Die Mitgliedschaft in der Gruppe ist seither in Großbritannien eine Straftat, die mit bis zu 14 Jahren Haft bestraft werden kann. Die US-Sanktionen knüpfen daran an: »Today’s action complements the UK’s proscription«, heißt es in der Mitteilung des Finanzministeriums. Auch Palestine Action wird vorgeworfen, terroristische Akte unterstützt zu haben, darunter solche, die britische Sicherheitskräfte verletzten und Unternehmen sowie die Regierung einschüchtern sollten.

Palestine Action wurde 2020 gegründet und unternimmt Aktionen gegen israelische Rüstungsunternehmen, die in Großbritannien tätig sind. Ein besonderer Fokus liegt auf Elbit Systems, Israels größtem privat geführten Rüstungskonzern, wegen dessen Unterstützung des von der Regierung verantworteten Genozids in Gaza. Palestine Action hat bereits Hunderte direkte Aktionen durchgeführt, darunter Blockaden und Besetzungen von Fabriken sowie Sachbeschädigungen in Büros und Blockaden von Betrieben, die Waffen nach Israel exportieren. Die Aktivist*innen verbergen ihre Identität dabei nicht, ihre Aktionen streamen sie oft live über soziale Medien.

Sanktionen auch gegen Einzelperson aus Deutschland

Außerdem wurde nun das transnationale Netzwerk Masar Badil mit Sanktionen belegt. Es gilt der US-Regierung als Frontorganisation für das Samidoun Palestinian Prisoner Solidarity Network, das wiederum der Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) zugerechnet wird. Die PFLP wird von den USA bereits seit 1997 als »ausländische Terrororganisation« geführt, 2001 folgte zusätzlich die Einstufung als »speziell ausgewiesene globale Terroreinheit«.

Schließlich hat das US-Finanzministerium auch zwei Einzelpersonen als angebliche Führungsmitglieder von Masar Badil mit Sanktionen belegt. Einer von ihnen, Zaid A., lebt in Berlin und wird auch dort als ehemaliger Samidoun-Koordinator verfolgt. Das deutsche Innenministerium hatte die Organisation nach den Anschlägen palästinensischer Gruppen vom 7. Oktober 2023 verboten. Dem in Syrien geborenen Palästinenser Zaid A. wurde ein Flüchtlingsstatus zuerkannt, den das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge nun widerrufen will. Gegen den Bescheid hat er Klage eingereicht.

Deutschland beteiligt sich an US-Jagd auf Linke

Die Bundesregierung beteiligt sich an der vor einem Jahr gestarteten US-Offensive gegen linke Gruppen in Europa. Eine von US-Außenminister Marco Rubio am 16. Juli in Washington ausgerichtete »Ministerkonferenz zum Wiederaufleben des politischen Terrorismus« wird »insbesondere auch aus logistischen Gründen« in Deutschland fortgesetzt, bestätigte das Bundesinnenministerium auf Nachfrage. Demnach habe die Bundesregierung zugesagt, einen »Workshop von Fachexperten« auszurichten.

Zu der Konferenz in Washington sollen mehr als 60 Staaten Vertreter*innen entsandt haben. Aus Deutschland kam der Leiter der Abteilung »Öffentliche Sicherheit« im Bundesinnenministerium Christian Klos.

Rubio begründete den Fokus auf Deutschland unter anderem mit einem Verweis auf den mehrtägigen Stromausfall in Berlin im Januar 2026, zu dem sich eine »Vulkangruppe« bekannt hatte: »Sie sind heute hier, weil die Lichter diesen Winter fünf Tage lang in Berlin ausgingen – der längste Stromausfall der Stadt seit dem Zweiten Weltkrieg«, sagte Rubio.