Zur Auseinandersetzung in Berlin

Hier eine Sammlung an Texten zur Auseinandersetzung in Berlin um das AJZ Kita in Berlin-Hellersdorf:

Juli 4th, 2026

Besetzung gegen Antisemitismus

Das AJZ Kita in Berlin-Hellersdorf, einigen bekannt durch die Veranstaltungslocation La Casa, hat ein massives Problem mit Antisemitismus. Wir haben (zu) lange zugeschaut, dokumentiert, deeskaliert, abgewartet und auf Besserung gehofft. Damit ist nun Schluss.

Seit 2001 existiert das AJZ Kita und wird von Punkern, Zecken, Sprayern, Prekären, Geflüchteten, Familien und deren Kids, Nachbar*innen, Bastler*innen, Gärtner*innen, Antifas und zahlreichen Projekten, Gruppen und Initiativen getragen und geprägt: einem Infoladen, einem Bienenprojekt, mehreren Proberäumen, einem Sportraum, einem Freeshop und Brunchcafé; ebenso von Leuten, die Werkstatt, Kreativwerkstatt sowie Seminarraum liebevoll aufgebaut haben und mühsam unterhalten – schließlich vom Kneipenkollektiv La Casa, das seit vielen Jahren politische Veranstaltungen und Partys stemmt.

Diese und viele weitere Aktivitäten im AJZ waren nie widerspruchsfrei, offen für kritischen Austausch (bis hin zu einem agree to disagree), aber immer von einem antifaschistischen Minimalkonsens getragen, der neben dem Engagement gegen Rassismus und Sexismus insbesondere das Engagement gegen jeden Antisemitismus einschließt, wie ein großes Graffiti vor der Eingangstür kundtut.

Kurzum: Das AJZ fungiert seit über 25 Jahren als einziges politisches Zentrum für antifaschistische Gruppen und Selbstorganisation im von extrem rechten Aktivitäten geprägten Ostberliner Randbezirk Marzahn-Hellersdorf. In all den Jahren waren das Haus und/oder seine Nutzer*innen zahlreiche Male Ziel neonazistischer Sachbeschädigungen, Propaganda, Drohungen und gewalttätiger Angriffe. In all der Zeit standen zahlreiche solidarische Genoss*innen mit uns zusammen und haben das Haus gegen neonazistische Kameradschaften, autonome Nationalisten und extrem rechte Parteien verteidigt.

Unser Hausprojekt und sein antifaschistischer Konsens sind nun erneut bedroht: Dieses Mal jedoch nicht durch Neonazis von außen, sondern durch antisemitische Aktivist*innen und deren Raumnahme von innen.

Inwiefern?

– indem ein Teil der in den vergangenen Jahren Hinzugekommenen und ihr Umfeld unser antifaschistisches Haus Stück für Stück in eine Art antizionistisches Zentrum umwandeln wollen

– indem dafür eigenmächtige Zuzüge und systematisches Hinwegsetzen über vielfach geäußerte Vetos und Einzugsstoppforderungen an der Tagesordnung sind, und diese Personen sich selbstherrlich ermächtigen, weitere Personen einziehen zu lassen

– indem langjährige Bewohnende und Nutzende beleidigt, ausgegrenzt, systematisch gemobbt sowie bedroht und aggressiv angegangen werden

– indem systematisch Versuche unternommen werden, sich Verantwortungspositionen und Infrastruktur unter dem Deckmantel von Transparenz und Beteiligung, aber auch ganz unverblümt anzueignen sowie sensible Personendaten einzusehen

– indem zugleich das Ignorieren, Untergraben und Ablehnen von Verantwortung und langjährigen Strukturen so normal wird, wie es stetiger Materialklau, Vermüllung und Abnutzen von Gemeinschaftsräumen schon länger sind

Die Vorgänge in unserem Haus reihen sich ein in die vielerorts wahrnehmbare Ignoranz gegenüber oder gar Legitimierung von Antisemitismus; in nach nahezu identischen Mustern verlaufende Versuche antisemitischer Raumnahme wie im Alhambra in Oldenburg, in Demonstrationen und Kampagnen etwa gegen die Rote Flora in Hamburg oder das Conne Island in Leipzig, oder gar in tätliche Angriffe gegen Orte wie das Bajszel und das about:blank.

Deshalb (und ja, all diese und viele weitere Dinge sind passiert):

– wer sich im Berliner Osten geradezu wahnhaft der Bekämpfung von „Zios“ oder „Anti-Ds“ widmet, statt sich auch nur ansatzweise den zunehmenden Bedrohungen durch Der Dritte Weg und diversen Neonazi-Jugendgruppen entgegenzustellen,

– wer während eines Neonazi-Aufmarsches im Bezirk gegen den internen Schutz des Hauses unter der Parole „Achtung Zios“ mobilisiert,

– wer als „Comrades of New Casa“ an Parallelstrukturen zur Übernahme des Hauses als „space without zionists“ arbeitet,

– wer regelmäßig Aufkleber und Graffitis gegen Antisemitismus und sogar zu KZ-Gedenkstätten abkratzt oder übersprüht und

– wer das Haus mit Tags wie „Zionism is a crime“, „Fight Zios“, „Zionism = Fascism“, „End Israel“, „Zerschlagt den Zionismus“, „Glory to the resistance“ und mit sogenannten Hamas-Dreiecken übersät, Davidsterne übermalt, Hakenkreuze in Davidsterne kritzelt, Sticker zu ehemaligen und ermordeten Hamas-Geiseln abreißt oder mit „Free Gaza“ übermalt,

– wer auf der Nakba-Demo in Berlin unter Fahnen des iranischen Regimes mitläuft oder das antisemitische Massaker auf einer Demo zum Jahrestag am 7. Oktober auf dem Alexanderplatz als Widerstand feiert,

– wer den Betroffenen von Vergewaltigungen oder schwerster sexueller Gewalt keinen Glauben schenkt, weil sie jüdisch oder israelisch sind, oder wer diese Taten als Widerstand bezeichnet,

– wer meint, das hauseigene Hostel während der Geburtstagsfeier zum 25-jährigen Bestehen des Projektes gegen „Zionisten“ besetzen zu wollen und dabei zusätzlich mit misogynen Beleidigungen um sich wirft,

– wer mehrseitige Texte postet, in denen der Nationalsozialismus verharmlost und Israel und Nazideutschland gleichgesetzt werden,

– oder wer ein durch Dritte auf einem Transpi mit dem Satz „freedom and peace for the palestinian people“ hinzugefügtes „and the jews“ rausschneidet

lässt aus antifaschistischer Sicht keinen Platz für Kompromisse; ihr wollt nicht weiterentwickeln, sondern kapern und umlabeln, abnutzen und profitieren: Verpisst euch einfach wieder!

Als Antifas aus verschiedenen Zusammenhängen eint uns, das AJZ Kita als antifaschistisches Zentrum in Hellersdorf verteidigen und nach den Lähmungserscheinungen infolge der Versuche antisemitischer Raumnahme wiederbeleben zu wollen. Antisemitismus hat hier keinen Platz.

Und deswegen haben wir

– die Kneipen- und Veranstaltungsräume sowie weitere Gemeinschafts- und Funktionsräume des Hauses besetzt, um sie den jüngsten Vereinnahmungsversuchen zu entziehen

– eine Person, die als zentraler Akteur der genannten antisemitischen Aktivitäten und Raumnahme aufgefallen ist, sich trotz ausdrücklicher Vetos im Haus breit gemacht hat und mehrfach von Bewohnenden zum Verlassen des Hauses aufgefordert wurde, vor die Tür gesetzt

– die Absicht, weitere dieser Aktivist*innen zum Gehen aufzufordern

– ein Veranstaltungsprogramm zur Wiederbelebung geplant

Wir rufen hiermit alle Freund*innen und Weggefährt*innen des Hauses, unsere antifaschistischen Genoss*innen dazu auf, uns in diesem Kampf zu unterstützen! Kommt vorbei und bringt euch ein, besucht unsere Veranstaltungen!

Reclaim Kita & Casa – Always Antifa!

Quelle: https://reclaimlacasa.wordpress.com/

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Vermummte, bewaffnete Antideutsche sind am 04.07. gewaltvoll ins AJZ KiTa (Marzahn-Hellersdorf) eingedrungen

Die Ereignisse von Samstag Am 4.7.2026 morgens sind ca. 15 vermummte und bewaffnete Antideutsche in unser Hausprojekt, das AJZ KiTa / La Casa in Hellersdorf, eingedrungen. Sie haben angefangen, das Zimmer von einer*m Comrade mit Gewalt zu räumen. Dabei markierten sie die Person als vermeintlichen „Kopf“ der palästina-solidarisch eingestellten Bewohner*innen. Zu diesem Zeitpunkt haben im Zimmer Gäste geschlafen. Die Gäste wurden von den vermummten Personen gewaltvoll herausgedrängt, leisteten aber Widerstand. Gegen 10 Uhr kamen weitere Bewohner*innen des AJZ KiTa zur Situation hinzu und versuchten, die vermummten und bewaffneten Personen zu stoppen. Die antideutschen Angreifer*innen besprühten die Bewohner*innen direkt und gingen dabei mit Pfefferspray und Schlagstöcken vor. Ein*e Bewohner*in musste daraufhin ins Krannkenhaus. Anschließend verbarrikadierten sich die antideutschen Angreifer*innen in Teilen des Hauses. Sie versuchten, die gesamte rechte Haushälfte sowie die Veranstaltungsräumlichkeiten des „La Casa“-Kneipenkollektivs für sich einzunehmen und vom Rest des Hauses abzutrennen. Während der gesamten Zeit befanden sich außerdem noch unbeteiligte Bewohnende in einer Wohngemeinschaft. Dabei nahmen die Angreifer *innen insbesondere die mentale und physische Gesundheit von Menschen in Kauf. Einige Bewohner*innen sind damit einverstanden, hier zitiert zu werden : „Um 10 Uhr morgens wurde ich von 6 Maskierten geweckt, die angefangen haben vor meiner Zimmertür eine Barrikade zu bauen. Einige waren mit Tränengas und Schlagstöckern bewaffnet. Sie sagten, ich solle mich beruhigen und dass sie nur die Zugänge verschließen. Ich konnte sehen, dass einige meiner Mitbewohner*innen starke Retraumatisierung durch ihre Zeit in Gefängnis-Camps erlebten. Trotz unserer Versuche, sie aus der Wohnung zu bekommen, verschafften sie sich immer wieder gewaltsam Zutritt. Das ging so über Stunden.“ „Einige weiße Männer unterbrachen meinen Schlaf, machten Pfefferspray in meine Augen. Ich konnte nicht atmen, weil ich eine allergische Attacke hatte. Mein Gesicht brannte noch noch den ganzen Tag. Ich wusste nicht, wo meine persönlichen Sachen waren. Das war extrem retraumatisierend.“ Innerhalb kürzester Zeit erfolgte eine Mobilisierung solidarischer Kreise, um die Besetzung zu beenden und der antideutschen Raumnahme Einhalt zu gebieten. Mit einem solchen Ausmaß an Gegenwind hatten sie nach eigenen Aussagen nicht gerechnet. Auch ihr Versuch, Unterstützer*innen von außen zu mobilisieren,scheiterte. Durch entschlossenes Handeln der solidarischen Menschen vor dem Haus konnten die Besetzer*innen zum Gehen bewegt werden. Trotzdem mobilisierten sie weiterhin Leute zum AJZ Kita, woraufhin noch einige wenige aufgekreuzt sind. Mit der Aktion haben die selbsternannten Besetzer*innen ihre eigene Aktionsbereitschaft und ihr Mobilisierungspotenzial scheinbar maßlos überschätzt. Durch unsere gute Vernetzung in libertäre und palästinasolidarische Bewegungen, unsere schnelle Reaktionsfähigkeit und das entschlossene Auftreten unserer Comrades ist es gelungen, ihren gewaltvollen Versuch, die Räumlichkeiten an sich zu reißen, scheitern zu lassen. Als die antideutschen Macker feststellten, dass sie ihre „Besetzung“ alleine nicht halten konnten, versuchten sie, die inzwischen aufgetauchten Cops für ihre Zwecke einzuspannen. Einer der antideutschen Vereinsvorstände versuchte zwischendurch, das Gelände räumen zu lassen. Die Polizei hatte daran wohl wenig Interesse. In dem von ihnen veröffentlichten Statement verkündeten sie eine „Besetzung gegen Antisemitismus“. Sie sprachen von einem „antisemitischen Mob“. In ihrer Aufzählung der sog. antisemitischen Aktionen wird deutlich, dass ihre Antisemitismus-Definition schon bei der Kritik vom Genozid und Siedler-Kolonialismus anfängt. Was davor geschah Als palästinasolidarische Menschen, als junge Menschen mit Visionen für das AJZ Kita, haben wir hier schon länger Anfeindungen erlebt. Wir setzen uns gegen Genozid-Leugnung, rassistische und antimigrantische Dynamiken, Mackerverhalten, Raumnahme durch ältere Personen und die Einschüchterung jüngerer Genoss*innen ein. Außerdem wenden wir uns gegen autoritäres Verhalten, das u.a. durch die Anwendung von bürokratischen Druckmitteln und das jahrelange Zurückhalten von Wissen und Zugängen ausgeübt wird. Aus diesem Grund hat sich vor einiger Zeit das „New Casa“-Kollektiv gegründet.Ziel des „New Casa“ ist es, einen Freiraum aus der Hand von einigen wenigen zu nehmen und ihn insbesondere für junge, queere under antikoloniale Perspektiven zu öffnen. Auf unsere Kritik wird dabei grunsätzlich mit dem Narrativ „Wir waren schon länger hier und ihr seid unrechtmäßig eingedrungen“ reagiert, obwohl es gerade die Verantwortung von Menschen ist, die schon lange hier sind,den Raum für engagierte, nächste Generationen zu öffnen anstatt Neuzugänge und die Diversifizierung von Perspektiven zu bekämpfen. Entgegen ihrer Darstellung, dass wir nur gekommen seien, um „das Haus von den Zios zu befreien“ und bestehende Strukturen zu zerstören, haben wir die nicht-funktionierenden Arbeitsgruppen im Haus wiederbelebt, finanzielle Mittel organisiert, notwendige Großbaustellen umgesetzt, Initiativen ergriffen, um das Haus sozial zu öffnen und Moderationsprozesse zur Konfliktdeeskalation iniitiiert (die aber blockiert wurden). Wir sind auch keine unbekannten Leute, sondern teilweise Menschen, die schon länger das Haus handwerklich und solidarisch unterstützen.Wir sind junge Menschen, die sich im Kiez und in diesem Jugendclub organisieren wollen. Trotzdem wurden unsere Einzugsprozesse blockiert. Dies entspricht keiner Logik, es ist gegen die demokratisch festgelegten Vorschläge zu Einzugsprozessen und eine Akzeptanz dieser pauschal ausgesprochenen Vetos hätte zum finanziellen und sozialen Bankrott des Hauses geführt, weshalb alle Parteien beschlossen haben, Einzugsentscheidungen vorübergehend in die Verantwortungen der WGs zu legen. Zuletzt hatten im Zuge einer geplanten Aktion eine Gruppe von Alt-Antideutschen etliche Menschen zu einer Sitzung mobilisiert, um sich von ihrem Umfeld in den Vereinsvorstand wählen zu lassen. Ihre Hoffnung war es, mit dieser Aktion den Verein zu übernehmen und jüngere, palästinasolidarische Menschen zu verdrängen. Die bis dahin unbedeutende Aufgabe des formellen Vereinsvorstandes wird seither von ihnen missbraucht, um sich über demokratische Prozesse hinwegzusetzen, die über Jahre im Haus praktiziert wurden. Stattdessen gibt der Vorstand nun Anweisungen und delegitimiert gemeinsame Entscheidungsstrukturen. Die Zuspitzung des Machtmissbrauchs des Vorstandes zeigt sich auch im Vorgehen bei Neueinzügen ins Haus. Personen aus dem vorstandsnahen Freundeskreis bekommen ohne Zustimmung der betreffenden Wohngemeinschaft gültige Mietverträge und Schlüssel ausgehändigt. Der Angriff des Anti-Deutschen Schlägertrupps, die Kampagne „Reclaim La Casa“, ist das Resultat der oben beschriebenen Entwicklungen um den neuen Vereinsvorstand. Wie wir weitermachen Wir als Bewohner*innen freuen uns sehr über die schnelle Hilfe und die breite Solidarität, die wir seitdem erleben und die auch in Zukunft dringend nötig sein wird. Angriffen von Mackern, Antideutschen, Vereinsbürokraten und ihren Schlägertrupps setzen wir Solidarität und Gemeinschaft entgegen. Eine Solidarität, die uns befähigt, einen tatsächlichen Kampf gegen Krise und Krieg zu führen. Wir haben nicht vor, nach dem Abklingen der Eskalation zum Status quo zurückzukehren. Wir möchten dazu einladen, sich einzubringen. Viele Jahre haben alte Menschen Prozesse blockiert, Ideen ausgebremst und Räume zur Mitgestaltung verschlossen. Die voranschreitenden Änderungen im Haus ermöglichen es uns, gemeinsame Visionen für das Haus noch stärker umzusetzen. Wir wollen ein Hausprojekt, in dem es nicht nur um Wohnraum geht, sondern ein Movement zu schaffen, das klar gegen jede Form von Kolonialismus,Genozid / Vertreibung und Rassismus kämpft. Wir wollen einen Ort der Bewegung, des Austausches und des Kampfes, den wir gemeinsam mit Leben füllen. Es gibt keinen ruhigen Randbezirk!Hoch die internationale Solidarität!Viva Palästina!

Quelle: https://de.indymedia.org/node/752295

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Zum Angriff auf das Casa in B/ Hellersdorf und die Beteilung von Leuten aus Rigaer 94

Solidarität mit den Besetzerinnen gegen Antisemitismus. Verachtung für die Rigaer 94.

Als ehemaliger Freund der Rigaer 94

Spätestens nach eurer Stellungnahme zum islamistischen Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 war für mich Schluss. Seitdem gibt es keinen positiven Bezug mehr zur Rigaer 94. Früher stand das Haus für Militanz, Widerständigkeit und den Willen, sich Staat und Nazis entgegenzustellen. Heute steht es für mich vor allem für Israelhass, Antisemitismus und den politischen Totalausfall eines Milieus, das jede Orientierung verloren hat.

Wer sich links nennt und ausgerechnet den jüdischen Staat zum Hauptfeind erklärt, wer den größten Massenmord an Jüdinnen und Juden seit der Shoah relativiert oder mit dümmlichen Parolen begleitet, hat den Boden emanzipatorischer Politik längst verlassen. Ihr seid nicht radikal. Ihr seid reaktionär.

Es ist mir völlig egal, ob ihr Tunnel baut, ohne Genehmigung Wände durchbrecht oder euch jetzt eine Heizung zusammenschustert. Hoffentlich bringt ihr mit eurem Pfusch wenigstens keine Gäste oder Nachbarinnen in Gefahr. Für den Schaden, den ihr anrichtet, seid ihr selbst verantwortlich.

Der endgültige Bruch kam für mich am Wochenende vom 5. auf den 6. Juli.

Ein Bewohner des Casa in Hellersdorf wurde nach meinem Kenntnisstand wegen massiver Konflikte und antisemitischer Positionen innerhalb des Projekts umgesetzt. Solche Entscheidungen sind nie angenehm. Linke Hausprojekte mussten sich schon immer mit Menschen auseinandersetzen, die Projekte zerstören oder politisch untragbar werden. Das gehört zur Geschichte autonomer Strukturen.

Aber was Leute aus eurem Umfeld daraus gemacht haben, ist eine politische Bankrotterklärung.

Wer ein antifaschistisches Hausprojekt im Herzen einer ehemaligen Neonazi-Hochburg angreift, stellt sich gegen Antifaschismus. Punkt. Wer glaubt, Konflikte mit Einschüchterung, Gewalt und Machtdemonstrationen lösen zu können, unterscheidet sich in seinem autoritären Auftreten kaum noch von den Schlägern, gegen die wir früher gemeinsam auf der Straße standen.

Spätestens an diesem Punkt seid ihr für mich keine Genossinnen mehr. Ihr seid zu dem geworden, was ihr früher selbst bekämpfen wolltet: eine autoritäre Clique, die jede Kritik mit Gewalt beantwortet und ihre eigene politische Verwahrlosung für Radikalität hält.

Schon eure Stellungnahme zum 7. Oktober hat euch in weiten Teilen der autonomen Bewegung isoliert. Nicht, weil alle plötzlich »Anti-Deutsche« geworden wären, sondern weil viele schlicht keinen Antisemitismus dulden wollen. Alte Mietverträge wurden gekündigt, langjährige Weggefährtinnen haben euch den Rücken gekehrt – nicht wegen des Staates, sondern wegen euch.

Ihr feiert eure Siege über »AntiDs« und »Zios«. Tatsächlich feiert ihr nur euren eigenen politischen Verfall. Aus einem autonomen Hausprojekt ist ein Ort geworden, an dem Antisemitismus verharmlost, islamistische Gewalt relativiert und antifaschistische Strukturen angegriffen werden. Darauf könnt ihr stolz sein, wenn ihr jeden Kompass verloren habt.

Für mich ist die Rigaer 94 kein Symbol des Widerstands mehr. Sie ist ein Symbol dafür, wie eine politische Szene sich selbst zugrunde richten kann.

Null Solidarität mit Freundinnen des islamistischen Terrors. Null Solidarität mit denen, die antifaschistische Projekte angreifen. Null Solidarität mit einer Rigaer 94, die sich selbst aus der emanzipatorischen Linken verabschiedet hat.

In voller Verachtung.

Ein ehemaliger Freund des Hauses.

Quelle: https://de.indymedia.org/node/752281

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5.7.2026 Uta Schleiermacher TAZ

Wegen antisemitismuskritischer Besetzung – Antifa-Zentrum in Hellersdorf attackiert

Mit massiver Gewalt sollen Angreifer ein autonomes Zentrum attackiert haben. Eine Gruppe hatte dort Räume besetzt, um internen Antisemitismus anzuprangern.

Zwischen zwei Gruppen aus dem Umfeld des autonomen Jugendzentrums (AJZ) in Hellersdorf kam es am Samstag zu tätlichen Auseinandersetzungen mit teils massiven Verletzungen. „Militante Antisemiten blockieren alle Eingänge“, sie würden Anwesende mit Latten und Steinen angreifen und ankommende Un­ter­stüt­ze­r*in­nen mit Feuerlöschern besprühen, schrieb eine Gruppe über den Instagram-Account „Reclaim La Casa“ am Samstag. Später seien demnach auch Angreifer auf das Dach geklettert und hätten Mitglieder ihrer Gruppe angegriffen und ins Gesicht getreten. Die Polizei bestätigt die Angriffe, vor dem Jugendzentrum seien etwa 20 vermummte Personen erschienen.

„Wir sind schockiert, dass die Angreifer billigend schwerste Verletzungen in Kauf genommen haben, indem sie ungeschützte Leute mit Steinen angegriffen und auch Leute übers Dach gejagt haben“, sagt einer der Besetzer der taz. Einer Person, die sich als Unterstützerin näherte, hätten die Angreifer mit einem Teleskop-Stab den Arm gebrochen. „Wir konnten das Haus nur unter Polizeischutz sicher verlassen“, sagte er. Die Gruppe habe sich daher entschlossen, die Besetzung in der Nacht zu beenden und dankte allen, die zur Unterstützung nach Hellersdorf gekommen waren.

Zuvor hatten sie mehrere Räume des AJZ besetzt. Als Grund dafür nennen die Be­set­ze­r*in­nen ein „massives Problem mit Antisemitismus“. Über Instagram verbreiteten sie am Samstag ein Statement mit dem Titel „Besetzung gegen Antisemitismus“. Nach eigenen Angaben wollen sie mit ihrer Aktion das dortige Jugendzentrum mit dem Veranstaltungsraum La Casa „jüngsten Vereinnahmungsversuchen entziehen“ und sich gegen „Ignoranz oder sogar Legitimierung von Antisemitismus“ wenden.

Nach dem Beginn der Besetzung hatten wiederum eine Gruppe unter der Überschrift „Defend New Casa“ (verteidigt das neue Casa) zur „sozialen und kulturellen Verteidigung“ aufgerufen. Die Besetzung bezeichneten sie als „rücksichtslose Eskalation seitens der Zionisten, die mit eisernem Griff an ihrer verdrehten Art des Antifaschismus festhalten“. Die Gruppe schreibt darin, sie wolle nicht zulassen, „dass sie unsere Räume der Hoffnung und des Widerstands mit bigotten Positionen und Ideen füllen“. Defend New Casa rief Un­ter­stüt­ze­r*in­nen dazu auf, am Samstag zum AJZ zu kommen. „Das ist eine Situation der aktiven Verteidigung, und es ist klar, dass die Zionisten ein für alle Mal verschwinden müssen“, schreiben sie.

Damit eskaliert ein Konflikt, der sich nach Darstellung der Besetzer schon angebahnt hatte. Die Be­set­ze­r*in­nen werfen in ihrem ausführlichen Statement „neu hinzugekommenen“ Mitgliedern vor, sich „im Berliner Osten geradezu wahnhaft der Bekämpfung von ‚Zios‘ oder ‚Anti-Ds‘“ (Also Zio­nis­t*in­nen oder Antideutschen) zu widmen. Während eines Neo-Nazi-Aufmarschs hätten Personen aus diesem Umfeld gegen den Schutz des Hauses mobilisiert und dabei die Parole „Achtung, Zios“ genutzt. Sie hätten außerdem an einer Übernahme des Hauses gearbeitet, um dieses als „space without zionists“ (also als Ort ohne Zionist*innen) aufzubauen.

Außerdem hätten die Personen regelmäßig Graffiti und Aufkleber gegen Antisemitismus und sogar zu KZ-Gedenkstätten sowie zu den Hamas-Geiseln abgekratzt und übermalt. Das Haus hätten sie mit Tags wie „Zionismus = Faschismus“, „End Israel“, „Zerschlagt den Zionismus“ oder „Glory to the Resistance“ sowie mit sogenannten Hamas-Dreiecken übersäht, und sie hätten Hakenkreuze in Davidsterne gekritzelt. Ebenso hätten sie Texte gepostet, die Nationalismus verharmlosten und Israel mit Nazi-Deutschland gleichsetzten. Aus einem Transparent hätten sie nach dem Satz „Freedom and Peace for the Palestinian People“ ein hinzugefügtes „and the Jews“ herausgeschnitten.
Antifaschistischer Minimalkonsens

Aktivitäten von vielfältigen Gruppen im AJZ seien „nie widerspruchsfrei“ gewesen und offen für kritischen Austausch, heißt es in dem Statement. Teils sei man auch mit dem Einvernehmen auseinandergegangen, dass eben zu bestimmten Punkten die Meinungen auseinandergingen. Doch sie seien immer von „einem antifaschistischen Minimalkonsens“ getragen gewesen, der neben dem Engagement gegen Rassismus und Sexismus auch das gegen jeden Antisemitismus einschließe. Seit 25 Jahren sei das AJZ damit im „von extrem rechten Aktivitäten geprägten“ Randbezirk zahlreichen Bedrohungen und Angriffen von außen ausgesetzt gewesen. Aktuell sei es wieder bedroht, diesmal aber „durch antisemitische Ak­ti­vis­t*in­nen und deren Raumnahme von innen“.

Person des Hauses verwiesen

Eine Person, die „als zentraler Akteur der antisemitischen Aktivitäten und Raumnahme“ aufgefallen sei, habe sich trotz Veto im Haus „breit gemacht“ und sei mehrfach von Be­woh­ne­r*in­nen zum Verlassen aufgefordert worden. Diese Person hätten sie nun „vor die Tür gesetzt“ und auch die Absicht, weitere Ak­ti­vis­t*in­nen aufzufordern, das AJZ zu verlassen. Nach den „Lähmungserscheinungen infolge der Versuche antisemitischer Raumnahme“ wollen die Be­set­ze­r*in­nen das AJZ als antifaschistisches Zentrum verteidigen und wiederbeleben. Dazu seien entsprechende Veranstaltungen in der nächsten Zeit geplant.

Es ist nicht das erste Mal, dass eine Gruppe über eine Bestzung von Räumen versucht, Antisemitismus anzuprangern. Im November hatten Stu­den­t*in­nen der Technischen Universität (TU) mehrere Tage lang die Räume der Studierendenvertretung besetzt. Sie hatten dem sich damals neu konstituierten AStA vorgeworfen, nicht antisemitismuskritisch genug zu sein.

Das AJZ stellt sich selbst in dem Statement in eine Reihe mit Orten wie der Roten Flora in Hamburg, mit dem Conne Island in Leipzig, dem Alhambra in Oldenburg, an denen sie ebenfalls Konflikte um „antisemitische Raumnahme“ beklagen, sowie Angriffe auf das About Blank und das Bajszel in Berlin.

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05.07.2026 Lars Wienand

Konflikt eskaliert in Berlin – Linke greifen linkes Zentrum an

In der linken Szene in Deutschland verschärft sich der Konflikt zwischen israel-solidarischen und pro-palästinensischen Aktivisten. In Berlin kam es zu der Belagerung und gewaltsamen Stürmung eines linken Wohnprojekts.

Schwarz gekleidete und vermummte Männer mit Holzlatten in der Hand gehen bedrohlich auf und ab vor einem mit Graffiti übersäten ehemaligen Kindergarten. In dem Gebäude ist ein linkes Zentrum, und zu sehen sind die Bilder auf einem Video, das aus dem Inneren gefilmt wurde. Belagerungszustand – und die Belagerten posteten das Video, um Verstärkung zu bekommen. Die Szenen mündeten darin, dass in rund zehn Metern Höhe auf dem Dach Vermummte mit Baseballschlägern aufeinander losgingen.

Um ein linkes Zentrum in Berlin tobt eine gewalttätig geführte Auseinandersetzung. Das AJZ Kita (Alternative Jugendzentrum Kita) liegt im Stadtteil Marzahn-Hellersdorf, wo die AfD bei der Bundestagswahl 2025 31,2 Prozent der Zweitstimmen erzielte und die Neonazi-Kleinstpartei „III. Weg“ selbstbewusst öffentlich auftritt. Rechtsextreme Gruppen haben der „Kita“ bereits bedrohliche Besuche abgestattet und dort gewütet. Die Bilder sind dieses Mal kaum anders. Aber jetzt stehen sich auf beiden Seiten Linke feindselig gegenüber. Insgesamt 29 Personen nahm die Polizei am Samstag kurzzeitig fest und deren Personalien auf.

Am Samstag nennen die Linken im Haus die Maskierten vor dem Gebäude „Antisemiten“ und werfen ihnen „massive Angriffe“ und „regelrechte Gewaltexzesse“ vor. Die Linken vor dem Gebäude bezeichnen die drinnen als „Zionisten“. Es geht hier auf dem Gelände buchstäblich darum, wer Herr im Haus ist. Das steht stellvertretend dafür, wie die Palästina-Frage deutschlandweit linke Bewegungen spaltet. Deshalb ist es auch nicht nur ein lokaler Berliner Streit.

„New La Casa“ gegen „Reclaim La Casa“

Im AJZ in Berlin fürchtet das israelfreundliche Lager offenbar berechtigt, unterwandert und ausgebootet zu werden. In dem Projekt wolle ein Teil der neu Beteiligten mit ihrem Umfeld „unser antifaschistisches Haus in eine Art antizionistisches Zentrum umwandeln“, heißt es auf Instagram. In dem Jugend- und Wohnprojekt gibt es Werkstatt- und Sportraum, Proberäume für Bands und den Veranstaltungsbereich „La Casa“, den ein Kneipenkollektiv führt. La Casa ist durch Konzerte und Lesungen in der Szene deutschlandweit bekannt.

Beide Lager spitzen es deshalb darauf zu. Die pro-israelische „Reclaim La Casa“-Gruppe („La Casa zurückerobern“) hat nicht länger zuschauen wollen, wie die „Antisemiten“ von „New La Casa“ das Projekt zunehmend vereinnahmen. Das führt dazu, dass 15 Leute am Samstag in das Haus eingedrungen seien, beklagt das Lager „New La Casa“ in einem Statement von „Anarchists4palestine“ auf Instagram.
Das eine Lager warf Kopf des anderen Lagers raus

Für „New La Casa“ war das eine „rücksichtslose Eskalation seitens der Zionisten, die mit eisernem Griff an ihrer verdrehten Art des Antifaschismus festhalten“. Am Samstagmorgen warfen die „Reclaim“-Leute auch nach ihrer Darstellung den Kopf des „New La Casa“-Lagers raus und erklärten das Haus wieder zu ihrem.

In dem AJZ hatten nach Darstellung der „Reclaim La Casa“-Seite Leute des pro-palästinensischen Lagers gegen einen ausdrücklichen Zuzugsstopp weitere Gleichgesinnte ins Haus geholt. Das seien Leute, die sich „wahnhaft der Bekämpfung von ‚Zios'“ widmeten und an Plänen zur Übernahme des Hauses arbeiteten, heißt es von „Reclaim“. Langjährige Strukturen und Verantwortung würden untergraben.

Angesichts der neuen Lage rief „New La Casa“ auf Deutsch und Englisch um Verstärkung am AJZ, warnte aber: Neben gewalttätigen Situationen drohte auch, dass „von den Zionisten fotografiert“ wird. Das bestätigte sich ja durch das Video mit den Aktivisten, die sich nach Aufruf von „New La Casa“ vor dem Gebäude aufgebaut hatten. Sie hatten dabei offenbar auch Unterstützung aus dem Umfeld der „Rigaer 94“, einem linken Wohnprojekt, das als zentrales Symbol und Rückzugsort der gewaltbereiten linksextremen Szene gilt.

Eine andere Ordnung als der kapitalistische Staat ist in beiden Lagern eigentlich das Ziel, sie verstehen sich jeweils als antifaschistisch. Die einen bekennen sich aber ausdrücklich zum Existenzrecht Israels und halten westliche kapitalistische Demokratien für weit besser als die Verhältnisse in den islamischen Staaten. Dabei wird von ihnen nach Ansicht von Experten auch teilweise nicht zwischen Islam und Islamismus unterschieden.

Seit Terror vom 7. Oktober 2023 immer tieferer Graben

Das andere Lager steht für quasi bedingungslose Solidarität mit „um ihre nationale Befreiung von kolonialistischer Ausbeutung kämpfenden Völkern“ – so lange die jeweiligen Befreiungsbewegungen ein sozialistisches oder kommunistisches Regime errichten wollen. Israel mit seiner Regierung unter Beteiligung rechtsextremer Parteien ist für sie vor allem eine faschistisch geführte Kolonialmacht mit Unterstützung anderer Kolonialmächte.

Dieser Riss ist Jahrzehnte alt. Dann kam der Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober 2023, der zum größten Massaker an Juden seit dem Zweiten Weltkrieg und zum anschließenden Krieg Israels gegen die Hamas führte. Dabei sind auch nach den von Israel anerkannten Zahlen rund 75.000 Palästinenser gestorben. Damit haben sich innerhalb der Linken die Fronten enorm verhärtet und ringen seither um die Deutungshoheit.

In Berlin endeten die Besetzung und die folgende Belagerung mit einer vorläufigen Niederlage für das nicht israelfeindliche Lager. In der Nacht hatten sich die Besatzer zurückziehen müssen, „nachdem mit massiver Gewalt ins Haus eingebrochen und Barrikaden überwunden wurden“, wie „Reclaim“ am Sonntag auf Instagram schrieb. „Die Besatzung ist zu Ende, der Kampf gegen Antisemitismus geht weiter. Wir müssen uns sammeln.“

Um 18.30 Uhr am Samstagabend war es zu den Szenen auf dem Dach gekommen, von denen die Polizei am Sonntag über Baseballschläger auf beiden Seiten berichtete. Reclaim erklärte, es sei dort auch Menschen ins Gesicht getreten worden und es habe Gefahr bestanden, dass sie in die Tiefe stürzen.

Offenbar gab es mehrere Verletzte. Betroffene haben aber der Polizei davon nichts gesagt, sie hat keine Kenntnis von Verletzten. Sie ermittelt bisher auch lediglich wegen Landfriedensbruchs. Hinweise zu den wechselseitigen Gewalttaten kann sie kaum erwarten, die Angaben auf Instagram lassen sich auch schwer überprüfen.

In Erfurt bei Anti-AfD-Protest interne Anfeindungen

Der Konflikt wie im Jugendzentrum in Marzahn-Hellersdorf spielt sich in der linken Szene derzeit vielerorts ab. Das war auch in Erfurt am Wochenende zu spüren, wo eigentlich gegen die AfD demonstriert werden sollte. Für den Stand der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus e. V. (Rias) musste eigens Schutz eingerichtet werden, wie die Ezra (Beratungsstelle für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Thüringen) mitteilte. Die Rias-Vertreter waren demnach erheblichen Anfeindungen von pro-palästinensischen Linken ausgesetzt, die auch beim Anti-AfD-Protest gegen „Zionisten“ Stimmung machten.

Bei Kundgebungen gibt es mühsame Versuche, das spaltende Thema auszusparen. Diese scheitern jedoch meist. In Leipzig am Connewitzer Kreuz hat das Palästinenser-Lager vor einer Woche eine Demo gegen Verschärfungen im geplanten neuen Polizeigesetz in Sachsen gesprengt: Aktivisten hatten unbedingt buchstäblich Flagge zeigen wollen.

Entgegen dem Konsens packten die „Anti-Imperialisten“ dort eine Palästina-Fahne aus und stimmten Rufe an. Für die an der Demonstration beteiligten Ultras des Fußballvereins Chemie Leipzig war das der Punkt, nicht weiter demonstrieren zu wollen. Die Linken-Abgeordnete Juliane Nagel kritisierte danach, eigene Interessen und Definitionsmacht seien manchen wichtiger als das gemeinsame Thema. Unter überwiegendem Beifall der Demoteilnehmer nannte sie es „zum Kotzen“, dass so das wichtige Anliegen torpediert werde und man keine kraftvolle Demonstration zeigen könne.

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05.07.2026 Anne-Sophie Schakat

Zwei linke Gruppierungen streiten sich in Hellersdorf um die Nutzung eines Jugendzentrums. Als die Auseinandersetzung eskaliert, attackieren sich die Vermummten gegenseitig. Die Polizei nimmt 29 Menschen fest.

In Hellersdorf ist am Samstagnachmittag ein Streit zwischen zwei linken Gruppierungen eskaliert. Nach Tagesspiegel-Informationen kam es auf dem Gelände des linksautonomen Jugendzentrums „La Casa“ zu dem Vorfall. Wie die Berliner Polizei am Sonntag mitteilte, stritten eine pro-palästinensische und eine pro-israelische Gruppe gegen 14 Uhr darum, wer das Objekt nutzen darf.

Die pro-palästinensische Seite soll daraufhin etwa 20 Menschen mobilisiert haben, die schwarz gekleidet und vermummt mit Holzlatten, Baustellenabsperrungen und Feuerlöschern vor dem Objekt erschienen, teilte die Polizei weiter mit. Auf dem Gelände befand sich zu diesem Zeitpunkt die pro-israelische Gruppe, deren Mitglieder ebenfalls schwarz gekleidet und vermummt waren.

Im Verlauf der Auseinandersetzung sollen aus der pro-palästinensischen Gruppe heraus Gegenstände in Richtung der Kontrahenten geworfen und Feuerlöscher entleert worden sein, hieß es weiter. Als die Polizei vor Ort eintraf, flüchtete die pro-palästinensische Gruppierung.

29 Personen nahm die Polizei vorläufig fest.

Auf dem Gelände sei der Streit aber weitergegangen, berichtete die Polizei. Eine Gruppe soll sich verbarrikadiert haben, um der anderen den Zutritt zu verwehren. Gegen 18.30 Uhr seien dann mehrere Personen auf dem Dach des Gebäudes entdeckt worden, die mit Baseballschlägern aufeinander losgingen. Bevor die Polizei eingreifen konnte, seien die Beteiligten aber aus dem Blickfeld der Einsatzkräfte verschwunden, hieß es weiter.

Die Polizei nahm 29 Menschen vorläufig fest und leitete zwei Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Landfriedensbruchs ein. Verletzte habe es nach bisherigem Kenntnisstand der Polizei nicht gegeben, hieß es weiter.

Im Internet äußerten sich die beiden Streitparteien am Samstag zum Konflikt. Eine Seite gab in einem Statement an, dass „ein Teil der in den vergangenen Jahren Hinzugekommenen und ihr Umfeld unser antifaschistisches Haus Stück für Stück in eine Art antizionistisches Zentrum umwandeln wollen“. Als „Antifas aus verschiedenen Zusammenhängen“ wolle man das Objekt verteidigen und „nach den Lähmungserscheinungen infolge der Versuche antisemitischer Raumnahme“ wiederbeleben. Daher habe man verschiedene Räume besetzt, „um sie den jüngsten Vereinnahmungsversuchen zu entziehen“.

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Die Gegenseite wiederum erklärte, „etwa 15 Antideutsche“ seien am Morgen in das Gebäude eingedrungen und weigerten sich, es zu verlassen. Es werde Hilfe benötigt, könne aber zu gewalttätigen Situationen kommen. „Dies ist eine rücksichtslose Eskalation seitens der Zionisten, die mit eisernem Griff an ihrer verdrehten Art des Antifaschismus festhalten“, hieß es in dem Aufruf. Und weiter: „Wir werden nicht zulassen, dass sie unsere Räume der Hoffnung und des Widerstands mit bigotten Positionen und Ideen füllen.“

Am Sonntag war die Polizei wegen einer Spontanversammlung unter dem Titel „Antifa gegen Antisemitismus“ erneut vor Ort, wie eine Polizeisprecherin dem Tagesspiegel am frühen Nachmittag sagte. Die Demo sei jedoch abgesagt worden. Weitere Zwischenfälle habe es nicht gegeben. Die Ermittlungen zur Auseinandersetzung vom Samstag dauern an.