Deutschland verliert – Nazis schlagen zu.
In Chemnitz ist es offenbar nach dem WM-Spiel Deutschland gegen Paraguay zu rassistischen Angriffen gekommen.
Wie auf einem Video auf TikTok zu sehen ist, greift eine größere Gruppe unter Gegröle eine kleinere Gruppe von Menschen an, jagt sie einen Fußweg entlang und wirft Leitbaken nach ihnen. Unter dem Video ist zu lesen, dass es sich um einen Vorfall nach einem Public-Viewing-Event in Chemnitz handelt.
Die*der Zeug*in beschreibt, dass sich eine Gruppe von Migrant*innen beim Public Viewing befand und die deutsche Nationalmannschaft angefeuert habe. Daraufhin seien sie von verschiedenen Menschen beleidigt und provoziert worden.
Im Text unter dem Video steht „Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes griffen zunächst ein und versuchten, die Situation zu beruhigen“, verwiesen in der Folge jedoch die fünf migrantischen Männer vom Veranstaltungsgelände.
„Kurz danach rannten ihnen nach meiner Beobachtung etwa 20 Personen hinterher. Dabei fielen rassistische und antisemitische Beleidigungen […].“ Während der Verfolgung wurden, wie auch auf dem Video zu sehen ist, Leitbaken aufgehoben und nach den fliehenden Männern geworfen.
Immer wieder gibt es Meldungen über rechte Vorfälle rund um WM- und EM-Veranstaltungen. Sei es das Zeigen rechter Gesten durch Zuschauer*innen, rechte Parolen oder rassistische Beleidigungen gegen Spieler*innen.
Nach Niederlagen oder spielentscheidenden Fehlern werden insbesondere Spieler*innen mit Migrationsgeschichte oder rassifizierte Spieler*innen häufig zur Zielscheibe rassistischer Hetze. Auch Angriffe wie dieser scheinen Teil dieses Musters zu sein.
Fußball kann Menschen vereinen – aber er kann auch die dunklen Seiten unserer Gesellschaft aufzeigen. Seit Jahren werden Forderungen laut, die deutsche Nationalmannschaft solle ein vermeintlich „deutscheres“ Erscheinungsbild haben, oft verbunden mit rassistischen Vorstellungen darüber, wer als deutsch gelten dürfe. Insbesondere die AfD befeuert immer wieder Debatten über die Herkunft von Spieler*innen und unterstellt, eine Deutsche Nationalmannschaft müsse weiß sein um Deutschland zu repräsentieren.
Spätestens seit dem „Sommermärchen“ 2006 gibt es rund um WM- und EM-Veranstaltungen zahlreiche Berichte über Angriffe auf nicht-weiße Fans, sogenannte No-Go-Areas rund um Spiele und ein Klima, welches dem damaligen Motto „Die Welt zu Gast bei Freunden“ vielfach widerspricht.
Auch in Bezug auf internationale Fußballspiele immer offener geäußerter deutscher Nationalismus schafft gerade für Rechte und Rassist*innen im Kontext von Veranstaltungen wie einem Public-Viewing-Event zu einem Deutschlandspiel einen Rahmen, in dem sie das Gefühl bekommen ungehemmter als sonst schon ihre Einstellungen ausdrücken zu können – bis hin zu rassistischer Gewalt.
Vue Critique haben mit Augenzeug*innen gesprochen und den Ablauf rekonstruiert: