Betriebskosten in Leipzig explodieren: Anstieg dreimal höher als bei der Kaltmiete

In den letzten fünf Jahren sind die Betriebskosten in Leipzig um etwa 50 Prozent gestiegen. Statt monatlich 210,50 Euro muss zum Beispiel eine Familie mit Kind nun schon 303,50 Euro bezahlen. Wer sind die Preistreiber und warum wird es bald noch teurer?

Die Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft (LWB) ist der größte Vermieter in der Messestadt. Seit Jahren hält das kommunale Unternehmen seine Kaltmieten etwa einen Euro unter dem Durchschnitt in Leipzig. Trotzdem haben auch LWB-Mieter zunehmend Probleme, alle Wohnkosten zu bezahlen, warnt Finanzgeschäftsführer Kai Tonne.

„Bei den Wohnkosten reden wir viel über die Spitze des Eisbergs – nämlich die Kaltmieten“, sagt er. „Zu wenig im Blick ist das, was riesengroß unter der Wasseroberfläche schwimmt.“ Gemeint sind die Betriebskosten für Heizung, Wasser, Straßenreinigung oder Aufzüge.

Fast 3,50 Euro pro Quadratmeter

Die Zahlen erschrecken: 2022 lagen diese Kosten bei der LWB noch bei 61 Millionen Euro. Für 2026 erwartet Tonne über 93 Millionen Euro – ein Sprung von mehr als 50 Prozent. „Damit verteuern sich die Nebenkosten viel schneller als die Kaltmieten. Prozentual betrachtet liegt ihr Anstieg dreimal so hoch.“

Ein durchschnittlicher LWB-Haushalt zahlte 2022 noch 8,26 Euro warm pro Quadratmeter. Fünf Jahre später stieg die Kaltmiete um 62 Cent, die Betriebskosten jedoch um 94 Cent. Im Ergebnis liegt die Gesamtmiete (oder auch Warmmiete genannt) nun bei 9,82 Euro pro Quadratmeter, so der Geschäftsführer. Der Anteil der Betriebskosten stieg von 30,6 Prozent auf aktuell 35,4 Prozent. Aktuell werden pro Quadratmeter 3,47 Euro fällig.

Obwohl die LWB auch in den letzten fünf Jahren Tausende Plattenbauten gedämmt und modernisiert hat, kletterten vor allem die Heizkosten: bis 2026 um 77 Prozent. „Wir müssen die Rechnungen der Versorger vollständig begleichen und dann sehen, wie wir das Geld von den Mietern zurückbekommen“, sagt Tonne. Die Ausgaben für Kaltwasser und Abwasser kletterten laut seinen Angaben im gleichen Zeitraum um 38 Prozent. Einkommensschwache Haushalte seien mit alledem zunehmend überfordert.

Schon länger beobachtet auch die Vereinigte Leipziger Wohnungsgenossenschaft (VLW) den Trend. Laut Vorstand Sven Moritz zahlte eine Familie in einer 90-Quadratmeter-Wohnung mit Fernwärme im Jahr 2022 monatlich 210,50 Euro – nur für Betriebskosten. 2026 werden nun bereits 303,50 Euro fällig – also 93 Euro zusätzlich. Bei VLW-Häusern mit Gasheizung stiegen die Kosten im gleichen Zeitraum von monatlich 184 Euro auf 275 Euro – das ergibt 91 Euro mehr.

Heizkosten um 90 Prozent höher

Insgesamt plant die Genossenschaft für 2026 mit Betriebskosten von 14,4 Millionen Euro. Vor fünf Jahren waren es 9,8 Millionen Euro. Das sind 47 Prozent mehr, die ihre Mitglieder aufbringen müssen. Preistreiber waren auch bei der VLW die Bereiche Heizung (Anstieg um fast 90 Prozent in fünf Jahren), gefolgt von Kaltwasser und Abwasser (+36 Prozent).

Einig sind sich alle großen Wohnungsunternehmen, dass die Entwicklung so nicht weitergehen kann. Nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine sei der Preisanstieg für Öl und Gas gegenüber den Mieterhaushalten noch abgemildert worden. Die frühere Bundesregierung aus SPD, Grünen und FDP hatte damals Energiepreisbremsen und Steuersenkungen eingeführt, die jedoch alle 2024 ausliefen. Seitdem regiert wieder weitgehend der Markt.

Alexander Müller, Chef des größten sächsischen Wohnungsverbandes vdw, sieht eine gefährliche Entwicklung: „Während unsere einzige Einnahmequelle, die Kaltmieten, weit unterhalb der Inflation gestiegen ist, wurden die Betriebskosten zum eigentlichen Preistreiber mit zunehmend sozialer Sprengkraft.“ Sachsenweit liege ihr Anteil an der Warmmiete jetzt bereits bei 36 Prozent.

Eine der Folgen: In Leipzig ist der Ansturm auf den Mieterverein so groß, dass er gegenwärtig keine Mitglieder mehr aufnimmt. Laut Geschäftsführerin Anke Matejka streiten die meisten Betroffenen um die Höhe der Betriebskosten.

Trübe Aussichten beim Gaspreis

Fachleute sehen in nächster Zeit keine Besserung – im Gegenteil. Der Iran-Krieg treibe die Preise für fossile Brennstoffe, was zeitversetzt auf Lieferverträge für Öl- und Gasheizungen, aber auch für Fernwärme durchschlage. Zudem biete das neue Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) der aktuellen Bundesregierung zu wenig Schutz für Mieterinnen und Mieter, sagt Lorenz Bücklein von der Verbraucherzentrale Sachsen.

Zwar teilten sich dabei Vermieter und Mieter ab 2028 bestimmte CO₂- und Netzkosten, doch der Brennstoffpreis bleibe voll bei den Bewohnern. „Wir erleben schon heute beim CO₂-Kostenaufteilungsgesetz, dass die Mehrheit der Mieterinnen und Mieter ihren Anteil gar nicht erst zurückfordert – aus Unwissenheit oder aus Sorge vor Konflikten”, erklärt Bücklein. Wer unsicher ist, könne seine Abrechnung von der Verbraucherzentrale prüfen lassen.

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Jens Rometsch
12.05.2026

Experten in Sachsen warnen: Heizen und Warmwasser wird für alle teurer

Mieter und Vermieter müssen sich auf stark steigende Kosten bei der Wärmeversorgung einstellen. Das sagt Sachsens Wohnungswirtschaft. Zwar sei das alte Heizungsgesetz der Ampelkoalition Geschichte. Doch dessen Nachfolger offenbare nun ebenfalls Probleme.

Vor weiter steigenden Kosten für Heizung und Warmwasser warnen die Wohnungsunternehmen in Sachsen. „Das Kellerdiktat ist mit dem neuen Gebäudemodernisierungsgesetz endlich weg“, sagte Alexander Müller vom Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (VDW). „Doch mit den aktuellen Nachbesserungen am Gesetzentwurf ist die Freude darüber schon wieder gedämpft.“

Zum VDW-Landesverband gehören mehr als 110 kommunale Wohnungsunternehmen. Die Bundesregierung habe jetzt das Heizungsgesetz der früheren Ampelkoalition gestrichen, was richtig sei, meinte Müller. Hauseigentümer könnten dadurch weiterhin frei entscheiden, ob sie eine Wärmepumpe, Fern-/Nahwärme, Hybrid, Biomasse oder gas-/ölbasierte Heizungen nutzen wollen.

Bio-Brennstoffe kosten mehr

„Jedoch steigen die Kosten in jedem Fall, auch die Mieter werden belastet“, gab der VDW-Chef bei einer Pressekonferenz in Leipzig zu bedenken. „Natürlich werden eine Heizung, die auf Bio-Brennstoffen basiert, oder eine Fernwärmeversorgung, die rein grün ist, teurer sein als das heute der Fall ist.“

Der bislang bekannte Gesetzentwurf setze darauf, dass sich Mieter und Vermieter die zusätzlichen Kosten in verschiedenen Prozentsätzen teilen. „Wir als sozial orientierte Vermieter finden das überhaupt nicht lustig, weil wir mit niedrigen Mieten arbeiten wollen.“ Zum Beispiel versorgten die kommunalen Gesellschaften auch viele Haushalte, die wenig Einkommen haben oder von Sozialhilfen leben.

Nun kämen sie gleich doppelt in die Bredouille, so Müller. „Wenn Mieter hohe Wärmekosten nicht mehr bezahlen können, müssen wir das Geld auslegen und dann bei ihnen eintreiben – obwohl wir nichts für die hohen Kosten können.“

Beispiel Fernwärme: Deren Anteil solle im Zuge kommunaler Wärmepläne stark wachsen. Trotzdem würden dort CO₂-Abgaben und Netzentgelte fällig. Bei schlecht sanierten Häusern steigt der Vermieter-Anteil an diesen Zusatzkosten auf bis zu 90 Prozent. Aus VDW-Sicht übersteige das deren finanzielle Kräfte.

Heizkosten kontra Sanierungen

Mirjam Philipp, die Leiterin des Verbandes Sächsischer Wohnungsgenossenschaften (VSWG), nahm den Ball auf. Fernwärme sei in ostdeutschen Städten wie Leipzig besonders stark vertreten. Dortige Hausbesitzer müssten dann sparen, könnten nicht mehr so viel sanieren, was für die Energiebilanz ein Eigentor wäre. Auch fehle es bei den Fernwärmepreisen an Kontrolle und Transparenz.

Andererseits seien bei Öl- oder Gasheizungen erst recht wachsende Kosten absehbar. Verwerfungen gebe es da nicht nur auf den Weltmärkten, sondern auch im Inland bei Biosprit-Erzeugern. Außerdem sollen auch hier CO₂-Abgaben und Netzentgelte teils vom Vermieter getragen werden.

Beiden Verbänden zusammen gehört jede vierte Wohnung in Sachsen. Sie befürchten, dass sich aus dem neuen Gesetzentwurf der Bundesregierung ein Bürokratiemonster entwickelt, das kleinere Genossenschaften völlig überfordert, sagte Philipp. Der Freistaat Sachsen könne etwas helfen, indem er bei Zusammenschlüssen von Genossenschaften die Grunderwerbsteuer erlässt oder verringert.

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Jens Rometsch
03.09.2025

Strom, Gas, Fernwärme: So haben sich Leipzigs Energiepreise in fünf Jahren verändert

Die Leipziger Stadtwerke haben gerade umfassend Auskunft zur Entwicklung ihrer Energiepreise seit 2019 gegeben. Anlass dafür war eine Anfrage der Linken-Fraktion.

Ein Thema, das die Leipziger Linke schon lange umtreibt, ist die Erstattung von Wohn- und Heizkosten für Hilfsbedürftige. Gleich mehrere Anfragen der Fraktion spielten in der jüngsten Stadtratssitzung eine Rolle. Schwerpunkt waren diesmal die drastischen Veränderungen bei den Energiepreisen.

Auf Wunsch der Linken ließen die Leipziger Stadtwerke Revue passieren, wie sich ihre Preise für Strom, Gas und Fernwärme in den vergangenen fünf Jahren entwickelt haben. Dabei ergab sich das hier folgende Bild, welches zur Orientierung durchaus für alle Messestädter interessant sein könnte. Die genannten Preise sind Bruttowerte, also mitsamt der jeweils geltenden Umsatzsteuer.

Kosten sinken langsam wieder

Strom: 2019 lag der Arbeitspreis in der Grundversorgung der Leipziger Stadtwerke bei 28,2 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Dann wuchs er bis zum Rekord von 52,1 Cent im Jahr 2023, um anschließend wieder zu sinken bis auf 37,3 Cent im vergangenen Jahr. Der jährliche Grundpreis stieg im gleichen Zeitraum von 142 auf 168 Euro. Die Preise waren damit meist günstiger als im Bundesdurchschnitt, so das kommunale Unternehmen.

Nur 2023 hätten sie zeitweilig höher gelegen. Das sei für Leipzigs Haushalte aber nicht so spürbar gewesen, weil bis Ende 2023 die Strompreisbremse des Bundes galt. Sie begrenzte die Kosten auf 40 Cent/kWh. Jeweils noch etwas günstiger seien Sondertarife gewesen, bei denen sich Kunden für längere Zeiträume an die Stadtwerke binden.

Gas: 2019 lag der Arbeitspreis in der Grundversorgung der Leipziger Stadtwerke bei 6,6 Cent/kWh. Dann wuchs er bis zum Rekord von 21,8 Cent im Jahr 2023, um anschließend wieder zu sinken bis auf 13,2 Cent im vergangenen Jahr. Der jährliche Grundpreis sank im gleichen Zeitraum leicht von 139 auf 138 Euro. Kunden in Sondertarifen konnten massiv sparen, weil sie Preisanstiege meist erst viele Monate später erreichten. Das alles habe „im Wesentlichen“ dem Bundesschnitt entsprochen, so das kommunale Unternehmen.

Fernwärme: Für ein Mehrfamilienhaus mit 30 Wohnungen rechnen die Leipziger Stadtwerke vor, dass im Jahr 2019 der Mischpreis bei 8,2 Cent/kWh gelegen habe. Dann wuchs er leicht, um im Jahr 2023 einen Sprung nach oben auf 15,2 Cent/kWh zu vollziehen. Im vergangenen Jahr gab es einen kleineren Anstieg auf 15,4 Cent/kWh. Für das nun laufende Jahr 2025 sei der Mischpreis leicht gesunken auf 14,1 Cent/kWh, so das Unternehmen. Auch das entspreche etwa dem Bundesschnitt. Der Mischpreis ist eine rechnerische Größe, die die Fernwärme-Gesamtkosten auf den üblichen Verbrauch umlegt. So wird die Preisentwicklung vergleichbar.

Verteilung: Aktuell heizen die Leipziger zu 46 Prozent mit Erdgas, zu 30 Prozent mit Fernwärme (aus Erdgas und Braunkohle), 11 Prozent mit erneuerbaren Energien und Blockheizkraftwerken, 10 Prozent mit Heizöl, 2 Prozent mit Biomasse. Bundesweit liegt der Fernwärme-Anteil niedriger als in Leipzig – nämlich bei nur 15 Prozent, der Öl-Anteil dafür aber höher bei 25 Prozent. Heizöl wird durch die hiesigen Stadtwerke nicht gehandelt. Bundesweit kletterte der Preis da von 6,0 Cent/kWh im Jahr 2019 auf 15 Cent/kWh im Jahr 2022. Im vergangenen Jahr lag er wieder niedriger, bei 9,5 Cent/kWh.

Debatte um Mahnungen

Wegen der großen Sprünge bei den Energiekosten würden auch in Leipzig immer wieder Bedürftige aufgefordert, ihre Wohnnebenkosten zu senken. Das kritisierte Linken-Stadtrat Enrico Stange mit Bezug auf die Daten. „Dabei sind Kostensenkungen in der Praxis meist völlig unmöglich. Denn es gibt in Leipzig keine freien bezahlbaren Wohnungen mehr, die einen besseren energetischen Zustand hätten.“

Viele Bedarfsgemeinschaften müssten deshalb ihre Heiz- und Betriebskosten teilweise aus dem Geld bestreiten, das ihnen eigentlich für andere Dinge wie Lebensmittel, Kleidung, Mobilität zusteht. „Mit der wachsenden Arbeitslosigkeit werden sich diese Probleme noch verschärfen“, prophezeite Stange. „Trotzdem übt das Jobcenter unangemessen Druck auf die Bedürftigen aus, die staatliche Leistungen beziehen – ohne den Einzelfall zu prüfen.“

Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) entgegnete, die Sachlage sei nicht einfach. Natürlich solle das Jobcenter mit Einfühlungsvermögen auch den Einzelfall beachten. Einen generellen Verzicht auf die gesetzlich vorgesehenen Mahnungen könne die Stadt Leipzig aber nicht befürworten, schränkte Jung ein. Das folge schon aus dem Prinzip, sparsam und verantwortungsvoll mit Steuergeld umzugehen.

Außerdem würde die Stadt andernfalls riskieren, dass ihr mehrfach gerichtlich bestätigtes Konzept zur Ermittlung der Kosten der Unterkunft (KdU) Schaden nimmt, erläuterte der OBM weiter. Dann könnte es vor Gericht zu Fall gebracht werden, mit dramatischen Folgen.

Neue Sätze noch 2025

Jung meinte, die beste Lösung liege wahrscheinlich darin, die Miet- und Heizkosten-Richtwerte für die etwa 31.000 Leipziger Bedarfsgemeinschaften regelmäßig und mit Augenmaß an die Veränderungen auf dem Wohnungsmarkt anzupassen. Die nächste Anpassung solle noch 2025 folgen.

Den Linken blieb diese Position zu dürftig. Ihr Stadtrat Stange konnte immerhin noch einen kleinen Erfolg verbuchen. Die Mehrheit beschloss, dass das Jobcenter in Bälde prüfen soll, wie man in Zukunft zeitnah zu zuverlässigen Daten über die tatsächlich anfallenden Miet- und Heizkosten bei den Leipziger Bedarfsgemeinschaften kommen kann.

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Jens Rometsch
19.08.2025

Leipzig hat einen neuen Betriebskostenspiegel: Welche Ausgaben steigen

Einklagbar sind die Werte aus dem Heiz- und Betriebskostenspiegel der Stadt Leipzig nicht. Doch sie bieten eine gute Orientierung, ob in der Abrechnung für die eigenen Wohnung alles stimmt. Nun liegt die neue Broschüre vor.

Die sogenannte zweite Miete in Leipzig steigt immer weiter. Das belegt auch der neue Heiz- und Betriebskostenspiegel, den das Sozialdezernat der Stadt soeben veröffentlicht hat.

Demnach verteuern sich die Ausgaben für Heizung und Warmwasser am stärksten. Im Jahr 2021 lagen sie stadtweit im Mittel noch bei monatlich 91 Cent pro Quadratmeter Wohnfläche. Im Jahr 2023 waren es durchschnittlich in Leipzig schon 119 Cent – also fast ein Drittel mehr.
Daten zeigen real bezahlte Summen

Die Kommune erstellt alle zwei Jahre einen Heiz- und Betriebskostenspiegel. Datengrundlage sind die tatsächlich bezahlten Nebenkosten in weit über 1000 Mehrfamilienhäusern.

Sie werden von 15 großen Wohnungsgesellschaften und Hausverwaltungen in anonymisierter Form zur Verfügung gestellt, erläutert Sozialbürgermeisterin Martina Münch (SPD) in der aktuellen Broschüre. Erstmals konnten auch Mieterhaushalte ihre Abrechnungen einsenden, wofür die Stadt sehr dankbar sei.

Durch den Abrechnungsmodus gebe es naturgemäß immer etwas Verzögerung, bis die Daten ausgewertet werden können. Dafür biete das Ergebnis eine verlässliche Orientierung, ob die eigenen Kosten der allgemeinen Entwicklung in Leipzig entsprechen.

Größter Vorteil: Es handele sich um die wirklich bezahlten Beträge entsprechend dem jeweiligen Verbrauch, also nicht nur um die Höhe der monatlichen Vorauszahlungspauschalen. Wenn die Kosten in einem Haushalt davon stark abweichen, sollten die Mieter den Sachverhalt unbedingt genauer prüfen, empfiehlt Münch.

Hoher Anstieg in Leipzigs Gründerzeitbauten

Demnach lagen im Jahr 2021 die realen Nebenkosten (mit Fahrstuhl, ohne Kabel-TV) in den Leipziger Gründerzeithäusern noch bei 2,56 Euro pro Quadratmeter. Im Datenspiegel für 2023 waren es hingegen schon 3,17 Euro. Der Anstieg in solchen Gebäuden, die vor dem ersten Weltkrieg erbaut wurden, betrug folglich 24 Prozent in nur zwei Jahren.

Nicht ganz so krass verlief die Entwicklung bei den Plattenbauten aus DDR-Zeiten. Hier legten die realen Nebenkosten (mit Fahrstuhl, ohne Kabel-TV) von 2,56 Euro pro Quadratmeter zu auf 2,81 Euro – ein Anstieg um zehn Prozent in zwei Jahren.

Auch Neubauten, die nach der Wiedervereinigung entstanden sind, blieben nicht von Preisanstiegen verschont. Am höchsten liegen die Wohnnebenkosten hier im Segment jener Häuser, die nach 2014 fertiggestellt wurden. Sie schlugen in der Übersicht für 2021 noch mit 2,55 Euro pro Quadratmeter zu Buche, im Jahr 2023 folgten 2,87 Euro – also ein Anstieg um 13 Prozent.

Eine Gesamtzahl für die Entwicklung der zweiten Miete in Leipzig findet sich in der Broschüre traditionell nicht. Denn die Höhe der Nebenkosten kann stark zwischen den verschiedenen Baualtersklassen schwanken.

Licht, Grundsteuer, Wasser konstant

Für einige wichtige Kostenarten wird aber traditionell auch die stadtweite Entwicklung in jüngerer Vergangenheit vorgestellt. Demnach blieben von 2021 zu 2023 die Ausgaben für Beleuchtung, Grundsteuer, Wasser und Gebäudereinigung konstant. Alle anderen Positionen haben sich verteuert. Laut Münch lag die Ursache dafür oftmals im Angriff Russlands auf die Ukraine im Jahr 2022.

Außer den energieabhängigen Positionen verteuerten sich zum Beispiel auch Müllabfuhr, Gartenpflege, Aufzug. Gleich um sieben Cent pro Quadratmeter – und damit besonders hoch – schnellten die Kosten für Sach- und Haftpflichtversicherungen. Das entsprach einer Zunahme um stolze 44 Prozent.

Der Turbo bei den Versicherungspreisen war laut Sozialdezernat ein Ergebnis der extremen Baukostenentwicklung – damit würden die Schadenssummen steigen. Auch habe sich das Wachstum der Lohnkosten (infolge von Inflation und Mindestlohn) vor allem bei Haus- und Straßenreinigung, Grünlandpflege, Winterdienst, Wartung von Aufzügen und Rauchwarnmeldern bemerkbar gemacht.

Die Ergebnisse für 2023 dürften allerdings nur ein Vorspiel für die Nebenkostenabrechnungen aus dem vergangenen Jahr sein. Aus mehreren Gründen: So wurden zum 1. Januar 2024 die Preise für Trink- und Abwasser in Leipzig um etwa neun Prozent angehoben.

Erste Abrechnungen für 2024

Zugleich traten Erhöhungen bei der bundesweit gültigen CO₂-Steuer in Kraft. Am stärksten wirkte jedoch, dass alle Energiepreisbremsen wegfielen, die noch bis Ende 2023 gewirkt hatten. In der Folge erreichen gegenwärtig viele Haushalte Abrechnungen für 2024, deren Summe noch viel höher als im Jahr davor liegen.

Der Leipziger Mieterverein kümmere sich gerade sehr stark um die erste Welle von Betriebskosten-Abrechnungen für das Jahr 2024, berichtete die dortige Chefin Anke Matejka vor wenigen Tagen. „Viele Mieter-Haushalte sind geschockt, weil sie starke Erhöhungen hinnehmen sollen.“

In vielen Abrechnungen, die jetzt bei den Mitgliedern des Vereins eintreffen, verlangten die Vermieter 25 Prozent mehr Geld für das Warmwasser und etwa 50 Prozent mehr für die Heizkosten. „Das bedroht mitunter wirklich die Existenz“, warnte Matejka. Die konkreten Beträge hingen aber stark vom jeweiligen Energiebezugsvertrag des Hausbesitzers ab.

„Der Anteil der Betriebskosten an der Gesamtmiete nimmt zu“, konstatierte Bürgermeisterin Münch. Für die Jahresabrechnung 2024 wird eine Entlastung bei den Heizkosten für Gas (zwischen -15 und -25 Prozent), Wärmepumpen (-18 Prozent), Holzpellets (-6 Prozent) und Heizöl (-4 Prozent) prognostiziert, heißt es in der Broschüre der Kommune.

Fernwärme dürfte weiter klettern

Eine Ausnahme bilde die Fernwärme: „Hier werden die Kosten voraussichtlich zwischen 15 und 21 Prozent steigen.“ Für das Jahr 2025 sei mit weiterem Kostenanstieg zu rechnen. Dann gingen die Gaskosten wahrscheinlich um etwa 25 Prozent nach oben, für Fernwärme in der Folge um bis zu sieben Prozent.

Auch könnten die Hauseigentümer nun Kosten für Verbrauchsinformationen und vorgeschriebene Funktechnologien auf die Mieterhaushalte umlegen. Zum Jahresanfang 2025 erhöhten sich außerdem die Kosten für Straßenreinigung und Müllabfuhr. Ein Lichtblick: Der letzte Winter war sehr mild, was die Winterdienstkosten senken dürfte.