Weniger Zwangsräumungen in Sachsen – Leipzig bleibt Spitzenreiter
2025 sind in Sachsen rund 600 weniger Wohnungen als im Vorjahr zwangsgeräumt worden. Für die Linken-Abgeordnete Juliane Nagel ist das aber kein Grund zur Entwarnung: Trotz des Rückgangs gab es weiterhin fast sechs Zwangsräumungen pro Tag.
Die Zahl von Wohnungsräumungen in Sachsen ist vergangenes Jahr um knapp 20 Prozent gesunken. Von landesweit 2628 Räumungsaufträgen sind 2155 vollstreckt worden. Das geht aus einer Antwort des sächsischen Justizministeriums auf eine kleine Anfrage der Linken-Abgeordneten Juliane Nagel hervor. Damit sind 2025 knapp 600 Wohnungen weniger als im Vorjahr zwangsgeräumt worden.
„Der Rückgang ist erfreulich, doch von einer Trendwende können wir noch nicht ausgehen. Statistisch gesehen wurden 2025 in Sachsen täglich fast sechs Wohnungen geräumt“, sagte Nagel.
Zwangsräumungen in Sachsen: Leipzig ist Spitzenreiter
Wie bereits 2024 fanden auch 2025 in Leipzig die meisten Räumungen statt: Nach Angaben des Justizministeriums waren dort 618 Wohnungen betroffen. Auf Platz zwei liegt Dresden mit 544 Zwangsräumungen, danach folgt Chemnitz mit 233.
Meist führen Mietschulden dazu, dass Menschen aus ihren Wohnungen raus müssen. „Schon ein Mietrückstand von zwei Monaten kann zur Kündigung führen. Die Betroffenen werden dann wohnungslos, viele landen auf der Straße“, kritisierte Nagel.
Mehr als 6800 wohnungslose Menschen in Sachsen
Mehr als 6800 Wohnungslose hatte das Statistischem Bundesamt zum Stichtag 1. Januar 2025 in Sachsen gezählt. Laut der Linken-Politikerin dürfte die Dunkelziffer aber weitaus höher sein. „Viele Betroffene sind verdeckt wohnungslos. Sie kommen vorübergehend bei Bekannten unter oder meiden Hilfsangebote.“
Vor allem in den Ballungsräumen fänden Betroffene kaum neuen bezahlbaren Wohnraum, kritisierte Nagel. „Wir fordern einen besseren Mieterschutz, mehr Engagement beim Bau von Sozialwohnungen sowie die konzertierte Unterstützung der Kommunen, um Wohnungsverlust zu verhindern.“
Wer von Wohnungslosigkeit bedroht ist, Mietschulden oder keine Wohnung hat, kann sich unter anderem an die kostenlose Schuldnerberatungsstelle der Verbraucherzentrale Sachsen oder an die Wohnungsnotfallhilfe der Awo oder Diakonie wenden.