Rückblick: AntiRep-Wochen von Rote Hilfe Leipzig and friends

Von Ende Mai bis Mitte Juli fanden in Leipzig die AntiRep-Wochen statt. Wir haben uns entschieden die Veranstaltungen nochmal Revué passieren zu lassen – auch um Menschen, die es vielleicht nicht zu den Veranstaltungen geschafft zu haben, abzuholen. Wir wollen uns hier auch nochmal bei den Menschen, Gruppen, Strukturen und solidarischen Orten bedanken, die diese Veranstaltungsreihe mit uns aufgezogen haben. Einige der Genoss*innen waren so nett ihre Perspektive auf die vergangene Veranstaltung selbst runter zu schreiben und noch ein paar Materialien zur Ergänzung zu verlinken.
Vielen Dank nicht zuletzt auch an alle Menschen, die zu den Veranstaltungen gekommen sind. Wenn ihr selbst eine Veranstaltung zum Thema (Anti-)Repression machen möchtet, sprecht oder schreibt uns gerne an – vielleicht kann dann die nächste Auflage der AntiRep-Wochen oder eine einzelne Veranstaltung mit euch gemeinsam stattfinden.
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26.05.26 – Vortrag von Thomas Meyer-Falk: Solidarität ist unsere Waffe! Was bedeutet das aus Sicht eines Ex-Gefangenen?

Im Rahmen der AntiRep-Wochen erzählte ich aus der Perspektive eines Menschen der selbst längere Zeit in Haft verbracht hatte, zum einen über die Bedeutung der Solidarität im Haftalltag für Gefangene sowie zum anderen über die Außenperspektive als jemand der nun selbst in die Soliarbeit eingewoben ist.
Im Gefängnis hat mir die Solidarität in all ihren Facetten, ob Briefe, Karten, nach der Isohaft auch Telefonate, die Besuche, Plakataktionen, Solibilder und Soliaktionen geholfen, die Haftzeit wenn schon nicht unbeschadet, so doch ungebrochen durchzustehen. Nie kam das Gefühl auf, von der Außenwelt vergessen worden zu sein; Vergessenheit kann Menschen auf Dauer brechen. Zugleich konnte ich innerhalb der Mauern selbst solidarisch sein: ob Mitgefangene unterstützen, beispielsweise in juristischen Fragen oder auch selbst Briefe und Karten an andere Gefangene schreiben. Also nicht nur der passiv empfangende Teil, sondern selbst aktiv  zu sein.
Meine Gefängniszeit endete vor rund drei Jahren, seitdem teile ich die Erfahrungen dieser Zeit, auch in der Absicht, Menschen zu ermutigen, sich nicht vom Knast abschrecken zu lassen, um zu zeigen, ein Überleben ist möglich und zu dokumentieren, es werden immer Menschen hier draußen da sein und supporten, egal wie lange die Haft am Ende dauern wird.
Die Veranstaltung am 26. Mai ging mit einem gemeinsamen Briefe/Karten-Schreiben an Gefangene zu Ende: Solidarität aus der Theorie eines Inputs holend, praktisch wirksam werden lassend. Ich nahm neben der Wut und Ungebrochenheit aller mit denen ich sprach, auch eine gewisse Form der Erschöpfung wahr. Seit vielen Jahrzehnten die Konfrontationen mit Nazis, dazu die alltägliche staatliche Repression und die in ihrer Quantität kaum leistbar erscheinende konkrete Soliarbeit für all die Strafprozesse, dazu noch (szene)interne Differenzen. All das kostet so wie Kraft, zehrt bei nicht wenigen die letzten Energiereserven auf.
Mich bedrückt das, denn die kommenden Jahre und vermutlich Jahrzehnte versprechen nicht nur keine grundlegende Verbesserung des Status quo, sondern vieles deutet eher auf eine weitere Verschärfung der Lage hin.
Vielleicht wäre das perspektivisch eine eigene Veranstaltungsreihe wert? Was hilft uns nicht auszubrennen? Woraus ziehen wir Kraft? Jenseits manchmal etwas hohl klingender Parolen und ohne ins esoterische abzudriften!
Danke, dass Ihr viel mit mir geteilt habt- und ich mit Euch meine Perspektive teilen durfte!
Thomas

• FAQ „Briefe schreiben“: https://abcdd.org/wp-content/uploads/2019/12/FAQ2.pdf
• Adressen:
◦ BRD und international: https://political-prisoners.net/adressen-von-gefangenen/15453
◦ Kurdische Gefangene: https://azadi-rechtshilfefonds.de/ + https://www.nadir.org/nadir/initiativ/azadi/
◦ Baskenland: https://www.etxerat.eus/es/list/listado-de-presos-y-carceles
◦ Belarus: https://abc-belarus.org/en/prisoners/ und https://prisoners.spring96.org/en/list
◦ International von ABC Los Angeles: https://prisonersolidarity.com/data-explorer
◦ Anarchistische Gefangene: https://solidarity.international/index.php/list-of-prisoners/
◦ Prisoners in England, Wales, Scotland & Ireland: https://bristolabc.org/prisoners/
◦ Adressen von „sozialen“ Gefangenen in BRD und Schweiz: https://www.jail-mail.de/
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31.05.26: Feministische Anti-Knast Kundgebung

Am 31. Mai sind wir gemeinsam nach Chemnitz zur JVA für Frauen gefahren. Für circa drei Stunden liefen Grußwörter sowie die unterschiedlichste Musik. Eine Performance und spontane Chorbeiträge schenkten dem sonst grauen und tristen Parkplatz neuen Glanz und den Gefangenen hoffentlich eine verdiente Pause im Knastalltag.
Die warme und ausgelassene Atmosphäre trug dazu bei, dass die Mauern – zumindest in den Köpfen – für eine kurze Zeit überwunden wurden. In der Schreibwerkstatt wurden fleißig Briefe geschrieben. Der Abschluss wurde mit der bekannten Fahnenchoreografie gefunden. Winkend und teilweise mit Tränen in den Augen verabschiedeten sich die Kundgebungsteilnehmer*innen mit einer deutlichen Ansage: Ihr seid nicht alleine und wir kommen wieder!
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03.06.26 – Vortrag der RH Leipzig: „Was tun bei Hausdurchsuchungen?“

Der zweistündige Input und Austausch zum Thema Hausdurchsuchung bei sommerlichen Temperaturen hat mal wieder gezeigt, wie viele Themen es in diesem Zusammenhang gibt – emotionaler sowie technischer Art – auf die sich ein regelmäßiger Blick lohnt. Worüber spreche ich am besten mit meinen Mitbewohner*innen? Wie können wir Umgänge mit unseren Sorgen und Ängsten finden? Und was mach ich eigentlich, wenn es klingelt (oder kracht?). Das Besprechen dieser und anderer Fragen hat mal wieder gezeigt, dass es bei diesem Thema um so viel mehr geht als nur um Handyverschlüsselung und dass es wichtig ist, sich regelmäßig mit der Thematik zu beschäftigen – auch, wenn man das Gefühl hat, sich eigentlich auszukennen.

• Weitere Infos findet ihr hier: https://antirepression.noblogs.org/polizeikontakt/hausdurchsuchungen/
• Die Checkliste für HDs findet ihr hier oder im linXXnet: https://antirepression.noblogs.org/files/2016/05/Plakat_A3_ChecklisteHausdurchsuchung2b_2015.pdf
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05.06 – Filmvorstellung der RH Leipzig „The Spies Who Ruined Our Lives“

Am 05.06.2026 zeigte Orstgruppe Leipzig der Roten Hilfe im Ost-Passage-Theater den Film „the spies who ruined our lives“ (prod. von Justyn Jones & Madoc Roberts) welcher den sog. spy-cop-scanal aus Großbritannien beleuchtet. Über mehrere Jahrzehnte infiltrierten verdeckte Ermittler politische Gruppen, bauten Freund*innenschaften auf und gingen intime Beziehungen zur Aktivist*innen ein. Jahrzehnte später kämpfen die Betroffenen noch immer um Aufklärung und Gerechtigkeit, während die britische Regierung die geheime Operation weiterhin verschleiert. Der Film lies die zahlreichen Zuschauenden bedrückt zurück. Es bleibt der Eindruck, dass solche Operationen bis heute fortbestehen und das längst nicht alles aufgeklärt ist. Und was in GB möglich war und ist, gilt genauso für die BRD. Auch hier setzen die Geheimdienste und Polizei alles daran, politische Gruppen zu überwachen und zu infiltrieren. Falls eine Behörde auf euch zukommen sollte um euch anzuwerben gilt: auf kein Gespräch einlassen, Situation verlassen und im Anschluss mit eurer lokalen Antirepressionsstrukur Kontakt aufnehmen! (mehr Infos hier: https://rote-hilfe.de/rechtshilfetipps/anquatschversuch).
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10.06.26 – Vortrag von Gen-ethisches Netzwerk e.V. und Rechtsanwalt C. Mucha: Finger weg von meiner DNA – Wissen schützt vor Zugriff

Am 10.06. haben eine Person des Gen-ethischen Netzwerk e.V. und Rechtsanwalt C. Mucha einen Input zur DNA-Entnahme und Speicherung gegeben. Es wurde die Kampagne „Finger weg von meiner DNA – Wissen schützt vor Zugriff“ vorgestellt (http://www.fingerwegvonmeinerdna.de/), Tipps zur DNA-Entnahme und Vermeidung gegeben und die rechtliche Lage eingeordnet. Am Ende wurden sehr viele Fragen gestellt, was gezeigt hat, dass das Thema für viele Personen präsent und interessant ist.

Gebt auf jeden Fall nie eure DNA irgendwo freiwillig ab, z.B. bei Massengentests  Bei Festnahmen müsst ihr die DNA nur abgeben, wenn die Cops „Gefahr in Vollzug“ konsturieren, was begründet werden muss. Die DNA-Abgabe ist KEIN Teil der ED-Behandlung. Verweigert hier immer die DNA-Entnahme, unterschreibt nichts, kontaktiert eure*n Anwält*in und legt Widerspruch ein. Wenn eure DNA doch entnommen wird, dann meldet euch bei der nächsten Rechtshilfegruppe (z.B. RH oder EA Leipzig) und beantragt beim Gericht die Löschung, was nach einem Verfahren eigentlich eh gemacht werden muss.

• Weitere Infos hier: https://antirepression.noblogs.org/polizeikontakt/dna/
• Infoflyer der RH zu DNA: https://antirepression.noblogs.org/files/2024/06/flyer_DNA.pdf
• Broschüre „Der polizeiliche Zugriff auf DNA – Strategien der Gegenwehr“: https://fingerwegvonmeinerdna.de/wp-content/uploads/2026/03/Polizeilicher-Zugriff-auf-DNA_2024_web-1.pdf
• Zine „Umgang mit DNA in der Praxis“: https://www.notrace.how/resources/download/umgang-mit-dna-in-der-praxis/umgang-mit-dna-in-der-praxis.pdf
• Zine „DNA you say? – Burn everything to burn longer: A guide to leaving no traces“: https://www.notrace.how/resources/download/blabladn/dna-you-say-read.pdf
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11.06.26 – Vortrag des EA Hamburg: „Verdeckte Ermittler*innen – Was tun, im Wissen, dass es sie gibt?“

Am 11.06. war eine Person des EA Hamburg für ein Vortrag zu verdeckten Ermittler*innen und V-Personen in Leipzig. Der Vortrag war gut besucht. Es wurden einige Infos, die in Hamburg durch Erfahrungen mit verdeckten Ermittler*innen gesammelt wurden, gegeben. Hierzu wurden z.B. exemplarisch die verdeckten Ermittler*innen, die in Hamburg enttarnt wurden, umrissen und erzählt, wie diese in die linke Szene gekommen sind, wo/wie sie aktiv waren und wie diese aufgeflogen sind.
Verdeckte Ermittler*innen sind Cops, die verdeckt, unter anderem Namen, in der Szene ermitteln. V-Personen können Personen aus der Szene sein, müssen es aber nicht. Diese werden für ihre Tätigkeit angeworben. Der Einstieg von verdeckten Ermittler*innen und V-Personen passiert eigentlich immer über offene Strukturen, z.B. Cafés, Küfas, offene Treffen. Es bringt also als aktive Person nichts zu denken „Ich mach ja eh nichts“, weil verdeckte Ermittler*innen über die „Randstrukturen“ / offene Strukturen in die Szene kommen.
Verdeckte Ermittler*innen leben meist allein, in Randbezirken, geben meist vor offene Jobs mit wenig/flexibler Arbeitszeit oder Jobs, bei denen sie nicht besucht werden können zu haben oder sie geben vor zu studieren. Sie geben meist vor keinen Kontakt zur Familie zu haben. Der Einsatz von verdeckten Ermittler*innen ist meistens zwischen 7 und 10 Jahren. Verdeckte Ermittler*innen verhalten sich nicht auffällig und machen meistens „alles“ (mit), z.B. Beziehungen in Szene führen, Drogen nehmen, Aktionen, Straftaten, auch wenn sie das eigentlich nicht dürfen.
Es ist nicht einfach verdeckte Ermittler*innen zu enttarnen und es ist sehr davon abzuraten zu spekulieren wer verdeckte*r Ermittler*in oder V-Person sein könnte. Lasst das bitte und setzt euch bei einem Verdacht konstruktiv damit auseinander und tratscht nicht. Dafür sind Gespräche in der Szene über Beziehungen und Kontakte sehr wichtig, nicht wahllos, aber mit vertrauten Gefährt*innen.

Wenn ihr euch vertieft mit dem Thema beschäftigen wollt, dann lest das Buch „Spitzel – V-Personen, Spycops, Typologie, Demaskierung“ von Klaus Viehmann und Markus Mohr (https://verlag-immergruen.de/product/spitzel-v-personen-spycops-typologie-demaskierung/, gibt es auch im Index und Samizdat). Außerdem hier ein paar Empfehlungen für Zines:
• Zine „Was my friend a spycop?: https://www.notrace.how/resources/download/was-my-friend-a-spycop/was-my-friend-a-spycop.pdf
• Zine „Schöner leben ohne Spitzel“: https://www.notrace.how/resources/download/schoener-leben-ohne-spitzel/schoener-leben-ohne-spitzel.pdf
• Zine „Veroeffentlichung zur verdeckten Ermittlerin Iris Plate“: https://www.notrace.how/resources/download/veroeffentlichung-zur-verdeckten-ermittlerin-iris-plate/veroeffentlichung-zur-verdeckten-ermittlerin-iris-plate-read.pdf
• Zine „Handbuch für die Entdeckung eines Polizei-Infiltrators“: https://www.notrace.how/resources/download/manual-para-destapar-a-un-policia-infiltrado/handbuch-fur-die-entdeckung-eines-polizei-infiltrators-read.pdf
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16.06.26 – Workshop der RH Leipzig: Gemeinsame Datenabfrage

Bei der gemeinsamen Datenabfrage am 16.06. waren leider kaum Personen in der ADI. Vielleicht lag es am regnerischen Wetter, vielleicht lag es daran, dass ihr das alle immer fleißig macht oder es lag daran, dass uns viele Freund*innen im Voraus gesagt haben, „dass sie das einfach zuhause machen“. Macht das bitte wirklich oder tut euch mit Gefährt*innen zusammen 😉 Ihr braucht dafür einen Drucker, euren Personalausweis, wenn ihr wollt Handschuhe, Briefumschläge und Briefmarken.
Alle Infos findet ihr hier: https://www.datenschmutz.de/cgi-bin/auskunft
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17.06.26 – Vortrag von Rassismus Tötet! Leipzig: Hausdurchsuchungen in Klein-Paris – When they kick at your front door…

Auch an diesem Hitzetag im Juni sollte es um das leidige Thema Hausdurchsuchung gehen. Die Genoss*innen von Rassismus Tötet! hatten eingeladen in der Veranstaltung ihre Broschüre ca. anderthalb Jahre nach Veröffentlichung nochmal in größerer Runde zu besprechen. Die Broschüre versucht verschiedene Erfahrungen und Perspektiven auf Hausdurchsuchungen als Mittel der politischen Repression zusammen zu bringen. Es wurde „mit Betroffenen gesprochen, Unterstützer*innen um ihre Perspektiven gebeten, Debattenbeiträge gesammelt, Thesen formuliert und Lücken beleuchtet.“ Dass die Lücken in Leipzig noch vorhanden sind, hatte der 17. Juni dann leidvoll aufgezeigt. So kamen genau zwei Gäste. Wir wissen nicht, ob es an den Temperaturen lag, ob sich Menschen zu sehr an die Meldungen von eingetretenen Türen gewöhnen oder müde sind, sich nochmal bei einer abendlichen Veranstaltung mit dem Thema zu konfrontieren. Auch wenn wir in dieser kleinen Runde einen interessanten Austausch zu den Erfahrungsberichten und Thesen der Broschüre hatten, hätten wir uns doch gefreut das Thema breiter zu diskutieren. Daher hier nochmal die explizite Empfehlung die Broschüre zu lesen. Im ein- oder anderen Infoladen findet ihr sie vielleicht noch gedruckt, ansonsten hier bequem zum Download: https://www.rassismus-toetet-leipzig.org/index.php/broschuere-hausdurchsuchungen-in-klein-paris/
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13.07.26 – Workshop von Out Of Action Leipzig: Verkörperter Widerstand – wie uns somatische Übungen im Kampf gegen Repression helfen können

Aus kapazitären Gründen hat es OOA leider nicht geschafft einen Rückblick für den Workshop zu schreiben und aus der Roten Hilfe war leider keine Person bei dem Workshop. Im Rahmen der Antifa-Wochen wird der Workshop nochmal stattfinden 🙂