Extremismus in Leipzig: Diese Gruppierungen stehen im neuen Verfassungsschutzbericht
Leipzig bleibt Brennpunkt linksextremistischer Gewalt in Sachsen, wie aus dem neuen Verfassungsschutzbericht hervorgeht. Zugleich haben sich propalästinensische Extremisten fest in der Messestadt etabliert.
Leipzig nimmt im neuen Verfassungsschutzbericht des Landes Sachsen weiterhin eine bedeutende Rolle ein. Demnach wurden die meisten linksextremistischen Straf- und Gewalttaten 2025 in der Messestadt verzeichnet: Die Zahl linksextremer Straftaten stieg dort gegenüber dem Vorjahr um 15 Prozent, die der Gewalttaten sogar um 28 Prozent. 2023 waren die Zahlen aber noch deutlich höher.
Bei rechtsextremen Delikten hingegen verzeichneten die Behörden in Leipzig nach einem Höchststand im Jahr 2024 inzwischen wieder einen Rückgang von rund 30 Prozent. Das geht aus dem aktuellen Bericht des Landesamtes für Verfassungsschutz (LfV) hervor, der am 9. Juni veröffentlicht wurde.
Trotz dieser Entwicklung wurden 2025 in Leipzig insgesamt aber weiterhin deutlich mehr rechtsextreme als linksextreme Straftaten registriert. Gleiches gilt auch für den gesamten Freistaat. Landesweit war die Zahl der Straftaten mit rechtsextremem Hintergrund sogar fast dreimal so hoch die mit linksextremem Hintergrund.
In Sachsen wohnen laut dem Inlandsgeheimdienst etwa 6550 Rechtsextremisten. Davon stufen die Verfassungsschützer etwa 1450 als gewaltorientiert ein. In ihrem Bericht verweisen sie unter anderem auch auf den Leipziger AFD-Kreisverbandsvorsitzenden Siegbert Droese, der im März 2025 in den sozialen Medien auf einen Bericht über einen bei einem Polizeieinsatz erschossenen Afghanen mit dem Kommentar „Erfolgreicher Polizeieinsatz!“ reagiert habe.
Leipzig bei rechtsextremen Straftaten hinter Dresden
Neben der AfD und ihrer im Februar 2025 aufgelösten Jugendorganisation Junge Alternative werden im aktuellen Verfassungsschutzbericht die Freien Sachsen, Die Heimat, die Jungen Nationalisten und der Dritte Weg als gesichert rechtsextreme Parteien beziehungsweise Bestrebungen genannt.
Die rechtsextreme Leipziger Gruppierung „Aryan Peoples Resistance“, die 2024 im Zuge der Anti-CSD-Proteste gegründet wurde, sei 2025 lediglich mit einzelnen Mitgliedern in Erscheinung getreten. Nach Angaben des LfV beteiligten sich diese am sogenannten „Trauermarsch“ der rechtsextremen Szene am 15. Februar in Dresden.
Rote Wende Leipzig als gewaltorientiert eingestuft
Die Zahl der Linksextremisten ist in Sachsen mit etwa 975 deutlich niedriger als die der Rechtsextremisten. Dem LfV-Bericht zufolge sind in Leipzig und Dresden „unverändert die meisten Linksextremisten“ aktiv.
Die vor allem stark in den sozialen Netzwerken präsenten Gruppen „Rote Wende Leipzig“ und „Jugend im Kampf“, die beide offen die grundgesetzliche Ordnung in der Bundesrepublik ablehnen, rechnen die Verfassungsschützer den gewaltorientierten dogmatischen Linksextremisten zu. In ihren Social-Media-Beiträgen hätten 2025 die Themen „Antifaschismus“, „Antimilitarismus“ und „Palästinasolidarität“ eine „herausragende Rolle“ gespielt, heißt es.
Als explizit anarchistische Gruppierung wird im Bericht des Geheimdienstes erneut auch die Gewerkschaft Freie Arbeiter*innen-Union (FAU) genannt, die die „Beseitigung der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung“ zum Ziel habe. Für den 1. Mai rief die FAU Leipzig beispielsweise zu einer Demo auf, an der rund 1800 Menschen teilnahmen. „Die hohe Teilnehmerzahl unterstreicht die feste Verankerung der FAU in der Stadt und gilt szeneintern als Erfolg für die eigene politische Agenda“, so das LfV.
Leipzig bleibt Hochburg der autonomen Szene
Die autonome Szene in Sachsen, eine in unzählige Kleingruppen zersplitterte Strömung innerhalb des Linksextremismus, konzentriert sich dem LfV zufolge weiterhin vor allem auf Leipzig. Die Verfassungsschützer rechnen ihr dort etwa 240 Personen zu. Obwohl die Zahl der Autonomen in Leipzig seit 2022 um 31 Prozent gesunken ist, bleibe die Messestadt „Brennpunkt linksextremistischer Gewalt“. Im bundesweiten Vergleich sei Leipzig nach Berlin und Hamburg ein „Hotspot“ der autonomen Szene in Deutschland, so das LfV.
Nach Angaben des Verfassungsschutzes lehnen Autonome die Gewaltenteilung sowie einen Staat ab, in dem eine demokratisch legitimierte Mehrheit regiert und Rechte des politischen Gegners – etwa das Recht auf Versammlungsfreiheit – geachtet werden. Bei der Umsetzung ihrer Ziele spiele Gewalt eine zentrale Rolle.
Deutlich weniger autonome Aktionen in Leipzig als noch 2023
Im Vergleich zu 2024 stieg die Zahl der von Autonomen durchgeführten öffentlichen Aktionen in Leipzig 2025 wieder leicht an. Dies sei auf die wachsende Beteiligung Autonomer an nicht extremistischen Protesten, etwa an der Demonstration gegen den AfD-Bundesparteitag in Riesa, sowie auf einen Ausbau eigens initiierter Aktivitäten zurückzuführen. „Diese standen zumeist im Zusammenhang mit Solidaritätsaktionen mit den Festgenommenen und Inhaftierten im ‚Budapest-Komplex‘ und im ‚2. Antifa-Ost‘-Verfahren“, so die Verfassungsschützer. Dennoch bewegten sich die autonomen Aktivitäten im Vergleich zu den Vorjahren immer noch auf einem „deutlich niedrigeren“ Niveau.
Die autonome Szene setzte demnach aber auch auf verdeckt durchgeführte Aktionen, die sich dem Bericht zufolge gegen den „Repressionsapparat“ richteten, gegen politische Gegner oder gegen Firmen, die mit der Sanierung von Wohnhäusern oder dem Bau von Behördengebäuden beauftragt waren. So zündeten Unbekannte im Februar 2025 beispielsweise einen Bagger der Firma „Hentschke Bau GmbH“ in Leipzig an – der Schaden belief sich auf knapp eine Million Euro. Im Mai warfen Vermummte Steine und Farbflaschen auf die damals noch nicht eröffnete Polizei-Außenstelle Neustadt-Neuschönefeld, wodurch mehrere Fenster beschädigt wurden.
Dass die hohen Werte aus dem Jahr 2020 mit 51 Aktionen erneut nicht erreicht wurden, unterstreiche das „insgesamt rückläufige Aktionsniveau“ der Leipziger autonomen Szene, so das LfV. Dies sei sowohl auf „wiederholte polizeiliche Exekutivmaßnahmen“ gegen Autonome als auch auf eine Spaltung der linksextremen Szene im Hinblick auf den Nahost-Konflikt zurückzuführen.
Nahost-Konflikt spaltet linksextreme Szene in Leipzig
Auf der einen Seite stünden autonome Linksextremisten mit überwiegend proisraelischen Positionen – auf der anderen Seite „dogmatische, antiimperialistisch eingestellte linksextremistische Bestrebungen, die eine deutlich pro-palästinensische, antiisraelische Haltung einnehmen“, heißt es im Bericht weiter.
Letztere sind laut den Verfassungsschützern auch mit den pro-palästinensischen Gruppen Handala Leipzig und Young Struggle Leipzig (YS) vernetzt, die sich inzwischen mit rund 40 Personen fest in der Messestadt etabliert haben. Beide Initiativen werden dem ausländerbezogenen Extremismus zugeordnet.
Handala leugne das Existenzrecht Israels und überschreite mit Äußerungen regelmäßig die Grenze zum Antisemitismus, analysiert das Landesamt für Verfassungsschutz. Darüber hinaus legitimiere die Gruppe Terrorangriffe gegen Israel, gegen israelische Einrichtungen oder jüdische Menschen als „Widerstandshandlungen“ der Palästinenser. Vor diesem Hintergrund sei eine Schnittmenge mit der Ideologie der Terrororganisation Hamas erkennbar.
Handala und Young Struggle haben sich fest in der Messestadt etabliert
Handala Leipzig war bis Dezember 2025 als Verein aktiv. Nach der Auflösung des Vereins infolge von Ermittlungen und Einstufung als Extremisten seien die ehemaligen Mitglieder aber weiter aktiv: „Kennverhältnisse und Bündnisstrukturen des Handala e.V. scheinen nicht aufgehoben zu sein.“ Das LfV geht davon aus, dass die ehemaligen Vereinsmitglieder ihre ideologische Arbeit künftig mit dogmatischen Linksextremisten fortsetzen werden.
Ebenso wie Handala verbreite auch Young Struggle Leipzig – die Jugendorganisation der türkischen Marxistischen Leninistischen Kommunistischen Partei (MLKP) – israelfeindliche bis antisemitische Narrative. Die Gruppe bedient laut dem LfV aber auch Themen wie Seximus, Umweltschutz oder Queerfeindlichkeit.
„Durch die Vermischung von extremistischen und nicht extremistischen Ansichten versucht YS Leipzig, seine Narrative zu legitimieren und gesellschaftlich anschlussfähig zu gestalten“, heißt es in dem Bericht. Letztlich verfolge Young Struggle das Ziel, das politische System zu überwinden und an dessen Stelle den Sozialismus zu „implementieren“.