Einstiger Unterstützer der Neonaziszene in Thüringen zum Vortrag in Leipzig

Fabian Goldmann (ehemals Köhler) wollte in Halle seinen Vortrag „Staatsräsonfunk“ am 10.06. halten, die Location sagte jedoch ab, daher wich er nach Leipzig ins Vary Café (Eisenbahnstr. 7) aus.

Für ältere Antifas ist Goldmann jedoch kein Unbekannter, fiel er doch in der Vergangenheit als Unterstützer der militanten Neonaziszene in Thüringen auf. Hier die aktuelleste Zusammenfassung seiner Vita aus Erfurt zu seinem Vortrag dort (weitere Hintergründe zu Köhler darunter verlinkt):

Am 15. Juni 2026 findet im Retronom, einer Galerie mit Bar und Kleinkunstbühne in Erfurt, eine Buchlesung des Autors Fabian Goldmann unter dem Titel „Staatsräson Funk“ statt.

Veranstaltet wird die Lesung von Erfurt Unsilenced, die bereits in der Vergangenheit durch antisemitische Narrative in Erscheinung getreten sind. Eine Intervention gegen das Stattfinden der Veranstaltung ist aus unserer Sicht jedoch nicht nur aus antisemitismuskritischer, sondern auch aus antifaschistischer Sicht geboten, da Fabian Goldmann (früher: Köhler) in der Vergangenheit Verstrickungen zu (mindestens) einem Thüringer Neonazi hatte, der dem Umfeld des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) zuzurechnen ist.

Aus diesem Grund haben wir uns mit der Bitte die Veranstaltung abzusagen am 27.05.2026 an das Retronom gewendet. Unsere E-Mail blieb leider bis zum heutigen Tag – auch auf weitere Nachfrage – unbeantwortet. Deshalb haben wir uns entschieden, die E-Mail im Nachfolgenden zu veröffentlichen.

Einerseits weil wir, aufgrund der Nicht-Antwort, davon ausgehen, dass sie die Zusammenarbeit mit Erfurt unsilenced und eine Veranstaltung mit Fabian Köhler nicht problematisch finden und andererseits um potentiellen Teilnehmer*innen einen kritischen Blick auf die Veranstaltung zu ermöglichen:

„Liebes Team des Retronom,

aufgrund der Veranstaltungsankündigung von Erfurt Unsilenced zu Fabian Goldmanns Buch „Staatsräson Funk in euren Räumlichkeiten wenden wir uns an euch, da es aus unserer Sicht nicht nur aus antisemitismuskritischer Perspektive einen notwendigen Grund zur Intervention gibt, sondern auch aus antifaschistischer.

Vorweg: Grundsätzlich finden wir es begrüßenswert, wenn politische Veranstaltungen in Erfurter Räumen stattfinden. Als antisemitismuskritische Gruppe betrifft das für uns auch explizit Veranstaltungen, die sich kritisch mit dem sogenannten Nahostkonflikt beschäftigen, ebenso wie das Anliegen, den deutschen Diskurs darüber kritisch zu hinterfragen. An dieser Intention ist zunächst nichts auszusetzen.
Auch wenn Goldmanns Thesen keineswegs dem wissenschaftlichen Kenntnisstand entsprechen, wäre selbst das kein Grund, sich nicht an einer Diskussion vor Ort zu beteiligen.

Aufmerksam werden wir allerdings, wenn diese Veranstaltung von einer Gruppe organisiert wird, die in ihrem bisherigen Wirken vor allem durch die Reproduktion antisemitischer Narrative sowie durch die Verharmlosung antisemitischer und islamistischer Gewalt aufgefallen ist. Das wollen wir euch jedoch nicht zum Vorwurf machen, sondern lediglich darauf hinweisen.

Anders verhält es sich aus unserer Sicht allerdings beim eingeladenen Referenten. Gerade bei ihm lässt sich mit einer einfachen Google-Recherche leicht herausfinden, dass Fabian Goldmann, der früher Fabian Köhler hieß (1), als ehemaliger Redakteur der Jenaer Studierendenzeitung „Unique“ für einen handfesten Skandal sorgte, über den unter anderem auch der Deutschlandfunk berichtete (2).

Unter Pseudonymen interviewte er dort einen Neonazi und räumte dessen rassistischem, homophoben und antisemitischen Weltbild Platz in der Zeitung ein.

Besonders schwer wiegt dabei, dass eine antifaschistische Initiative später offenlegte, dass sich hinter dem Pseudonym der Neonazi Nico Schneider verbarg ein zentraler Netzwerker der Thüringer Neonaziszene aus dem Umfeld des NSU (3).

Dass das Interview kein „journalistischer Ausrutscher“ war, sondern Ergebnis einer intensiven Zusammenarbeit und freundschaftlichen Beziehung zwischen Schneider und Köhler (eurem Referenten), belegten später geleakte E-Mails zwischen beiden (4).

Die antifaschistische Initiative, welche den E-Mail-Verkehr veröffentlichte, ordnete diesen wie folgt ein:

„Die nun vorliegenden Quellen belegen nicht nur, dass sich hinter ,Emil G.! der Jenaer Neonazi Nico Schneider verbirgt, sondern auch, dass dieser und der immer noch amtierende Unique-Chefredakteur [Fabian Köhler] über das Interview hinaus gemeinsame Gesinnung und Freundschaft verbindet. Köhler biedert sich in den hier veröffentlichten Mails dem Neonazi geradezu an. Unter anderem scheint er seine Stellung in der bei Linken immer noch nicht verachteten Unique-Redaktion dazu genutzt zu haben, Informationen über linke Strukturen an Nazis gegeben zu haben.“

Und weiter:

„Nicht nur Beiträge für das studentische Blatt Unique ließ sich Köhler von dem Neonazi absegnen: Auch als Köhler für den ,Störungsmelder‘ der Zeit Online über das neonazistische ,Fest der Völker‘, welches am 12.09.2009 in Pößneck stattfand, berichtete, garantierte er gegenüber Schneider, keine Bilder zu veröffentlichen, welche Teilnehmer der Kundgebung erkennen ließen als freundschaftlicher Vertrauensbeweis, weil Schneider ihm den Zugang zum Festgelände des ,Fest der Völker‘ in Pößneck ermöglicht hatte.“

Köhlers Namensänderung scheint daher strategisch gewählt zu sein, um seine menschenverachtenden Takes unter anderem Deckmantel weiter zu verbreiten. Dass dies auch Erfurt Unsilenced offenbar nicht weiter interessiert, macht aus unserer Sicht noch einmal deutlich, dass ihnen jedes Mittel recht ist, solange es dazu dient, ihre antisemitische Agenda zu stützen.

Da wir deshalb bei ihnen wenig Entgegenkommen erwarten, richten wir uns an euch mit der Bitte, eure Räume nicht für diese Veranstaltung zur Verfügung zu stellen. Gerade in Erfurt einem Nazi-Kumpel aus dem NSU-Umfeld zu ermöglichen, seine antisemitischen Narrative zu verbreiten, ist aus unserer Sicht nicht hinnehmbar.

Köhler hat sich nie distanziert oder Fehler eingeräumt. Im Gegenteil: Unter „neuem“ Namen setzt er seine Agenda fort.

Deshalb appellieren wir an euch, dieser Veranstaltung keinen Raum zu geben.

Mit antifaschistischen Grüßen

AG gegen Antisemitismus Erfurt“

Verweise:

(1)

Widerständchen und Skandälchen

(2)
https://www.deutschlandfunk.de/studierendenzeitung-uniqe-wegen-kontakt-mit-rechts-in-der-100.html

(3)
https://www.endstation-rechts.de/news/thuringer-verflechtungen

(4)
https://shorturl.at/tJjNr

(5)

Das Israelbild in deutschen Print- und Onlinemedien

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Weitere Hintergründe zu Köhler:

– https://aktionsnetzwerk.de/index.php/aktuelles/pressemitteilungen/201-stellungnahme-des-aktionsnetzwerks-zur-quniqueq

– https://www.kokont-jena.de/wp-content/uploads/2017/09/antisemitismus-am-bsp.th%C3%BCringen-und-jena-bonus.pdf

– https://web.archive.org/web/20100101055636fw_/http://atf.antifa.net/nico-packt-aus/indexf85a.html?option=com_content&view=section&layout=blog&id=5&Itemid=53

– https://jungle.world/blog/von-tunis-nach-teheran/2025/08/verschleiern-deutsche-medien-die-wahrheit-ueber-israel

– https://inrur.is/wiki/Fabian_K%C3%B6hler_alias_Fabian_Goldmann