Große Projektion bei Sachsenmilch: Campact demonstriert gegen Theo Müller in Leppersdorf

Aktivisten von Campact haben in Leppersdorf gegen die Nähe von Müllermilch-Chef Theo Müller zur AfD demonstriert. Am Donnerstagabend erleuchtete deshalb eine große Projektion am Sachsenmilch-Werk.

Großflächige Projektion bei Sachsenmilch in Leppersdorf: Nachdem das Werk bereits im vergangenen Sommer Schauplatz einer großen Demonstration samt Blockade geworden war, ist es am Donnerstagabend erneut zum öffentlichen Widerstand gegen Müllermilch-Chef Theo Müller gekommen. Die Organisation Campact hat eine großflächige Projektion auf dem Werk erstrahlen lassen.

Darauf zu lesen und zu sehen: „Pfui: Theo Müller unterstützt die rechtsextreme AfD“. Doch schon nach 30 Minuten war die Aktion vorbei. Mitarbeiter des Werks positionieren einen Lastwagen so vor dem Projektor, dass das Bild nicht mehr zu sehen war. Äußern wollte sich die Werkleitung zur Demo auf Nachfrage dagegen nicht.

Deutschlandweite Kampagne gegen Theo Müller

Campact sagt zur Aktion: „Was kaum jemand weiß: Theo Müller, der Gründer des Milch-Imperiums, sympathisiert offen mit der AfD. Der Milliardär macht so Rechtsextremismus und Hass salonfähig.“

Um dagegen zu protestieren, ist Campact zuletzt massiv aktiv geworden: Nach eigenen Angaben haben 90.000 Menschen über 2,2 Millionen Sticker bestellt, auf denen etwa „Jetzt mit AfD-Geschmack“ zu lesen war. Diese Sticker wurden auf Müllermilch-Produkte in Supermärkten geklebt.

Außerdem startete Campact eine deutschlandweite Müller-Plakatkampagne. Unter den Slogans „Alles AfD, oder was?“ und „Jetzt mit AfD-Geschmack“ hingen von Mitte Januar bis Anfang Februar bundesweit 28.000 Plakate – an Laternen, Zäunen und Wänden in 14 Städten: Berlin, Bremen, Dresden, Dortmund, Düsseldorf, Essen, Hamburg, Hannover, Leipzig, Magdeburg, Mannheim, Nürnberg, Potsdam und Wiesbaden.
Gericht weist Eilantrag ab

Zusätzlich wurden die Botschaften auf große Fassaden in acht Städten projiziert: Augsburg, Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Köln und Leipzig. Und nun also Leppersdorf.

Der Molkereiunternehmer Müller wollte der Organisation Campact kürzlich gerichtlich verbieten, ihn als Unterstützer der AfD zu bezeichnen. Das Hamburger Landgericht wies den Eilantrag jedoch Anfang dieser Woche ab.

Es handle sich um eine zulässige Meinungsäußerung, auch weil es entsprechende Anhaltspunkte wie wiederholte Sympathiebekundungen für die AfD-Vorsitzende Weidel seitens Müllers gebe, argumentierte das Gericht.

Der Anwalt des Unternehmers sagte, man halte die Entscheidung für falsch. Sein Mandant habe in der Vergangenheit erklärt, kein AfD-Mitglied zu sein – und dies auch nicht anzustreben. Müller sei seit vielen Jahren Mitglied der CSU. Auch habe er der AfD keine finanziellen Zuwendungen zukommen lassen. Müller selbst erklärte in einer Stellungnahme, er werde das Urteil akzeptieren und keine Rechtsmittel einlegen.

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Deutsche Presse-Agentur dpa und Verena Belzer
21.08.2025

Blockade von Müllermilch-Werk: Ermittlungen gegen Mitarbeiter wegen Bedrohung

Mit einer Blockade protestierten Aktivisten vergangene Woche in Leppersdorf gegen Massentierhaltung. Drei von ihnen sollen jetzt zügig vor Gericht kommen. Die Polizei ermittelt außerdem gegen einen Müllermilch-Mitarbeiter.

Nach der Blockadeaktion von Tieraktivisten vor der Molkerei Sachsenmilch in Leppersdorf am Freitag vergangene Woche sollen drei Beteiligte in einem beschleunigten Verfahren vor Gericht gestellt werden. Wie die Polizei mitteilt, werde den Beschuldigten im Alter von 23, 24 und 33 Jahren Nötigung vorgeworfen.

Staatsanwaltschaft und Polizei wollen damit erreichen, dass eine mögliche Strafe möglichst schnell erfolgt. Wie Irene Schott, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Görlitz, mitteilt, haben die drei Personen ihre Personalien im Rahmen des Ermittlungsverfahrens bekannt gegeben. Nötigung wird laut Strafgesetzbuch mit einer Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren bestraft.

Die drei Tatverdächtigen hatten zu Beginn des Protests den Auflieger eines Lasters mit 25.000 Liter Milch besetzt und damit – gemeinsam mit einem zeitgleich blockierten Linienbus – die Weiterfahrt verhindert. Insgesamt nahmen laut Polizei 41 Menschen an der nicht angemeldeten Versammlung in Leppersdorf teil. Die Aktivisten selbst hatten von 50 bis 60 Personen gesprochen.

Ermittlungsverfahren wegen Bedrohung

Wie die Polizei mitteilt, ist der Vorwurf der Nötigung durch drei Aktivisten indes nicht der einzige, weswegen aktuell ermittelt wird. „Im Kriminaldienst des Polizeireviers Kamenz wurde im Zusammenhang mit dem Einsatz in Leppersdorf ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Bedrohung und der Beleidigung eingeleitet“, berichtet Polizeisprecher Kai Siebenäuger.

Mehrere Müllermilch-Mitarbeiter, die gerade aus der Nachtschicht kamen und wegen der Blockade nicht das Werk verlassen konnten, taten ihrem Unmut deutlich hörbar kund. Einer rief den Aktivisten in Hörweite von Polizei und Pressevertretern entgegen, er würde sie alle fotografieren und dann „Hausbesuche in Dresden“ machen.

Die Polizei hat eigenen Angaben zufolge inzwischen bereits Videomitschnitte aus sozialen Medien gesichert. Einer der Tierschützer hatte die Blockade in einem mehrstündigen Livestream ins Internet gestellt, außerdem waren mehrere Journalisten und ein Fernsehteam vor Ort.

„Sofern sich im Rahmen der nun laufenden Ermittlungen konkrete Anhaltspunkte für weitere Straftaten ergeben, werden gegebenenfalls zusätzliche Verfahren eröffnet“, teilt Polizeisprecher Siebenäuger mit.

Aktion richtete sich gegen Massentierhaltung

Die Aktivisten der Gruppe „Animal Rebellion“ hatten mit der Aktion gegen Massentierhaltung protestiert. Sie werfen dem Unternehmen vor, Milch aus der ganzjährigen Anbindehaltung zu beziehen und damit Tierleid zu fördern. Auch die Nähe von Müllermilch-Chef Theo Müller zu AfD-Chefin Alice Weidel, die er als „Freundin” bezeichnet hat, nannten die Aktivisten als Grund, warum sie ausgerechnet in Leppersdorf protestierten. Die Polizei löste die Blockade eigenen Angaben zufolge kommunikativ auf.

Weil zuvor eine weitere Zufahrt zum Betriebsgelände geöffnet worden war, konnten die 450 Mitarbeiter der Nachtschicht nach Hause fahren, was die angespannte Situation deutlich verbesserte. So konnten auch die sich zwischenzeitlich bis auf die Autobahn A4 stauenden 150 Lastwagen peu à peu ins Werk fahren – bis sich die Kolonne aufgelöst hatte, hatte es jedoch einige Stunden gedauert.

Abläufe wurden massiv gestört

Durch die Aktion wurden die Betriebsabläufe im Werk massiv gestört, eine finanzielle Schadenssumme nannte das Unternehmen nicht und äußerte sich auf Nachfrage auch sonst nicht zu dem Vorfall auf ihrem Gelände.

Mehrere Menschen hatten sich zuvor auf der Zufahrtsstraße festgeklebt oder waren auf Fahrzeuge geklettert. Von 14 Beteiligten wurden die Personalien aufgenommen. Zudem wurden mehrere Strafanzeigen wegen Nötigung gestellt.

Die Sachsenmilch Leppersdorf GmbH in Leppersdorf hat rund 3000 Mitarbeiter und bezeichnet sich selbst als einen der modernsten milchverarbeitenden Betriebe Europas. Das Unternehmen verarbeitet dort pro Tag rund 4,7 Millionen Liter Milch. Am Standort werden Frischmilchprodukte, Joghurt, Käse und Bioethanol hergestellt.