Anträge übersteigen Angebot: Sozialwohnungen im Leipziger Speckgürtel stark nachgefragt
Im Leipziger Umland steigen die Mieten, günstiger Wohnraum ist knapp. Gerade Haushalte mit geringem Einkommen haben es schwer – Vermieter in Schkeuditz und Taucha reagieren und bieten erstmals Sozialwohnungen an. Delitzsch hat sie schon. Wie sind dort die Erfahrungen?
Noch dauert es ein Jahr, bis die ersten Mieter einziehen können, dennoch ist das Interesse an den neuen Wohnungen groß. In der Schkeuditzer Zeppelinstraße baut die Vereinigte Leipziger Wohnungsgenossenschaft (VLW) derzeit einen Plattenbau grundlegend um. In dem WBS 70 mit den Hausnummern 21 – 27 entstehen derzeit 35 moderne Zwei- bis Fünfraumwohnungen.
„Die Leute waren zum Teil schon bei meinem in der Sprechstunde, um sich zu erkundigen“, sagt Sprecher Christian Glöckner. Vor allem Familien, die auf der Suche nach mehr Platz sind, und ältere Menschen, die auf barrierearmen Wohnraum angewiesen sind, haben bereits bei der VLW angefragt.
„Allerdings ist es so, dass wir noch keine finalen Mietpreise haben und die Wohnungen gefördert sind.“ Heißt: Künftige Mieter müssen einen Wohnungsberechtigungsschein vorweisen, um ab Mitte 2027 einziehen zu können. Das ist in Schkeuditz Neuland – im Leipziger Speckgürtel gab es lange ein ausreichendes Angebot an bezahlbarem Wohnraum. Diese Zeiten sind nun vorbei. Die Nachfrage nach den günstigen Bestandswohnungen ist gestiegen, auch weil die Inserate auf Suchportalen aktuell von hochpreisigem Neubau dominiert werden.
Ohne Förderung geht es nicht mehr
Um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, greifen die kommunalen und genossenschaftlichen Vermieter auf Förderprogramme zurück, um ihren Leerstand zu verträglichen Preisen zu sanieren. Der Umbau des Leerstandes wird vom Freistaat und Bund bis zu 60 Prozent gefördert.
Denn nicht nur Neubau hat sich extrem verteuert, erklärt die VLW: Pro Quadratmeter liegen die Kosten in der Zeppelinstraße bei knapp unter 3000 Euro. Am Ende sollen die Mieter trotzdem unter 9 Euro zahlen. Rein rechnerisch ein Verlustgeschäft für die Genossenschaft.
Auch in Taucha geht man jetzt diesen Weg. Die kommunale Wohnungsgesellschaft Wota saniert in der Thomas-Mann-Straße insgesamt 16 Drei-Raum-Wohnungen, mit einer Nettokaltmiete von lediglich 6,80 Euro pro Quadratmeter. „Grundsätzlich hätten wir die Wohnungen auch ohne Förderung vermieten können“, erklärt Geschäftsführer Gunnar Simon ein.
Die Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt sei so groß, dass sich derzeit nahezu jede Immobilie vermieten lasse. Doch das kommunale Unternehmen habe sich bewusst dagegen entschieden, marktübliche Mieten von 9,00 bis 9,50 Euro pro Quadratmeter zu verlangen. Stattdessen greife man auf das Förderprogramm „Preisgünstiger Mietwohnraum“ zurück. „Ohne diese Förderung hätte das so nicht funktioniert“, sagt Simon.
Mehr Anträge als Sozialwohnungen
Für die städtischen Verwaltungen bedeutet das ebenfalls eine neue Auseinandersetzung mit der örtlichen Wohnungsknappheit. Taucha und Schkeuditz muss man sich künftig darauf einstellen, erstmals Wohnberechtigungsscheine auszustellen.
Anspruch darauf haben Menschen, die ein geringes Einkommen haben und folglich schlechte Chancen bei der Wohnungssuche. In Sachsen liegt die zulässige Einkommensgrenze derzeit bei 16.800 Euro Jahreseinkommen für einen Einpersonenhaushalt und bei 25.200 Euro für einen Zweipersonenhaushalt. Dass die Wohnungen dann auch in Zukunft bezahlbar bleiben, regelt die Belegungs- und Mietpreisbindung für die nächsten 15 Jahre.
Der hohe Bedarf an sozialem Wohnraum zeigt sich ganz konkret in Delitzsch. Die städtische Wohnungsgesellschaft (WGD) war 2024 die erste im nördlichen Leipziger Umland, welche mit Förderung bezahlbare und preisgebundene Kaltmieten umsetzte. 94 Berechtigungsscheine hat die Verwaltung seitdem ausgestellt, heißt es auf Anfrage. Die Anzahl der Anträge seit 2024 übersteigt damit deutlich das vorhandene Angebot an rund 50 Sozialwohnungen.
Mit diesem Szenario ist aufgrund der Mietpreisentwicklungen auch für die Projekte in Schkeuditz und Taucha zu rechnen. Die durchschnittliche Kaltmiete aller inserierten Wohnungen lag in Schkeuditz 2025 bei 10,36 Euro pro Quadratmeter, in Taucha bei 9,53 Euro pro Quadratmeter. Damit haben sich die Mieten in den vergangenen fünf Jahren um 52 und 28 Prozent verteuert.