51 Gegenstimmen: Kreistag lehnt Tobias Burdukat für Jugendhilfe-Ausschuss ab

Tobias Burdukat aus Grimma darf nicht im Jugendhilfe-Ausschuss des Landkreises Leipzig arbeiten. Der Kreistag lehnte seine Nachfolge für den verstorbenen Andreas Rauhut deutlich ab.

Es stimmten 51 Kreisräte gegen ihn, 21 für ihn, es gab drei Enthaltungen: Tobias Burdukat aus Grimma kann nicht im Jugendhilfe-Ausschuss des Landkreises Leipzig arbeiten. Der Kinder- und Jugendring (KJR) hatte vorgeschlagen, dass er den Platz für den kürzlich verstorbenen Andreas Rauhut einnimmt. Solch eine Personalie braucht die Zustimmung des Kreistages.

In der Sitzung am Mittwoch positionierten sich Eric Sallie (Freie Sachsen) und Hannes Kirmse (AfD) gegen ihn. Beide betonten, dass Burdukat als bekennender Anarchist für solch ein Amt nicht tragbar sei. Sie kritisierten seine Tätigkeit als Sozialarbeiter. Vor allem ging es um das Gerichtsurteil im Mai 2025.

Geldstrafe wegen Verbreitung personenbezogener Daten

Damals war Burdukat vom Amtsgericht Grimma zu einer Geldstrafe verurteilt worden wegen der gefährdenden Verbreitung personenbezogener Daten. Am 3. Juni 2023 in Leipzig wurden mehr als 1000 Menschen nach Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten in einem Kessel festgehalten. Ein Staatsanwalt war mit vor Ort und hatte sein Gesicht verhüllt, um nicht erkannt zu werden.

Tobias Burdukat veröffentlichte daraufhin dessen Wohnort, gesellschaftliche Funktionen und ein Foto ohne Maske in sozialen Medien, wodurch der Staatsanwalt identifizierbar wurde.

Gremium entscheidet über Kinder- und Jugendhilfe

Die Geldstrafe sei „kein rechtskräftiges Urteil“, sagte Burdukat auf LVZ-Anfrage. Die kritisierten Sachverhalte seien zudem aufgearbeitet worden. Seine Arbeit werde seit Jahren erschwert, zum Beispiel als sich das damals von ihm geleitete Dorf der Jugend in Grimma als freier Träger bewarb.

„Enttäuscht“ sei er, dass so viele Kreisräte den Ausführungen von Sprechern der Freien Sachsen und AfD folgen. Damit habe er nicht gerechnet. Die Freien Sachsen und der AfD-Landesverband werden vom sächsischen Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft.

Der Jugendhilfe-Ausschuss ist das politische Gremium, das sich mit den Aufgaben der Kinder- und Jugendhilfe befasst. Es entscheidet mit darüber, welche Jugendhilfeangebote es im Landkreis Leipzig gibt, wie sie geplant, gefördert und weiterentwickelt werden und ob sie zum tatsächlichen Bedarf passen. Der KJR muss nun eine weitere Person als stimmberechtigtes Mitglied vorschlagen.

Der parteilose Tobias Burdukat ist mit seinem Engagement für Jugendarbeit weithin bekannt – und er eckte mit seinen linksalternativen Vorstellungen auch an.

2016 erhielt er die Goldene Henne in der Kategorie „Charity“: Er hatte das „Dorf der Jugend“ in der ehemaligen Spitzenfabrik Grimma konzipiert, um Jugendarbeit im ländlichen Raum anders zu denken.

Zudem ist er Vorstandsvorsitzender des Kinder- und Jugendrings. Wie er sagte, sei er derzeit oft als Dozent für Soziale Arbeit in Hochschulen unterwegs, zum Beispiel in Leipzig, München, Nürnberg, Benediktbeuern und Holzminden.