Schattenkrieger im Erzgebirge: Wer steckt hinter der Bruderschaft: „Schwarzes Heer“?

Im Juni 2025 tauchte auf Instagram ein neues Profil auf, das auf den ersten Blick wie ein weiterer rechter Lifestyle-Account wirkt. Doch hinter dem „Schwarze Heer Bruderschaft Miriquidi“ verbirgt sich mehr als nur digitale Inszenierung. Wer ist die neue Truppe aus dem „Finsteren Wald“, wer gehört dazu und wer von ihnen stand in der ersten Reihe als die Polizeikette am 13.12.2025 in Schwarzenberg durchbrochen wurde?

Originalartikel mit weiteren Bildern: https://reprotest.substack.com/p/schattenkrieger-im-erzgebirge

Ein Re:Port

Es beginnt oft unscheinbar. Ein neues Logo, martialische Sprüche, ästhetisierte Gruppenfotos. Doch im Fall der im Juni 2025 bekannt gewordenen „Schwarze Heer Bruderschaft Miriquidi“ lohnt sich ein genauer Blick auf die Details. In der Gruppierung haben sich Neonazi-Kader und Personen aus dem rechten Spektrum Schwarzenbergs organisiert.

Die Symbolik: Zwischen NS-Symbolik und moderner Verschwörung

Aus ihrer Gesinnung macht die Bruderschaft keinen Hehl. Das Logo zeigt zwei Totenschädel, die an die SS erinnern, sowie zwei Dolche der Hitlerjugend, gerahmt von einem Lorbeerkranz. Die SS wurde selbst oft als „Schwarzes Heer“ bezeichnet, ebenso rechtsextreme Freikorps nach dem Ersten Weltkrieg. Die Mitglieder stellen sich damit bewusst in diese Tradition.

Auch der Bezug zum „White Genocide“ findet sich im Logo wieder: Die „9 %“ an der linken Seite stehen für die Verschwörungserzählung, dass bis zum Jahr 2060 nur noch 9 Prozent der Weltbevölkerung „weiß“ sein würden. Die Angst vor diesem vermeintlichen Genozid legitimiert intern die Gewaltanwendung. Feindbilder sind dabei einerseits rassifizierte Personen, die als Bedrohung der „weißen Rasse“ wahrgenommen werden, und andererseits politische Gegner, die dieses Szenario angeblich befeuern – also Linke, Queere, Liberale und Konservative.

Die Profilbeschreibung offenbart das Selbstverständnis der Akteure als „Krieger“. Neben dem Slogan „Breed for war“ findet sich das Akronym S.H.F.I. („Schwarzes Heer für immer“). Die Gruppe wähnt sich in einem fortwährenden Kampf. Durch die Bezeichnung „Bruderschaft“ suchen sie den Anschluss an das Rockermilieu und unterstreichen ihren elitären Anspruch.

Warum Bruderschaft?

Rechtsextreme Bruderschaften agieren – im Gegensatz zu Kameradschaften – meist im Verborgenen. Die Mitglieder verstehen sich als Teil einer Geheimorganisation, deren Ziele über den individuellen Bedürfnissen stehen.

Solche Gruppen sind von einem hohen Handlungsdrang sowie großer Gewaltaffinität geprägt. Gruppierungen, die sich als Bruderschaften inszenieren, fungieren häufig als Ausgangspunkte oder logistische Knotenpunkte für rechtsterroristische Aktivitäten.

Vom Lokal-Fascho zum Neonazi-Kader

Die wohl bekannteste Figur der Gruppe ist Benjamin Daum. Im März ließ er sich das Logo der Bruderschaft in den Nacken tätowieren – es war wohl Zeit für etwas Neues.

Daum ist in der Szene kein Unbekannter. Er fungierte als Strohmann für einen Immobilienkauf in Brattendorf, wo er für den rechtsextremen Tommy Frenck ein Objekt erwarb. Das dortige Lokal trägt seitdem den Namen „Zum eisernen Löwen“; Daum arbeitete dort als Koch, bis es zum Bruch kam. Anschließend zog er zurück in seine Geburtsregion – Schwarzenberg. Daum verfügt über Verbindungen in die bundesweite Neonazi-Szene, gilt als ideologisch gefestigt und bewirbt die Gruppe aktiv über sein TikTok-Profil.

Auf einem von Daum geteilten Gruppenfoto lassen sich weitere Akteure identifizieren, die eine direkte Verbindung zwischen der Online-Inszenierung und gewalttätigen Ausschreitungen belegen.

Teile der „Bruderschaft“ waren maßgeblich an den Ausschreitungen und dem Durchbruch der Polizeikette am 13.12.2025 in Schwarzenberg beteiligt. Darunter befindet sich Jason Henneberg. Er trug an diesem Tag nicht nur eine Jacke des „Schwarzen Heeres“, sondern führte auch schlagverstärkende Quarzsandhandschuhe mit sich. Mit diesen wollte er nicht nur anderen Gewalt antun, sondern auch seine auffälligen Tätowierungen verstecken.

Jason Henneberg ist das Paradebeispiel einer militanten Radikalisierung. Er selbst sieht sich als Krieger, sein Bruder Jordan referenziert auf ihn als „Gründer“ des Schwarzen Heeres, er selbst zeigt sich im Internet bei Schießübungen.

Neben ihm steht Marcel Detzner, der im Baumarkt arbeitende Gartenenthusiast. Er fiel vor Ort auf, indem er die Beamten nicht nur provozierte, sondern auch mutmaßlich angriff. Ebenfalls auf dem Bild: Kevin Urban. Er spiele zumindest 2022 bei Wismut Aue. Nicht auf dem Gruppenbild mit Faust, aber Teil der Partie ist auch Robert Thierbach, er ist gut mit Detzner befreundet und war ebenfalls am Durchbruch beteiligt.

Vernetzung und Familienbande

Nach unserer ersten Veröffentlichung reagierte der Instagram-Account der „Bruderschaft“ mit mehreren Storys. Dabei offenbarte sich Jason Henneberg als einer der Administratoren des Kanals. Zudem adressierte er dort seinen Bruder Jordan Henneberg. Jason begleitete den Anti-Repressionsprotest als sogenannter „Spotter“ und hielt sich permanent an der Seite der Gruppe auf.

Die Brüder Henneberg sind die Söhne von Silvio Henneberg, einem Tätowierer aus Schwarzenberg/Pöhla, der den Laden „Silv’s Tattoo“ betreibt.
Beteiligung an den Ausschreitungen am 13.12.2025 in Schwarzenberg
Personen der Bruderschaft und ihres Umfelds beteiligten sich direkt an den gewalttätigen Ausschreitungen am 13.12.2025 in Schwarzenberg. Zudem riefen sie aktiv zu den unangemeldeten Gegenprotesten auf.

Teile der Gruppe waren dabei teilweise bewaffnet und suchten die Konfrontation mit Andersdenkenden. Die Vernetzung in die überregionale Neonazi-Szene deutet darauf hin, dass sich hier eine mögliche Keimzelle rechtsterroristischer Bestrebungen in einer rechtsextremen Schwerpunktregion etablieren könnte.