Der 17. Januar in Leipzig Connewitz

Demonstrationen und Kundgebungen

Versammlungen in zeitlicher Reihenfolge am 17. Januar (vorläufig, kurzfristige Änderungen sind möglich):

  • »Kein Frieden mit Antisemit*innen«, 11 – 12:45 Uhr, S-Bahnhof Connewitz, Zubringerdemo zum Kreuz
  • »All Connewitzer are beautiful«, 12:30 – 18 Uhr, Fläche neben dem Basketballplatz („Connewitzer Spitze“) am Connewitzer Kreuz
  • »Enough is Enough – Kein Frieden mit Antisemit*innen«, 12.30 – 14 Uhr, Basketballplatz Connewitzer Kreuz
  • »Leipzig gegen jeden Antisemitismus«, 12 – 18 Uhr, Selneckerstr. vor der Kirche
  • »Stromausfall und Bomenhagel – Schuld hat Jule Nagel«, 12 – 18 Uhr, Herderpark
  • »Gegen jeden Antisemitismus«, 12:30 – 17:30 Uhr Koburger Str. vor dem Conne Island
  • »Antifa means: Free Palestine«, 13–17 Uhr, Connewitzer Kreuz – Wolfgang-Heinze-Str. – Mathildenstr. – Zwischenkundgebung Brandstr. vor dem linXXnet – Wolfgang Heinze-Str. – Zwischenkundgebung Koburger Str. vor dem Conne Island – Meusdorfer Str. – Bornaische Str. – Connewitzer Kreuz

 

Neonazis auch in Connewitz?

Nach aktuellen Stand muss mit einer hohen zweistelligen Zahl an Neonazis für den Tag im Stadtteil gerechnet werden. Dies ergibt sich aus den zu erwartenden rechten Streamern (1) und ihrem Gefolge, den Aufrufen von den Neonazis von Compact-Magazin und den „Freie Sachsen“. Mit dem Neonazi Ferhat Sentürk (2), der an dem Tag in Connewitz sein wird, können die Neonazis auch auf jemanden zurück greifen, der ihnen zur Not eine „Spontanversammlung“ anmelden wird um ihnen eine Neonazi-Kundgebung/Aufzug in Connewitz zu ermöglichen, sollte es ihnen nicht gelingen sich unter die Demo »Antifa means: Free Palestine« zu mischen. Somit könnte sich im Schlepptau der Demo von Handala & Lotta Antifacista für die Neonaziszene ein Traum unter anderem von Christian Worch (3) und André Poggenburg (4) erfüllen, die vielleicht ebenso vorbei schauen werden.

Auf dieses Szenario scheint es bisher kaum Vorbereitungen von den unterschiedlichen Veranstalter*innen für den Samstag zu geben. Verantwortlich dafür scheint sich kaum wer zu fühlen, dass knapp 10 Jahre nach einem der größten Neonazi-Angriffe auf den Stadtteil und seiner Bewohner*innen, sich nicht wieder Neonazis versammeln können.

Im Zeitraum um den Samstag muss auch mit Angriffen von Neonazis in Leipzig auf Projekte, Strukturen oder Personen gerechnet werden, die dann „Zios / Antideutschen“ oder „Antiimperialist*innen / pro Palis / Roten“ zugerechnet werden, jedoch von Neonazis begangen werden um die Auseinandersetzung weiter zu verschärfen. Daher ist von schnellen Zuschreibungen und wilden Spekulationen ab zu raten.

 

Das Einsatzkonzept der Polizei

Die Cops verkünden einen „Großeinsatz“ zu fahren und mindestens mit 1000 Cops in der Stadt zu sein, wahrscheinlich werden es aber wesentlich mehr. Seit Dienstag wurden in vielen Straßen in Connewitz bis in die Südvorstadt großflächig Parkverbotsschilder für den 17.01 ohne zeitliche Beschränkung aufgestellt, die auf eine massive Belagerung des Leipziger Südens hinweisen, auch auf mögliche Routenänderungen von Handala oder weiteren Anmeldungen, die noch nicht bekannt sind. Zudem werden in weiten Teilen von Connewitz sicherlich Hamburger Gitter aufgestellt werden (schon heute wurden mehrere davon im Leipziger Süden verteilt), die die Bewegungsfreiheit massiv einschränken werden und die Route der Handala-Demo frei zu halten. Vergleichbar wird das Polizeikonzept mit den Kundgebungen von André Poggenburg sein, nur mit der Einschränkung, dass dieser eben „nur“ eine Kundgebung genehmigt bekam und keine Demonstration.

Ob ein Polizeikonzept aufgeht, liegt jedoch viel mehr an einer radikalen Linken, Antifas und der Kreativität der Bewohner*innen eines Stadtteils. Was sich in der Vergangenheit bewährt hat, denn Erfahrung ist viel Wert, erfahrt ihr bei den lokalen Antifas in Leipzig. Nicht auf Instagram, Telegram usw., sondern bei realen Menschen, die sich seit Jahrzehnten in Sachsen antifaschist gerade machen. Jedoch ohne Planungen und Vorbereitungen auf mögliche Szenarien, sowie möglichen Gegenaktivitäten gegenüber den Cops, wird sicherlich nichts zu holen sein, dies zeigen ebenfalls die Erfahrungen der letzten Jahre.

 

Demo gegen innerlinke Gewalt, wo ist eigentlich das Problem?

Es ist begrüßenswert, dass Lotta Antifacista „innerlinke Gewalt“ ablehnt und dafür in Connewitz demonstrieren will. Doch dies trifft auf die Demo-Anmelderin von Handala und die Gruppe nicht zu. Mindestens seit 2014, dort noch beim SDS.Leipzig, fällt sie durch Angriffe auf linke Projekte und Strukturen auf. Auch körperliche Übergriffe gingen in den vergangenen Jahren von ihr aus, die Ablehnung von „Gewalt“, ist daher unglaubwürdig und vorgeschoben. Aktuell arbeitet die Anmelderin der »Antifa means: Free Palestine« – Demo für die BSW-Fraktion im Leipziger Stadtrat, diese Fraktion fällt regelmäßig damit auf zusammen mit der CDU und der AfD im Stadtrat ab zu stimmen, anscheinend versteht die Gruppe Handala dies unter „tatsächlichen Antifaschismus“. Daher spricht Handala in ihren Beiträgen sowieso allen Strukturen, Projekten und Gruppen ab, irgendwie „links“ zu sein. Inwieweit Schriftzüge wie „Zios jagen“, „Tötet diese Antideutschen Hurensöhne“ mit MaKss Damage-Kürzel und vieles mehr was in den letzten Jahren an Hauswände in Leipzig (Connewitz) gesprüht und ins Internet geschrieben wurde, für eine Ablehnung von innerlinke Gewalt jüngerer Linke wie Lotta Antifacista sprechen, bleibt ebenfalls fraglich.

Es wäre wirklich toll, wenn der „innerlinke Szene-Krieg“ lediglich eine Übertreibung und Satire für einen 1. April-Scherz wären. Seit vielen Jahren kommt es zu innerlinken Auseinandersetzungen und Gewalt (2002 AIB) (2006-2007) und auch Mord für die antiimperialistische Sache.

Auch in Leipzig reichen Angriffe und Bedrohungen gegen erklärte „Antideutsche“ weit vor dem 7. Oktober 2023 zurück. Neben den bereits erwähnten Aktivitäten was heute allgemein unter Handala bekannt ist, gab es ab 2009 die AOLE und Revolution, deren Hauptakteur 2021 von den eigenen antiimperialistischen – Genossinnen auf Indymedia als Vergewaltiger geoutet wurde.

Innerlinke Gewalt, Bedrohungen, Einschüchterungen sind abzulehnen und werden von einem Großteil der linken Szene in Leipzig und auch der Bewohner*innen in Connewitz abgelehnt.

 

Angriffe der „Antideutschen“ und die Schuld von Juliane Nagel

Für die Demonstration in Connewitz führt Handala noch zwei weitere Ereignisse in Leipzig an, für die Juliane Nagel die Verantwortung tragen soll. Einen Angriff auf die DITIB – Moschee im Leipziger Osten am 13.12.21. Handala treibt die Feindmarkierung von 2021 gegenüber Juliane Nagel weiter, nicht nur schiebt sie die Presse-Aussage des Generalsekretär vom Bundesverband des DITIB Dachverbandes einfach der Moscheegemeinde unter (kein Wort findet sich bei Handala zu DITIB, was viel zur „Solidarität“ mit den kurdischen Genoss*innen sagt), Handala unterschlägt auch, dass sich Juliane Nagel klar gegen solche Angriffe ausspricht und zusammen mit dem Netzwerk gegen Islamfeindlichkeit und Rassismus sich gegen eine Kundgebung vor einer Moschee 2018 wendete. Nach einer Feindmarkierung von Omik K. (der in seiner Jugend selbst viel im Conne Island und dem „rassistischen“ Connewitz abhing) in „sozialen Netzwerken“ nach dem 13.12.21 gegenüber Connewitz, Jule Nagel und dem Conne Island, kam es zu „Hausbesuchen“ beim linXXnet. Bei einem dieser „Besuche“ wurden Schafsköpfe zusammen mit Böllern vor dem linXXnet und dem Conne Island gezündet. Die von Handala ins Feld geführte Moscheegemeinde verurteilte die Tat. Auch Omik K. ruderte später wieder zurück. Innerhalb der linken Szene Leipzigs wurde der 13.12.21 ebenfalls kritisiert (5).

Als nächstes führt Handala den Angriff auf die Bäckerei bzw. das Hausprojekt Casa an, mögliche Täter*innen müssen natürlich „Antideutsche“ sein, aus Connewitz, dem Conne Island oder dem linXXnet, wahrscheinlich sogar Juliane Nagel persönlich. Die flächendeckende Ablehnung innerhalb der linken Szene von Leipzig zum Angriff auf die Bäckerei, wird bewusst verschwiegen. (6)

Letztendlich zeigt Handala damit, dass es ihnen egal ist, was und wie sich geäußert wird. Wird nicht 1 zu 1 das gesagt und geteilt was Handala & Co. denkt und meint, werden die Strukturen und Personen diffamiert und als Feinde deklariert.

 

Verrückte aller Bundesländer vereinigt euch – Connewitz als Spielwiese 

Kommt am 17.01. nach Connewitz. Wir werden vielleicht nicht viele sein, wir werden vermutlich einer widerlichen Scheißsituation gegenüberstehen, und es werden Anfeindungen von vielen Seiten kommen. Wir werden auch untereinander nicht glücklich und nicht alle ganz eng miteinander sein – im Grunde also alles schlecht wie immer.

Die Mehrheit der Menschen in Connewitz hat kein Bock auf diesen Samstag, weder auf all die Leute die Handala & Co. nach Leipzig lotsen, die Neonazis die kommen wollen und auch nicht auf die Bahamas-iten. Jene „Antideutsche„, hauptsächlich aus Halle, die immer dann nach Leipzig kommen, wenn ihnen danach ist gegen „den linken Konsens“ und Antifaschist*innen und Feministinnen in Leipzig zu Felde zu ziehen, gerne zusammen mit den rassistischen und antifeministischen „Kommunisten“ der AKL.

Die gesellschaftlichen Zustände setzen uns alle zu, ja, aber müssen wirklich alle durchgeknallten der ganzen Republik nach Leipzig kommen? Danke auch für das Bullenaufgebot, dass ihr den Bewohner*innen beschert.

Bleibt weg von uns.

Antifa Ost statt Handala.

 


(1) Neben Sebastian Weber (https://de.indymedia.org/node/301136) und Sebastian Schmidtke ist mit einer Vielzahl an Fascho-Streamern, Springer-Presse und erklärten „alternativen Medien“ zu rechnen.

(2) Neonazidemo am 14.12. in Berlin – https://de.indymedia.org/node/476570 | Teilnehmende des Neonaziaufmarsches am 14.12.2024 in Berlin-Friedrichshain – https://de.indymedia.org/node/476994 |Wieder Naziaufmarsch in Berlin – https://de.indymedia.org/node/491192 | Nach 150 Metern war Schluss – https://democ.de/artikel/nach-150-metern-war-schluss/ | 100 Meter Revisionismus in Berlin – https://www.belltower.news/rechtsextreme-demo-100-meter-revisionismus-in-berlin-159291/

(3) Naziaufmärsche am 12.12.2015 in Leipzig – https://www.inventati.org/leipzig/?page_id=3853 | Naziaufmarsch am 18.03.2017 in Leipzig – https://www.inventati.org/leipzig/?page_id=4592

(4) Poggenburg in Connewitz – diesmal wirklich – https://chronikle.org/ereignisse/poggenburg-connewitz-diesmal-wirklich

(5) Rückblick 13.12.21 – https://knack.news/1835 | Die 13.12. Sponti und die falsche Kritik daran – Über dämliche Gewaltkultur und linke Solidarität mit Faschisten – https://knack.news/1395 | nochmal zum 13.12. – https://knack.news/1944 | Der Mythos dass nur „kurdische Jugendliche eine DITIB Moschee gezielt angreifen“ – https://knack.news/1899 | Aktionen von Leipziger Jugendlichen gegen türkischen Faschismus und deutsche Unterstützung – https://knack.news/8379

(6) Su casa es mi casa – Wir verurteilen den Angriff auf das BiPoc-Hausprojekt im Leipziger Westen! – https://knack.news/7076 | Stellungnahme zum Angriff auf die Bäckerei in Plagwitz- https://https://knack.news/7067 | Zum Umgang mit dem Angriff auf das Casa – https://knack.news/7118 | Einige Gedanken zum Angriff auf die Ganze-Bäckerei – https://knack.news/7113 | Solidarität mit der ganzen Bäckerei! – https://knack.news/7055 | Gedanken und Fragen zum Angriff auf die Bäckerei in Leipzig ergänzt – https://knack.news/7105 |

 

Quelle: https://de.indymedia.org/node/621516