Geplantes Rechenzentrum in Rackwitz: Das ist der aktuelle Stand des Projekts

Das Baurecht fürs Rechenzentrum ist in Arbeit. Noch bis Mitte September kann sich die Öffentlichkeit äußern. Die Beteiligten laden derweil zu einem weiteren Informationsabend ein.

Die Entwicklung des Rechenzentrums in Rackwitz schreitet voran. Der Gemeinderat hat im Juni den Verkauf der Fläche an die AM:PM Grund beschlossen, die sich auf den Bau von Rechenzentren spezialisiert hat. Der Vertrag muss noch unterzeichnet werden.

Doch erst einmal muss Baurecht für das Vorhaben geschaffen werden. Dazu läuft seit dem 10. August bis einschließlich 13. September die Öffentlichkeitsbeteiligung: Der Vorentwurf des Bebauungsplans liegt derzeit öffentlich aus. Erarbeitet sind in dessen Rahmen auch ein artenschutzrechtlicher Fachbeitrag sowie ein Verkehrsgutachten.

Info-Abend in Zschortau

Stellungnahmen zum Vorhaben und der erfolgenden Bebauungsplanänderung können jetzt von jeder Person online im Bürgerbeteiligungsportal Sachsens oder beim Bauamt der Gemeinde abgegeben werden. Die Auslage des überarbeiteten Entwurfs, in den alle Hinweise und Belange, die im Verfahren aufkamen, eingeflossen sind, ist dann etwa für Herbst zu erwarten.

Bislang hatten die Bürgerinnen und Bürger aber nur wenige Bedenken – viele hoffen auf Aufschwung und Einnahmen für die Gemeinde. Auch auf Wunsch der Gemeinde war in Zschortau ein Büro für Sprechstunden eingerichtet worden. Die Nachfrage sei sehr gering gewesen, erzählt Koordinator Andre Jaschke von der projektsteuernden Firma Enersyngy.

In der Zwischenzeit ist für den 27. August um 18 Uhr eine neue Informationsveranstaltung geplant. Eine ähnliche hatte es bereits im November gegeben. „Ich empfand es als eine sehr positive Stimmung beim letzten Mal“, erinnert sich Jaschke. Er selbst, sowie Vertreter der Gemeinde, des Projektentwicklers AM:PM sowie Fachgutachter stehen an dem Abend für Fragen zur Verfügung.
Aufschwung für die Region erhofft

Das Rechenzentrum soll an der B184, die nach Leipzig und Bitterfeld führt, auf etwa 44 Hektar entstehen – eingebettet zwischen die Ortschaften Zschortau und Lemsel. Das vorgesehene Baugebiet ist schon seit 1992 als Gewerbegebiet vorgesehen. Bisher ist es noch landwirtschaftlich genutzt und soll bis zum ersten Spatenstich Ackerland bleiben.

Rackwitz habe sich die Fläche für ein besonderes Vorhaben aufgehoben – aus Jaschkes Sicht ist das Rechenzentrum die perfekte Besetzung: Die Gemeinde erziele Steuereinnahmen, habe weniger Verkehrsbelastung, als mit einem weiteren Logistikstandort, und erhalte – zwar weniger, aber dafür hochwertigere – Arbeitsplätze. Erwartet werden Baukosten zwischen vier und sechs Milliarden Euro.

Auch für die Zukunft des Standorts Leipzig und Umgebung sei das Projekt ein wichtiger Meilenstein, erklärt Jaschke. „Das ist für die Region ein echtes Asset. Mit Rechenzentren legt man die Grundlage für Wirtschaft in den Bereichen Robotik und Künstliche Intelligenz. Wenn wir die gelegt bekommen, können wir in der Region auch in Zukunft viel ranholen.“

Umspannwerk entsteht bei Delitzsch

Das Zentrum soll eine Anschlussleistung von 500 Megawatt bekommen. Zentral für den zukünftigen Betrieb des Computergiganten ist daher der Bau eines Umspannwerks bei Delitzsch. Eine Zeitschiene für deren Errichtung gebe es noch nicht, weil die Entwicklung des Rechenzentrums noch am Anfang stehe, wie die verantwortliche Gesellschaft Mitnetz erklärt.

„Die Planung von Umspannwerken orientiert sich grundsätzlich an der Entwicklung von Netzlasten. Bei einem Projekt, das so viel Strom benötigt wie eine Großstadt, ist deshalb eine gewissenhafte Prüfung aller netztechnischen Parameter im Verteilnetz sehr wichtig“, heißt es von Mitnetz.

Derzeit lotet man technische Möglichkeiten aus – davon hängen auch die entstehenden Kosten ab. „Erste Prognosen gehen davon aus, dass das Vorhaben Netzausbaumaßnahmen im deutlich zweistelligen Millionenbereich auslösen wird.“

Rechenzentrum Rackwitz liegt im Zeitplan

Der Koordinator Andre Jaschke zeigt sich mit dem derzeitigen Stand des Projekts zufrieden: „Es läuft bisher alles im Zeitplan, was nicht überall so ist. Die Gemeinde Rackwitz macht da wirklich einen guten Job.“ Auch das Landratsamt sei ein verlässlicher Partner. „Nur wenn alle Hand in Hand gehen, kann solch ein Projekt funktionieren“, betont er. Dafür hoffen die Entwickler auch auf einen fruchtbaren Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern.

Die Informationsveranstaltung findet am 27. August um 18 Uhr (Einlass ab 17:00 Uhr) in der Turnhalle der Grundschule Zschortau, Lindenstraße 29, statt.

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Bastian Raabe
06.07.2026

Zweistellige Millionensumme: Rackwitz billigt Flächenverkauf für riesiges Rechenzentrum bei Leipzig

Das Rechenzentrum-Projekt an der B184 zwischen Zschortau und Lemsel nimmt Fahrt auf: Rackwitz hat Kaufvertrag und Bebauungsplan-Vorentwurf beschlossen. Warum trotzdem noch nicht feststeht, ob tatsächlich gebaut wird.

Das geplante Milliardenprojekt zwischen Zschortau und Lemsel nimmt die nächste Etappe. Mit zwei Beschlüssen hat der Rackwitzer Gemeinderat die Weichen für das riesige Rechenzentrum gestellt, zu dessen Entwicklung derzeit die Planungen laufen. Zum einen billigte das Gremium den Kaufvertrag für die rund 44 Hektar große Gewerbefläche, zum anderen wurde der Vorentwurf des Bebauungsplans für die frühzeitige Beteiligung von Behörden und Öffentlichkeit freigegeben. Damit rückt das Vorhaben einen Schritt näher, über eine tatsächliche Umsetzung entschieden ist aber noch nicht.

„Es geht voran“, sagt Andreas Schmidt, Geschäftsführer des Projektentwicklers AM:PM. Zwar befinde sich das Verfahren weiterhin im Vorentwurf und viele Gutachten seien noch nicht abgeschlossen. „Aber wir es sind bisher keine Probleme aufgetreten, die wir nicht lösen können können.“

Intensive Verhandlungen über Flächenverkauf

Ähnlich bewertet der Rackwitzer Bürgermeister Steffen Schwalbe (parteilos) den aktuellen Stand. Die vergangenen Monate seien vor allem von intensiven Verhandlungen über den Grundstückskauf geprägt gewesen. Der nun gebilligte Vertrag sei an mehrere Bedingungen geknüpft. „Wir haben versucht, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Interessen des Projektentwicklers und denen der Gemeinde zu schaffen“, sagt Schwalbe.

Der Kauf des Areals wird demzufolge erst wirksam, wenn zentrale Voraussetzungen erfüllt sind. Dazu gehören ein rechtskräftiger Bebauungsplan, ein gesicherter Stromanschluss für das energieintensive Rechenzentrum und die Verfügbarkeit der Stromtrasse.

Nach Angaben des Bürgermeisters befindet sich der Vertrag über den Stromanschluss derzeit in den letzten Abstimmungen. Erst danach können die detaillierten Planungen für die Anbindung beginnen.

Auch der Kaufpreis wird erst dann fällig. Über dessen genaue Höhe wurde zwischen Gemeinde und Entwickler Stillschweigen vereinbart. Schwalbe spricht von einem „mittleren zweistelligen Millionenbetrag“. Auch Schmidt äußert sich deutlich. „Das ist der höchste Kaufpreis, den wir jemals bezahlt haben“, betont er. Die Gemeinde habe gut verhandelt.Für beide Seiten gibt es eine Absicherung: Sollten die Voraussetzungen nicht erfüllt werden – etwa weil kein Stromanschluss zustande kommt oder das Projekt scheitert –, können sowohl Gemeinde, als auch der Investor spätestens bis September 2028 vom Vertrag zurücktreten.

Parallel schreiten die Planungen voran. Derzeit läuft die frühzeitige Beteiligung, in der Bürger sowie Träger öffentlicher Belange Stellungnahmen abgeben können. Mehrere Fachgutachten befinden sich noch in Bearbeitung. So laufen unter anderem weiterhin naturschutzfachliche Kartierungen über alle Jahreszeiten hinweg. Auch das Verkehrsgutachten ist noch nicht abgeschlossen.

Erste Gutachten bringen Ergebnisse

Bislang zeichnen sich nach Angaben der Beteiligten jedoch keine grundsätzlichen Hindernisse ab. Endgültige Aussagen seien aber erst möglich, wenn sämtliche Untersuchungen abgeschlossen seien.

Auch Schmidt verweist auf die bisherigen Ergebnisse der Umweltuntersuchungen. Arten die geschützt werden müssten, oder unüberwindbare naturschutzrechtliche Konflikte seien bislang nicht festgestellt worden. Das Plangebiet wird aktuell intensiv landwirtschaftlich genutzt, ein Waldstück entlang der B184 soll sowieso erhalten bleiben.

Weitere Bürgerbeteiligung geplant

Nach einer ersten Informationsveranstaltung im vergangenen Jahr will die Gemeinde die Öffentlichkeit erneut einbeziehen. Am 27. August ist eine zweite Bürgerinformation geplant. Sie soll parallel zur Offenlage des Vorentwurfs stattfinden und Gelegenheit bieten, Fragen und Hinweise frühzeitig in das Verfahren einzubringen.

Größere Proteste oder neue Konflikte mit Anwohnern seien zuletzt nicht an die Gemeindeverwaltung herangetragen worden, berichtet Schwalbe. Vielmehr hätten sich viele Bürger nach dem monatelang ruhigen Verlauf erkundigt, ob das Vorhaben überhaupt noch umgesetzt werde.

Große Chancen für die Rackwitz

Für Rackwitz könnte das Projekt langfristig eine historische finanzielle Bedeutung haben. Bereits bei der Vorstellung der Pläne hatte Schwalbe von einer einmaligen Entwicklungschance gesprochen. Daran hält er fest: „Das wäre die realistische Chance, die Gemeinde komplett selbst zu entschulden.“ Darüber hinaus entstünden finanzielle Spielräume für Investitionen, „von denen wir heute nicht träumen“.

Bis aus den Plänen tatsächlich eines der größten Rechenzentren Mitteldeutschlands wird, dürften allerdings noch mehrere Jahre vergehen. Zunächst müssen Planungsrecht, Umweltprüfungen und Energieversorgung gesichert werden. Erst wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, kann der Grundstücksverkauf vollzogen und das Milliardenprojekt tatsächlich auf den Weg gebracht werden.

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Bastian Raabe
30.11.2025

Rechenzentrum bei Zschortau: Gemeinde Rackwitz schließt ersten Vertrag ab

Die Planungen für ein neues, riesiges Rechenzentrum an der B184 zwischen Leipzig und Delitzsch sind jetzt ganz offiziell angestoßen worden. Die Gemeinde hat dabei bereits einige Sicherheiten, etwa zu Gewerbesteuereinnahmen, verankert.

Der Rackwitzer Gemeinderat hat bei seiner Sitzung am Donnerstag den Weg für die Erschließung des Gewerbegebietes bei Zschortau geebnet. Damit ist der erste offizielle Schritt in Richtung der geplanten Ansiedlung eines großen Rechenzentrums am Standort gemacht. Das Gremium stimmte sowohl für eine Planungsvereinbarung mit dem Projektentwickler, der AM:PM Grund Rackwitz GmbH, als auch für einen Aufstellungsbeschluss zur notwendigen Anpassung des Bebauungsplanes für die Fläche.

„Wir haben uns in einem intensiven und zügigen Prozess auf eine gemeinsame Vereinbarung verständigt“, führte der Rackwitzer Bürgermeister Steffen Schwalbe (parteilos) aus. Erste Inhalte aus der unverbindlichen Absichtserklärung aus dem Oktober würden nun verbindlich werden.

Vertrag soll Gewerbesteuer für Rackwitz sichern

Großen Wert habe die Gemeinde außerdem darauf gelegt, schon in dieser frühzeitigen Vereinbarung detaillierte Regelungen zu treffen. Dazu zählt unter anderem eine Regelung zum Gewerbesteueranteil. „Es muss klar sein, dass ein maßgeblicher Teil davon in der Gemeinde bleiben soll“, erklärte Schwalbe. Sollte das Projekt scheitern, ist die Gemeinde zudem von Erstattungskosten befreit.

Dieser Fall sei jedoch sowieso unwahrscheinlich, erläuterte AM:PM Geschäftsführer Andreas Schmidt. „Ein B-Plan kann zwar immer Überraschungen beinhalten, die eine Bebauung sogar unmöglich machen, aber davon gehen wir nicht aus“, sagte Schmidt. Im Januar solle mit Gutachten durchgestartet werden, die dann Klarheit bringen. Bis tatsächlich gebaut wird, soll die Fläche weiter landwirtschaftlich genutzt werden können.

Auf dem rund 44 Hektar großen Areal zwischen Zschortau und Lemsel möchte AM:PM ein Rechenzentrum von imposanten Ausmaßen entwickeln. Entstehen sollen Gebäude mit Büros und Servern, die teils über 20 Meter hoch werden. Das Rechenzentrum benötigt Anschlussleistung von 500 Megawatt. Die Gemeinde soll vom Grundstücksverkauf und den späteren Gewerbesteuereinnahmen massiv profitieren. Derzeit ist die Gemeinde alleinige Eigentümerin aller Flächen im Plangebiet. Ein Kaufvertrag soll in den kommenden Monaten vorbereitet werden.

Konkrete Betreiber und Nutzer des Rechenzentrums sind noch nicht bekannt. Für den Bau des Rechenzentrums sind laut Schmidt Investitionen in Höhe von vier bis sechs Milliarden Euro nötig.

Anfang November hatte die Gemeinde zusammen mit AM:PM eine Informationsveranstaltung in Zschortau durchgeführt, um Bürgerinnen und Bürger über das Vorhaben in Kenntnis zu setzen und erste Fragen zu klären. Dabei wurden die Pläne überwiegend wohlwollend aufgenommen. „Ich habe viele positive Rückmeldungen bekommen“, sagt Schwalbe. Nur Details, etwa im Hinblick auf den Lärmschutz, wurden von Anwohnenden der Nachbarorte hinterfragt.

Weitere Beteiligungsformate für die Öffentlichkeit sind im kommenden Jahr geplant. Außerdem wurde im ehemaligen Zschortauer Rathaus in der Lindenstraße ein Bürgerbüro eingerichtet. Dort können jeden Mittwoch, von 16 bis 18 Uhr, Fragen und Hinweise zum Projekt eingereicht werden.

Gemeinde und Entwickler hoffen darauf, dass die Planungen 2027 abgeschlossen werden können. Es wird angestrebt, das Rechenzentrum um 2030 herum in Betrieb nehmen zu können. Rund 150 Arbeitsplätze sollen dort entstehen.

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Bastian Raabe
07.11.2025

„Pest und Cholera“ oder „große Chance“: Das sagen Rackwitzer zum geplanten Rechenzentrum

Bürgerinnen und Bürger aus Rackwitz sind am Mittwoch über die Pläne zum Rechenzentrum an der B184 informiert worden. Große Widerstände gegen das Projekt tun sich nicht auf, aber Skepsis bleibt.

Bei Zschortau soll ein riesiges Rechenzentrum entstehen. Für die Gemeinde Rackwitz könnte das Millionen bringen, doch Anwohner in der Nachbarschaft müssen mit Geräuschen und dem Blick auf mehrstöckige Gebäude leben. Bei einer Informationsveranstaltung in der Zschortauer Turnhalle erklärten Vertreter der Projektentwicklung sowie der Rackwitzer Bürgermeister Steffen Schwalbe (parteilos) das Vorhaben.

Rund 100 Interessierte aus den Ortsteilen und der näheren Umgebung nutzten am Mittwoch die Chance. Viele Fragen konnten schon beantwortet werden, doch es kamen auch neue auf. Außerdem treiben Bedenken zu Lärm und andere Belastungen die Menschen um.

„Es ist schon eine Wahl zwischen Pest und Cholera“, meint Gundula Elsner. Erst jetzt werde ihr so richtig bewusst, wie groß das Projekt tatsächlich sei. Lemsel bekomme schon ein neues Wohngebiet – und nun komme dieses Vorhaben noch dazu. „Für einen so kleinen Ort ist das sehr viel“, sagt sie.

Dennoch könne Elsner die Gemeinde verstehen, die von den Einnahmen profitieren möchte. „Mir ist wichtig, dass die Gemeinde ihre Schulden loswird und dafür Investitionen möglich werden, etwa ein Radweg zur Schladitzer Bucht.“ Als direkt betroffener Ortsteil sollten die Menschen in Lemsel dann aber auch etwas von den Einnahmen spüren, findet die Anwohnerin. Sie hofft darauf, dass die Hinweise aus der Bevölkerung ernst genommen werden.

Ein Anwohner aus Biesen sieht in dem Projekt eine wirtschaftlich große Chance. „So ein hohes Investitionsvolumen bekommt man sonst nicht hierher“, sagt der Mann, der nicht namentlich genannt werden möchte, da er selbst in der Branche tätig ist. „Ich frage mich aber, wie viel von dem Gewinn am Ende hier bleibt.“ Würden die Gewinne woanders gemacht, dann gebe es auch keine Gewerbesteuereinnahmen für Rackwitz. Dennoch begrüßt er generell den Ausbau von Serverkapazität in der Region. „Wir haben auch Windräder hier stehen, irgendwann gewöhnt man sich daran“, erzählt der Biesener. Nur durchgängiger Lärm würde ihn stören.

Marlene Hütel, die mit ihrem Mann in einer Siedlung genau gegenüber des für das Rechenzentrum vorgesehenen Areals wohnt, hat großes Interesse an den Plänen. „Ich gehe mit gemischten Gefühlen hier raus“, sagt die Zschortauerin. Noch immer wisse sie nicht genau, was auf sie zukommt. Außerdem ist sie besorgt, dass die Grundsteuer steigen könnte. Und sie fragt sich: „Hat es am Ende wirklich einen Vorteil für die Gemeinde?“

Auch ihr Mann Armin Hütel ist hin- und hergerissen. „Wir wollen, dass die Gemeinde sich entwickelt, aber schon jetzt gibt es viel Lärm mit der B184, der Bahn und dem Flugverkehr“, erzählt er. Wenn das Rechenzentrum kommt, dann müsse auch was für die Menschen vor Ort gemacht werden. So wünscht er sich Investitionen in Feuerwehr und Spielplätze.

„Ich halte das Vorhaben als Zschortauer, wie auch als Gemeinderat für eine großartige Chance“, erklärt Ringo Ullrich. „Die Gemeinde ist verschuldet und braucht Einnahmen.“ Er könne aber auch verstehen, dass nicht alle von den Plänen begeistert sind.

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Bastian Raabe
06.11.2025

Das bedeutet das neue Rechenzentrum in Rackwitz für Anwohner und die Region

In Rackwitz soll ein milliardenschweres Rechenzentrum entstehen, das die Gemeinde wirtschaftlich stark aufwerten könnte. Welche Auswirkungen hat das Projekt auf die Anwohner und die Umwelt? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Es könnte die größte wirtschaftliche Ansiedlung in Rackwitz und ein Vorzeigeprojekt für die ganze Region werden: Ein neues Rechenzentrum soll bei Zschortau entwickelt und gebaut werden. Die Rede ist von Baukosten im Bereich von vier bis sechs Milliarden Euro. Die Planungen zum Projekt könnten noch in diesem Jahr beginnen, wie bei einer Infoveranstaltung für Bürger erklärt wurde. Doch wozu wird so ein Rechenzentrum benötigt und was bedeutet das für die Region und die Menschen vor Ort?

Wo liegt das Gewerbegebiet?

Das Areal, auf dem das Rechenzentrum entstehen soll, ist schon seit 1992 als Gewerbegebiet vorgesehen. Es liegt auf einem Acker im Süden von Zschortau und östlich von Lemsel, direkt an der B184, die nach Leipzig und Bitterfeld führt. Entlang dieser erstreckt es sich etwa einen Kilometer. Die nächstgelegene Wohnbebauung ist etwa 200 Meter Luftlinie von der Fläche entfernt. Dazwischen liegen Baum- und Gebüschreihen. Auch Lemsel ist durch einen Wald vom Gebiet getrennt.

Welche Dimensionen soll das Rechenzentrum annehmen?

Die Gewerbefläche ist rund 44 Hektar groß. Das entspricht im Vergleich etwa einem Fünftel der Fläche des benachbarten Schladitzer Sees. Entwickelt werden soll ein Campus mit mehreren Gebäuden, die neben den Servern zur Datenverarbeitung auch Büros beherbergen. Die Bauten werden über 20 Meter hoch. Das Zentrum soll eine Anschlussleistung von 500 Megawatt bekommen. Zum Vergleich: Das Kohlekraftwerk Lippendorf hat eine Leistung von 1750 Megawatt. Die Energieversorgung soll über unterirdische Kabel erfolgen.

Wofür wird das Zentrum benötigt?

Der Bedarf an Rechenleistung wächst kontinuierlich. Zukunftstechnologien wie künstliche Intelligenz oder autonomes Fahren sind darauf angewiesen. Deshalb werden weitere Kapazitäten benötigt. Dabei ist es grundsätzlich egal, wo ein Rechenzentrum entsteht, solange der Standort geeignet ist.

Welche Nutzer kommen an den Standort?

Entwickelt wird das Gebiet von der AM:PM Grund, die sich auf die Entwicklung von Rechenzentren spezialisiert hat. Die Projektkoordination zwischen Gemeinde und Entwickler übernimmt der regionale Spezialist Andre Jaschke. Die AM:PM wird dann wiederum an Betreiberfirmen verkaufen. In Kontakt zu diesen tritt der Projektentwickler aber erst, wenn die Planungen vorangeschritten sind. Genutzt werden können die Server später von großen Firmen, wie zum Beispiel Google oder Oracle. Eine Verbindung zum Großforschungszentrum Delitzsch besteht bisher nicht.

Was kommt auf Anwohner und Pendler zu?

Bürgermeister Steffen Schwalbe (parteilos) spricht von einer immisionsarmen Nutzung. Geräusche entstehen vor allem durch die Kühlung, zu deren Zweck auf den Dächern der Anlage Lüftungen errichtet werden. Abgase werden im normalen Betrieb nicht ausgestoßen. Für die Notstromversorgung werden jedoch Dieselgeneratoren vorhanden sein, die einmal im Monat tagsüber für einen Testlauf in Betrieb genommen werden. Außerdem muss die Anlage, bei der es sich um eine Hochsicherheitseinrichtung handelt, nachts durchgängig beleuchtet sein.

Da kein Lieferverkehr zu erwarten ist und vor allem die Beschäftigten zum Rechenzentrum fahren, ist mit wenig zusätzlichem Verkehr zu rechnen. Angebunden wird das Areal über die B184. Ob dafür etwa eine Ampel notwendig ist und wo genau die zwei benötigten Zufahrten entstehen, soll im Rahmen der weiteren Planung geklärt werden. Erste Gutachten gehen davon aus, dass täglich etwa 250 Kfz-Bewegungen hinzukommen.

Wie sollen Mensch und Umwelt geschützt werden?

Noch liegen keine konkreten Gutachten zur Tier- und Pflanzenwelt auf dem Areal vor. Welche Besonderheiten es gibt, wird im weiteren Planungsverlauf geprüft. Für Regenwasser, das sich auf der versiegelten Fläche sammelt, gibt es mehrere Optionen, die ebenfalls noch geprüft werden: Versickerung und Verdunstung auf dem Gelände sowie die Einleitung in Lober und Schladitzer See. Außerdem könnte ein Wall zwischen der B184 und der Ortslage Zschortau teilweise als Sicht- und Lärmschutz dienen. Ob der sich realisieren lässt, steht aber noch nicht fest. AM:PM Geschäftsführer Andreas Schmidt hat zudem angekündigt, bei weiteren Ausgleichsmaßnahmen Wünsche der Bevölkerung berücksichtigen zu wollen.

Was bringt das Rechenzentrum Rackwitz und der Region?

Allein der Verkauf des Grundstücks könnte Rackwitz auf einen Schlag schuldenfrei machen. Zudem hofft die Gemeinde auf Gewerbesteuereinnahmen in Millionenhöhe. Auch um die 150 Arbeitsplätze sollen entstehen, von der Reinigungskraft bis zur IT-Spezialistin.

Wie können Bürger sich bei den Planungen beteiligen?

Im ehemaligen Zschortauer Rathaus in der Lindenstraße wird ein Projektbüro eingerichtet. Dort können Bürgerinnen und Bürger immer mittwochs zwischen 16 und 18 Uhr Fragen stellen und Anregungen vorbringen. Im Sommer 2026 soll es eine zweite Infoveranstaltung geben, bei der unter anderem die Ergebnisse der Gutachten vorgestellt werden. Im weiteren Lauf des B-Plan-Verfahrens wird es zudem die Möglichkeit geben, mit Stellungnahmen und Einwendungen auf das Projekt einzuwirken.

Wie geht es jetzt weiter?

Noch in diesem Jahr soll der Gemeinderat mit einem Aufstellungsbeschluss den neuen B-Plan anstoßen. Geht das Verfahren reibungslos voran, könnte die Planung 2027 abgeschlossen werden. Eine Inbetriebnahme würde dann etwa 2030 möglich sein.