Brandanschlag auf das Wohnprojekt “Zelle79” in Cottbus

Cottbus, 02. Juli 2026: In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag wurde ein Brandanschlag auf das alternative Wohnprojekt “Zelle79” verübt. Zwei Angreifer warfen Brandsätze gegen das bewohnte Haus.

„Ich schlief bereits fest, als mich ein Knall weckte. In Sekunden war ich am Fenster“, berichtete Fabi Buchholz. „Dort rief ich den zwei Angreifern zu, sie sollen verschwinden und habe die Kamera auf sie gerichtet. Sie schrien zurück, dass wir runter kommen sollen. Danach und damit im vollen Wissen darüber, dass Menschen im Haus sind, haben sie die Brandsätze geworfen.“

Laut den Bewohner*innen waren die Angreifer schwarz gekleidet. Einer der Angreifer war mit einer schwarz-weiß-roten Sturmhaube vermummt.

Der Brandanschlag ereignete sich während der CSD-Aktionswochen Cottbus. Die Bewohner*innen hatten am Haus ein CSD-Plakat und eine Regenbogen-Flagge aufgehangen. Auf einem Banner nahmen sie Bezug auf die gemeinsame Entscheidung von AfD, Mittelstandsinitiative und Teilen der CDU der Stadtverwaltung das Gendern zu untersagen.

Lukas Pellio, Sprecher der Initiative Sichere Orte Südbrandenburg unterstreicht daher: „Dieser Brandanschlag ist ein Angriff auf queeres Leben in Cottbus. Es wird wieder einmal deutlich mit welchem Selbstbewusstsein und mit welcher Skrupellosigkeit die rechte Szene in Cottbus agiert.”

Im vergangenen Jahr wurde innerhalb der CSD-Aktionswochen ein Brandanschlag auf das Regenbogenkombinat Cottbus verübt. Auch das Wohnprojekt Zelle79 ist seit langem Zielscheibe rechter Gewalt. In den letzten Monaten gab es mehrere Sprengstoffanschläge auf das Haus und seine Bewohner*innen sowie regelmäßig rechte Schmierereien an der Fassade.

Erst im April erlebte Cottbus eine massive Welle rechter Angriffe: Darunter ein massives Hakenkreuz an der Synagoge, Angriffe auf mehrere Wohnhäuser und Bedrohungen durch Rechtsextremisten auf offener Straße.

“Um engagierte Menschen zu schützen und zu stärken braucht es langfristiges und konsequentes Handeln der Kommunal- und Landespolitik”, betont Lukas Pellio. “Cottbus ist ein Hotspot rechter Gewalt in Brandenburg und braucht daher einen eigenen Standort der Opferperspektive, die Betroffene rechter Gewalt berät. Die Justiz muss endlich den gefühlten Zustand der Straflosigkeit für rechte Gewalttäter beenden und rechte Gewalt prioritär behandeln.”

Fabi Buchholz macht für die Bewohnenden der Zelle klar: “Wir bleiben hier und wenden uns sichtbar und stark gegen rechte Einschüchterungsversuche. Gemeinsam mit vielen Menschen werden wir am 11. Juli zum CSD in Cottbus auf die Straße gehen und zeigen, dass sich queeres und alternatives Leben in Cottbus nicht vertreiben lässt.”

Die Dominanz extrem rechter Gruppierungen in der Region hat dazu geführt, dass sich 2025 die Initiative Sichere Orte Südbrandenburg gegründet hat. Die Initiative wehrt sich gemeinsam gegen rechte Angriffe – mit öffentlicher Sichtbarkeit, praktischer Unterstützung und klarer Haltung.

Sichere Orte Südbrandenburg ist ein Zusammenschluss von Jugendclubs, Hausprojekten, Orten der Subkultur sowie sozialpolitischen Einrichtungen in Südbrandenburg. Auf ihrer Webseite sammelt die Initiative Spenden zum Schutz angegriffener Orte (www.losmachen.jetzt/spenden).

Quelle: https://de.indymedia.org/node/750249