Müll, Gepöbel, Hitlergrüße: Fans der Böhsen Onkelz sorgen für Ärger in Leipzig
Nach zwei ausverkauften Konzerten der Böhsen Onkelz im Leipziger Stadion beklagen Anwohner massive Verschmutzungen und Pöbeleien im Stadtteil, ein jüdisches Gedenkschild soll von Fans abgerissen worden sein. Die Polizei ermittelt auch wegen Hitlergrüßen.
Die beiden ausverkauften Konzerte der Böhsen Onkelz im Leipziger Stadion fielen aus dem Rahmen. Nicht nur, weil die mittig stehende Bühne erstmals 55.000 Besuchern Platz bot und für eine Rundum-Beschallung sorgte. Sondern auch, weil einige Fans deutliche Spuren hinterlassen haben, an Gebäuden wie in Köpfen.
„Es gibt sicherlich auch viele vernünftige Onkelz-Fans, aber der Anteil von Proleten in der Stadt war an diesem Wochenende wirklich bemerkenswert hoch“, sagt ein Anwohner gegenüber der LVZ, der nicht namentlich genannt werden möchte. „Besoffene, die öffentlich urinieren, fragwürdigen Müll brüllen, Abfall in hoher Menge hinterlassen, die Klingeln der Anwohner nach 23 Uhr putzen“, so der Anwohner weiter.
Offenbar Gedenkschild abgerissen
Er erwähnt außerdem, dass im Waldstraßenviertel ein Schild abgerissen worden sei, das an einen früheren jüdischen Mitbürger als Opfer des Holocaust erinnert. „Es konnte durch Bewohner wieder angebracht werden und war immerhin nicht weg“, sagt er. Den Standort möchten die Bewohnerinnen und Bewohner nicht nennen, aus Angst vor Nachahmern der Tat.
In Internetportalen werden die Schilderungen von Krawall bestätigt. „Bis tief in die Nacht waren besoffene Leute auf der Straße, es wurden irgendwelche Parolen und Songtexte rumgebrüllt“, schreibt ein User auf Reddit.
Berichte von Pöbelei
Jetzt liege „überall Müll rum, und meine Haustür und Wand wurden auch noch mit Markern beschmutzt“. Andere berichten, angepöbelt worden zu sein, „weil ich es wagte, auf dem Radweg zu fahren, auf dem sie laufen mussten“. Eine Frau schreibt: „Ich hatte das erste Mal richtig Angst beim Nachhausegehen und musste mehrmals betrunkenen Männern ausweichen, als sie Anstalten machten, mir zu nah zu kommen.“
Zum Unmut über das ungehobelte bis abstoßende Verhalten einiger Besucher kommen Vorwürfe in Richtung Rechts. Ein Instagram-Nutzer postet: „War dort arbeiten, hab‘ mindestens ’nen Dutzend Neos gesehen, die offen Gruß, SH und HH gerufen haben.“ Gemeint sind der verfassungswidrige Hitlergruß sowie die Rufe „Sieg Heil“ und „Heil Hitler“.
Polizei: Hitlergruß im Stadion
Zwar attestiert man den Böhsen Onkelz schon lange, sich von rassistischen Songzeilen der Anfangszeit glaubwürdig zu distanzieren. Doch manche Fankreise bleiben davon augenscheinlich unbeeindruckt. Wer sich auf der Festwiese vor dem Stadion umgeschaut hat, konnte bestimmte Codes und Symbole aus der Neonazi-Szene entdecken, darunter Kleidung der Marke „Yakuza“ und Tattoos mit Runen, die häufig in der rechtsextremen Szene verwendet werden.
Die Polizei bestätigt, dass es Vorfälle gab. „Am zweiten Konzertabend kam es im Stadion zweimal zur Anzeige eines Hitlergrußes“, sagt Sprecher Moritz Peters. „Beide Personen wurden ermittelt, es handelt sich um einen 17- sowie einen 44-jährigen Mann.“ Die Arbeit der Beamtinnen und Beamten konzentrierte sich auf den Sperrkreis in und ums Stadion.
„Haben alles zugeparkt“
Eingreifen mussten sie am ersten Abend wegen Abbrennens von Pyrotechnik, bei dem sich ein Besucher gefährlich verletzte, und einer Schlägerei von neun Personen aus drei verschiedenen Gruppierungen. Auch zwei Beleidigungen wurden angezeigt.
Diskussionsstoff bot auch das Parken der Konzertgäste. „Ich war gnadenlos enttäuscht, wie Anreisende zum Konzert rund um die Sperrzone alles zugeparkt haben, was irgendwie nach einer freien Fläche ausgesehen hat“, schreibt SPD-Stadtrat Andreas Geisler auf Facebook. „Leider war es dann völlig wurscht, ob Radwege, Parkwege, Grünflächen, Einfahrten.“
Das Ordnungsamt sei zwar massiv im Einsatz gewesen, doch Geisler vermutet: „Viele verlassen sich darauf, dass man mit Abschleppen nicht hinterherkommt, wenn nur genügend ihr Auto falsch abstellen.“ Leipzig müsse schon ab der Autobahn bessere Angebote zum Umsteigen und zur Nutzung des ÖPNV machen.
Eine Anfrage an das Ordnungsamt zu Beschädigungen von Fans und zur Parksituation rund um die Konzerte konnte am Montag nicht beantwortet werden.