Neuer Höchstwert: Sachsens Spitzenverdiener kassiert 86,5 Millionen Euro

Fast 500 Menschen haben im Freistaat ein mindestens siebenstelliges Jahreseinkommen. Die Finanzämter prüfen diese Personen nur selten. Wo leben die meisten Reichen?

Von so einem Millionen-Jahreseinkommen können viele nur träumen – in Sachsen ist ein solcher Superverdienst für 490 Menschen Realität. Alle zusammen bringen es auf 1,21 Milliarden Euro.

Das geht aus einer Antwort des sächsischen Finanzministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion hervor. Die Angaben beziehen sich auf das Jahr 2023. Für die Folgejahre sind die Steuererklärungen noch nicht abgeschlossen.

Linke fordert Vermögenssteuer

Damit bleibt die Zahl der Einkommensmillionäre im Freistaat auf einem etwa konstanten Niveau: 2022 waren es nur unwesentlich mehr (499 Personen). Im Fünf-Jahres-Vergleich gibt es allerdings deutlich mehr Reiche (2018: 385).

Auch aufgrund dieser Entwicklung hält die Linke eine Vermögenssteuer für dringend notwendig. „Mir kann niemand weismachen, dass es falsch wäre, bei diesen Einkünften einen größeren Beitrag zum Gemeinwesen abzuverlangen“, fordert die Linke-Fraktionsvorsitzende Susanne Schaper. Wer sechs- oder siebenstellige Einnahmen habe, solle auch höhere Steuern und Sozialabgaben zahlen müssen.

Spitzenverdienst erreicht neuen Rekord

Der höchste zu versteuernde Einzelverdienst lag im Jahr 2023 bei 86,5 Millionen Euro – das ist ein neuer Rekordwert. Das bisherige Maximum lag bei 59 Millionen Euro aus dem Jahr 2020. „Im Fall der Zusammenveranlagung wurden die Ehegatten beziehungsweise Lebenspartner jeweils einzeln betrachtet“, erklärt das Finanzministerium. Es handelt sich also um Einzelpersonen mit einem entsprechenden Jahreseinkommen.

In vielen Fällen soll es sich um Unternehmerinnen und Unternehmer sowie um Einkünfte aus Vermietungen beziehungsweise Verpachtungen sowie von Finanzmärkten handeln – also um reine Einkommen. Deshalb fallen etwa Grund- oder Immobilienbesitz nicht darunter. Genauere Angaben sind laut dem Finanzministerium aufgrund des Datenschutzes nicht gestattet („Steuergeheimnis“).

Immer mehr Millionäre leben auf dem Land

Regional betrachtet, fallen aber Verschiebungen auf. In den beiden Großstädten Dresden (83) und Leipzig (81) leben zwar weiterhin die meisten Einkommensmillionäre – doch es sind fast ein Fünftel weniger als im Jahr zuvor, als es noch 101 beziehungsweise 98 Spitzenverdiener waren.

Stattdessen verzeichnen nun andere Regionen ein Plus: Offenbar zieht es viele Reiche zunehmend in ländliche Regionen – oder die Geschäfte laufen hier in manchen Fällen besser. So kommt der Landkreis Leipzig inzwischen auf 53 Einkommensmillionäre, was sachsenweit den dritten Rang bedeutet. Zuwächse werden auch aus den Landkreisen Meißen (33), Mittelsachsen (30), Zwickau (36) und Nordsachsen (20) sowie aus Chemnitz (39) gemeldet. Die wenigsten Millionenverdienste wurden im Jahr 2023 im Landkreis Görlitz mit 13 registriert.

Steuerprüfungen nur in Ausnahmefällen

Gleichzeitig haben allerdings die Steuerprüfungen der Finanzämter bei den Reichen nachgelassen. Wurde vor zehn Jahren noch fast ein Drittel der Einkommensmillionäre kontrolliert, ist diese Quote kontinuierlich gesunken. Im Jahr 2022 waren es nur noch ein Prozent und im Jahr darauf zwei Prozent. Das heißt, dass von den genannten 490 Spitzenverdienern neun geprüft wurden. „Das ist nicht hinnehmbar. Bislang ist nicht einmal sicher, dass diese Einkünfte korrekt besteuert werden“, kritisiert die Linke-Fraktionschefin Schaper.

Laut Finanzministerium erfolgen die Steuerprüfungen „risikoorientiert“. Bei Bedarf erfolge eine Meldung an die Betriebsprüfung, „zum Beispiel, wenn die Einkommensmillionärin oder der Einkommensmillionär ein Unternehmen betreibt und die Prüfung komplex ist“. Diese Vorgänge seien „teilweise noch nicht abgeschlossen“.

Millionärsanteil ist in Hamburg am höchsten

Auf die Bevölkerung hochgerechnet, ist der Millionärsanteil bundesweit in Hamburg am höchsten: Hier kommen 124 Spitzenverdiener auf 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Dahinter folgen Bayern (90) und Baden-Württemberg (78). In Sachsen sind es 13. In den Nachbarbundesländern Thüringen und Sachsen-Anhalt liegt der Anteil bei elf beziehungsweise zehn je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner.

Das durchschnittliche Jahreseinkommen von Vollzeitbeschäftigten lag im vergangenen Jahr in Sachsen bei 53.584 Euro brutto (mit Sonderzahlungen). Das hat eine Auswertung des Statistischen Landesamtes ergeben. Das heißt: Pro Monat werden in Sachsen 683 Euro weniger als im bundesweiten Durchschnitt verdient. Im Vergleich zum West-Niveau liegt das mittlere Monatseinkommen 797 Euro unter West-Niveau.

Der Spitzensteuersatz in Deutschland beträgt 42 Prozent und gilt in diesem Jahr für Jahreseinkommen von 69.879 Euro für Ledige und ab 139.758 Euro bei Zusammenveranlagung. Wer deutlich mehr verdient, muss eine sogenannte Reichensteuer von zusätzlich drei Prozent bezahlen: Das ist in diesem Jahr ab 277.826 Euro der Fall.

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat gerade eine Steuerreform für 2027 angekündigt. Dabei strebt er auch einen höheren Beitrag von Spitzenverdienern an.

„Menschen mit sehr hohen Einkommen und Vermögen müssen ihren Teil beitragen, dass Ungleichheiten in unserer Gesellschaft nicht noch wachsen“, fordert Klingbeil, „für mich ist klar, dass breitere Schultern auch mehr tragen können.“ Große Teile von CDU und CSU lehnen eine Anhebung des Spitzensteuersatzes ab.

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Rieke Wiemann und dpa
09.03.2026

Unterschied von fast 6000 Euro – Ost-West-Einkommenslücke wächst: Sachsen auf drittletztem Platz

Haushalte in Ostdeutschland hatten 2025 im Mittel rund 5800 Euro netto weniger zur Verfügung als jene im Westen. Sachsen schneidet im Bundesvergleich ebenfalls sehr schlecht ab – aber immerhin besser als Bremen.

Mehr als drei Jahrzehnte nach der Deutschen Einheit ist die Einkommenslücke zwischen Ostdeutschland und den anderen Bundesländern zuletzt wieder etwas größer geworden. Das geht aus einer Erhebung des Statistischen Bundesamtes hervor. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Sachsen gehören dabei zu denen mit den im Mittel geringsten Einkommen bundesweit. Im Freistaat wird sogar weniger verdient als im ostdeutschen Schnitt, wie aus den Daten hervorgeht.

In den Regionen, die schon vor 1990 zur Bundesrepublik gehörten, lag das verfügbare mittlere Haushaltseinkommen 2025 laut Statistischem Bundesamt bei 39.598 Euro im Jahr. In den neuen Bundesländern (einschließlich Berlin) wurden zuletzt im Mittel hingegen nur 33.764 Euro verdienst. Das sind rund 5800 Euro weniger als im „Westen“. Im Vorjahr fiel die Differenz mit knapp 5300 Euro etwas geringer aus.
Sachsen liegt bundesweit auf drittletztem Platz

In Sachsen betrug das mittlere Haushaltseinkommen im 2025 sogar nur 32.364 Euro. Damit liegt der Freistaat im bundesweiten Vergleich auf dem drittletzten Platz – auch hinter Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Brandenburg.

Auf dem letzten Platz landet Sachsen-Anhalt mit einem mittleren Haushaltseinkommen von 31.700 Euro im Jahr. Brandenburg liegt auf Platz neun (36.696 Euro), Berlin auf Platz zehn (35.760 Euro) und Thüringen auf Platz zwölf (34.440). Direkt dahinter folgt Mecklenburg-Vorpommern (32.729).

Entwicklung insgesamt positiv – Einkünfte in Sachsen stiegen seit 2021 um 15 Prozent

Seit 2020 ist die Entwicklung insgesamt zumindest positiv: Hatten die Haushalte in Westdeutschland damals im Median noch 7965 Euro mehr als jene in Ostdeutschland zur Verfügung, waren es 2025 nur noch 5834 Euro – was ein Minus von rund 2130 Euro ist. Prozentual ging die Einkommenslücke damit von 21,7 auf 14,7 Prozent zurück.

In Sachsen ist das Haushaltseinkommen von 2021 bis heute um 15 Prozent gestiegen.
Bremens Haushalte haben weniger Einkommen zur Verfügung als sächsische

Bremen ist das einzige westdeutsche Bundesland, das sich die hinteren Ränge mit den ostdeutschen Ländern teilt. Mit einem mittleren Haushaltseinkommen von 32.256 landet die Hansestadt auf dem vorletzten Platz – hinter Brandenburg, Berlin, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen.

Am meisten Einkommen hatten 2025 die Haushalte in Bayern (42.572 Euro) und Baden-Württemberg (41.420 Euro) zur Verfügung.

Bündnis Sahra Wagenknecht kritisiert Einkommenslücke

Die Zahlen werden jedes Jahr vom Statistischen Bundesamt veröffentlicht. Zuletzt hatte das Bündnis Sahra Wagenknecht diese aber explizit noch einmal angefragt. Parteigründerin Sahra Wagenknecht kritisierte die Einkommenslücke und erklärte sie mit der im Osten stärker steigenden Arbeitslosigkeit.

„Wenn ostdeutsche Haushalte im Mittel fast 6.000 Euro im Jahr weniger zur Verfügung haben, dann ist das 36 Jahre nach der Wiedervereinigung ein inakzeptabler Rückstand“, sagte Wagenknecht.