Pegidagründer Bachmann wieder mal vor Gericht

Lutz Bachmann lebt nach wie vor auf Teneriffa. Nach Dresden kam der 53-Jährige nun wegen eines Berufungsprozesses am Landgericht Dresden wegen Beihilfe zur Volksverhetzung. Dort wird er nicht mehr von jedem erkannt.

Lange nichts gehört von Pegida-Gründer Lutz Bachmann. Nach wie vor lebt er auf der spanischen Kanaren-Insel Teneriffa. 2016 war er dorthin ausgewandert, kam danach nur zu den Demonstrationen nach Dresden. Im Winter 2014/15 besuchten an Montagabenden mehr als 20.000 Anhänger die Demos der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“.

In den Corona-Jahren verschwand Pegida aus dem Stadtbild. Zum zehnten Jahrestag kündigte Bachmann das Ende des Straßenbündnisses an, man wolle jedoch präsent bleiben. Präsent ist der 53-Jährige inzwischen allerdings nur noch vor Gericht – und auf seinen Kanälen in den sozialen Netzwerken, wo er in gewohnter Manier unablässig postet.

Ohne Zahnbürste und Zensur-Brille

Am Montagmorgen wird Lutz Bachmann jedoch von den jungen Justizbediensteten an der Pforte des Gerichts nicht mehr erkannt. Er trägt Jeans und sein altbekanntes blaukariertes Jackett. Die älteren Wachtmeister dagegen können noch erzählen, wie Bachmann vor Jahren mit Zahnbürste im Revers und einer „Zensur-Brille“ auf der Nase kam. 2016 war das.

Bachmann ist ein langjähriger Klient des Hauses. 22 Einträge zählt sein Vorstrafenregister. Es reicht bis in die Jugend zurück. Schwere Taten waren Einbruchdiebstähle und Drogenhandel, zuletzt wurde er wiederholt wegen Volksverhetzung angeklagt.

An diesem Montag im März 2026 geht es um Eintrag Nummer 23. Mit dabei ist Bachmanns langjährige Verteidigerin Katja Reichel, die ihm schon manches Jahr hinter Gittern erspart hat. Die beiden geben sich kooperativ. Es steht ein Berufungsverfahren am Landgericht an. Das letzte Urteil, 17 Monate auf Bewährung vom September 2024, hatte Bachmann nicht akzeptiert.

Der Vorsitzende Richter zählt nun die damals verurteilten Delikte auf. Bachmann soll demnach akzeptiert haben, dass in den Jahren 2021 bis 2023 „andere“ unter seinem guten Namen hässliche Dinge auf „Telegram“ und anderen sozialen Kanälen veröffentlicht haben. Deswegen ging es um Beihilfe zur Volksverhetzung in zwei Fällen und die Verwendung von Nazi-Symbolen.

Geständnis gegen milde Strafe

Zunächst sagt Bachmann, er habe mit den Veröffentlichungen nichts zu tun. Er komme nicht einmal an seinen Account, um solche Dinge zu verhindern. Nein, die Namen derer, die angeblich den Zugang haben, wolle er auch jetzt nicht nennen: „Ich bin unschuldig!“

Der Staatsanwalt entgegnet, dass Bachmann doch schon vor dem Amtsgericht eingeräumt habe, was ihm hier wieder vorgeworfen wird. Danach verhandeln die Anwälte mit der Kammer hinter verschlossenen Türen. Ergebnis: Die Staatsanwaltschaft, die ebenfalls Berufung eingelegt hatte, nimmt diese zurück und Bachmann gesteht. Dafür gibt’s ein milderes Urteil, schon weil so viel Zeit vergangen sei.

Neu ist, dass Lutz Bachmann seine „schwere Krankheit“, die bereits im erstinstanzlichen Prozess bekannt wurde, inzwischen offenbar im Griff hat. Sie sei „zum Stillstand gekommen, mehr oder weniger“, erklärt er. Inzwischen arbeite er „als Selbstständiger“ in der Firma seiner Frau auf Teneriffa, mehr Privates erfährt das Gericht nicht über ihn.

Nach zweieinhalb Stunden ist der Auftritt vorbei. Lutz Bachmann wird zu 13 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Das Gericht rechnet ihm sein Geständnis an. In dem Urteil ist, wie in der ersten Instanz, eine weitere einschlägige Verurteilung aus dem Jahr 2022 enthalten. Die Kammer lobt zudem, dass seit 2024 keine neuen Straftaten mehr bekannt geworden seien.

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Steffi Suhr mopo 03.03.2026

Lutz Bachmann wieder vor Gericht: Pegida-Gründer hilft jetzt anderen beim Auswandern

Dresden – Er flog eigens aus seiner Wahlheimat Teneriffa ein. Pegida-Gründer Lutz Bachmann (53) hatte am Montag einen Termin am Landgericht Dresden. Der gelernte Koch kämpfte um ein mildes Urteil. Mit Erfolg: Er bekam vier Monate „Rabatt“.

Die Taten liegen Jahre zurück, wurden schon beim Amtsrichter verhandelt. Der hatte Bachmann 2024 wegen Beihilfe zur Volksverhetzung und Verwendung von verfassungswidrigen Kennzeichen zu 17 Monaten auf Bewährung verurteilt.

Demnach hatte er seinen Telegram-Kanal anderen überlassen, die dort in seinem Namen pöbelten. „Ich bin unschuldig“, sagte der Wahl-Spanier im Landgericht. „Ich hatte das damals schon erklärt.“

„Bei der Trennung im Verein und den Streitigkeiten gab ich den Account ab. Ich habe keinen Zugriff mehr. Ich kann nichts tun, ihn auch nicht löschen.“

Namen der jetzigen Accountinhaber verschwieg er. „Das kann ich nicht“, so der Dresdner. „Ich verstehe Ihre Zwickmühle, keine Namen zu nennen“, erklärte der Richter.
Lutz Bachmann hilft jetzt auch anderen beim Auswandern

„Aber nach vorläufiger Auffassung wird es wohl beim Schuldspruch aus dem Amtsgericht bleiben.“ Allerdings: Seit den Vorfällen (2022, 2023) habe sich Bachmann nichts mehr zuschulden kommen lassen. Mithin stellte das Gericht eine geringere Strafe in Aussicht.

Dem stimmte sogar der Staatsanwalt zu, der seinerseits ursprünglich ein zusätzliches Urteil wegen Körperverletzung gefordert hatte. Laut Anklage hatte Bachmann einen Journalisten weggestoßen.

Doch schon das Amtsgericht sprach den einstigen Pegida-Frontmann davon „aus tatsächlichen Gründen“ frei. Und die Kammer sah auch keine Beweise für so eine Straftat.

Blieben die Vorwürfe wegen volksverhetzender Beiträge und verfassungsfeindlicher Kennzeichen. Das Landgericht senkte die Gesamtstrafe dafür auf 13 Monate Haft auf Bewährung ab.

Ob Lutz Bachmann sich gleich wieder auf den Heimflug machte, ließ er offen. Er hilft jetzt übrigens nach eigenen Angaben anderen beim Auswandern …

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Tino Moritz 02.03.2026

Urteil gegen Pegida-Gründer Lutz Bachmann in zweiter Instanz abgemildert

Der Berufungsprozess wegen Volksverhetzung und wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen endete schneller als geplant.
Dresden.

Der einstige Frontmann des islamkritischen Pegida-Bündnisses in Dresden, Lutz Bachmann, ist am Montag vom Landgericht Dresden zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Mit insgesamt 13 Monaten milderte es das Strafmaß der Vorinstanz um vier Monate ab. Das Amtsgericht Dresden hatte den inzwischen 53-Jährigen im September 2024 wegen Beihilfe zu Volksverhetzung und Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen zu 17 Monaten verurteilt.

„Alles schon mal da gewesen“

Dabei hatte es ihm mehrere Einträge in sozialen Medien zur Last gelegt, die nach Darstellung von Bachmann gar nicht von ihm selbst stammen, auch wenn sie unter seinem Profil veröffentlicht wurden. Dazu gehörte ein Telegram-Beitrag von Dezember 2021, in dem neben einem deutschen Polizisten auch ein Offizier der Waffen-SS inklusive Doppelsigrune und Totenkopf abgebildet war, versehen mit der Bemerkung, dass da jemand nur Befehle ausführe und „alles schon mal da gewesen“ sei. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch Bachmanns Verteidigerin Katja Reichel waren gegen den Schuldspruch in Berufung gegangen.

Die Staatsanwaltschaft hatte damit auch Bachmanns Verurteilung wegen Körperverletzung erreichen wollen. Weil es Zweifel daran gab, dass er im März 2022 einen Fotografen am Rande einer Pegida-Demonstration vorsätzlich mit der Hand gegen die Brust schlug, war Bachmann von diesem Anklagepunkt freigesprochen worden. Dazu neigte nun auch das Landgericht, wie Richter Thomas Mrodzinsky unter Verweis auf die seit dem Geschehen vergangene Zeit und die damit zu erwartende Belastbarkeit von Zeugenaussagen zu erkennen gab. Die Staatsanwaltschaft erklärte sich daraufhin zur Rücknahme ihrer Berufung bereit, wenn die Verteidigung ihre Rechtsmittel auf den sogenannten Rechtsfolgenausspruch beschränkt. Damit akzeptiert ein Angeklagter allerdings den Schuldspruch der Vorinstanz, nur noch die Strafhöhe wird verhandelt.

„Ich bin unschuldig“

Zwar sagte Bachmann selbst zunächst: „Ich bin unschuldig.“ Dass er gar keinen Einfluss auf die Einträge unter seinem Namen habe, hänge auch mit „internem Streit“ und entstandenen „Feindschaften“ bei Pegida zusammen. Zudem müssten sich auch Mietwagen-Firmen nicht dafür verantworten, wenn mithilfe ihrer Autos Straftaten verübt werden. Doch nachdem Mrodzinsky ein Strafmaß unterhalb des Amtsgerichts in Aussicht stellte und Bachmann sich mit seiner Verteidigerin beriet, kam es doch zur Abkürzung des ursprünglich auf drei Verhandlungstage angesetzten Berufungsprozesses.

Der Richter verwies in seiner Urteilsbegründung auch darauf, dass sich der Post mit dem Abbild des Offiziers der Waffen-SS auch als Kritik am „Kadavergehorsam“ im Nationalsozialismus lesen lasse. Zu Bachmanns umfangreichem Vorstrafenregister gehört zwar auch eine Geldstrafe in Höhe von 9600 Euro wegen Volksverhetzung durch herabwürdigende und hetzerische Beleidigungen von Flüchtlingen im Jahr 2016.

Strafmildernd wirkte sich nach Auffassung des Gerichts aber aus, dass er sich in den vergangenen Monaten nichts zuschulden kommen ließ und die Dauer des Strafverfahrens nicht von ihm zu verantworten sei.

Kritik am Kadavergehorsam?

Bachmann selbst lebt seit Jahren in Teneriffa. Vor Gericht gab er an, derzeit in der Firma seiner Frau tätig zu sein. Zur Höhe seiner derzeitigen Einkünfte sagte er genauso wenig wie zur Autorenschaft der Einträge unter seinem Namen auf Telegram. Die beiden Freiheitsstrafen von vier und neun Monaten sind für die Dauer von zwei Jahren zur Bewährung ausgesetzt.
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BILD Thomas Fischer

Sachsen
03.03.2026

In Dresden stand er jetzt erneut vor Gericht: Was macht eigentlich Ex-Pegida-Chef Lutz Bachmann?

Vor zwölf Jahren begann Pegida damit, jeden Montag auf die Straße zu gehen. Die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ folgten ihrem Anführer Lutz Bachmann (53). Der nahm später Reißaus und wanderte nach Spanien aus. Die Hintergründe sind bis heute unklar. Jetzt kam der Mann mit den 22 Vorstrafen zurück nach Deutschland.

Das Landgericht Dresden verhandelte am Montag gegen ihn. Die Staatsanwaltschaft und auch Bachmann selbst hatten gegen ein Urteil des Amtsgerichts Berufung eingelegt. Im September 2024 war der Pegida-Chef u.a. wegen Beihilfe zur Volksverhetzung zu 17 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Die 14. Strafkammer um den Vorsitzenden Richter Thomas Mrodzinsky (62) versuchte auszuloten, was das Ziel der Berufung ist. Bachmann beteuerte seine Unschuld, forderte einen Freispruch – die Staatsanwaltschaft auch eine Verurteilung wegen Körperverletzung.

Das wird Bachmann vorgeworfen

In der Corona-Krise 2021 war auf dem Telegram-Kanal „Lutziges“ ein Foto zu sehen, das zur einen Hälfte einen SS-Offizier und zur anderen einen Polizisten zeigte, zudem eine verbotene SS-Rune und einen Totenkopf. Dazu stand: „Ich führe nur Befehle aus.“ In einem weiteren Telegram-Beitrag aus 2022 ging es um Ukraine-Flüchtlinge. Darunter stand: Unter die „echten Flüchtlinge“ würden sich jede Menge „Halsabschneider“ und „Gelumpe“ aus Afrika mischen. Im dritten Fall aus 2023 wurde ein Beitrag über ein Flüchtlingsheim geteilt. Zu sehen sind zwei Mitarbeiter. Der Kommentar auf dem Bachmann-Kanal: „Merkt euch die Gesichter, das sind meiner Meinung nach Mittäter bei Raub und Vergewaltigung.“

Für diese Beiträge ist Bachmann vom Amtsgericht verurteilt worden. Ein früheres Urteil über sechs Monate wurde einbezogen. Freigesprochen wurde Bachmann für einen angeblichen Schlag gegen einen Journalisten am Rande einer Demo.

Ex-Pegida-Boss unter Bewährung

Am Landgericht behauptet Bachmann, er hätte keinen Zugang mehr zum Profil bei Telegram. Bei der Pegida-Trennung (offiziell 2024) hätte es Streit gegeben und es sei weiter unter seinem Namen gepostet worden. Namen, wer dahintersteckt, wollte er nicht nennen.

Der pragmatische Richter machte kurzen Prozess: „Es besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass etwas Ähnliches herauskommt, wie beim ersten Mal.“ Er hob jedoch hervor, dass seit dem Urteil viel Zeit vergangen und nichts Neues dazugekommen sei. Schließlich einigte man sich in einem Rechtsgespräch.

Die Staatsanwaltschaft zog ihre Berufung zurück, Bachmann beschränkte sich auf die Rechtsfolgen. Heißt: Er erkennt die Schuld an. Richter Mrodzinsky urteilte danach: neun Monate Haft auf Bewährung und damit acht weniger als im ersten Urteil.

Das macht Lutz Bachmann heute

Der frühere Pegida-Boss der fremdenfeindlichen Bewegung sagte vor Gericht, dass er auf den Kanaren lebe. Die Adresse führt zu einer Wohnanlage im Süden der Insel Teneriffa, mit einem Gemeinschaftspool und ganz in der Nähe des Flughafens. Als Job gibt Bachmann „selbstständig“ an, er arbeite in der Firma seiner Frau. Einkommen hätte er keins. „Was ich brauche, wird gekauft“, sagt er dem Richter. BILD hakte nach, was denn die Firma seiner Frau mache und was sein heutiger Job sei. Bachmann: „Dies und das. Und ich helfe Leuten beim Auswandern.“ Im Klartext: Der Mann, der gegen Einwanderung nach Deutschland wetterte, hilft nun Menschen bei der Einwanderung nach Spanien.