Angriff auf Prokuristin: „Ans Messer geliefert“ – Klinikmitarbeiterin in Leipzig wegen Beihilfe verurteilt

Ines F. soll Adressen politischer Gegner gesammelt und an gewaltbereite Linksextremisten weitergegeben haben – der Richter macht ihr deswegen schwere Vorwürfe. Unter anderem geht es um den Angriff auf eine Prokuristin in Leipzig.

Als Angeklagte hat Ines F. vor dem Amtsgericht Leipzig stets geschwiegen. Selbst zu persönlichen Dingen wollte sie keine Angaben machen, den Schreck über das Urteil und die scharfen Worte des Richters sieht man der 55-Jährigen an:
Ein Jahr und sechs Monate auf Bewährung für Beihilfe zu Körperverletzung und Hausfriedensbruch. Das Urteil ist bislang nicht rechtskräftig.

Es geht um zwei Gewalttaten, die der linksextremen Szene zugeordnet werden. Den Angriff auf den rechtsextremen Cedric S. im Herbst 2018 in der Nähe seines Wohnhauses in Wurzen. Und den „Hausbesuch“ bei der Prokuristin einer Immobilienfirma in Leipzig. Vermummte drangen in die Wohnung von Claudia P. und schlugen auf sie ein. Zum Abschied hieß es: „Schöne Grüße aus Connewitz.“

Angeklagte hatte Kontakt zum Umfeld der Gruppe Lina E.

Ines F. war nicht direkt an den Taten beteiligt. Aber die Generalstaatsanwaltschaft und nun auch das Amtsgericht Leipzig sind überzeugt, dass sie wichtige Informationen an linksextreme Gewalttäter weitergegeben hat – im Wissen um die Folgen. Ines F. habe Cedric S. und Claudia P. „ans Messer geliefert“, so Richter Sebastian Busch in seiner Urteilsbegründung. „Das ist richtig schlimm.“

Ines F. soll jahrelang Listen über politische Gegner geführt haben. Bei einer Durchsuchung ihrer Wohnung und des Computers fanden sich Daten von Personen, die unter anderem der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind.

Um an die Informationen zu gelangen, soll Ines F. ihre Sonderstellung in einem Krankenhaus in Magdeburg ausgenutzt haben. Ihre Aufgabe war es, Patienten ausfindig zu machen, die ihre Rechnungen nicht bezahlt hatten, und Mahnverfahren einzuleiten. Sie hatte Zugriff auf verschiedene Daten, darunter auch die des Einwohnermeldeamts.

Mehrfach soll Ines F. Abfragen zu Personen gestellt haben, bei denen es keine Verbindungen zum Krankenhaus gab. Entsprechende Hinweise fanden die Ermittler auf ihrem Rechner. Dazu verschiedene Chats, in denen Ines F. aufgefordert wurde, konkrete Kontaktdaten abzugleichen. Sie hatte per Mail auch Kontakt mit einer Person, die dem Umfeld der linksextremen Gruppe um Lina E. und Johann G. zugeordnet wird. Die Gruppe hatte gezielt Neonazis ausgespäht und angegriffen, darunter eben Cedric S. aus Wurzen.

Richter macht Ines F. schwere Vorwürfe

Einen Screenshot seiner Adresse fanden die Ermittler bei Ines F.. Allerdings stammte der aus einer Zeit, in der die Gruppe um Lina E. dessen Wohnort bereits ausgespäht hatte. Die Verteidigerin von Ines F. erklärte deswegen in ihrem Plädoyer, die Abfrage habe die Gewalttat weder ermöglicht, noch erleichtert. Für eine tatsächliche Weitergabe der Adresse gebe es außerdem keine Hinweise. Auch nicht im Fall der Prokuristin.

Die hatte vor Gericht erzählt, wie überrascht sie von dem Angriff gewesen war. Bis heute ist unklar, wer die Angreifer waren. Einen konkreten Nachrichtenverlauf mit Ines F. gibt es nicht. Und: Auch andere haben Anfragen zum Namen von Claudia P. beim Einwohnermeldeamt gestellt – darunter ein Polizist.

Der Prozess gegen Ines F. fußt auf Indizien, darauf wies in seinem Plädoyer der Vertreter der Generalstaatsanwaltschaft immer wieder hin. Allerdings ergebe sich ein Gesamtbild.

Der Argumentation folgte auch Richter Sebastian Busch. Ines F. sei in die linke Szene verstrickt, sie habe systematisch Listen geführt, Daten gesammelt und per Signal darüber kommuniziert. Er schließe aus, dass es in diesen konkreten Fällen anders gewesen sein könnte.

Die Rechtsprechung verlange nicht, dass Ines F. einen genauen Tatverlauf oder Tatort kenne. „Sie müssen nur billigend in Kauf nehmen, dass die abgefragten Personen Opfer von Gewalttaten werden.“

Das habe Ines F. getan. „Achselzuckend“, so der Richter.
Die Verteidigerin von Ines F. will Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen.

—————————————————————————-

Valentin Dreher
19.01.2026

In eigener Wohnung zusammengeschlagen „Schöne Grüße aus Connewitz“: Prokuristin von Immobilienfirma beschreibt linksextremen Angriff

Im November 2019 attackierten Linksextreme die Mitarbeiterin einer Leipziger Immobilienfirma in ihrer Wohnung. Nun äußert sich das Opfer vor Gericht erstmals zu dem Angriff – und dessen Folgen.

Nach wenigen Minuten hätten die beiden Vermummten plötzlich von ihr abgelassen, sagt die Frau. Erst dann sei der Prokuristin klar geworden, warum sie offenbar Opfer einer Gewalttat geworden war. Einer der Täter habe sich mit den Worten „Schöne Grüße aus Connewitz“ von ihr verabschiedet. Grüße von dort also, wo das Opfer mit der kleinen Baufirma gerade ein Mehrfamilienhaus bauen wollte.

Bis heute ist nicht geklärt, wer die Angestellte einer Leipziger Immobilienfirma an dem Novemberabend im Jahr 2019 attackiert hat. Die Täter, sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Dresden auf Anfrage, konnten nicht ermittelt werden. Doch vor dem Amtsgericht Leipzig ist derzeit eine mutmaßliche Unterstützerin der Angreifer angeklagt: Ines F., heute 55, arbeitete früher in der Buchhaltung des Uniklinikums Magdeburg.

Um Rechnungen zu verschicken, hatte sie Zugriff auf Meldedaten – auch von Personen, die wie die Leipziger Prokuristin nie im Klinikum behandelt worden waren. Einige Monate vor dem Angriff soll F. der Anklage zufolge dennoch die Adresse der damaligen Prokuristin abgerufen haben. Ihr wird vorgeworfen, die Daten auch an die linksextreme Gruppe um Lina E. und Johann G. weitergegeben und so die Angriffe auf die Prokuristin und einen Neonazi aus Wurzen ermöglicht zu haben. Welche Verbindungen die Angeklagte zu der Gruppe hatte und wer die Adresse noch erhielt, blieb derweil offen.

Zwei vermummte Angreifer vor der Wohnungstür

Am Montagmorgen, gut sechs Jahre nach dem Angriff, sitzt die 40 Jahre alte Immobilienfachfrau im Zeugenstand. Sie hat ihre Handtasche in den Schoß gelegt und hält sich an ihr fest, während sie den Angriff in kurzen Sätzen schildert. Sie habe an diesem Abend auf dem Sofa gesessen, als es gegen 19 Uhr an der Wohnungstür klingelte. „Davor standen zwei vermummte Personen“, ein Mann, eine Frau, vermutet sie. „Ich habe noch versucht, die Tür wieder zuzuschlagen, aber es stand schon ein Fuß dazwischen.“

Die Angreifer hätten sie in den Flur ihrer Wohnung geschubst. „Ich lag zusammengekauert am Boden, die Arme über mir.“ Sie sei geschlagen worden, mit der Faust oder der flachen Hand, fünf bis zehn Minuten lang. Dann der Abschiedsgruß aus Connewitz.

Im Herbst 2019 entwickelte das dreiköpfige Immobilienunternehmen in dem Stadtteil gerade ein Grundstück, um dort Wohnungen zu bauen. Dort hätten sich zuvor die Hochbeete eines Urban-Gardening-Projekts und der Freisitz einer Kneipe befunden, erinnert sich die Angestellte der Immobilienfirma. Die Termine auf dem Grundstück habe sie meist selbst wahrgenommen. Ebenso sei sie auf der Website des Unternehmens abgebildet gewesen, „um dem Bauprojekt ein Gesicht zu geben“.

Aus Angst vor einem weiteren Angriff zog die Prokuristin schnell um

Die Verletzungen nach dem Angriff habe sie „nicht schlimm“ in Erinnerung: „Ein paar blaue Flecken an den Armen und im Gesicht.“ Doch in ihrer Wohnung habe sich die Prokuristin nicht mehr sicher gefühlt – erst recht nicht, weil in der Folge ihre Adresse auf einer linken Plattform veröffentlicht worden sei. Sie sei schnell umgezogen.

Der Richter will wissen, ob sie noch heute Folgen des Angriffs spüre. „Rückstandslos wird das nie sein“, sagt das Opfer der Gewalttat, „das war ein dermaßen tiefer Eingriff in die Intimsphäre der eigenen Wohnung.“ Die Erinnerungen daran kämen wieder hoch, sobald in Leipzig Linksextreme randalierten.

Doch war es tatsächlich die Klinikmitarbeiterin Ines F., die den linksextremen Angriff ermöglichte, indem sie die Adresse des Opfers weitergab? Deren Verteidigerin hebt hervor, dass davor auch ein Nachbar die Personaldaten in einer Datenbank abgefragt haben soll. Das Urteil wird am Mittwoch erwartet.

————————————————————————————

Denise Peikert
13.01.2026

Angriff auf Prokuristin von Leipziger Immobilienfirma: Hat eine Klinik-Mitarbeiterin den Schlägern geholfen?

Sie soll die Gruppe um Lina E. unterstützt und dafür Meldedaten abgefragt haben: Eine Magdeburger Klinik-Mitarbeiterin steht in Leipzig vor Gericht – auch wegen Beihilfe zum Angriff auf eine Prokuristin 2019. Wer damals zugeschlagen hat, dürfte ungeklärt bleiben.

Als die Prokuristin einer Leipziger Immobilienfirma im Herbst 2019 bei sich zu Hause mit Fäusten attackiert wurde, die Täter ihr „Viele Grüße aus Connewitz“ ausrichteten, empörten sich viele: Sind Linksextreme in Leipzig jetzt so brutal? Oder sollte ein bald aufgetauchtes Bekennerschreiben es nur so aussehen lassen?

Mehr als sieben Jahre später kam der Fall am Montag erstmals vor ein Gericht. Am Amtsgericht Leipzig muss sich Ines F. verantworten, weil sie als Mitarbeiterin der Uniklinik Magdeburg Adressen abgefragt und auch an die linksextreme Gruppe um Lina E. und Johann G. weitergegeben haben soll. Welche Verbindung die Angeklagte zu den Extremisten hatte, blieb am ersten Verhandlungstag offen.

Zwischenzeitlich war zu Hunderten illegalen Abfragen ermittelt worden. Verhandelt werden am Amtsgericht nun zwei. Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden wertet sie als Beihilfe zu gefährlicher Körperverletzung.

Aus Sicht der Anklage war die Sache so: Ines F., heute 55 Jahre alt, arbeitete früher in der Buchhaltung des Uniklinikums. Dort hatte sie Zugang zu Meldedaten, durfte etwa die Adressen von Patienten abfragen.

Ausspähung von Haus schon vor Datenabfrage

Im Herbst 2018 soll sie so die Anschrift eines Neonazis aus Wurzen ausgeforscht haben, der kurz darauf von der Gruppe um Lina E. vor seinem Haus zusammengeschlagen worden war. Und vor dem Angriff auf die Prokuristin in Leipzig soll Ines F. auch deren Adresse abgefragt haben – jeweils mit dem Ziel, die Attacken zu ermöglichen.

Ines F. schwieg vor Gericht zu den Vorwürfen. Ihre Anwältin kritisierte, dass die Vorwürfe auf Mutmaßungen basierten, es Ungereimtheiten gebe.
Im Fall von Cedric S., einem jedenfalls früheren Rechtsextremisten aus Wurzen, geht eine Ungereimtheit aus dem Urteil gegen die Gruppe um Lina E. hervor.

Darin stellte das Oberlandesgericht Dresden 2021 fest: Das Haus von Cedric S. war durch die Gruppe schon mehrere Wochen vor der Datenabfrage von Ines F. ausgespäht worden.

Prokuristin soll als Zeugin aussagen

Im Fall des Angriffs auf die Prokuristin gab es mindestens eine weitere Abfrage ihrer Adresse – offenbar durch Polizisten und wohl schon vor dem Angriff auf die Frau. Was es damit auf sich hatte, konnte eine mit dem Fall betraute Hauptkommissarin des Landeskriminalamts (LKA) Sachsen vor Gericht nicht sagen.

Der Prozess gegen Ines F. soll nächste Woche fortgesetzt werden. Dann soll auch die 2019 attackierte Prokuristin erstmals öffentlich aussagen.

Wer ihre Angreifer waren, dürfte ungeklärt bleiben – die Ermittlungen sind inzwischen eingestellt. Die Täter, sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Dresden auf Anfrage, konnten nicht ermittelt werden.

———————————————————————————–

Denise Peikert 28.08.2024

Angriff auf Prokuristin: Polizei durchsucht Wohnung in Leipzig-Connewitz

Neue Aktion in einem beinahe fünf Jahre alten Fall: Die Leipziger Polizei hat eine Hausdurchsuchung durchgeführt. Es geht um den gewalttätigen Angriff auf die Prokuristin einer Immobilienfirma in Connewitz im November 2019.

Die Täter sind bisher nicht ermittelt worden, Spuren verliefen ins Leere.

Die Polizei hat am Mittwoch im Leipziger Stadtteil Connewitz die Wohnung eines Mannes durchsucht. Nach LVZ-Informationen steht die Maßnahme im Zusammenhang mit einem seit fast fünf Jahren nicht geklärtem Fall. Im November 2019 war die Prokuristin einer Immobilienfirma von Vermummten in ihrer Wohnung gewalttätig angegriffen worden.

Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden, die in dem Fall ursprünglich wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt hatte, ist für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Über die Hausdurchsuchung hat ein MDR-Journalist zuerst berichtet.

Mehrere vermummte Täter hatten die Prokuristin 2019 überfallen und mit Faustschlägen im Gesicht erheblich verletzt. Danach war ein Bekennerschreiben aus der linksextremen Szene aufgetaucht.

Darin war der Angriff mit einem Bauprojekt in Connewitz in Verbindung gebracht worden. Die Firma, bei der das Opfer damals beschäftigt war, hatte die Entwicklung von Eigentumswohnungen an der Wolfgang-Heinze-Straße betreut.

Ermittlungen gegen Lina E. in der Sache eingestellt

Zwischenzeitlich hatte die Generalstaatsanwaltschaft in dem Fall auch gegen Lina E. ermittelt, die inzwischen wegen Angriffen auf Neonazis zu einer Haftstrafe verurteilt wurde. Das Urteil, wonach E. eine linksextreme Bande zur Ausübung von Gewalttaten gegen Rechtsextreme mit angeführt haben soll, ist noch nicht rechtskräftig.

Im Fall der Prokuristin waren die Ermittlungen gegen E. eingestellt worden. Bei einem weiteren Verdächtigen wurde der Anfangsverdacht klar widerlegt.

Weiter ermittelt hatte die Generalstaatsanwaltschaft in der Sache gegen eine Mitarbeiterin der Universitätsklinik Magdeburg. Sie soll die Adresse der Prokuristin im Kliniksystem abgefragt und weitergegeben haben.

————————————————————————–
Denise Peikert 08.11.2021

Angriff auf Leipziger Prokuristin: Ermittlungen gegen Lina E. eingestellt

Im Herbst 2019 war in Leipzig die Prokuristin einer Immobilienfirma in ihrer Wohnung niedergeschlagen worden. Die Ermittlungen gegen Lina E. in dem Fall wurden nun eingestellt.

Im Herbst 2019 ist eine Prokuristin in Leipzig zuhause überfallen und mit Schlägen im Gesicht verletzt worden. Die Ermittlungen gegen die Leipziger Studentin Lina E. als mögliche Mittäterin dieses Überfalls wurden nun eingestellt. Das bestätigte die Generalstaatsanwaltschaft Dresden am Montag auf Anfrage.

Der Fall hatte vor drei Jahren für Aufsehen gesorgt: Vermummte hatten die Prokuristin an ihrer Wohnungstür mit Faustschlägen niedergestreckt. Nach der Tat war ein Bekennerschreiben auf einer linken Plattform online gestellt worden. Der Eintrag legte eine Verbindung zwischen dem Übergriff und einem Neubauprojekt im Leipziger Stadtteil Connewitz nahe. Die Firma, für die das Opfer damals arbeitete, betreute ein Bauprojekt für Eigentumswohnungen an der Wolfgang-Heinze-Straße.

Weiter Ermittlungen wegen unerlaubter Datenabfrage

Die Ermittlungen gegen Lina E. in der Sache waren unter anderem aufgenommen worden, weil bei ihr ein USB-Stick mit dem Text des Bekennerschreibens gefunden worden war. Das reicht aber nicht aus, um gegen die heute 26-Jährige auch Anklage zu erleben. E. muss sich derzeit in einem anderen Verfahren zusammen mit drei weiteren Angeklagten vor dem Oberlandesgericht Dresden unter anderem wegen mehrerer Überfälle verantworten. Die Taten, um die es dabei geht, sind aber anders gelagert als der Angriff auf die Prokuristin: Die sogenannte „Gruppe E.“ soll Rechtsextreme ausgespäht und zusammengeschlagen haben.

Der Fall der Prokuristin ist jetzt, da nicht mehr gegen Lina E. ermittelt wird, wieder offen. Im Fokus steht aber weiter eine ehemalige Mitarbeiterin der Uniklinik Magdeburg. Gegen sie wird ermittelt, weil sie in mehreren Fällen unerlaubt Adressen abgefragt und weitergegeben haben soll. Darunter war der Generalstaatsanwaltschaft zufolge auch die Anschrift der Prokuristin.