Rechtsextremistisches Label „NDS“ aus dem Landkreis Bautzen ist pleite
Das rechtsextreme Musiklabel „Neuer Deutscher Standard“ aus dem Landkreis Bautzen bestand bislang aus zwei Unternehmen. Eines davon ist gelöscht. Beim anderen reicht es nicht einmal für ein Insolvenzverfahren.
Das Label „Neuer Deutscher Standard“ (NDS) aus dem Landkreis Bautzen ist offenbar pleite und existiert zumindest als Unternehmen teils nicht mehr. Das bestätigen die Antworten des Amtsgerichts Dresden auf Anfrage der Sächsischen Zeitung. Das Label war bislang unterteilt in die NDS Produktionen UG, etwa für Dienstleistungen im Rahmen eines Tonstudios, sowie die NDS Records UG, etwa für die Erstellung von Musikwerken. NDS produziert Musik, Videos sowie Textilien und vertreibt diese.
Antrag zu NDS-Insolvenzverfahren abgewiesen
Demnach haben die Verantwortlichen für die NDS Produktionen UG einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt. Das Amtsgericht Dresden lehnte diesen Antrag aber ab, erklärt Alexandr Keller, Sprecher und Richter des Gerichts. „Der Entscheidung über die Eröffnung des Insolvenzverfahrens geht ein Gutachten voraus, in dem der Sachverständige prüft, ob das Vermögen des Unternehmens prognostisch genügen wird, um mindestens die Verfahrenskosten des Insolvenzverfahrens zu decken. Ist das nicht der Fall, muss das Gericht den Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens abweisen.“
Einen Insolvenzverwalter gebe es mangels Insolvenzverfahren nicht. Das Unternehmen nehme laut dem Amtsgericht weiterhin selbstständig am Rechtsverkehr teil. „Die Gesellschafter einer UG entscheiden nach Ablehnung der Insolvenzeröffnung über den Geschäftsbetrieb beziehungsweise die Liquidation des Unternehmens selbst“, sagt Alexander Keller.
Für NDS Records ist das schon passiert, nach Informationen der SZ bereits im September 2025. „Zu der NDS Records UG kann das Gericht bestätigen, dass die Gesellschaft wegen Vermögenslosigkeit gelöscht wurde“, sagt der Sprecher des Amtsgerichts Dresden.
Seinen Sitz hat das Label NDS im Steinigtwolmsdorfer Ortsteil Weifa. Die prägenden Protagonisten waren zuletzt Kai Naggert alias „Proto“ sowie Dominik Raupbach alias „Kavalier“. Noch 2025 waren sie in Sachsen sowie bundesweit mit ihrer sogenannten „Abschiebehauptmeisterparty“-Tour unterwegs und traten etwa im August bei Protesten von anderen Rechtsextremisten gegen den CSD in Bautzen auf.
Jüngstes NDS-Konzert im März 2026
Laut dem sächsischen Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) enthält NDS-Musik teilweise gewaltaffine, rassistische Elemente und richtet sich mitunter gegen den politischen Gegner sowie das Gesellschaftssystem der Bundesrepublik Deutschland. Im Mai 2025 sperrten etwa Youtube und Spotify die NDS-Accounts.
2026 hat das Label laut dem LfV bislang nur wenige Aktivitäten entfaltet. Geplante Auftritte konnten dessen Vertreter offenbar nicht realisieren. „Dies könnte daran liegen, dass es ihnen an geeigneten Objekten für die Durchführung von Konzerten mangelt. Unseren Erkenntnissen zufolge fand die letzte sogenannte ‚Abschiebehauptmeisterparty‘ mit lediglich 42 Besuchern im März in Thüringen statt“, sagt eine LfV-Sprecherin.
Auf der NDS-Homepage steht mittlerweile der Firmenname „National Sound Entertainment“ im Impressum. Demnach ist Dominik Raupbach Inhaber mit Sitz in Neustadt in Sachsen. Dazu lägen dem LfV aktuell keine Erkenntnisse vor. Einen offiziellen Registereintrag des Unternehmens gibt es nicht. Die Verantwortlichen von NDS oder „National Sound Entertainment“ antworteten bislang nicht auf die Anfragen der SZ.
Kai Naggert erklärte im Juni 2026 als Angeklagter vor Gericht, dass er Schulden im fünfstelligen Bereich habe und von Bürgergeld lebe.
Wegen vorsätzlicher Körperverletzung verurteilte ihn das Landgericht Görlitz, Außenkammer Bautzen, in der Berufungsverhandlung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten, die zu zwei Jahren Bewährung ausgesetzt wird. Das Gericht ersetzte aufgrund seiner wirtschaftlichen Verhältnisse die im ersten Urteil durch das Amtsgericht Bautzen festgelegte Geldstrafe durch 150 Stunden gemeinnützige Arbeit.