Max-Planck-Institut und Rechenzentrum – Alte Messe Leipzig: 60.000 neue Quadratmeter für Biotech, Forschung und Medizin
Leipzigs Biocity Campus soll um mehr als die Hälfte wachsen. Unter anderem bekommen das Max-Planck-Institut eine Erweiterung und die Universität ein KI-Rechenzentrum. Sogar Wissenschaftler vom künftigen Großforschungszentrum CTC arbeiten jetzt auf der Alten Messe.
Auf dem früheren Ausstellungsgelände entstehen moderne Bauten für Forschung, Labore, Biochemie und Medizin. Mehr als 100.000 Quadratmeter Bruttogeschossflächen sind auf der Alten Messe bereits für solche Zukunftsbranchen nutzbar. Doch zeitnah kommen noch 60.000 Quadratmeter hinzu, sagt die städtische Entwicklungsgesellschaft LEVG. Hier folgt der Überblick zu sieben wichtigen Projekten für neue Jobs.
1. Max-Planck-Institut
Am Eingang zum Deutschen Platz erhält eine international bekannte Forschungseinrichtung Zuwachs. Das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie (wo auch Medizin-Nobelpreisträger Svante Pääbo tätig ist) plant einen Erweiterungsbau für 26 Millionen Euro. Er entsteht auf dem voll versiegelten Parkplatz direkt neben dem vorhandenen Institut am Deutschen Platz 6, nutzt aber nur die Hälfte des Parkplatzes.
Das Haus wird für zwei neue Forschungsgruppen gebraucht, die sich unter anderem mit Infektionskrankheiten beschäftigen. Hinzu kommt eine zentrale Serviceeinheit mit teuren Großgeräten, die künftig verschiedene Disziplinen nutzen können. Die Pläne umfassen Serverräume, Labore, Büros und einen hochflexiblen Reinraumbereich (bis ISO-Klasse 5).
Den Architekturwettbewerb hat 2025 das Büro Thomas Müller/Ivan Reimann aus Berlin gewonnen. Aktuell läuft die Entwurfsplanung mit 5500 Quadratmetern Bruttogeschossflächen. Der Neubau soll aus Recyclingbeton entstehen und sich an die ovale Form des Deutschen Platzes anpassen. Er bekommt eine Brücke zum bestehenden Institut und begrünte Fassaden.
2. Medizin-Center
Gleich nebenan im roten Biocity-Gebäude (Deutscher Platz 5) wurde Mitte Juni ein Projekt gestartet, das medizinische Innovation und Technologie voranbringen soll. Abgekürzt wird das über die drei Anfangsbuchstaben als MIT-Center. „Zwischen Forschungserfolg und Patientenversorgung liegen oft viele Jahre mit unzähligen Zulassungen, klinischen Studien, Datenschutzfragen und Finanzierungslücken“, sagte Wirtschaftsbürgermeister Clemens Schülke (CDU) bei der Eröffnung. Dieses „Tal des Todes“, in dem viele gute Ideen auf der Strecke bleiben, solle das neue Zentrum überbrücken helfen.
Nutzer ist eine erst im April gegründete Tochterfirma des Uniklinikums (UKL). Sie wird gefördert durch Bund und Land. Die Geschäftsführer Prof. Thomas Neumuth und Christoph Möllering wollen Industriepartner für gute Ideen finden. Erstes Beispiel sei eine Selbstbedienungs-Diagnosekabine, in der Vitalwerte von Patienten erfasst werden – wie Temperatur, Blutdruck, Atemfrequenz, Gewicht, EKG. Das erfolgt ohne Eingriff in den Körper. Solche Kabinen könnten einem Arztkontakt vorgeschaltet werden, damit Wartezeiten sinnvoll genutztwerden. Vielleicht kann das UKL die Technik in der Notaufnahme einsetzen.
3. Messehalle 12
In einem Teil des 192 Meter langen Gebäudes (mit der vergoldeten Spitze und dem Sowjetstern) entstehen Mietflächen für Labore, Werkstätten und Büros. Geplant sind 10.000 Quadratmeter Mietflächen, die an Startups und Firmen im Bereich Biotechnologie und Lebenswissenschaften vergeben werden. Ihre Räume liegen künftig rings um einen großen Lichthof, dessen Glasdach durch historische Stahlstützen getragen wird.
62 Millionen Euro investiert die städtische Tochtergesellschaft Leipziger Gewerbehof (LGH) in diesen Gebäudeteil. Er befindet sich am Westende des Baudenkmals (in Höhe Hit-Getränkemarkt). 20 Prozent der Kosten werden gefördert. 2028 wird alles fertig, hieß es zur Grundsteinlegung vor zwei Monaten.
4. KI-Rechenzentrum
Die Planung des KI-Rechenzentrums der Universität Leipzig auf dem Gelände der Alten Messe wurde vor wenigen Wochen erfolgreich abgeschlossen. Erste Ideen gab es schon vor fünf Jahren.
Nun hat der Staatsbetrieb Immobilien- und Baumanagement (SIB) die Bauarbeiten für den 1000 Quadratmeter Grundfläche umfassenden Quader ausgeschrieben. 61 Millionen Euro wird das Superhirn auf der alten Messe samt IT-Technik kosten. Der Platz dafür liegt zwischen dem Biodiversitätsforschungszentrum iDiv und der BMW-Niederlassung.
Laut Prorektor Matthias Middell zeitigt das Projekt großen Mehrwert „für die Wissenschafts- und Wirtschaftsregion Leipzig“. Es soll in zwei Jahren den Betrieb aufnehmen, sagt SIB-Sprecher Alwin-Rainer Zipfl. Der Freistaat habe schon ein Ersatzhabitat für die Natur geschaffen.
Das KI-Rechenzentrum starte mit 1,4 Megawatt IT-Leistung, sei später auf bis zu 4,4 Megawatt erweiterbar. Den Strombedarf dafür könne ein einziges Windrad decken, so die Uni. Finanziert wird alles aus dem Braunkohle-Strukturwandel-Topf des Bundes.
5. Vollack-Neubauten
Bedeutsam für die wirtschaftliche Entwicklung der Region dürften auch zwei Neubauten in der Puschstraße 6 sein. Die beiden Fünfgeschosser mit 8600 Quadratmetern Nutzflächen wurden vom Bauprojektentwickler Vollack für 30 Millionen Euro geschaffen. Sie geben dem Bereich zwischen Zweirad Stadler und Hornbach-Baumarkt eine kleinteiligere Struktur und sehen – samt Dachterrassen – wirklich gut aus.
2025 war ins erste Haus die Leipziger Medizinfirma Health Innovators Group (150 Beschäftigte) gezogen. Vor einigen Monaten folgte im zweiten Gebäude die CTC gGmbH, also jenes Unternehmen, das in Delitzsch ein Chemie-Großforschungszentrum des Bundes für 1,2 Milliarden Euro aufbaut.
Derzeit werden im zweiten Gebäude noch Laborflächen für 80 Wissenschaftler fertiggestellt. CTC möchte auch das künftige KI-Rechenzentrum der Uni nutzen, war soeben bei einer Einzugsfeier vor Ort zu erfahren. Sie betraf den Bauherren selbst: Denn auch die Architektinnen und Ingenieure von Vollack haben ihren Standort gewechselt, ihn von Radefeld nach Leipzig auf die Alte Messe verlegt.
6. Rings um Halle 13
Die Zeltunterkünfte für Flüchtlinge neben der Messehalle 13 werden bis Ende August 2026 leergezogen. Sie bleiben dann nur noch als Reserve. Zuletzt lebten dort 78 Menschen. Die LEVG hat inzwischen eine Machbarkeitsstudie zur Umwandlung der 1990 eröffneten Messehalle erstellt. Demnach würde die Umwandlung zum modernen Zentrum für Biochemie, Lebenswissenschaften und Ähnliches (auf 38.000 Quadratmetern) gut 35 Millionen Euro kosten.
Die Suche nach Fördermitteln hat begonnen. Die Zukunft des Gebäudes ist wichtig auch für die freien Plätze links und rechts neben der Halle 13, wo ebenfalls Gebäude für den BioCity Campus entstehen sollen.
Stadtplanerisch braucht es wohl eine Gesamtlösung für die Zeile vom Stadtbalkon (der Aufgang zum Wilhelm-Külz-Park) bis zum denkmalgeschützten Kuppelbau in der Halle 16. Dieser Eventpalast aus dem Jahr 1913 wird nun übrigens von Gastronom Henrik Dantz (Haus Leipzig, Glashaus, Pinguin Eisbar) betrieben. Die Kommune hofft für die Halle 13, den Umbau 2028 starten zu können.
7. Am Doppel-M
Auf der anderen Seite des Stadtbalkons geht es in Richtung Prager Straße und Doppel-M. Dort hat der Entwickler OFB schon zwei Häuser mit insgesamt 23.000 Quadratmetern Nutzfläche hochgezogen. Der größere Bauteil A wurde 2025 komplett zum Hauptsitz des Leipziger Biotechnologieunternehmens c-LEcta. Es entwickelt Enzymprodukte auch für die Lebensmittelindustrie.
Für den kleineren Bauteil B kann OFB-Entwickler Christoph Wichmann die ersten beiden Vermietungen melden: an ein IT- sowie ein Biotechnologie-Unternehmen. „Damit sind rund 2000 Quadratmeter vergeben. Es gehören auch Reinraumflächen dazu.“ Der weitere Innenausbau erfolge jeweils gemäß der Mieterwünsche.
Außerdem sicherte sich OFB den Zugriff auf eine Nachbarfläche, die bis zum Doppel-M an der Prager Straße reicht. Dort solle die frühere Messegaststätte denkmalgerecht modernisiert und um zwei weitere Neubauten ergänzt werden, berichtete Wichmann. „Damit starten wir, wenn unser erster Bauabschnitt gefüllt ist.“
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Jens Rometsch
21.12.2022
Alte Messe mausert sich zu Leipzigs BioCity-Campus
Neuigkeiten von Leipzigs Alter Messe: Die Vollack-Gruppe erwirbt eine Baufläche an der Puschstraße. Die Stadtverwaltung plant ein riesiges neues Quartier am Kohlrabizirkus. Und mit Hornbach soll im Februar 2023 der größte Leipziger Baumarkt seine Pforten nahe der Richard-Lehmann-Straße öffnen.
Das Areal der Alten Messe in Leipzig soll ein international bedeutsames Zentrum für Biotechnologie, Medizin und Lebenswissenschaften (Lifescience) werden. Die Stadt vermarkte das mehr als 50 Hektar große Gelände unter dem Namen „BioCity-Campus“, so Wirtschaftsbürgermeister Clemens Schülke (CDU). Da die dortigen Häuser Bio-City und Bio-Cube längst komplett vermietet sind, sollen zeitnah Erweiterungen folgen, erklärte er im aktuellen Wirtschaftsbericht der Stadt.
In diesem Sinne hat die kommunale Vermarktungsgesellschaft LEVG gerade ein 4700 Quadratmeter großes Grundstück in der Puschstraße an den privaten Projektentwickler Vollack-Gruppe verkauft. „Wir planen auf der Freifläche zwei fünfgeschossige Neubauten, die das Lifescience-Angebot am Standort vergrößern“, erläuterte Ulrich Henneke von Vollack mit Sitz in Radefeld. Es gehe um insgesamt mehr als 8000 Quadratmeter Bruttogeschossflächen in besonders umweltgerechten Häusern, die weitestgehend ohne fossile Energiequellen auskommen.
Mehr Platz für Medizin- und Biotech-Firmen
Für eines der beiden Häuser, die zwischen dem neuen Hornbach-Baumarkt und Zweirad Stadler errichtet werden sollen, stehe der Nutzer bereits fest, so Henneke weiter. Diese Flächen mietet die Leipziger Unternehmensgruppe HealthCare Innovations, zu der rund 150 Beschäftigte in verschiedenen Forschungsinstituten und Software-Bereichen gehören. „Wir hatten uns nach größeren Flächen für weiteres Wachstum umgeschaut und dann von der Stadt den Tipp auf der Alten Messe bekommen“, berichtete Björn Degenkolbe, der im Jahr 2004 zu den Gründern der Gruppe gehörte. Diese verstehe sich vor allem als Partner von Krankenkassen, Ärzten, Apotheken – betreibe dafür auch das Wissenschaftliche Institut WIG2 für Gesundheitssystemforschung mit Sitz am Leipziger Markt.
,,Mit dem Vorhaben der Vollack-Gruppe kommt nun schon ein drittes laufendes Projekt im Bereich Wissenschaft und Gesundheit dazu“, freute sich Kai Thalmann vom Grundstücksverkäufer LEVG. Er verwies darauf, dass unweit vom Doppel-M an der Prager Straße erst im September der Grundstein für einen Neubau mit über 10.000 Quadratmetern gelegt wurde. Ihn will der Leipziger Enzyme-Entwickler c-LEcta (derzeit 120 Beschäftigte) im Jahr 2025 beziehen. Außerdem erhalte die im Umbau befindliche Messehalle 12 (hinterm Sowjetpavillon) unter anderem ein Innovationszentrum für Neuansiedlungen und Ausgründungen der Universität sowie des benachbarten Fraunhofer-Instituts für Zelltherapie und Immunologie (IZI). Betreiber dieses Zentrums wird die Stadtfirma Leipziger Gewerbehof GmbH (LGH) – genau wie bei Bio-City und Bio-Cube.
Laut Bürgermeister Schülke arbeiten im Bereich der Alten Messe bereits 42 Firmen aus Biotechnologie und Biomedizin – sowie sechs Forschungseinrichtungen. Mehr als 100 000 Quadratmeter könnten dort noch für Labor- und Büroräume zur Verfügung gestellt werden. Zum Beispiel habe sich der Freistaat Sachsen schon große Flächen gesichert, plane etwa das Max-Planck-Institut am Deutschen Platz einen Erweiterungsbau.
Wettbewerb für Flächen rings um Kohlrabizirkus
Im Januar 2023 möchte das Baudezernat zudem die Ergebnisse eines städtebaulichen Ideenwettbewerbs mit zehn Architekturbüros für riesige Flächen rings um den Kohlrabizirkus präsentieren. Nahe der Semmelweisstraße und An den Tierkliniken wollen mehrere private Flächeneigentümer (wie die DLE aus Berlin, KSW und Stadtbau AG aus Leipzig) gern moderne Gewerbebauten mit Schwerpunkt Bio-Technologie und Lifescience errichten. Obendrein reicht der Entwickler KSW gerade den Bauantrag für ein Labor- und Bürohaus mit 11 300 Quadratmetern Mietflächen an der Landsteinerstraße ein.
Hornbach eröffnet im Februar größten Baumarkt
Die bewährte Nutzungsmischung auf der Alten Messe soll trotzdem erhalten bleiben. So öffnet dort im Februar 2023 der größte Leipziger Baumarkt (17 000 Quadratmeter Verkaufsfläche) in einem Neubau mit historischem Säulenportal. Hinzu kommen ein Gartencenter und ein Drive-In. Laut Hornbach-Sprecher Christian Grether sind noch einige Job-Angebote für diesen Standort nahe der Richard-Lehmann-Straße frei. „Derzeit laufen die Arbeiten für den Innenausbau auf Hochtouren. Wir freuen uns schon sehr darauf, unsere Kundinnen und Kunden in diesem ganz besonderen Bauwerk mit einer langen Geschichte begrüßen zu dürfen.“