Von Generation zu Generation: Die Familie Mayer zwischen Nationaler Offensive und III. Weg
Im November 2025 wurde bekannt, dass sich der Neonazi Laurenz Mayer, Mitte Zwanzig und wohnhaft in der Leipziger Vorstadt, über mehrere Jahre in linken Räumen und subkulturellen Zusammenhängen bewegte. Sein Vater ist ein alter Bekannter, der schon in den 1980er Jahren ein aktiver und gut vernetzter Neonazi war und Anfang der 1990er in Dresden half, die extreme Rechte zu organisieren.
Ursprünglich war Laurenz Mayer ein politisch unauffälliger Oi!-Skin. Er schloss enge Freundschaften und bewegte sich ganz selbstverständlich in Locations wie zum Beispiel der Chemiefabrik, dem Ostpol und dem Pawlow. Auch wenn er immer wieder als introvertiert beschrieben wird, besuchte er Partys, Konzerte und kickerte mit Freund:innen. Gerade in den Jahren 2021 bis 2023 verkehrte er mit antifaschistischen Punks und Skinheads, soll aber nie Einblick in sensible Strukturen bekommen haben.
Auch in politisch aktiven Wohngemeinschaften soll er nicht zugegen gewesen sein. Was alle Aussagen ehemaliger Freund:innen und Bekannter gemein haben ist, dass Laurenz Mayer nie negativ auffiel. Alle Menschen, die ihn persönlich kennen, waren ehrlich überrascht über die Entwicklung und sind sich einig, „dass er nicht immer so war“. Deshalb kann man den genannten Locations auch keinen Vorwurf machen, dass sich Laurenz Mayer über Jahre hinweg an diesen Orten aufhalten konnte.
Je nach Quelle, soll sich Laurenz Mayer 2023/24 immer mehr zurückgezogen haben und nahm fortan nur noch sporadisch am sozialen Leben seines Freund:innen- und Bekanntenkreis teil. Sah man sich vorher mindestens jedes Wochenende, ließ sich Laurenz nun nur noch alle ein bis zwei Monate blicken. Mit dem Zeitpunkt seines privaten Rückzuges ging auch ein beruflicher Wandel einher. Verdiente er vorher in der Versicherungsbranche sein Geld, begann er 2023 eine Lehre als Krankenpfleger in der Klinik Bavaria in Kreischa.
Unklar bleibt derzeit, ab wann sich Laurenz Mayer politisiert und radikalisiert hat. Die Teilnahme an rechten Veranstaltungen und Demonstrationen lässt sich seit dem 15. Februar 2025 belegen. An diesem Tag nahm er am alljährlichen Neonaziaufmarsch anlässlich der Bombardierung Dresdens teil. Belegt sind auch die Teilnahmen an den III. Weg-Demonstrationen am 29. März 2025 in Berlin-Hellersdorf und am 1. Mai 2025 in Suhl, jeweils in Kleidungsstücken des III. Weges. Auch an einer Schulungsveranstaltung des III. Weges im April 2025 im Haus Montag in Pirna nahm er teil.
Wie der Vater so der Sohn?
Auch wenn der Zeitpunkt der Politisierung unklar ist, so gilt das nicht für ihren Ursprung. Beim Namen Mayer klingelt etwas? Gerade bei der Form mit „ay“, die vor allem im süddeutschen Raum vorkommt? Richtig! Aber der Reihe nach:
Am 3. Juli 1990 gründeten unzufriedene FAP’ler (Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei) in Augsburg die Nationale Offensive (NO) als „nationale Partei neuen Typus“, welche von den Mitgliedern des Komitees zur Vorbereitung der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag Adolf Hitlers dominiert wurde. Eine Nachfolgeorganisation der verbotenen Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten (ANS/NA). Vorsitzender der NO war der umtriebige Hannoveraner Neonazi und ehemalige Kameradschaftsführer der ANS/NA und FAP-Mitgleid Michael Swierczek.
Obwohl die Partei nur knapp 150 bis 200 Mitglieder hatte, sah man in Sachsen so viel Potential, dass man 1991 einen Stützpunkt errichtete und zwar, natürlich, in Dresden. Stützpunktleiter war ein gewisser Constantin Mayer, erster Stellvertreter der Bundes-NO und Vater von Laurenz Mayer.
Constantin Thomas Johannes Mayer, geboren am 23. Mai 1970, verheiratet und Vater zweier Söhne, stammt ursprünglich aus dem schwäbischen Teil Bayerns. Genauer, aus dem Raum Augsburg, wo er bis zur Gründung der NO FAP-Kreisvorsitender war und in der Augsburger RAC (Rock Against Communism) Band Kruppstahl spielte. Zudem brachte Mayer von 1987 bis mindestens 1988 das Naziskin-Fanzine „Stiefelträger“ heraus.
Nach dem Verbot der Nationalen Offensive arbeitete Constantin Mayer von April 1993 bis Juni 2002 als selbstständiger Versicherungsvertreter der Stuttgarter Versicherung Generalagentur BCV GmbH. Von Juni 2002 bis März 2018 war er Inhaber der Genaralagentur Mayer – Partner der Nürnberger Versicherung (Vertriebsweg Familienschutz), bevor er im März 2018 die GA MAYER Generation + Konzept GmbH gründete, deren Geschäftsführer er ist und die ihren Sitz auf der Blasewitzer Straße 41 hat.
Ganz nebenbei betreibt Constantin Mayer, der heute im Dresdener Stadtteil Langebrück wohnt, noch den Onlineshop Widerstand Wear. Ein Onlineshop für „klare Aussagen für den nationalen Widerstand“. Als Model fungiert natürlich der eigene Junior, Laurenz. Gut zu erkennen an den Tattoos auf beiden Armen. Tattoos trägt auch der Senior. Zum Beispiel einen SA-Mann auf dem rechten Unterarm und einen Wehrmachtssoldaten auf dem linken.
In politischen Kontexten trat Constantin Mayer seit dem Verbot der Nationalen Offensive nicht mehr wahrnehmbar auf, bis er am 17. August 2024 beim Sommerfest der „Deutschen Stimme“ in Riesa auflief. Danach trauerte er am 15. Februar 2025 gemeinsam mit Sohn Laurenz auf dem alljährlichen Trauermarsch in Dresden und demonstrierte mit ihm am 29. März 2025 in Berlin-Hellersdorf. Im Februar 2026 trauerte er wieder mit knapp 1500 anderen Neonazis durch Dresden.
Aber nicht nur an Demonstrationen nimmt Constantin Mayer jetzt wieder regelmäßig teil. Er besuchte auch am 3. Juli 2025 die Remigratios-Lesung vom Salonfaschisten Martin Sellner im Feriendorf Langebrück, der auch der AfD-Bundestagsabgeordnete Steffen Janich beiwohnte. Im November 2025 schaute er dann bei der maßgeblich von Susanne Dagen organisierten extrem rechten Büchermesse Seitenwechsel vorbei. Spannend war hier, dass Constantin Mayer mit Thomas Sattelberg aus Bahretal anreiste.
Thomas Sattelberg, seines Zeichens Mitbegründer der neonazistischen Skinheads Sächsische Schweiz, ist auch Mitbesitzer des Haus Montag in Pirna und der Vater von Hella Hättasch, geborene Jäger. Deren Ehemann, Kurt Hättasch, sitzt aktuell wegen der mutmaßlichen Gründung einer terroristischen Vereinigung vor dem Oberlandesgericht Dresden und gibt da vor, dass er nichts mit der extremen Rechten zu tun zu habe.
Am Ende bleibt noch festzuhalten, dass Constantin Mayer Mitglied der neonazistischen Partei Der III. Weg ist. Dafür sprechen der Besuch von Demonstrationen des III. Weges in Kleidungstücken der neonazistischen Kleinstpartei, die Tatsache, dass Constantin Mayer Anfang Februar 2025 einen Vortrag für den III. Weg Mittelsachsen hielt und im März 2026 wieder an einer Demonstration des III. Weges in Berlin teilnahm.
Was bleibt
Constantin Mayer ist ein langjähriger, erfahrener und wohl auch gut vernetzter Neonazi, der fast 30 Jahre unter dem Radar flog und nach dem Verbot der Nationalen Offensive ein gutbürgerliches Leben führte. Neben den offenen Fragen danach, wann sich Laurenz Mayer politisierte und radikalisierte oder ob er sein menschenverachtendes Weltbild schon im Elternhaus mitgegeben bekommen hat und weswegen Constantin Mayer sich erst 2024 wieder wahrnehmbar an das politische Tageslicht begab, und nicht wie andere Neonazis älteren Semesters schon während der Jahre 2014 bis 2018 oder spätestens mit den sogenannten Anitcoronaprotesten, bleibt eines wieder festzuhalten:
Die „alten“ Nazis, die der 1980er und 90er, sind jetzt Eltern und sie werden ihr menschenverachtendes und tödliches Weltbild aller Wahrscheinlichkeit nach an ihre Kinder weitergeben oder dies schon getan haben. Laurenz Mayer und Hella Hättasch sind dafür nur zwei Beispiele. Mit Blick auf das extrem rechte Personenpotential der sogenannten Wendezeit und der Baseballschlägerjahre ist nur schwer abzuschätzen was da nachwächst oder schon gediehen ist. Zu befürchten ist einiges…
Quelle: https://naziwatchdd.noblogs.org/post/2026/03/26/von-generation-zu-generation-die-familie-mayer-zwischen-nationaler-offensive-und-iii-weg/