700.000 Euro Schulden – niemand will das Haus von Melanie Müller
Das Wohnhaus von Ballermann-Sängerin Melanie Müller sollte zwangsversteigert werden. Doch vor Gericht gab es keine Gebote. Die frühere Dschungelkönigin will den alten Bahnhof im Leipziger Norden nun selbst verkaufen.
Kurz vor Ende der Bietzeit fragt die Rechtspflegerin vom Amtsgericht Leipzig noch einmal nach, ob es Interesse am Haus von Melanie Müller gebe. „Möchte denn heute jemand ein Gebot abgeben?“ Stille im Raum, die letzten acht Minuten der Bietzeit verstreichen: Nein, niemand möchte ein Gebot abgeben. Müller bleibt vorerst Eigentümerin ihres Hauses, das Zwangsversteigerungsverfahren für das Gebäude wird eingestellt.
Zuletzt war es die Ballermann-Sängerin und frühere Dschungelkönigin selbst, die vor Gericht saß: Im Herbst 2022 sang sie beim Oktoberfest einer rechtsextremen Motorradgang in Leipzig, mehrere Gäste riefen „Sieg Heil“ und zeigten den Hitlergruß.
Auf Videos von dem Abend ist zu sehen, wie Müller mehrfach den rechten Arm hebt. Das Landgericht Leipzig bewertete das als Hitlergruß, verurteilte sie zu einer Geldstrafe. Müller streitet die Vorwürfe ab, hat das Urteil aber inzwischen akzeptiert.
Schulden beim Finanzamt und bei einer Bank
Am Donnerstag ging es vor dem Amtsgericht Leipzig nun um das Haus, in dem Müller lebt: ein um 1902 gebauter früherer Bahnhof im Leipziger Stadtteil Wahren, 600 Quadratmeter groß, laut Gutachten 800.000 Euro wert. Müller hat das Gebäude zusammen mit ihrem damaligen Partner um 2020 herum saniert. Heute hat auch eine Künstlerfirma von Müller an der Adresse ihren Sitz.
700.000 Euro Schulden – niemand will das Haus von Melanie Müller
Die Zwangsversteigerung war nötig geworden, weil Müller Schulden hat. Wie viele und bei wem, ist öffentlich nicht bekannt – aber der Versteigerungstermin gab einen Einblick: Das Finanzamt fordert von Müller rund 140.000 Euro Steuern ein. Bei der Stadt Leipzig hat sie Gebühren für die Straßenreinigung und Grundsteuern offen. Und die Sparkasse Muldental fordert mehr als 500.000 Euro wegen eines nicht bedienten Kredits. Insgesamt wollten die Gläubiger mit der Zwangsversteigerung Schulden in Höhe von knapp 700.000 Euro plus Zinsen eintreiben.
Müller will Haus selbst verkaufen
Daraus wird vorerst nichts, denn das Haus wurde nicht verkauft. Weil niemand ein Gebot abgab, stellte das Amtsgericht das Zwangsversteigerungsverfahren ein. Die Gläubiger haben nun sechs Monate Zeit, eine Fortsetzung zu beantragen. Dazu, ob sie das machen werden, wollten sie sich am Rande des Verfahrens vor Gericht nicht äußern.
Melanie Müller möchte, das wurde vor Gericht klar, ihr Haus nun selbst verkaufen. Das würde höhere Erlöse bringen als eine Zwangsversteigerung, argumentierte ihre Anwältin in einem Antrag dazu. Sie legte dem Gericht den Entwurf eines Kaufvertrages vor. Nach LVZ-Informationen stammt der potenzielle Käufer aus dem privaten Umfeld von Müller, will demnach rund 700.000 Euro für das Haus zahlen. Das Gericht machte aber klar: Einem solchen Kauf müssten unter anderem auch die drei Gläubiger zustimmen.