Plauen: Ableistischer und diskriminierender Eklat auf dem CSD
Ein CSD, der Awareness verspricht – und eine kritische, autistische und nonbinäre Person einfach vor die Tür setzt.
In Plauen kam es am Samstag zu einem massiven Eklat: Unmittelbar nach meinem Betreten des CSD-Geländes gingen zwei Ordner:innen auf mich zu, erklärten mich zur „unerwünschten Person“ und forderten mich auf, das Gelände zu verlassen.
Einen konkreten Anlass für diesen Ausschluss gab es nicht. Ich hatte mir nichts zuschulden kommen lassen.
Was es allerdings gab: Ich hatte das Verhalten der Organisator:innen des Plauener CSD in den vergangenen Jahren wiederholt als ableistisch diskriminierend kritisiert. Auf diese Kritik wurde nicht inhaltlich eingegangen. Stattdessen wurde ich wegen angeblicher „Verleumdung“ angezeigt.
Das Verfahren wurde nach polizeilicher Kenntnisnahme des Sachverhalts eingestellt. Mir wurde ausdrücklich mitgeteilt, dass die Möglichkeit einer Gegenanzeige bestehe.
Und nun?
Statt mit mir über die von mir benannte Diskriminierung zu sprechen, wurde ich vom CSD ausgeschlossen.
Organisiert wird der Plauener CSD vom „Bündnis für Demokratie, Toleranz und Zivilcourage im Vogtland“. In dessen Awareness-Konzept steht ausdrücklich, dass Kritik an diskriminierendem Verhalten ernst genommen werden soll und dass der Betroffenenperspektive geglaubt wird.
Das klingt gut.
Nur: Mit der Realität hat es offenbar wenig zu tun.
Niemand suchte das Gespräch mit mir. Niemand setzte sich mit meinen Diskriminierungsvorwürfen auseinander. Stattdessen wurde ich zunächst angezeigt und nach der diesbezüglichen Erfolglosigkeit einfach vom CSD-Gelände verwiesen.
Awareness scheint in Plauen offenbar nur so lange zu gelten, wie niemand unbequem wird.
Dieses Vorgehen steht in einem besonderen Widerspruch zum Plauener CSD 2025: Damals betraten mehrere jugendliche Neonazis in Polizeibegleitung den CSD und wurden von der Versammlungsorga geduldet. Während also deutlich erkennbar rechte Jugendliche im letzten Jahr Zugang zur Veranstaltung erhielten, wurde ich als linke, kritische, autistische und nonbinäre Person in diesem Jahr unmittelbar nach meinem Betreten des Geländes von Ordner zur „unerwünschten Person“ erklärt und ausgeschlossen. Neonazis wurden geduldet – Kritik an der eigenen Organisation offenbar nicht.
Besonders bitter ist, dass der Ausschluss eine persönliche Dimension bekam, die weit über einen gewöhnlichen Streit hinausgeht.
Vor zwei Jahren unternahm ich einen Suizidversuch. Eine Ursache dafür war ein Umfeld, in dem mir u.a. wiederholt ein falsches Geschlecht sowie eine falsche Identität zugeschrieben wurde. Ich wurde u.a. als nonbinäre Person massiv misgendert. Schließlich sah ich in einem Suizidversuch den letzten Ausweg und zog nach Plauen.
Eine Person, die damals an diesem Misgendern und Überstülpen einer falschen Identität beteiligt war und deren Verhalten ich als zutiefst menschenverachtend empfunden habe, wurde nun auf dem CSD als Ordner:in eingesetzt.
Und ausgerechnet diese Person erklärte mich am Samstag zur „unerwünschten Person“.
Das ist nicht einfach nur schlechter Stil. Es ist eine bemerkenswerte Verdrehung der Rollen: Die Person, deren früheres Verhalten ich als Teil eines für mich existenziell zerstörerischen Umfelds empfunden habe, wird mit der Aufgabe betraut, mich von einer Veranstaltung auszuschließen, die für Solidarität, Schutz und queere Emanzipation stehen will.
Und dafür wurde sie eigens aus über 100 Kilometern Entfernung herangeholt?
Wenn das der Umgang mit Kritik an Diskriminierung sein soll, dann ist die Grenze zwischen Awareness und Täter:innenschutz offenbar bereits gefährlich weit verschoben.
Wer nach außen Emanzipation, Toleranz und Awareness propagiert, muss sich daran messen lassen, wie mit denjenigen umgegangen wird, die konkrete Diskriminierung benennen.
Wer so mit der Kritik an diskriminierendem Verhalten umgeht, zeigt eigentlich nur den eigenen moralischen Bankrott!
Wir werden deshalb sehr genau fragen müssen, wie in solchen Situationen künftig verfahren sollen:
Wo endet die sinnvolle Unterstützung emanzipatorisch auftretender Gruppen in der Provinz – und wo beginnt der Schutz derjenigen, deren diskriminierendes Verhalten kritisiert wird?
Denn Solidarität bedeutet nicht, sich gegenseitig auf die Schulter zu klopfen.
Solidarität zeigt sich dort, wo es unbequem wird.