Sanierung von Leipzigs Kohlrabizirkus startet: Studentischer TV Club zieht aber nicht ein

In den fast 100 Jahre alten Großmarkthallen hat die Sanierung begonnen. Auch steht der künftige Betreiber der Eisarena fest. Beim Thema Club-Leben bleibt die Lage allerdings schwierig.

Der geplante Umzug des TV Clubs in den Kohlrabizirkus ist vom Tisch. Nach Analysen der Kosten- und Ertragslage hat sich der Betreiberverein entschieden, zwei andere Optionen zu prüfen. Das bestätigt Philipp Reske als Sprecher des ältesten Leipziger Studentenclubs.

„Der Kohlrabizirkus würde für uns einfach nicht funktionieren“, sagt er. Die Anfangsmiete dort müsste mindestens 9 Euro pro Quadratmeter betragen. Das sei zu teuer für ein Geschäftsmodell, das auf ehrenamtlicher Tätigkeit beruht.
Zwei Club-Betreiber gescheitert

Der Verein stehe trotzdem weiter in gutem Austausch mit der Stadt Leipzig und deren Entwicklungsgesellschaft LEVG: Letztere vermarktet die fast 100 Jahre alten Großmarkthallen an der Semmelweisstraße.

2024 hatte der Stadtrat beschlossen, die Clubkultur im Kohlrabizirkus zu sichern und zu erweitern. Trotzdem warfen vor Ort mit dem früheren Institut für Zukunft (IfZ) und Axxon N. inzwischen zwei Betreiber das Handtuch. Mit dem TV Club fällt nun ein dritter Interessent aus.

Alle beteiligten Seiten hätten festgestellt, dass die Miete an diesem Standort nicht weiter sinken könne, um notwendige Sanierungsarbeiten zu finanzieren, berichtet Reske. „Bei den von uns geplanten vier Tanzveranstaltungen, vier Konzerten und vier Vermietungen im Monat würden wir einen Jahresverlust von ungefähr 100.000 Euro machen.“

Selbst eine Verdopplung der Eintrittspreise bringe keine Lösung bei den Kosten: „Wir müssten von 15 Euro Eintritt auf 30 Euro für Tanzveranstaltungen hochgehen und von 7 auf 14 Euro bei Konzerten. Das wäre jedoch eine komplett neue Ausrichtung.“
Gagen und GEMA würden steigen

Solche Preissteigerungen würden viele Besucher abschrecken, außerdem die Kosten für Gagen und GEMA in die Höhe treiben. „Natürlich wachsen bei höherem Eintritt die Erwartungen des Publikums auf professionellere Veranstaltungen, was wiederum höhere Personalkosten bedeutet.“ Ein Umbau zu einem hochpreisigen Veranstaltungshaus passe nicht zur Zielgruppe und zum Selbstverständnis des studentischen Clubs. „Es wäre ein grundlegender Bruch mit unserer Tradition.“

Dennoch will die LEVG weiter nach Musik- und Tanzangeboten für einen Teil des Untergeschosses suchen, versichert ihr Geschäftsführer Sebastian Pfeiffer. „Wir bleiben optimistisch, die Partner zu finden, die diesen Bereich unseres neuen Gesamtkonzepts aufgreifen und mit Leben füllen.“

Aktuell sei die städtische Entwicklungsgesellschaft dabei, Überbleibsel des insolventen Axxon N. zu erfassen. Dazu gehörten jede Menge volle und leere Flaschen, auch eine hochwertige DJ- und Tonanlage. „Trotz allem: Im Moment überwiegen klar die positiven Nachrichten für den Kohlrabizirkus.“

So habe die Erneuerung der Südkuppel mit 75 Metern Spannweite begonnen. Mit Hilfe eines Krans werden Glasdach und Beton saniert, ein Fallschutz und Rauchabzugsfenster eingebaut. Später soll ein externer Betreiber die Halle für Konzerte, Varieté, Ausstellungen oder Musicals nutzen. „Die Arbeiten enden noch dieses Jahr.“

Neuer Betreiber für Eishalle gekürt

Besonders froh ist der Geschäftsführer, dass für die Eisarena in der Nordhalle ein Betreiber für die nächsten sieben Jahre gefunden wurde. „Die europaweite Ausschreibung hat dieselbe Gesellschaft gewonnen, die dort schon bisher aktiv war. Der Betriebskostenzuschuss durch die Kommune bleibt nahezu gleich“, freut sich Pfeiffer.

Seit 2023 liegt der Betrieb der Nordhalle in den Händen der Eiszirkus Leipzig GmbH. Sie hat fünf Gesellschafter, die meist auch beim Eishockey-Club „IceFighters“ aktiv sind: Thomas Potrzebski (betreibt Edeka-Märkte im Leipziger Norden), Dirk Opitz (Elektro-Handwerker Engelsdorf), Thomas Frey (Innenausbau Markkleeberg), Jan Benzien und Dirk Thärichen (beide Stadthafen Leipzig).

Der Betreiber zahlt künftig eine Warmmiete von mehr als 75.000 Euro im Monat. Es wurden auch Zeiten für andere Sportvereine, Schulen und öffentliches Eislaufen festgeschrieben. „In der Nordhalle muss bald auch was passieren, um massive Schäden der Bausubstanz zu verhindern.“

10,5 Millionen Euro sollen für die wichtigsten Arbeiten investiert werden, dabei unter anderem die Lüftungsanlage (Grund für Nässebildung), der Hallenboden und die Eislauffläche ausgetauscht werden. „Unterm Strich wird das jede Menge Energie, also hohe Betriebskosten sparen.“

Hohe Heizkosten in Theresienstraße

Für einen Teil des Baukredits sei noch eine Ausfallbürgschaft durch die Stadt Leipzig nötig: fünf Millionen Euro. Pfeiffer sagt: „Wir hoffen, dass der Vorschlag des Sportdezernates Unterstützung im Stadtrat findet. Nur so kann der Eissport in Leipzig langfristig gesichert werden.“

Der TV Club beschäftigt sich nun mit zwei anderen Optionen für die Zukunft. Zwar läuft sein Mietvertrag an der Theresienstraße noch bis mindestens 2029. Jedoch wächst der Aufwand, um den alten Flachbau nutzbar zu halten. „Im Winter ist er extrem schwer warm zu kriegen“, sagt Reske. „Und wenn wir voll aufdrehen, brauchen wir 2000 bis 3000 Liter Öl.“

Alternative Nummer 1 dazu wäre eine Mitnutzung von Flächen der Distillery auf der Alten Messe. Der Mietvertrag für den Techno-Club in der Messehalle 7 läuft ohnehin über die Leipziger Club- und Kulturstiftung, über die neben der „Tille“ auch der TV Club beteiligt ist. Beide brachten als Stiftungskapital einen sechsstelligen Geldbetrag ein, den sie von Bauprojektentwicklern als Abfindung für die Aufgabe früherer Standorte erhielten.

Die Idee zu dieser Variante: Studi-Partys steigen traditionell donnerstags, hingegen die Tanznächte in der „Tille“ freitags und samstags. Der TV Club könnte sich also mit Terminen unter der Woche begnügen, dafür vorhandene Räume und Technik mitnutzen. Das würde für beide Seiten Betriebskosten senken, heißt es bei der LEVG, die auch die Alte Messe vermarktet.

Aldi hat Angebot für den TV Club

„Jedoch bräuchte der TV Club noch einige externe Räume für sein Equipment und für sein Vereinsleben“, erläutert Geschäftsführer Pfeiffer. „Wir prüfen jetzt, ob und wie sich das neben der Messehalle 7 bewerkstelligen lässt.“

Alternative Nummer 2 wäre der S-Bahnhof in Connewitz. Nahe der Bornaischen Straße will Discounter Aldi einen Markt und Studi-Apartments bauen. Daneben befindet sich ein ruinöser Güterschuppen: Er gehört der Stadt Leipzig.

Aldi würde die Fläche des Schuppens gern kaufen, um das ganze Areal aus einem Guss entwickeln zu können. Für den Schuppen wäre nach der Instandsetzung eine kulturelle Nutzung vorgesehen, die angeblich maximal 6 Euro pro Quadratmeter kosten soll. Das könnte der TV Club wirtschaftlich schaffen.

„Das Erkunden dieser Option ist keine Abkehr von der Messehalle 7, sondern eine parallele Prüfung“, betont Reske. Die Variante Connewitz hänge stark von weiteren Prüfungen und politischen Entscheidungen ab. So hat sich die Fraktion der Linken im Stadtrat mehrfach gegen eine Privatisierung kommunaler Immobilien ausgesprochen.