Keine Einigung der Innenminister – Gewalt beim Fußball: Sachsen scheitert mit Vorstoß für personalisierte Tickets
Was tun gegen Krawalle in Fußballstadien? Sachsens Innenminister will seine Amtskollegen dazu bringen, personalisierte Tickets für die Top-Ligen einzuführen. Er setzt sich zunächst nicht durch. Strengere Regeln für Störer gibt es trotzdem – auch bei Pyro-Einsatz.
Sachsen ist damit gescheitert, über die Innenministerkonferenz (IMK) personalisierte Tickets für mehr Sicherheit im Fußballstadion einzuführen. Ein entsprechender Vorschlag fand keine Zustimmung, wie ein Sprecher des sächsischen Innenministeriums bestätigte.
Die IMK betonte erneut, dass Vandalismus, Körperverletzungen und der Einsatz von Pyrotechnik im Stadion eine „nicht unerhebliche Bedrohung“ für Sicherheit und Fankultur darstellten. Es sei an den Vereinen, mit konsequenten Maßnahmen und Kontrollen dafür zu sorgen, dass gewaltbereite Störer den Stadien fernblieben.
Vor diesem Hintergrund hatte Sachsens Innenminister Armin Schuster bei seinen Amtskollegen für personalisierte Tickets geworben: „Um Stadionverbote wirksam durchsetzen zu können, ist es zwingend, das Thema personalisierte Tickets jetzt auf die Tagesordnung zu nehmen“, sagte der CDU-Politiker zuletzt Leipziger Volkszeitung und Sächsischer Zeitung.
Er wollte, dass Vereine der 1. bis 3. Liga personalisierte Tickets ausgeben. Die IMK diskutierte den Vorschlag, verwarf ihn zunächst jedoch.
Innenminister erwägen immer wieder personalisierte Tickets
Schon beim vorherigen Treffen im Dezember hatten die Ministerinnen und Minister über strengere Stadionverbote und personalisierte Tickets als Option für mehr Sicherheit im Fußball diskutiert, aber keine Verschärfungen beschlossen. Die Diskussion war von bundesweiten Fan-Protesten begleitet worden.
In der Zwischenzeit gab es zahlreiche Krawalle und Ausschreitungen, unter anderem bei der Zweitliga-Partie 1. FC Magdeburg gegen Dynamo Dresden mit Dutzenden verletzten Polizeikräften sowie beim Dynamo-Heimspiel gegen Hertha BSC.
Nach diesen Ausschreitungen am Karsamstag sprach Sachsens Innenminister von „Gewaltfolklore in deutschen Fußballstadien“ und kündigte strengere Maßnahmen an. Die kommen jetzt erst einmal durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB): Ab 1. Juli gelten neue Regeln für Stadionverbote.
Eine zentrale Aufsichtsstelle des DFB soll zudem sicherstellen, dass diese bundesweit nach den gleichen Kriterien verhängt werden. Dabei müssen nicht nur alle mit möglicherweise mehrjährigen Stadionverboten rechnen, gegen die wegen Vandalismus, Beleidigung, Bedrohung oder Platzstürmen ermittelt wird, sondern auch jene, die Pyrotechnik zünden.
Die Innenministerkonferenz lobte diese Neuerung als Fortschritt. Für Schuster hängt alles von der Umsetzung ab: „Es kommt darauf an, dass Sanktionen und Strafmaßnahmen wie Stadionverbote gegen Störer und Randalierer von den Vereinen konsequent durchgesetzt und exakt kontrolliert werden.“
Er kündigte gleichzeitig an, in Sachsen gemeinsam mit ersten Vereinen „einen eigenen erfolgversprechenden Weg“ einzuschlagen. Das Ziel: weniger Polizeikräfte bei Spielen.