Gewalt in der Partnerschaft: Leipziger Uniklinik sucht Frauen für Online-Therapie

Das Problem nimmt zu. Aber Beratungsstellen und Frauenhäuser sind überlastet. Das Uniklinikum Leipzig setzt jetzt auf ein niedrigschwelliges Online-Angebot, das gegen Traumata helfen soll.

Körperliche Übergriffe, emotionale Unterdrückung, Cybermobbing: „Oft leiden Betroffene noch lange an den psychischen Folgen von Gewalterfahrungen“, sagt die Leipziger Professorin Anette Kersting. „Dies kann zu psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen und Trauma-Folgestörungen führen, die behandelt werden müssen.“

Doch Schutzhäuser und Beratungsstellen sind in Leipzig und Umgebung seit Jahren überlastet. „Die Suche nach einem passenden Therapieplatz kann sehr langwierig sein“, beklagt Kersting.

Zudem sei das Dunkelfeld groß: Viele Betroffene trauen sich vermutlich nicht, um professionelle Hilfe zu bitten – etwa aus Scham oder Angst, dass man ihnen nicht glaubt.

Die Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Leipzig, deren Direktorin Kersting ist, bietet jetzt eine niedrigschwellige Online-Therapie an, um Frauen bei der Verarbeitung ihrer Gewalterfahrungen psychologisch zu unterstützen – anonym, zeitlich flexibel und unabhängig vom Wohnort, so das Versprechen. Die Teilnahme erfolgt im Rahmen einer Studie und ist daher für die Teilnehmerinnen kostenfrei. Die Roland-Ernst-Stiftung für Gesundheitswesen fördert das Projekt.

Mit ähnlichen Online-Formaten machte die Klinik bereits bei anderen seelischen Problemlagen gute Erfahrungen: etwa bei einer anhaltenden Trauerstörung sowie unter Altenpflegekräften, die sich überfordert und ausgebrannt fühlen.

Therapeutinnen antworten persönlich auf Online-Schreibaufgabe

Das neue Angebot nennt sich „RE:cover“. Nach der Online-Anmeldung wird zuerst überprüft, ob das Programm zur persönlichen Situation der Teilnehmerin passt. In zwölf Modulen erlernen die Frauen dann innerhalb eines Zeitraums von acht bis zehn Wochen verschiedene Strategien, mit traumatisierenden Gewalterlebnissen umzugehen. Zu jedem Modul gehört zudem eine Schreibaufgabe. Den genauen zeitlichen Ablauf können die Frauen selbst bestimmen.

Auf jede Schreibaufgabe gebe es in ein bis zwei Werktagen eine Antwort von einer Psychologin aus dem Studienteam, so Kersting. Im Rahmen der Online-Therapie bieten die Wissenschaftlerinnen den Teilnehmerinnen einen Austausch über persönliche Fragen an.

Seit Februar 2025 ist das bundesweite „Gewalt­hilfegesetz“ in Kraft, das ab 2032 einen Rechtsanspruch für Frauen und ihre Kinder auf Schutz, Beratung und Unterstützung vorsieht, wenn sie mit häuslicher Gewalt konfrontiert sind.

In Dresden tauschen sich die zuständigen Ministerinnen und Minister der Länder am 18. und 19. Juni darüber aus, wie sich das Hilfesystem trotz knapper Haushalte so ausbauen lässt, dass der Rechtsanspruch erfüllt wird.

Informationen und Anmeldung zur Online-Therapie „RE:cover“: recover-studie.de