Millionenkosten für Sicherheit im Fußballstadion: Sachsen will personalisierte Tickets
Bei der Innenministerkonferenz dringt Sachsens Minister Schuster jetzt auf personalisierte Tickets im Fußball. Sein Argument: Krawalle wie in Leipzig, Magdeburg, Dresden – verbunden mit Polizeikosten in Millionenhöhe. Doch auch die Vereine geben viel für Sicherheit aus. Und nun?
Jetzt also doch: Sachsens Innenminister Armin Schuster will mithilfe seiner Amtskollegen personalisierte Tickets für Fußballfans durchsetzen. Diese Maßnahme soll für mehr Sicherheit im Stadion sorgen, indem Störer besser ferngehalten werden können, wie der CDU-Politiker der Sächsischen Zeitung und der Leipziger Volkszeitung sagte: „Um Stadionverbote wirksam durchsetzen zu können, ist es zwingend, das Thema personalisierte Tickets jetzt auf die Tagesordnung zu nehmen.“ Schuster ist derzeit in Hamburg, wo bis Freitag die Frühjahrstagung der Innenministerkonferenz (IMK) stattfindet.
Personalisierte Tickets bei Risikospielen sind einer von mehreren Vorschlägen, um die Sicherheit im Stadion zu erhöhen. Ob die Innenminister diese bei Fans umstrittene Option beschließen, ist offen. „Mein Ziel ist ein Beschluss mit konsequenten Regeln für mehr Sicherheit im Fußball“, so Schuster weiter.
Krawalle heizen Sicherheitsdebatte neu an
Vor der Herbst-IMK im Dezember hatten Fans bundesweit gegen strengere Regeln protestiert. Sie fürchten übertriebene Überwachung, eine Gängelung der Ultra-Szene und einen Stimmungsverlust. Strengere Regeln hatten die Innenminister zunächst nicht beschlossen, mahnten bei Deutscher Fußball-Liga (DFL) und Deutschem Fußball-Bund (DFB) aber Nachbesserungen an. Warum bestehen die Innenminister jetzt auf Maßnahmen wie personalisierte Tickets, was hat das mit Polizeikosten zu tun und wie viel geben die sächsischen Vereine für Sicherheit aus?
Das Problem: Stadionsicherheit
Beim DFB-Pokalspiel RB Leipzig gegen den 1. FC Magdeburg im Dezember verwüsteten Gästefans die Toiletten und zerlegten die Sicherheitsscheiben im Stadion. Drei Monate zuvor hatten bei der Regionalliga-Partie Hallescher FC gegen BSG Chemie Leipzig heimische Fans den Platz gestürmt. Die Polizei ermittelte, Medienberichten zufolge, inzwischen 56 Randalierer. Nach schweren Krawallen beim Elb-Derby Magdeburg gegen Dresden mit Dutzenden verletzten Polizisten gibt es inzwischen eine Anklage wegen versuchten Mordes. In Dresden arbeitet die Polizei derzeit die Krawalle mit Platzsturm beim Dynamo-Heimspiel gegen Hertha BSC vom April auf.
Nach diesen Ausschreitungen am Karsamstag sprach Sachsens Innenminister von „Gewaltfolklore in deutschen Fußballstadien“ und kündigte strengere Maßnahmen an. Ihm und seinen Amtskollegen geht es darum, dass Gewalttäter und Störer konsequenter als bisher aus den Fußballstadien ferngehalten werden.
Das eigentliche Problem: hohe Polizeikosten
Schuster sprach zuletzt von einem Teufelskreis, bei dem anhaltende Sicherheitsprobleme zu immer neuen Maßnahmen führen. „Wenn man das nicht will – und ich möchte das eigentlich nicht –, müssen die Polizeikosten runter. Drastisch runter.“ Was drastisch konkret bedeutet, bleibt offen. Der Sächsische Rechnungshof hat vor fünf Jahren einmal nachgerechnet: Allein die Polizeieinsätze für sogenannte Hochrisikospiele kosteten rund 7,3 Millionen Euro. Rechnerisch beschäftigte der Freistaat 110 Polizistinnen und Polizisten, die nichts anderes machen als Fußballspiele abzusichern.
Damals forderte der Rechnungshof, die Veranstalter „in angemessener Weise“ an den Kosten zu beteiligen. So könnten 3,8 Millionen Euro jährlich eingenommen werden. Mit Blick auf die Preissteigerungen ist klar: Die Personalkosten sind eher gestiegen als gesunken. Und seit einem höchstrichterlichen Urteil gilt: Die Länder dürften DFB, DFL und die Vereine an den Polizeikosten für Hochrisikospiele beteiligen. Sachsen macht davon bisher keinen Gebrauch.
Was die Vereine für Sicherheit tun und ausgeben
Nicht nur der Steuerzahler, auch die sächsischen Top-Fußballclubs geben Millionensummen aus. Nach Informationen von SZ und LVZ kostet die Sicherheit beim Erstligisten RB Leipzig rund 200.000 Euro pro Heimspiel. Das summiert sich allein für die Ligaspiele auf rund 3,4 Millionen Euro, mit denen unter anderem Ordner oder Sanitäter bezahlt werden. Zweitligist Dynamo Dresden beziffert seinen Aufwand auf mehr als zwei Millionen Euro pro Jahr. Neben Sicherheitspersonal geht es laut Verein dabei auch um bauliche Vorkehrungen: „Die Sicherheitslage bei den Heimspielen der SGD ist sehr gut“, teilte der Verein mit.
Auch für die Regionalligisten summieren sich die Sicherheitskosten. Sowohl die BSG Chemie als auch Liga-Konkurrent Lok Leipzig schätzen ihren Aufwand auf je rund 350.000 Euro. Bei Lok Leipzig fließen zwei Drittel der Summe in die Bezahlung der Ordnerinnen und Ordner. Aber auch für Verkehrsmaßnahmen und das Shutteln von Gästefans werden demnach in Summe Zehntausende Euro fällig.
Die Lösung
Alle Vereine unterstreichen, dass sie im engen Austausch mit Innenministerium und Polizei sind, um das Stadionerlebnis so sicher wie möglich zu machen. Dynamo Dresden spricht von einem „fortlaufenden Dialog“. Der Leipziger Regionalligist Chemie spricht von „überwiegend sehr konstruktiver und positiver Zusammenarbeit“. Die Chemie-Verantwortlichen betonen: „Im Alfred-Kunze-Sportpark, der in der abgelaufenen Saison in jedem Heimspiel ausverkauft war, ist es zu keinen nennenswerten Sicherheitsvorfällen gekommen – vor allem aufgrund der professionellen Vorbereitung“ aller Beteiligten.
Auch Sachsens Innenminister hält die Zusammenarbeit von Vereinen, Kommunen, Fanprojekten, Polizei und seinem Haus weiter für den erfolgversprechendsten Ansatz für mehr Sicherheit im Stadion. Schuster verweist deswegen immer wieder auf die sogenannten Stadionallianzen, mit denen diese Kooperation gestärkt werden soll.