Fehlinterpretation, Missverständnis und eine Korrektur
Ich hatte eine längere Antwort an a geschrieben, um mich vom Stress in einem überfüllten Zug abzulenken. Doch das ist wohl eher von literarischem Interesse beziehungsweise muss ich hier nicht noch mehr Raum einnehmen. Leider gibt es trotzdem drei Dinge klarzustellen: Eine Fehlinterpretation, ein Missverständnis und eine Korrektur. Daher scheint diese knappe Ergänzung für den Text „Geschichte ohne Gesetze Ⓐ selber machen!“ notwendig.
a beginnt seinen Kommentar mit einer Enthüllung: Seiner Ansicht nach wäre die Myzelium-Tagung ein „Wissenschaftskongress“ gewesen. Leider zitiert die Person falsch. Auf der Homepage stand: „Unsere Tagung ist nicht akademisch, orientiert sich aber an wissenschaftlichen Formaten, Erkenntnissen und Sprachen“. Damit ist deutlich ausgesprochen: Es war erklärtermaßen eine wissenschaftlich basierte Veranstaltung. Und es war kein Kongress (auf dem etwas entschieden oder verhandelt wurde), sondern eine Tagung (bei der es vorrangig um den Austausch von Wissen ging).
Die Absicht dahinter besteht darin, sich Wissenschaft, Theorie und Inhalte anzueignen und jenseits des etablierten akademischen Betriebs zu denken. Dies geht, ohne postfaktisch zu werden und ins Irrationale abzugleiten. Von diesem Ausgangspunkt aus wurden auf der Veranstaltung viele Zugänge geschaffen. Es wurde auch lebhaft debattiert welche Formate, Inhalte und Perspektiven sich mit anarchistischen Herangehensweisen vereinbaren lassen. Das dies nicht noch mehr gelang, war vor allem den begrenzten Kapazitäten der Organisierenden geschuldet.
Damit zum Aufhänger für a’s Reaktion. Es geht um den polemischen Satz: „Die meisten bornierten Leipziger Szene-Linken fehlten – was uns aufgrund ihrer Selbstbezüglichkeit nicht überraschte“. Bei Polemik kann man sich schnell vergreifen. Manchmal ist es ein einzelner Satz, der es in sich hat. Er hätte klarer formuliert werden müssen, um das Missverständnis zu vermeiden. Für mich ist die Aussage eine weitgehend emotionslose Feststellung. Es waren nur nicht die Leute gemeint, für die a das Wort ergreift.
Der Seitenhieb sollte sich an Theorie-Linke richten, wenn man so will, an unsere Linksintellektuellen. Denn anarchistisch gesinnte Leute besuchen deren Veranstaltungen, eignen sich deren Theorien an, orientieren sich an deren Ansichten und Stilen. Umgekehrt bewegt sich niemand von diesen zu einer Tagung für anarchistische Studien. (Abgesehen davon, das auch die Buchmesse parallel war, ja!) So war zumindest mein Eindruck von denjenigen, die kamen. a ergreift das Wort für andere Leute. Wenn man es an dieser Grenze festmachen will: Jene, die nicht studiert haben. Deswegen ist die Reaktion verständlich – macht aber meiner Ansicht nach eine ganz andere Debatte auf… Zugleich denke ich mir, wenn sich jemand davon so angepisst fühlt: Vielleicht gibt es auch bei denjenigen einige Borniertheit und Selbstbezüglichkeit, die thematisiert werden sollte? – Wahrscheinlich sollten wir darüber persönlich diskutieren??
Schließlich noch eine wichtige Korrektur, auf die jemand dankenswerterweise hinwies: Das Bronzerelief heißt „Aufbruch“ wurde nicht – wie fälschlicherweise geschrieben – schon 1990 abgebaut. Es wurde 2006 vom Uni-Hauptgebäude abgebaut und 2008 auf dem Campus Jahnallee wieder aufgebaut. Darüber gab es damals eine ausgiebige Debatte. Manche wollten das 33 Tonnen schwere Relief offenbar verschwinden lassen. Gut, das es wieder aufgestellt wurde, sodass wir uns mit der Geschichte selber auf unsere Weise auseinandersetzen konnten!
https://de.wikipedia.org/wiki/Bronzerelief_Aufbruch