No pasarán! Warum es die Antifa braucht

«Nur Faschisten haben Angst vor der Antifa» – das stand auf einem der vielen Plakate, die uns bei der Arbeit an diesem Heft begegnet sind.

Als US-Präsident Donald Trump im September 2025 «die Antifa» zur Terrororganisation erklärte, begannen wir, eine Reise zu planen. Eine Reise zu fünf Schauplätzen in Europa – und durch hundert Jahre antifaschistische Geschichte. Sie führte uns von Madrid über Reggio Emilia, Brüssel und Berlin bis nach Budapest. Den Spuren einer Bewegung nach, die heute so notwendig ist, wie sie es seit ihren Anfängen immer war.

Wir danken allen Antifaschist:innen, die mit uns gesprochen haben, für das entgegengebrachte Vertrauen – auch denjenigen, die nicht erkennbar auf den folgenden Seiten vorkommen.

Zürich, März 2026

Tragen Sie Flugblätter unterm Hut! In siebzehn Schritten zum Widerstand

1. Fragen Sie sich selbst: Warum bin ich Antifaschist:in geworden? Marlene Dietrich soll immer gesagt haben: «Aus Anstand!»

2. Lassen Sie sich nicht einschüchtern, und leisten Sie keinen vorauseilenden Gehorsam.

3. Würdigen Sie antifaschistisches Kulturgut. Singen Sie antifaschistische Lieder. «Drei rote Pfiffe», «I ribelli della montagna» – oder, wenn Sie es moderner mögen, die Punklieder von Obrint Pas, der Band von Miquel Ramos aus Valencia.

4. Lesen, verbreiten und verschenken Sie antifaschistische Literatur. Zum Beispiel die Graphic Novel «Im Nest der Schlangen» von Zerocalcare oder das Buch «Sag nie, du gehst den letzten Weg» von Ingrid Strobl.

5. Unterstützen Sie Ihre lokalen antifaschistischen Strukturen – mit den Mitteln, die Sie haben: mit Zeit, Geld, Recherchearbeit, Sandwichs – oder einer Hüpfburg. Denken Sie dabei an Anwältin Selma Benkhelifa: «Freude ist ein Akt des Widerstands.»

6. Wenn es an dem Ort, an dem Sie leben, keine antifaschistischen Strukturen gibt, schaffen Sie welche. Für den Fall, dass dort antifaschistische Organisationen verboten sind: Versuchen Sie, eine klandestine zu gründen.

7. Seien Sie auf der Hut: Es braucht nicht viele Faschist:innen, um Faschismus zu etablieren. (Tragen Sie Flugblätter unter dem Hut.)

8. Misstrauen Sie der Polizei.

9. Gedenken Sie der Opfer des Faschismus. Merken Sie sich deren Namen.

10. Gedenken Sie immer auch des Widerstands. Gerade auch des Widerstands von Frauen, Queers, jüdischen und nichtweissen Menschen.

11. Vergessen Sie nie: Antikolonialer Widerstand gehört zur antifaschistischen Geschichte dazu.

12. Fragen Sie nach Ihrer Familiengeschichte. Fragen Sie die Menschen in Ihrem Umfeld nach deren Familiengeschichten.

13. Solidarisieren Sie sich mit Menschen, die zum Feindbild erklärt werden: mit marginalisierten Menschen, mit migrantischen Menschen.

14. Seien Sie klassenbewusst und klassenkämpferisch: Das Kapital hat sich noch immer den Faschist:innen angedient.

15. Solidarisieren Sie sich mit verfolgten Antifaschist:innen. Besuchen Sie sie im Gefängnis. Oder schreiben Sie ihnen einen Brief. Oder eine Postkarte …

16. … aus Reggio Emilia. Verbringen Sie dort Ihren nächsten Urlaub.

17. Und handhaben Sie es wie Historiker Matthias Durchfeld auf seinen Gedenkreisen: Hören Sie nie mit einem Schauplatz der Verfolgung auf – sondern immer mit einem des Widerstands. (Es hat immer auch Widerstand gegeben.)

Qulle: https://www.woz.ch/wobei/26-2