LVB-Fahrscheinkontrollen in Leipzig werden jetzt per Lautsprecher angekündigt: Was steckt dahinter?

In Leipzig gibt es seit Kurzem neue Durchsagen in Bussen und Straßenbahnen. Die LVB hoffen, dass dies die Effizienz bei Ticketkontrollen erhöht. Doch noch läuft nicht alles nach Plan.

Seit Mitte Oktober erklingt in vielen Leipziger Straßenbahnen und Bussen eine neue Durchsage. Sie kündigt eine Fahrausweiskontrolle an. Statt wie bisher durch die Kontrolleure wird die Prüfung nun durch eine standardisierte Durchsage eingeleitet.

Die neue Ansage sorgte in der Praxis zumindest kurz für Verwirrung. Ein Vorfall, der der LVZ von einem Fahrgast geschildert wurde: Eine Straßenbahn fährt ein, die Durchsage kündigt eine Kontrolle an, am Halt steigen Prüfer ein – und einige Fahrgäste ohne Ticket aus. So sollte das nicht laufen.

Die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) verweisen auf einen Fehler im Ablauf und auf klare interne Regeln. Die Sprecherin der Leipziger Gruppe, Katja Gläß, erklärt:

„Dieses Vorgehen widerspricht den internen Vorgaben.“ Demnach darf die Ansage erst dann erfolgen, wenn die Türen geschlossen sind. „Alle Fahrerinnen und Fahrer wurden in den Schulungen dazu sensibilisiert.“

Wie es richtig laufen soll

Der reguläre Ablauf sehe so aus:

•Prüfer geben beim Einfahren in die Haltestelle ein Handzeichen an den Fahrer.
•Fahrgäste steigen ein und aus. Die Prüfer betreten das Fahrzeug.
•Die Türen schließen.
•Erst dann aktiviert der Fahrer die Durchsage und die Kontrolle beginnt.

Warum überhaupt Ansagen?

Gläß nennt praktische Gründe für die Durchsagen: „Der Prozess der Fahrausweisprüfung wurde in der Vergangenheit oft durch langwieriges Suchen nach Ticket und Berechtigung behindert.“ Die LVB versprechen sich durch die Ansagen, dass Fahrgäste ihr Ticket schneller vorzeigen können und der gesamte Vorgang flüssiger abläuft.

„Der Prüfprozess wird beschleunigt, die Störung für die Fahrgäste minimiert“, so Gläß. Die Durchsage sei eine Maßnahme, um die Effizienz zu erhöhen.

Seit Mitte Oktober werden Kontrollen in Straßenbahnen und Bussen angesagt. Doch: Nicht in jedem Fall ist das möglich. Denn die Durchsage wird derzeit manuell vom Fahrpersonal ausgelöst. Hat der Fahrer den Einstieg der Prüfer nicht bemerkt – etwa bei einem schnellen Umstieg oder beim Zustieg durch hintere Türen – bleibt die Ansage aus.

„Das sollte nicht die Regel sein“, sagt Gläß. Perspektivisch sollen die Ansagen automatisiert werden.

2025: Mehr Schwarzfahrer erwischt

Die Zahlen des erhöhten Beförderungsentgelts (EBE), also die Anzahl der erwischten Schwarzfahrer, lagen 2025 zwar über dem Vorjahr, ein direkter Zusammenhang mit den neuen Durchsagen bestehe jedoch nicht, betont die LVB-Sprecherin. Die Ansagen seien nicht als Abschreckung gedacht, sondern als Unterstützung für das Prüfpersonal. Erste Rückmeldungen seien positiv. Sowohl von Fahrgästen als auch von Kontrolleuren.

Nur rund ein Prozent der Fahrgäste ist 2024 in Leipzig bei einer Kontrolle ohne Ticket erwischt worden. Gegenüber 2023 sank die Schwarzfahrer-Quote sogar. Das Fahren ohne gültigen Fahrausweis kostet im LVB-Gebiet ein Bußgeld in Höhe von 60 Euro.

lvz.de