Mammutprozess in Leipzig: Über 40 Millionen Euro flossen in Geldwäschenetzwerk

Am Landgericht Leipzig hat ein Mammutprozess gegen eine mutmaßliche Cybertrading-Betrügerin begonnen. 685 Anleger wurden geprellt, der Schaden beträgt mehr als 40,3 Millionen Euro. Die Angeklagte soll 368.000 Euro kassiert haben.

Es ist ein Mammutverfahren mit hunderten Opfern, Büros voller Akten und einem Schaden in schwindelerregender Höhe: Am Mittwoch startete am Landgericht Leipzig der Prozess um eine Bande von Betrügern, die mit Cybertrading weltweit Anleger abgezockt haben sollen. Angeklagt ist die Albanerin Denisa H. (30), die nach Erkenntnissen der Generalstaatsanwaltschaft Dresden als eine Art leitende Angestellte eine herausragende Rolle innerhalb der kriminellen Gruppierung gespielt habe.

Seit Januar 2019 sei sie bei einer Organisation PumaTs als Head of Support und Key Account Managerin tätig gewesen. Bei PumaTs handelt es sich der Anklage zufolge um einen sogenannten Brandprovider. Dieser soll aus Albanien, Georgien und Litauen mindestens 425 Onlineanlage-Betrugsplattformen seine Technologie gegen Entgelt zur Verfügung gestellt haben, technischer Support inklusive.

Mit 250 Euro Ersteinzahlung geködert

Die von PumaTs entwickelte Software, vor allem das Kundenverwaltungssystem, sei mit Wissen der Gruppierung für serienmäßige Betrugstaten innerhalb und außerhalb der EU eingesetzt worden, so die Anklagebehörde.

Mitarbeiter in einer Vielzahl von Callcentern belagerten nach Erkenntnissen von Ermittlern potenzielle Anleger. „Agenten gaben telefonisch vor, mit Differenzkontrakten, Devisen und Kryptowährungen zu handeln“, schilderte Staatsanwalt Stefan Reißig. „Dabei versprachen sie hohe Gewinne.“

Geködert habe man die Opfer mit 250 Euro Ersteinzahlung, bei der ein sattes Plus vorgetäuscht worden sei. „Tatsächlich hatten sie gar nicht vor, die Gelder zu investieren“, so Reißig. „Es kam ihnen darauf an, die Beträge für sich zu behalten.“

Während für die Kunden ein angeblicher Handel mit angelegten Ersparnissen simuliert wurde, habe man die stattlichen Summen in ein komplexes Geldwäschenetzwerk geschleust, das in der ganzen Welt verteilt war. Damit war es dem Zugriff der Sparer entzogen und die Täter konnten es unter sich verteilen. „Der Angeklagten kam es darauf an, das Geld für sich zu erlangen“, so der Staatsanwalt. „Ziel war es, eine Vielzahl von Betrugstaten zu begehen.“

Etwa 368.000 Euro soll Denisa H. für ihre Taten kassiert haben. Die Anklageschrift führt 685 geprellte Anleger auf. Ihnen sei durch den gewerbsmäßigen Bandenbetrug ein Gesamtschaden in Höhe von mehr als 40,3 Millionen Euro entstanden. Nach Erkenntnissen der Zentralstelle Cybercrime Sachsen (ZCS) der Generalstaatsanwaltschaft soll die Gruppierung PumaTs sogar für einen weltweiten Schaden von über einer Milliarde Euro verantwortlich sein.

Geschädigte Anleger wollen Schadenersatz

Anfang Oktober 2024 wurde Denisa H. mit internationalem Haftbefehl in Italien festgenommen. Nach Auslieferung und Untersuchungshaft befindet sie sich derzeit gegen Auflagen auf freiem Fuß. Ihr Verteidiger kündigte eine Einlassung seiner Mandantin zu den Anklagevorwürfen an. Es sei ihr Anliegen, ihre Sicht der Dinge darzustellen.

Dem Verfahren am Landgericht haben sich auch eine Vielzahl von geschädigten Anlegern als sogenannte Adhäsionskläger angeschlossen. Das heißt, sie machen ihre zivilrechtlichen Ansprüche wie Schadenersatz im laufenden Strafprozess geltend. Auch deshalb steht der zuständigen 15. Strafkammer ein überaus aufwendiges Prozedere bevor. Geplant sind 29 Fortsetzungstermine bis Anfang Februar 2027.

Erst Anfang Juni war am Landgericht ein 41-jähriger Mann wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs zu einer Haftstrafe von mehr als fünf Jahren verurteilt worden. Er war demnach Teil einer Gruppierung, die ebenfalls über etliche Betrugsplattformen im Internet bei Anlegern einen Gesamtschaden in Höhe von 65 Millionen Euro angerichtet hat. Hier war es um 692 geprellte Anleger mit einem Gesamtschaden von 4,9 Millionen US-Dollar gegangen.