Durch meine Adern fließt der Hass auf die Mullahs, euch wurde höchstens eine Bernsteinkette in die Wiege gelegt.
Seit über einer Woche erreichen Iraner*innen im Exil ihre Leute nicht, weil das Internet im Iran abgeschaltet ist. Seit über einer Woche können aus dem Iran nur vereinzelt Fotos, Videos und Informationen von den Protesten geteilt werden. Wir wachen auf und schlafen ein zu Videos von Leichenbergen und Leichenbergen über Leichenbergen. Mehrere tausend Menschen sollen innerhalb der letzen Tage schon ermordet worden sein. Die Zahlen werden steigen. Bilder, die unmöglich zu ertragen sind, die unsere Augen verschwimmen lassen und uns die Luft abschneiden. Videos, die eine Gänsehaut über jede Faser unseres Körpers jagen. Und trotzdem gehen die mutigen Menschen im Iran seit über 14 Tagen weiterhin auf die Straße. Brennende Autos, brennende Moscheen, brennende Bilder von Khameneie und Menschenmassen, soweit die Kameras sie filmen können. Die Stimmung ist anders. Das Gefühl ist anders. Diesmal ist es anders. Vielleicht. Stolz, Angst, Trauer und Ohnmacht sind trotzdem vorrangig. Und ein unendlicher Hass. Hass der nicht mit Worten zu füllen ist. Auf ein Regime, dass Menschen auf den Straßen massakriert, im Iran und im Exil. Auf ein mörderisches Regime, dass seit 47 Jahren alles tut, um gegen das Leben zu kämpfen, Leben zu ersticken und Leben unmöglich zu machen.
Junge Menschen, die meisten unter 30, gehen auf die Straße, weil sie es nicht mehr wagen zu träumen. Weil sie schon immer gefangen waren in einem Land, dass schon lange alternativlos scheint.
Man hichchiesy nadaram ke ast dast bedam – Wer nichts mehr zu verlieren hat, geht nicht nur hoffend auf die Straße, sondern weil es unter dem gegenwärtigem Regime nichts mehr gibt, für das es sich zu leben lohnt.
Gleichzeitig werden in den kurdischen Gebieten von Aleppo Kurdinnen und Kurden vor den Augen aller auf brutalste Weise von der syrischen Übergangsregierung (und dank finanzieller Unterstützung durch die Türkei,) verfolgt und ermordet. Türkische Islamisten, Djihadisten und Anhänger der HTS Regierung feiern die Angriffe auf die kurdischen Gebiete Aleppos und patrouillieren durch ihre Straßen, als wären es ihre. Kurdische Männer werden vor laufender Kamera gedemütigt, kurdische Frauen werden aus und von Häusern geschmissen. Menschen werden verschleppt, verjagt, verhaftet und gefoltert. 287 Menschen stehen nach dem Überfall der HTS auf der Liste der Vermissten. Krankenhäuser wurden bombardiert, Ärzte erschossen, die Infrastruktur in teilen zerstört. Parallel dazu gehen in Düsseldorf djihadistische HTS Anhänger auf die Straße und verbreiten Propaganda und Hetze. Parallel dazu faselt die EU von einem sicheren Syrien, verabschiedet ein Finanzpaket mit Al-Sharaa und normalisiert damit die Hofierung von Islamisten und lang ersehnten Abschiebungsfantasien. Das Internet ist überflutet von widerlichen Videos von HTS Anhängern, von Grauen Wölfen, Djihadisten und Islamisten die sich in ihrem Hass auf Kurd*innen ihre Hände schütteln.
Während Menschen im Iran, in Syrien und Kurdistan um ihr Leben kämpfen, es verteidigen müssen, wieder einmal Unglaublichem ausgesetzt sind, stehen wir hier am 17.01.26 versammelt, weil vermeintliche Linke bundesweit dazu aufgerufen haben eine provokante, performative, antisemitische Show in einen Stadtteil zu tragen, den es ohne linke Kämpfe gar nicht geben würde. Es ist so unglaublich erbärmlich, dass es notwendig ist heute hier zu stehen.
Ihr, die ihr in eurem Middle-East-Fetisch verloren gegangen seid, die euch Melonen tätowieren, anhängen, aufnähen lasst, die immer am lautesten nach der internationalen Solidarität schreien. Wo sind eure Boycottaufrufe, eure Kampagnen, eure grellen Stimmen wenn es um Islamisten geht? Wo seid ihr wenn es um Kurd*innen geht, wenn es um Iraner*innen geht? Euer Schweigen ist ekelhaft und eure Stille ist bezeichnend. Eure Worte sind nichts wert. Sie sind so performativ wie nutzlos, so eiskalt und selektiv wie hässlich. Das einzige, was in euren Augen glänzt ist Verrat, schwarz, rot, grün und weiß. Und wir verabscheuen euch dafür.
Ihr nennt euch Linke aber spuckt auf jeden linken Wert, der jemals erstritten und erkämpft wurde.
Ihr kommt hier her und wollt euren antisemitischen Schmutz verbreiten, ein ganzes Viertel dämonisieren, an jede Hauswand pissen.
Aber unsere Orte werden nie eure Orte sein. Denn unser Antifaschismus war schon immer ein Kampf gegen Islamismus, schon immer ein Kampf gegen jeden Rassismus, schon immer ein Kampf gegen jeden Antisemitismus. Wir kuscheln nicht mit Islamisten. Wir kuschen nicht vor Islamisten. Setzt euch eure Kopftücher woanders auf, hier will niemand eure bleichen Gesichter sehen.
Nieder mit dem Iranischen Terrorregime
Marg bar Khameneie
Free Iran, free Kurdistan
Yin jiyan azadi