Rund 1000 Menschen demonstrieren in Leipzig gegen Abriss von Lützerath

„Lützerath lebt, RWE stoppen“: Unter diesem Motto protestierten am Samstag auf dem kleinen Willy-Brandt-Platz in Leipzig knapp 1000 Menschen. Mit Bannern und Sprechchören zogen sie auch durch die Innenstadt.

Nahezu 1000 Menschen haben am Samstag in der Leipziger Innenstadt gegen den Abriss von Lützerath demonstriert. Die von den Einwohnern längst verlassene Siedlung auf dem Gebiet der nordrhein-westfälischen Stadt Erkelenz soll weichen, damit der Energiekonzern RWE die darunter liegende Kohle abbaggern kann. Während vor Ort am Rande des Braunkohletagebaus auch gewaltbereite Demonstranten die Polizei angriffen, blieb der Aufzug in Leipzig unter dem Motto „Lützerath lebt, RWE stoppen“ friedlich.

Bei einer mehr als einstündigen Auftaktkundgebung am kleinen Willy-Brandt-Platz kritisierten bitter enttäuschte Redner auch die bisherige Partei ihres Vertrauens. „Früher dachte ich, die Grünen seien meine Partei“, sagte eine Frau. „Heute weiß ich, dass ich selbst um meine Zukunft kämpfen muss.“ Die Abbaggerung von Lützerath ist Teil eines politischen Kompromisses, an dem führende Grüne wie Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck und NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur mitgewirkt haben. RWE hat einen Rechtsanspruch zum Kohleabbau in diesem Revier. Boden und Häuser des Ortes gehören größtenteils dem Konzern oder sind gepachtet. Die Kohle unter dem Gebiet von Lützerath werde benötigt, um in der Energiekrise die Braunkohlekraftwerke hochfahren zu können, heißt es.

Trotz eindeutiger Rechtslage: „Lützi bleibt“

Entgegen der eindeutigen Rechtslage forderten die Demo-Teilnehmer in Leipzig in Sprechchören „Lützi bleibt!“ Einige hielten Pappen hoch, auf denen sie die Einhaltung der Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens und einen Ausstieg aus fossilen Energieträgern forderten, sich gleichzeitig aber auch klar gegen Atomkraft positionierten. Ein Redner ging hart mit dem Energiekonzern RWE ins Gericht. „Ökostrom von RWE & Co. ist wie Kräutertee vom Drogendealer“, befand er. Häufiger waren auch Plakate zu sehen, auf denen die Enteignung von RWE gefordert wurde. Vertreten war auch der Verein „Pödelwitz hat Zukunft“, der sich mit den Protesten in Lützerath solidarisierte. Das zur Stadt Groitzsch gehörende Dorf im Leipziger Land wehrte sich über zehn Jahre erfolgreich gegen die Abbaggerung.

Bei regnerischem Wetter zog die Klima-Demo kurz nach 15 Uhr über Brühl, Markt und Grimmaische Straße bis zum Augustusplatz und dann weiter über den Ring. Am kleinen Wilhelm-Leuschner-Platz endete der Aufzug. Bis zum Schluss blieb es friedlich.

Busse mit Demo-Teilnehmern nach Lützerath

Während am Samstagnachmittag viele Leipziger durch die City flanierten, skandierten die Teilnehmer der Demo unter anderem Parolen gegen den Kapitalismus und einen „Bullenstaat BRD“. In der Spitze nahmen nach Schätzungen der Polizei an die 1500 Menschen daran teil. Mehrere Busse aus Leipzig waren zuvor zur zentralen Demo nach Lützerath gefahren.

Erst in den vergangenen Tagen war es in Leipzig zu weniger friedlichen Aktionen im Zusammenhang mit Lützerath gekommen. Bei einer Spontandemo am Donnerstagabend in Connewitz flog Pyrotechnik in Richtung der Einsatzkräfte. Am Tag zuvor war das Abgeordnetenbüro der Grünen im Leipziger Osten angegriffen worden.


Quelle: Bullenpressemitteilung

Ort: Leipzig (Zentrum)
Zeit: 14. Januar 2023; 13:00 Uhr bis 19:00 Uhr

Für den gestrigen Samstag waren der Stadt Leipzig als zuständige Versammlungsbehörde mehrere Demonstrationen angezeigt wurden, eine davon im Kontext des Geschehens in Lützerath in Nordrhein-Westfalen. Die Versammlungen verliefen fast störungsfrei im Bereich der Leipziger Innenstadt. An der Versammlung unter dem Motto:“Lützerath lebt, RWE stoppen“ nahmen in der Spitze rund 1.500 Personen teil. Während des Aufzuges kam es vereinzelt zum Zünden von Pyrotechnik.


15.01.2023

Leipziger Südvorstadt – Nur wenige bei Lützerath-Demo am Sonntag – Polizeihubschrauber kreist

Mehrere Dutzend Menschen haben am Sonntagabend gegen die aus ihrer Sicht übermäßige Gewalt durch Polizisten bei der Räumung des Braunkohledorfes Lützerath demonstriert. Die Polizei war mit einem größeren Aufgebot vor Ort, ein Polizeihubschrauber kreiste.

Mit Bezug auf die Räumung des Protestdorfs Lützerath in Nordrhein-Westfalen hat es am Sonntagabend ab 20 Uhr eine Demo in der Leipziger Südvorstadt am Alexis-Schumann-Platz gegeben. Wie Polizeisprecher Olaf Hoppe mitteilte, hätten sich dazu rund 80 Teilnehmer versammelt. Der Protest sei weitestgehend friedlich verlaufen. „Es gab zwei Böllerwürfe, einen davon in Richtung Polizei“, so Hoppe. Gegen 21.30 Uhr hätten sich die Demonstrierenden zerstreut. Im Einsatz war dem Vernehmen nach auch ein Polizeihubschrauber.

Die Initiatoren der Kundgebung sprachen von 100 Teilnehmern, die sich mit den Menschen in Lützerath solidarisieren und gegen die aus ihrer Sicht übermäßige Gewalt durch die Polizei bei der Räumung des Braunkohledorfes am Samstag demonstrieren wollten.