Kein Platz für Wagenplätze: Nach XXXLutz, der LEWO AG nun auch die Immobilienfirma Daffner… Wir ziehen auf die nächste PLⒶTTE!

Unser Wagenkollektiv versucht nun bereits seit über einem Jahr Brachen in Leipzig nutzbar zu machen und wird wieder und wieder vertrieben. Zuletzt am vergangenen Sonntag von der Immobilienfirma Daffner. Die Interessen von kapitalistischen Akteur*innen sind mal wieder wichtiger als Wohn- und Kulturräume.

Im letzten Jahr haben wir dabei eine ganze Palette krasser Methoden erleben müssen: 24/7 Überwachung durch private Securities, die Fotos machen, pöbeln und übergriffig sind oder Betonklötze und ganze Zaunanlagen, die die Bewohner*innen einsperren, scheinen in unserer Zeit legitime Mittel gegen friedliche Wagenmenschen zu sein. Der kleine Erdhaufen, fix von Daffner vors Tor geschüttet, war dagegen eigentlich eher lächerlich. Der Witz dabei ist: Das sind nicht mal die staatlichen Repressionsmaßnahmen, die wir sonst so kennen. Hier handeln die oben genannten Konzerne ganz auf eigene Faust und es interessiert niemanden, dass sie dabei grenzüberschreitend agieren.

Wir lassen uns davon nicht abschrecken. Wir werden weiter daran festhalten, dass es schlichtweg sinnvoll ist, brachliegende Flächen in Städten mit mangelndem bezahlbaren Wohnraum zu nutzen. Ohne noch mehr Beton, Verdichtung und Versiegelung – angesichts der ökologischen Katastrophe ist das vielleicht auch nicht ganz unwichtig. Genau das ermöglicht das Wagenleben. Und es umfasst noch viel mehr: In sehr kleinen bis sehr großen Gruppen das Zusammenleben organisieren, Raum für Musik, Kunst und Kultur bieten, sich selber um Dinge kümmern und lieber reparieren statt neues zu konsumieren, sich gegenseitig unterstützen bei täglichen Aufgaben, Kinderbetreuung oder wenn mal wer krank wird, der Vereinzelung entgegentreten und vieles mehr. Schlicht, kollektiv organisierte Freiräume – ein kleines Stückchen Autonomie. Und die sind nicht nur für die Bewohner*innen wichtig, sondern auch für alle Freund*innen, Besucher*innen und Gäste.

So romantisch die bisherige Schilderung des Wagenlebens vielleicht klingen mag: Für viele ist es schlicht Realität, dass sie sie ihr Grundbedürfnis nach sicherem Wohnraum anders kaum noch erfüllen könnten. Mietpreise steigen und steigen. Sozialer Wohnraum ist knapp. Gentrifizierung mit Vertreibung und Luxussanierungen machen vor kaum einem Stadtteil halt. Das geht auch an den Wagenplätzen nicht vorbei. Die Plätze werden knapper, werden zugebaut und nicht selten verdrängt oder mit Auflagen und Problemen überhäuft. Gleichzeitig entscheiden sich immer mehr Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen genau für diesen Lebensentwurf.

All diese Probleme sind der Politik in Leipzig bekannt und einige Politiker*innen sind an sich wohl auch nicht abgeneigt. Doch die Realität ist, dass bestehende Plätze zunehmend in Bedrängnis geraten und neuen Wagenplätzen das Leben schwer gemacht wird.

Und dabei wollen wir doch eh nur die Orte, mit denen gerade sonst nichts passiert. Nichtmal die Eigentümer*innen selber wollen dort gerade spielen. Brach liegende Flächen. Hässlich, ungenutzt und blanker Hohn gegenüber allen, die sich mit knappem und teurem Wohnraum und Kulturflächen in Städten auseinandersetzen.

Egal wieviel Druck und Mangel hinter der Wohnraumsituation steckt und wie wichtig eine bunte und vielfältige Stadt ist, das Eigentum bleibt heilig und unantastbar. Wer gegen diese Spielregeln verstößt muss mit Repression rechnen. Egal, ob durch XXXLutz, LEWO AG oder Immobilien Daffner ganz lokal aus Leipzig. Egal, wie angeblich offen, interessiert und sozial engagiert sie sich selbst nach außen darstellen. Egal ob sie etwas mit ihren Flächen anfangen oder sie als Spekulationsobjekte einfach nur vermüllen lassen. Es ist doch immer das gleiche: Für ein paar wenige läuft’s im Kapitalismus. Auf eine Stadt der Reichen haben wir keinen Bock!

Natürlich hätten auch wir gerne einen sicheren Wohnraum. Aber das Problem geht doch weit über unsere private Situation hinaus. Also versuchen wir es mal wieder, diesmal auf einer städtischen Betonplatte. Befreien mal wieder die Fläche von Müll, versuchen etwas aufzubauen. Starten den nächsten Versuch. Mal sehen, ob die Stadt Leipzig darin mitgeht, dass das Problem nicht wir sind. Wir sind Teil der Lösung!