Die Odyssee [Part ll] – Mythen und Befreiung

“Die apokalyptische Idealisierung ist eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Es ist die lineare Welt, die von innen her untergeht. Apokalyptische Logik existiert in einer geistigen, mentalen und emotionalen toten Zone, die sich selbst kannibalisiert. Es sind die Toten, die auferstanden sind, um alles Leben zu verschlingen.
Unsere Welt lebt, wenn ihre Welt aufhört zu existieren.
Als indigene Anti-Futuristen sind wir die Konsequenz aus der Geschichte der Zukunft der Kolonisatoren. Wir sind die Konsequenz aus ihrem Krieg gegen Mutter Erde. Wir werden nicht zulassen, dass das Gespenst der Kolonisatoren, die Geister der Vergangenheit, in den Ruinen dieser Welt spuken. Wir sind die Verwirklichung unserer Prophezeiungen.

Dies ist die Wiedererstehung der Welt der Zyklen.
Dies ist unsere Zeremonie.

Zwischen den stillen Himmeln. Die Welt atmet wieder und das Fieber lässt nach.
Das Land ist still. Es wartet darauf, dass wir zuhören.”

Die Apokalypse neu denken – Ein indigenes anti-futuristisches Manifest [1]

Ja, das ist eine Möglichkeit, die Welt zu sehen, zu begreifen, sie wirklich wahrzunehmen. Sie ist vielleicht wahrer als alle anderen Perspektiven, sie speist sich aus einer spirituellen Welt, die in den Vorstellungen der indigenen Völker existierte, bevor die sogenannten Hochkulturen, aus denen das Elend, das sich heute Zivilisation nennt, hervorging, sie mit Genozid, Pocken und militärischer Technik praktisch auslöschte. Sich darin wiederzufinden, seine eigene Sehnsucht inmitten des Abfucks, in dem wir unser Leben tagtäglich fristen, wieder zu entdecken, kreierte schon in den 70er und 80er in den autonomen Bewegungen in Italien und Deutschland die “Stadtindianer”, die 1977 den PCI Vorsitzenden Lama aus der Uni von Rom prügelte, in nicht nur einem Manifest der Westberliner Hausbesetzerbewegung hieß es “Nur Stämme werden überleben”. Aber wir, die wir aus der materialistischen Welt des Westens kommen, können nicht fliehen aus unserer Geschichte, unserer Verantwortung, unseren Begrenzungen. Physisch, psychisch, spirituell. Wir sind körperlich und geistig gefangen, unsere einzigen Perspektiven ergeben sich aus dem historischen materialistischen Antagonismus, den wir repräsentieren. Alles andere sind für uns schön erzählte Sagen und Märchen – Der mit dem Wolf tanzt – aber so wie sich am Ende von ‘Dances with Wolves’ die Welten, bei aller Neugier aufeinander und Liebe füreinander, sich wieder voneinander verabschieden müssen, so müssen wir unser Glück in dem absurden Schicksal von Sisyphos entdecken, wir haben keine andere Wahl, denn “der Felsen ist unsere Sache”, wie uns Camus in “Der Mythos des Sisyphos“ lehrt.

Dass “die Katastrophe nah ist”, ist keine Entdeckung irgendwelcher Bewegungsmanager, die sich nach dem kläglichen Dahinsiechen von ‘Ende Gelände’ nun als Gurus der ‘Klimakollapsbewegung’ inszenieren. Die militante Bewegung in Frankreich und der BRD der 70er gegen die “zivile” Nutzung der Atomkraft speiste sich eben aus diesem Bewusstsein, ein Großteil der jugendliche Revolte der 80er in der BRD und Westberlin generierte sich Jahrzehnte vor ‘Fridays for Future’ aus der Wut über den ökologische Raubbau, allerdings ohne den appellativen, partizipatorischen Touch der neuen “Ökos”.

Die “Bewegung gegen den imperialistischen Krieg”, die sowohl in den Straßenschlachten 1981 und 1982 bei den Staatsbesuchen von Haig und Reagan in Westberlin als auch in dem Versuch des Aufbaus einer „antiimperialistischen Front” durch RAF, Action Directe, und zahlreichen nicht untergetauchten Militanten ihren Ausdruck fand, entstand im drohenden Schatten der plötzlichen Vernichtung der “Welt wie wir sie kennen” im atomaren Winter nach dem nuklearen ‘Schlagabtausch’ der Großmächte.

Es gibt keinen Zweifel an der Dringlichkeit und dem überschaubaren Zeitfenster das zur Verfügung steht um dem Kapitalismus den Garaus zu machen, genau deshalb gilt es sich zu wenden gegen den Defätismus der selbst in jenen Kreisen en vogue ist, die von sich behaupten, erklärte Feinde des Systems zu sein. Geschichte ist immer ein absolut offener Prozeß, wer meint, die Erde in 10 Jahren zu kennen, unterscheidet sich letztendlich nicht von den esoterischen Spinnern mit ihren Tarotkarten und Glaskugeln, aus denen sie die Zukunft zu lesen meinen zu können. In der gegenwärtigen Zuspitzung mit der allgegenwärtigen Tendenz zum Krieg, der Automatisierung des Lebens selbst und dem rasanten Tempo mit dem die ökologische Verwüstung voranschreitet, gilt es einen ‘kühlen revolutionären Kopf zu bewahren’. Die Aufstände und Revolutionen von 1917 ff generierten sich eben aus den sozialen und gesellschaftlichen Verwerfungen des 1. Weltkrieges, inmitten der Barbarei, dem Inferno, verdichtete sich die historische Zeit, brachen Zaren – und Kaiserreiche über Nacht zusammen, schien der revolutionäre Horizont zum Greifen nah. Geschichte zu verstehen, sie sich anzueignen, vor allem die eigene, ist unverzichtbar, wenn man antritt, wirklich selbst Geschichte schreiben zu können.

“Letztendlich geht es bei der Revolution nicht nur um die eingesetzten Mittel, sondern um ihren Inhalt. Nur durch den Kampf selbst werden sich vielmehr die für diese Kontexte geeigneten praktischen und organisatorischen Formen herauskristallisieren. Und es ist Aufgabe der Revolte, in der Lage zu sein, mögliche Handlungswege ausgehend von der gegenwärtigen Situation und den aus früheren Kampfzyklen gewonnenen Erkenntnissen zu identifizieren. Sei es in Situationen, die wir selbst herbeiführen können, vor allem aber in den Gelegenheiten, die sich unangekündigt ergeben. Anders ausgedrückt: Man muss sich politisch auf das Unvorhersehbare vorbereiten. Historisch gesehen fanden „revolutionäre Situationen“ in Kontexten statt, die sie unmöglich erscheinen ließen. Das Ende der kapitalistischen Normalität wird innerhalb ihrer eigenen Normalität immer unwahrscheinlich erscheinen, bis etwas in sie einbricht und die Revolution wieder zu einer materiellen Möglichkeit wird.”

Colapso y Desvío – Anmerkungen zur Organisierung und Praxis für die kommenden Kampfzyklen [2]

Die einzig relevante Frage, die es zu diskutieren gibt, ist die, was aus den aufständischen Bewegungen, den Gründen ihrer Begrenzungen, den Bedingungen ihrer historischen Niederlagen, den Wurmfortsetzungen ihrer antagonistischen Kerne zu lernen ist. Genau diese Anstrengung, die im Angesicht der Härte des Aufpralls des aufständischen Zyklus der letzten Jahre im wahrsten Sinne des Wortes eine enorme herausfordernde seelische und geistige Anstrengung bedeutet, scheint derzeit das Dilemma der weltweiten Signalmeldungen und Diskurse zu sein, die sich ernsthaft mit der ‘revolutionären Frage” beschäftigen.

“Nachdem die Revolte endgültig der Vergangenheit angehört, fällt es mir schwer, etwas Sinnvolles zu sagen. Auch auf die Gefahr hin, melodramatisch zu klingen, wenn Normalität und Stabilität wieder die Oberhand gewinnen, sehe ich ehrlich gesagt keinen Sinn darin, irgendetwas zu tun, und selbst die banale Tätigkeit des Lebens kann sich als ziemlich zäh erweisen. Darüber hinaus würde ich wetten, dass jeder von uns mit diesem Zustand vertraut ist, in dem diese Anstrengung von einem gewissen Maß an Leid begleitet wird, das von leichtem Unbehagen bis hin zu schwersten Qualen reicht.”

Idris Robinson – Postskriptum: Über den Schmerz [3]

Es gilt den Schmerz ernst zu nehmen, von dem Idris hier spricht, darüber hinweg zu gehen, gebärt jene ideologische Traurigkeit, die sich in der Inflation und Dominanz der neuen K-Gruppen ebenso materialisiert wie sie sich schon in den traurigen Überresten und Verhärtungen der diversen militanten und bewaffneten Gruppierungen in Italien Ende der 70er manifestierte. Es gibt dann nur noch das Ringen um die eine “richtige Linie” und den Zwist bis hin zum “Brudermord” unter den Angehörigen der bewaffneten Gruppen. Die Allermeisten allerdings brechen einfach mit ihrer Geschichte oder werfen ihr Leben buchstäblich weg durch Suizid oder harte Drogen. Nanni Balestrini hat immer wieder eindringlich an die Zehntausenden von jungen Proleten aus dem Süden erinnert, für die die Bewegung der 70er alles, ihr ganzes Leben war, und die nach dem Scheitern der Bewegung an der Nadel hingen.

Erfahrungen, die sich nicht nur in der Vergangenheit ereigneten, sondern sich, Geschichte als Tragödie oder Farce, ebenso im heutigen Chile nach dem Zusammenbruch der Revolte von 2019 wiederholen und worauf ‘Colapso y Desvío’ in ihrem Absatz von ‘Anmerkungen zur Organisierung..‘ zu dem ‘Problem des Racket’ [4] eingehen

“Informelle Gruppierungen, kleine Gruppen, die miteinander um Anhänger konkurrieren. Sie widmen sich der Konspiration und der Verbreitung der Ideen des jeweiligen Lagers, das sie vertreten (oder zu vertreten vorgeben). Sie sind nicht in die institutionellen Strukturen eingebunden und stehen diesen mehr oder weniger kritisch gegenüber. Je nach ihrer Praxis und ihrem Diskurs können sie ausdrücklich verboten sein oder auch nicht. Sie neigen dazu, die ideologische Reinheit ihrer Mitglieder zu verteidigen, was zu gewaltsamen Säuberungen und Spaltungen führt und dabei weitere Sekten hervorbringt. Die Unterdrückung innerer Minderheitenströmungen ist unerlässlich, um den ideologischen Purismus und die militante Disziplin der Sekte zu wahren…”

und

“Das Problem des ‚Rackets’ ist vielleicht die wichtigste Herausforderung, vor der die Organisierung steht. Dies verschärft sich in Zeiten wie der unseren, in denen die Niederlage noch frisch in Erinnerung ist, bis zu dem Punkt, an dem das Fortbestehen der Organisationen kontraproduktiv erscheint. Die Organisierung kann nicht nur das revolutionäre Projekt an neue Generationen weitergeben, sondern auch die Form des Rackets fortsetzen, indem sie den Neuzugängen den ideologischen Purismus, das Sektierertum und die Laster früherer Generationen vererbt.”

Wir stehen also vor einer komplexen Polykrise der ‘revolutionären Frage’

Erstens: Das Erbe der gescheiterten historischen Linken, die trotz ihrer Irrelevanz für den revolutionären Prozess diesen immer noch in diversen Formen, u.a. durch ihre diskursive Macht, die sich auch in der Eigentumsfrage der diversen Medien äußert, blockieren und sabotieren kann. Die immer noch in der Lage ist, gerade junge Menschen “abzufischen”, die nach Ausdrucksformen für ihre rebellische Haltung sind (siehe in Deutschland die unendliche Eventmaschinerie von IL und Co, von ‘Widersetzen’ bis zu “Ende Gelände” oder der “Rheinmetall-Kampagne”).

Zweitens: Wir befinden uns in einer analytischen Krise. In den letzten Jahren sind aberhunderte von klugen und ehrlichen, aufwühlenden Berichten und Einschätzungen zu den zahllosen Revolten und Aufständen erschienen, die den Globus umspannt haben. Aber so, wie alle diese Revolten den Punkt erreichten, in denen sie in sich zusammenfielen, ohne die Perspektive des revolutionären Horizonts zumindestens ansatzweise skizzieren zu können, so stagniert die revolutionäre Reflexion darüber eben genau auch an diesem Bruchpunkt. Vielleicht aber ist es auch so simpel und doch zutreffend wie es Emilio Quadrelli [5] formuliert hat, auch wenn er das Problem an dieser Stelle anders fasst:

“Die historische Partei ist die Klassensubjektivität, die formale Partei ist die politische Form, in der die Subjektivität verkörpert ist. Dieses Verhältnis kann nur das Ergebnis eines historisch bestimmten Szenarios sein und nicht das Ergebnis des individuellen Willens.”

Drittens: Das ‚Racket-Problem‘, wie es die chilenischen Genoss*innen nennen. In Deutschland, wo es kaum noch organisatorische Überreste aus der letzten Bewegung der Revolte gibt, tritt dieses Problem in Form der “Wiedergeburt” der K-Gruppen und der diversen “postkolonialen Zusammenhänge” auf, die beide schon lange totgeglaubte sektiererische Muster und theoretische Versatzstücke reproduzieren. Teilweise in personeller Überschneidung: So findet sich hinter der gleichzeitigen Gründung diverser ‘Migrantifa’-Gruppen nach dem Attentat von Hanau teilweise kein migrantischer Selbstorganiserungsprozeß in Analogie zu Antifaşist Gençlik [6], auch wenn genau das behauptet wird, sondern die Kaderpolitik linker Sekten, vor allem trotzkistischer Prägung. Dies drückt sich dann auch in der Bündnispolitik zum 1. Mai in Berlin oder der alljährlichen Hanau-Gedenkdemo in Berlin aus, die explizit die Wünsche der Hinterbliebenen der Opfer des faschistischen Anschlags von Hanau missachtet.

Das unsägliche Schauspiel der bundesweit beworbenen Demo in Leipzig-Connewitz “gegen die Antideutschen” reproduziert dann 1:1 den “Kampf um die richtige, einzige Linie” der K-Gruppen der 70er, die damals häufig in Massenschlägereien endeten. Abschreckend erinnert sei auch an die Abrechnungen der türkischen Exillinken untereinander, das blutigste Beispiel war der interne Machtkampf um die “richtige” Linie innerhalb von Dev-Sol. die auch in Massenschlägereien und Schiessereien ausartete und ihren traurigen Höhepunkt in einer Konfrontation am Kottbusser Damm fand, bei der ein Mensch erschossen wurde. Notwendigerweise muss an die Brutalität dieser ideologischen ‘Racket-Auseinandersetzungen’ erinnert werden, in der derzeitigen Zuspitzung, die sich andeutet, sind solche Ereignisse auch für die Zukunft nicht auszuschließen.

Viertens: Die Erzählung vom ‘Ende der Geschichte’, diesmal aus linker, teilweise anarchistischer Perspektive. Wenn alles untergeht, die Erde, wie wir sie kennen, dem Untergang geweiht ist, kann man sich nur in der Katastrophe “einrichten”. Darin “einrichten” und “weiterkämpfen” sind in dieser Erzählung kein Widerspruch, sondern Bedingung. Um “das Ende” “zu überleben” muss man sich “vorbereiten”, viele heutige Anarchist*innen tun so, als wenn sie die “gegenseitige Unterstützung” neu erfunden hätten [7]. Es wird tief in der Psycho-Ecke gekramt und statt Gegenmacht aufzubauen, bzw. sich Gedanken darüber zu machen, wie man das anstellen kann, wird “Empowerment” genauso geschichtslos propagiert wie “Mutual Aid”, Hautsache Denglisch. Das eigentliche Problem ist nicht die individuelle Erwartungshaltung, jeder und jede kann sich das Ende der Welt vorstellen, wie er oder sie will und sich auch gerne darauf vorbereiten, das Problem ist die Demobilisierung, die mit dieser Erwartungshaltung einhergeht. Wer will schon sein Leben dem Kampf widmen, wenn der Kahn eh schon am sinken ist. Dann doch lieber ein letzter Tanz.

So wie beim ganzen ideologischen Quatsch mit dem “Das guten Leben für alle” – das eben nur auf der Grundlage der Ausbeutung des Trikonts durch die Metropole möglich ist, weil es ein zutiefst materialistisches “gutes Leben” meint – kommt der “Hedonismus” also mal wieder um die Ecke. Statt weltweite Klassensolidarität und Umverteilung der Besitzverhältnisse Privilegien für mich und die ‘Meinen’, wer auch immer diese ‘Meinen’ seien. Die Berliner Szene ist ja schon seit Jahrzehnten diesem Prozess weit voraus. Wo früher überall für die ‘Knastkasse’ gesammelt und “enteignet” wurde und einmal im Monat ein Tanzvergnügen im Mehringhof “für den guten Zweck” genügte, jagt seit langem jedes Wochenende eine “Soliparty“ die nächste. Jeder rechte Angriff, jedes staatliche Massaker fernweg, jeder Bullenübergriff löst sofort heftige Gegenwehr in Form der entschlossenen Organisierung einer “Soliparty” aus. Tanz mit mir den Untergang. Bitte blackblock dresscode.

Fünftens: Das Problem, das Idris Robinson in “Über den Schmerz” beschreibt, sollte als nicht als zu gering geachtet werden. Geschichte ereignet sich innerhalb von Gesetzmäßigkeiten, aber sie wird letztendlich von Subjekten gemacht. Zwischen Hoffnung, Euphorie und tiefster Depression liegen manchmal nur Tage, ja Stunden. Alles, was an Begehren, an tiefsten Sehnsüchten in den Aufständen freigelegt wird, Raum haben darf, findet sich schlagartig in einem Vakuum wieder. Die Brüderlichkeit, die Geschwisterlichkeit im Kampf, die zu erleben vielen der Leser*innen dieser Zeilen vielleicht schon gegeben war, lässt sich nur sehr schwierig in der post-aufständischen Dürre weiter am Leben halten. Gleichzeitig steigen die Ansprüche an sich selbst und die anderen, künstlich werden Binnenverhältnisse am Leben erhalten, die nicht mehr die realen Beziehungen der Subjekte zueinander und zu sich selbst ausdrücken. Die einen entziehen sich dem Druck und “steigen aus”, die anderen igeln sich immer mehr in ihrer “Kader-Mentalität” ein. Je abstrakter “der Kampf” wird, desto mehr wirken diese Zentrifugalkräfte. Jeder und jede kennt diese Erfahrung, in der Blütezeit einer Bewegung gibt es keinen anderen Ort, an dem man sein möchte, gibt es nichts, was man vermisst, was noch zu wünschen wäre. Im Niedergang, in der Agonie einer ‘politischen Szene’ “sind die Hölle immer die anderen”, wie Sartre sagte. Die hohe Kunst und die Anforderung dieser Zeit ist es vielleicht, gleichzeitig zu träumen und trotzdem mit beiden Beinen fest auf dem Boden zu stehen. Die Realität anzuerkennen und trotzdem ihr die Gefolgschaft zu verweigern.

“Das einzige, was in der Lage ist, die Gesamtheit dessen transversal in einer historischen Partei zu vereinen, was aus dieser Gesellschaft ausbrechen will, ist das Verständnis der Situation, all das, was sie schrittweise lesbar macht, all das, was die Bewegung des Gegners unterstreicht, all das, was die praktikablen Wege und die Hindernisse in identifiziert – das Systematische der Hindernisse.”

Das Unsichtbare Komitee – Jetzt

Anmerkungen

[1] Die Apokalypse neu denken – Ein indigenes anti-futuristisches Manifest (https://bonustracks2.noblogs.org/post/2023/01/26/die-apokalypse-neu-denken/)

[2] Colapso y Desvío – Anmerkungen zur Organisierung und Praxis für die kommenden Kampfzyklen (https://bonustracks2.noblogs.org/post/2026/06/12/anmerkungen-zur-organisierung-und-praxis-fuer-die-kommenden-kampfzyklen/)

[3] Idris Robinson – Postskriptum: Über den Schmerz (https://sunzibingfa.noblogs.org/post/2022/06/26/postskriptum-ueber-den-schmerz/)

[4] ebd.: Colapso y Desvío – Anmerkungen zur Organisierung und Praxis für die kommenden Kampfzyklen

[5] Emilio Quadrelli – It’s Only Rock ‘n’ Roll (https://bonustracks2.noblogs.org/post/2023/08/28/es-ist-der-kampf-der-die-organisation-schafft-die-zeitung-la-classe-an-den-ursprungen-der-anderen-arbeiterbewegung-5/)

[6] Zur Geschichte von Antifaşist Gençlik gibt es sehr unterschiedliche Darstellungen, ich möchte an dieser Stelle an den Text von Fatma erinnern, die sich letztes Jahr das Leben genommen hat. Diesen Text hat sie kurz vor ihrem Tod noch veröffentlicht und er war ihr wichtig. Da dieser auf Indymedia erschien, was häufiger beim Aufrufen Probleme macht, der Verweis auf meinen Nachruf auf Fatma, an den ich den Text von ihr angehängt habe.

https://kontrapolis.info/17122/

[7] Wenn man regelmäßig CrimethInc liest, bekommt man den Eindruck, die Eruption gegen die rassistische Razzia Politik von ICE sei eine anarchistische „Erfolgsgeschichte“. Dabei wurzelte der Widerstand in den Twin Cities in den schon seit Jahren bestehenden Netzwerken vor allem der Latino Community. Eine zwar auch anarchistische Perspektive, die aber die Selbstorǵaniserung der Klasse im Zentrum der Überlegungen stellt, liefert der Artikel ‘Arbeiterwiderstand gegen ICE’ (https://bonustracks2.noblogs.org/post/2026/05/29/arbeiterwiderstand-gegen-ice/)

wird fortgesetzt…