Wehrpflicht-Demo in Leipzig: Etwa 900 junge Teilnehmer protestieren

In Leipzig sind am Freitag Hunderte junge Menschen gegen eine mögliche Einführung der Wehrpflicht auf die Straße gegangen. Rund 900 Teilnehmende zogen über den Innenstadtring, begleitet von politischen Reden und Palästina-Flaggen.

Zahlreiche junge Menschen sind am Freitag in Leipzig auf die Straße gegangen, um gegen das neue Wehrdienstgesetz und eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht zu protestieren. Laut der Polizei waren insgesamt vier Versammlungen angemeldet worden.

Insgesamt waren demnach etwa 900 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Zuge eines sogenannten Schulstreiks vor Ort. Die Initiative „Schulstreik gegen Wehrpflicht“ hatte zuvor 5000 Teilnehmende angemeldet. Einmal sei während der Versammlungen illegalerweise Pyrotechnik gezündet worden. Ansonsten sei es friedlich verlaufen.

Die erste Versammlung wurde den Polizeiangaben nach um 12.20 Uhr beendet und die letzte gegen 14 Uhr. Die zumeist jungen Teilnehmenden hatten sich zu Beginn auf dem Augustusplatz auf der Seite des Gewandhauses versammelt, anschließend drehten sie eine Runde auf dem Innenstadtring. Unter ihnen waren auch Kinder zu sehen.

In Reden, die von augenscheinlich erwachsenen Personen gehalten wurden, wurde gegen die Wehrpflicht und Kriege protestiert. Ein Redner der Gruppe „Sozialismus von Unten“ betonte dabei, dass sich mehr Menschen an dem Protest beteiligen müssten: „Lasst uns die anderen überzeugen, unsere Klassenkameraden, unsere Großeltern!“
„Ich möchte nicht für irgendwelche reichen Politiker sterben“

Besonders oft verwiesen einige am Mikrofon dabei auf den Krieg im Gazastreifen, Anwesende skandierten „Viva Palästina“ und schwangen Palästina-Flaggen. Vor Ort war unter anderem ein Stand von „Young Struggle“ (YS) aufgebaut. Die Gruppierung gehört zur Jugendorganisation der Marxistischen Leninistischen Kommunistischen Partei (MLKP) und wurde bekannter, als Mitglieder vor zwei Jahren das Audimax der Universität Leipzig aus Protest gegen eine israelische Bodenoffensive im Gazastreifen besetzten. YS wird vom Sächsischen Landesamt für Verfassungsschutz als extremistisch eingestuft.

Auf Schildern waren Sprüche wie „Waffen nur in Minecraft“ oder „Eure Kriege unter uns“ zu sehen. „Ich möchte nicht für irgendwelche reichen Politiker sterben“, sagte der 16-jährige Lukas der Leipziger Volkszeitung. „Deswegen bin ich hier.“ Und Clara, ebenfalls 16 Jahre alt, erklärte: „Das hier ist mir wichtiger, als heute in die Schule zu gehen.“

Bundesweit fanden parallel weitere Demonstrationen gegen die Wehrpflicht statt. In Berlin zum Beispiel zogen nach Polizeiangaben rund 1200 Teilnehmer vom Brandenburger Tor zur CDU-Zentrale – die Veranstalter sprachen von 5000 Teilnehmern. In Hamburg gingen nach Veranstalterangaben rund 6000 Schülerinnen und Schüler auf die Straße, die Polizei sprach von etwa 2300 Teilnehmern.

Der Protest fällt dabei auf ein historisch wichtiges Datum: Am 8. Mai wird an das Ende des Zweiten Weltkrieges und die Befreiung vom Nationalsozialismus vor 81 Jahren erinnert.