Leipziger Club „Axxon N.“ schließt Ende Januar
Der Technoclub im Kohlrabizirkus schließt – das Team hat das Aus bei Instagram bekannt gegeben. Hintergrund sind finanzielle Schwierigkeiten. Seit November lief ein Insolvenzeröffnungsverfahren. Wie es am Standort weitergeht, ist offen.
Der Leipziger Technoclub „Axxon N.“ im Kohlrabizirkus macht dicht. Das teilte das Team am frühen Montagabend auf Instagram mit. Demnach wird das Projekt „vorerst beendet“. Die letzten Veranstaltungen sind für Freitag, 30. Januar, und Samstag, 31. Januar, angekündigt.
In dem Beitrag bedanken sich die Betreiberinnen und Betreiber bei allen, die den Ort geprägt haben. Vor dem Abschied wolle man „für die finalen zwei Raves“ noch einmal zusammenkommen – „ein letztes Wochenende, um gemeinsam zu tanzen“. Zugleich betont das Team, man habe weiterhin große Lust, Clubkultur zu unterstützen, und werde über nächste Schritte informieren, sobald diese feststehen.
Finanzielle Probleme
Dass es beim Axxon N. wirtschaftlich eng ist, ist nicht neu. Bereits seit dem 10. November 2025 lief gegen die Betreibergesellschaft ein Insolvenzeröffnungsverfahren. Damals hieß es, der Betrieb solle zunächst weiterlaufen, während parallel geprüft werde, ob und wie sich der Club sanieren lässt.
Das Verfahren konnte als Versuch verstanden werden, Zeit für Lösungen zu gewinnen: Ein vorläufiges Verfahren bedeutet nicht automatisch das Aus, sondern soll Spielraum schaffen, um Kosten, Verbindlichkeiten und Perspektiven zu prüfen – oft auch mit dem Ziel, Finanzierungspartner zu finden. Aus dem Umfeld des Clubs war entsprechend zu hören, man arbeite an Sanierungsoptionen und führe Gespräche über eine „bestmögliche Lösung“.
Als Ursachen für die finanzielle Schieflage wurden vor allem hohe laufende Kosten, eine schwierige Startphase im Sommer sowie hohe Renovierungskosten genannt.
Schluss nach weniger als einem Jahr
Der Club startete erst im April 2025 im Kohlrabizirkus, am Standort des früheren „Instituts für Zukunft“. Hinter dem Axxon N. steht die TK38 GmbH, ein Zusammenschluss lokaler und überregionaler Akteure. Inhaltlich positionierte sich das Axxon N. als diverser, community-orientierter Club, kombiniert mit einem breit aufgestellten elektronischen Programm.
Mit der Instagram-Mitteilung ist nun klar: Ende Januar ist Schluss. Wie es danach weitergeht, bleibt offen
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Vincent Ebneth
27.11.2025
Leipziger Technoclub in Geldnot: Steht IfZ-Nachfolger Axxon N. vor dem Aus?
Leipzigs Technoszene steckt in der Krise. Jetzt ist der nächste Club betroffen: Das Axxon N. kämpft mit hohen Kosten und einem schwierigen Sommer. Dennoch bleibt der Club geöffnet. Die Suche nach Investoren läuft.
Der Leipziger Techno-Club Axxon N. steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Seit dem 10. November läuft ein Insolvenzeröffnungsverfahren. Dabei handelt es sich ausdrücklich nicht um eine Insolvenz.
Der Club ist der Nachfolger des Instituts für Zukunft (IfZ), das zehn Jahre lang die Räume im Kohlrabizirkus bespielte. Mit dem Axxon N. verbanden sich große Hoffnungen, den Standort als festen Ort für das Leipziger Nachtleben zu sichern. Nun scheint auch dieser Club nach nur einem halben Jahr in Gefahr. Warum?
Schwierigkeiten seit dem Start
Auf Anfrage der LVZ äußerten sich die Betreibergesellschaft TK38 GmbH und der vorläufige Insolvenzverwalter, der Leipziger Rechtsanwalt Roy Lublow, in einer gemeinsamen Stellungnahme. Sie betonen, der Betrieb laufe uneingeschränkt weiter. Doch wie kam es zu den finanziellen Engpässen?
Das Axxon N. sei im Sommer in einen „besonders herausfordernden Markt“ gestartet – unter Zeitdruck und auf Basis baulicher und technischer Voraussetzungen, die sich erst später als problematisch erwiesen hätten. Die nötigen Renovierungs- und Instandsetzungsarbeiten seien komplexer und teurer gewesen als geplant.
Zugleich habe eine für die gesamte Leipziger Clubszene ungewöhnlich schwierige Sommersaison den Start erschwert: hohe Temperaturen, zahlreiche parallel stattfindende Großveranstaltungen und ein verändertes Ausgehverhalten. Die Folge: Die wirtschaftlich entscheidende Anlaufphase sei hinter den Erwartungen zurückgeblieben.
Seit dem Herbst jedoch, so die Betreibergesellschaft, entwickle sich der Geschäftsbetrieb „stabil und ausgesprochen positiv“. Die Besucherzahlen seien konstant, viele Veranstaltungen gut besucht, und das Team arbeite engagiert an der Weiterentwicklung des Konzepts. Das vorläufige Insolvenzverfahren bedeute daher keinesfalls, dass eine Schließung feststeht. Man arbeite an einer „bestmöglichen Lösung“ für Gläubiger, Belegschaft, Gäste und die Leipziger Kulturszene.
Wie geht es weiter?
Geschäftsführung und Insolvenzverwalter prüfen derzeit verschiedene Wege, den Club zu stabilisieren. Dazu gehören Gespräche mit potenziellen Investorinnen und Investoren, die bislang konstruktiv verliefen.
Entscheidend, so die Verantwortlichen, sei die Bedeutung des Standorts für Leipzigs Nachtleben. Wörtlich heißt es: „Es ist unbestreitbar, dass Leipzig in den vergangenen Jahren mehrere bedeutende Kluborte verloren hat. Der Erhalt des Klubs Axxon N. als Raum für Diversität, Kreativität, queere Kultur und elektronische Musik besitzt daher einen besonderen gesellschaftlichen Wert.“ Eine breite Unterstützung aus der Öffentlichkeit könne zur Sicherung des Betriebs beitragen.
Nach dem IfZ kam das Axxon N.
Die Räumlichkeiten gehören seit Sommer 2021 der Stadt Leipzig. Die Kommune wollte während der Coronapandemie sicherstellen, dass der Standort für Clubkultur erhalten bleibt und das IfZ weitermachen konnte. Auch nachdem die Schließung des renommierten Techno-Clubs im Mai 2024 bekannt wurde, blieb die Stadtverwaltung entschlossen, den Standort für das Leipziger Nachtleben zu sichern. Mit dem Axxon N. war schnell ein Nachfolger gefunden.
Das neue Betreiberkollektiv um Geschäftsführer Lucas David Pulkert hatte sich zum Start am 12. April viel vorgenommen: kuratierte Partys am Samstag, genreübergreifende Musik am Freitag und Nachwuchstalente am Donnerstag – so lautete ein Teil des Programms. Der rote Faden war die Förderung einer neuen Generation der Leipziger Clubszene.
Es sollten marginalisierte Gruppen wie Queere, Flinta und BIPOC unterstützt werden – gemeint sind Menschen mit Migrationsbezug oder unterschiedlicher sexueller Orientierung.
„Wir wollen einen sicheren Raum schaffen“, hieß es damals in einer Ankündigung. Neben dem Clubbetrieb waren zusätzliche Veranstaltungen geplant, darunter Workshops, Kunstprojekte oder Diskussionsrunden zu Clubkultur und anderen Themen. Doch wie es nun konkret weitergeht, ist offen.