Free Maja – Urteil und solidarische Versammlungen in Jena verschoben!

Wie bereits seit einigen Tagen bekannt ist, wurde die Urteilsverkündung gegen Maja nach aktuellem Stand auf den 4. Februar 2026 verschoben. Dementsprechend verschieben sich auch die Versammlungen in Jena in Solidarität mit Maja und allen inhaftierten Antifas: eine Kundgebung findet nun am 4. Februar, 17:30 Uhr Holzmarkt statt, sowie eine größere Demonstration am 7. Februar, 14 Uhr ab Holzmarkt, Jena.

Falls es zu einer weiteren Verschiebung des Urteils kommt, werden die Veranstaltungen ebenfalls wieder verlegt, sodass in jedem Fall am Tag der Urteilsverkündung eine Kundgebung sowie am darauf folgenden Samstag eine Demo in Jena stattfindet.

Nachfolgend findet ihr nochmal den aktualisierten Aufruf sowie den Demokonsens.

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AUFRUF

Von Jena bis Budapest: Grenzenlose Solidarität gegen rechten Terror und autoritären Kapitalismus – Freiheit für Maja. Freiheit für alle Antifas.

Der Druck steigt.

Wir erleben aktuell eine der schärfsten Krisen des westlichen Kapitalismus. Die Abstiegsängste der Mitte bekommen angesichts hoher Inflation, steigender Arbeitslosigkeit und sinkender Kaufkraft eine empirische Basis. Die großen Vermögen konzentrieren sich weiter in den Händen einiger weniger und Schwarz/“Rot“ gönnt Arbeiter_innen und Armen nicht mal mehr den Dreck unter den Fingernägeln. Wer auf das Amt angewiesen ist, hat sich demnächst darauf einzustellen, neben den üblichen Gängeleien noch schneller als bislang die Bezüge bishin zur Aussetzung der Mietübernahme gekürzt zu kriegen, sofern er/_/sie nicht bereit ist, den letzten Scheißjob anzunehmen.

Währendessen…

…sind sich die Parteien von ganz rechts bis zur hochgelobten „demokratischen Mitte“ bei der Wahl der Gegenmaßnahmen erstaunlich einig: neben dem Gerede, dass „wir“ es vor lauter work-life-balance verlernt hätten richtig anzupacken, muss man nun auch endlich mal dieses „Migrationsproblem“ lösen, ganz so, als ob die Armut der vielen nicht auf dem Reichtum der wenigen fußen würde. Während der letzten Legislatur war die SPD unter Beteiligung der Grünen noch stolz auf die gestiegenen Abschiebezahlen. Derzeit können es die verantwortlichen Innenminister auf EU-Ebene kaum erwarten, auch außerhalb Europas Lager für Geflüchtete zu errichten, um das Imageproblem der tausenden Toten im Mittelmeer einige Kilometer von den tödlichen Grenzen Europas weg und damit aus dem Blickfeld zu verlagern.

Im Angebot: Normalisierung.

Nach hinten wird diese Politik mit immer neuen Scheindebatten ums Stadtbild vom Kanzler höchstpersönlich abgesichert, um sich auch morgen noch des Rückhalts für die Politik der sozialen Kälte und der Entsolidarisierung sicher sein zu können. Die Arbeiter_innen und Armen sollen sich in Abgrenzung zu Geflüchteten wenigstens noch ihres Wertes als Deutsche oder wenigstens als Europäer vergewissern können. In diesem Klima der Spaltung wächst der Zuspruch der gesellschaftlichen Mitte für autoritäre „Lösungen“, Neonazis erhalten immer mehr Zustimmung, egal ob im Parlament oder auf der Straße, egal ob im Maßanzug oder im Hipster-Look.
In Ungarn erfahren diese hässlichen Auswüchse der kapitalisitischen Krise offene staatliche Unterstürzung und so huldigen jedes Jahr tausende organisierte Neonazis in Budapest zum sog. „Tag der Ehre“ dem historischen NS. Faschisten aus ganz Europa verherrlichen den Vernichtungskrieg der Nazis in Osteuropa; die Gräuel und die Verbrecher von damals sind ihnen Vorbild ihrer Vernichtungsphantasien von heute.

Für einen konsequenten Antifaschismus.

In dieser Situation wird Maja und unseren Freund_innen vorgeworfen, die körperliche Auseinandersetzung mit organisierten Neonazis nicht gemieden zu haben. Dabei muss jedem klar sein, dass Nazis vehement ihre Ziele verfolgen, wenn man sie lässt. Seit Auschwitz ist das Vorgehen gegen Nazis immer eine Defensiv-Auseinandersetzung: Antisemiten, überzeugte Rassisten, Geschichtsrevisionisten, Sozialchauvinisten und Antiziganisten werden sich nicht umstimmen lassen, wenn es darum geht, Minderheiten zu unterdrücken, zu verfolgen, wenn möglich zu vernichten. Man kann nur versuchen, ihnen das Handwerk zu legen. Sich dabei auf den (deutschen wie ungarischen) Staat zu verlassen, ist naiv. Im Gegenteil: deutsche Polizeibehörden sind mit wildestem Ermittlungseifer ununterbrochen und mit riesigem Personalaufwand damit befasst, die Verstecke untergetauchter Antifaschist_innen aufzuspüren und die deutsche Justiz bediente sich absurdester Tricks, um Maja an das ungarische rechtsautoritäre Regime auszuliefern. Dort ist Maja seit über einem Jahr Folter und Isolationshaft ausgeliefert.

Alle. Zusammen.

Man muss nicht mit jeder Aktion einverstanden sein, die Maja und Freund_innen angelastet werden. Verantwortung für die Unversehrtheit von Herz und Seele zu übernehmen, Männlichkeit immer wieder zu problematisieren, in den Austausch zu gehen, sich der Kritik der Mitstreiter_innen zu stellen und die Frage der Legitimität der eigenen Handlungen immer wieder abzuwägen, ist Chance und Pflicht gleichermaßen. Aber wenn es dann hart auf hart kommt, ist es wichtig, zusammenzustehen, denn Solidarität ist kein Wunschkonzert…

Voraussichtlich am 4. Februar soll in Budapest das Urteil gegen Maja gesprochen werden. Es drohen bis zu 24 Jahre Haft. Wir nehmen das nicht unwidersprochen hin. Kommt zur Kundgebung am Tag der Urteilsverkündung 17:30 Uhr auf den Holzmarkt in Jena und am darauf folgenden Samstag, 14 Uhr zur Demonstration ab Holzmarkt, Jena.

Freiheit für Maja, Freiheit für alle Antifas – für eine gerechte, solidarische und angstfreie Gesellschaft!

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DEMOKONSENS

Wir demonstrieren, weil Maja in Ungarn zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt werden wird und zahlreiche weitere unserer Freund*innen, Genoss*innen, Antifaschist*innen im Knast sitzen, als Angeklagte vor Gerichten stehen oder zum Leben im Untergrund genötigt werden. Mit der Demo möchten wir unsere Solidarität und Verbundenheit mit ihnen allen sowie unsere Wut auf die staatlichen Repressionsapparate in Deutschland, Ungarn und überall auf die Straße bringen. Unsere Solidarität ist dabei nicht selektiv, unterliegt keiner Gesinnungsprüfung und gilt allen Antifaschist*innen gleichermaßen. Unsere Botschaften könnt ihr gerne auf Bannern, Schildern sowie mit Antifaflaggen sichtbar machen.

Nationalstaaten errichten Knäste, zerren unsere Genoss*innen vor Gerichte, setzen skrupellos Gewalt zur Aufrechterhaltung bestehender Verhältnisse ein und werden immer nur über Ausgrenzung funktionieren. Wir möchten deshalb ausdrücklich keine National- oder Territorialfahnen oder Ersatzsymbole auf unserer Demo. Gleiches gilt für Partei- und Organisationsfahnen und -Logos. Wir wollen keinen Überbietungswettbewerb und keine Vereinnahmung durch einzelne Gruppen, sondern einen gemeinsamen, entschlossenen und autonomen Charakter. Denn Antifa bleibt antiautoritär!

Es gibt fraglos unzählige dringende Anlässe, wegen der es sich zu demonstrieren lohnt. Aber heute wollen wir in Anbetracht der ernsten Lage als zentrale Botschaft unsere Solidarität mit Maja und allen inhaftierten Antifas ausdrücken. Eine eigenständige, inhaltsfremde Themensetzung oder Blockbildung ist daher deplatziert und unerwünscht. Insbesondere ist diese Demo kein angemessener Ort, um innerlinke Konflikte auszutragen.

Wir dulden kein übergriffiges und grenzüberschreitendes Verhalten auf der Demo, die Definitionsmacht liegt dabei bei den betroffenen Personen. Solltet ihr derartiges Verhalten mitbekommen oder euch sonst unwohl fühlen, wird es ein Awareness-Team geben, an das ihr euch wenden könnt. Die Demostrecke ist ca. 2,6 km lang und weitestgehend flach, führt jedoch an einigen Stellen über Gleise und Pflaster. Bedenkt zudem bitte die kalte Jahreszeit.

Schaut, wo ihr euch auf der Demo am wohlsten fühlt. Wir möchten insbesondere nicht-cis-männliche Genoss*innen aufrufen, in die vorderen Reihen zu kommen. Bedenkt zudem bitte, dass die Bewegung derzeit viele Antirepressionskämpfe führt und durch die Demo zumindest nach unseren Möglichkeiten nicht noch neue dazukommen müssen.

Auf unserer Demo ist kein Raum für Rassismus, Antisemitismus, Nationalismus, Ableismus, Queerfeindlichkeit, Sexismus, patriarchales oder sonstiges diskriminierendes Verhalten.