Risikospiel in Liga sieben: Frisch Auf Wurzen gegen Roter Stern Leipzig zum Dritten

Es ist der dritte Ansetzungsversuch. Im Herbst wurde die Partie zwischen Frisch Auf Wurzen und Roter Stern zweimal verschoben, inklusive Eingriff des Sportgerichts. Nun soll das politisch aufgeladene Spiel am Sonnabend stattfinden. Das sind die Hintergründe.
Deutschlandweit dürfte wohl kaum eine Siebtliga-Partie unter ähnlichen Sicherheitsvorkehrungen stattfinden wie diese: Am Sonnabend erwartet Frisch Auf Wurzen Roter Stern Leipzig in der Fußball-Sachsenklasse Nord (Anstoß 14 Uhr). Seit Jahren ist die Begegnung politisch aufgeladen, wird als Risikospiel eingestuft. Entsprechend hoch sind Polizeipräsenz und Sicherheitsvorkehrungen. In dieser Saison ist es bereits der dritte Versuch, das Spiel auszutragen.
Seit Jahren schon bewegt das Aufeinandertreffen Frisch Auf kontra Roter Stern Vereine, Verband, Stadtverwaltung und andere Behörden. Der Auftritt des „antifaschistischen Sportprojekts“ aus Connewitz in Wurzen wird regelmäßig von rechten Gruppen im Publikum begleitet. „Da kommen von beiden Seiten Leute, die dieser Verein anzieht. Die kommen nur einmal im Jahr, nämlich wenn Roter Stern bei uns ist“, erklärte Frisch-Auf-Präsident Daniel Weist schon im vergangenen Jahr. Conrad Lippert, Pressesprecher der Sterne, entgegnet, die Gastgeber würden „Nazis eine Bühne bieten und sich immer noch schwertun, diesen Personen den Zugang zum Sportplatz zu verwehren.“ In dieser Saison hat die Entwicklung neue Dimensionen erreicht. Die LVZ blickt auf ein Possenspiel in vier Akten.
Wurzens Nichtantritt und Widerspruch
1. Akt – Das Innenministerium greift ein: Ursprünglich sollte die Partie am Wochenende 19./20. Oktober 2024 ausgetragen werden. Doch das Innenministerium senkte den Daumen, weil zu wenig Polizeikräfte zur Verfügung standen. Die Absage folgte wenige Tage vor dem geplanten Termin. Die Frisch-Auf-Verantwortlichen waren aufgrund der Kurzfristigkeit einigermaßen angesäuert. Absprachen und Planungen mit Stadt und der extern beauftragten Sicherheitsfirma waren plötzlich unbrauchbar geworden.
2. Akt – der Tauschversuch: Die nächste Ansetzung folgte für den 20. November. Zwei Tage vor dem geplanten Anpfiff sperrte die Stadt als Eigentümer der Anlage den Rasen wegen der schlechten Witterung. Aus demselben Grund war schon am Wochenende zuvor das Wurzener Heimspiel gegen Meißen abgesagt worden. Doch damit begann das Spielchen im Hintergrund erst so richtig. Roter Stern bot einen Tausch des Heimrechts an, der Sächsische Fußballverband (SFV) stimmte zu. Frisch Auf fühlte sich übergangen – und trat kurzerhand nicht an. Man fühle sich so kurzfristig und ohne Sicherheitsberatung bei einem Spiel in Leipzig nicht sicher, hieß es damals.
Das Sportgericht greift ein
3. Akt – das Sportgericht greift ein: Der Verein ging gegen die Entscheidung in Widerspruch. Das Sportgericht prüfte den Sachverhalt, gab einen Hinweis an den Verband. Der nahm daraufhin seine Entscheidung zurück und setzte das Spiel neu an. Vor dem nächsten Versuch klingen die Verantwortlichen sehr bemüht, die Sache nicht zu hoch zu hängen.
4. Akt – fünf Monate später: „Es ist ein Spiel mit erhöhtem Risiko, das von uns entsprechend beobachtet wird. In der Vorbereitung laufen die gewohnten Routinen, Sicherheitsabsprachen zwischen Vereinen, Stadt und Polizei. Wir haben jetzt eine bessere Planungssituation als im Herbst – wegen des Wetters“, sagt SFV-Vizepräsident Volkmar Beier. Und Sterne-Pressesprecher Lippert erklärt: „Wir gehen das Ganze tiefenentspannt an.“ Die Gäste wollen zwischen 80 und 100 Fans mobilisieren.
Fantrennung und viel Polizei
Zum letzten Aufeinandertreffen in Wurzen, das unter ähnlichen Vorkehrungen stattfand, kamen insgesamt 219 Zuschauerinnen und Zuschauer. Dabei ist die Begegnung auch rein sportlich sehr brisant. Beide Mannschaften hängen tief im Tabellenkeller, brauchen jeden Punkt für den Klassenerhalt. Und dennoch spielen diese Aspekte angesichts des organisatorischen Aufwands im Vorfeld eher eine Nebenrolle.
60 bis 80 Polizistinnen und Polizisten werden die Partie begleiten. Das Sicherheitskonzept sieht außerdem vor: getrennte Eingänge für Wurzener und Leipziger Fans, getrennte Parkplätze, getrennte Versorgungsstände und Toiletten sowie getrennte Fanblöcke im Stadion. Die abschließende Sicherheitssberatung ist für Donnerstagabend anberaumt – und dann soll endlich Fußball gespielt werden.