City Of Blood [Part l]
Mein Gespräch, meine Lieder
Mein Hass und mein Glück
Mein Tag, meine Nacht, mein Vor, mein Zurück
Meine Sonne und Schatten, Zweifel, die ich hab
An dir und in mir bis zum letzten Tag
Deine Straßen, wo ich fliehe, stolper und fall
Deine Wärme, die ich brauch, die ich spüre überall
Klaus Hoffmann – Berlin
„Das Gedächtnis der Menschheit für erduldete Leiden ist erstaunlich kurz. Ihre Vorstellungskraft für kommende Leiden ist fast noch geringer.“
Bertolt Brecht
2004 verkaufte der Berliner Senat in einer SPD-PDS Regierung 65.000 Wohnungen der städtischen Wohnungsgesellschaft GSW zum Schnäppchenpreis von 400 Mio Euro an private Spekulanten, der Wohnungsbestand ging 2011 schließlich an die Deutsche Wohnen über, die mittlerweile in einer Fusion mit Vonovia zum größten börsenorientierte Wohnungsunternehmen in Deutschland wurde. 2019 werden 6000 Wohnungen, also rund 10 Prozent der 2004 verkauften Wohnungen, für 920 Mio Euro vom ‘rot-rot-grünen’ Senat unter Federführung der PdL Stadtentwicklungssenatorin zurückgekauft. 2021 werden dann für knapp 2,5 Milliarden Euro an die 15.000 weitere Wohnungen mit Schwerpunkt Kreuzberg von Deutsche Wohnen/Vonovia zurückgekauft. Seitdem dürfen sich die Mieter in den Hochhäusern rund um das Kottbusser Tor über steigende Mieten und explodierende Nebenkosten freuen, die alles weit in den Schatten stellen, was die Profitmaximierungsexperten der Deutsche Wohnen zu verantworten hatten.
Sämtliche im Zuge der Kahlschlagsanierung Ende der 70er entstandenen ‘Neubausiedlungen’ rund um das Kottbusser Tor weisen einen extremen Sanierungsstau auf, ständig fallen wichtige Infrastruktur wie Fahrstühle aus, behinderte Mieter, die auf Rollstühle angewiesen sind, sitzen teilweise monatelang in ihren Wohnungen fest. Wie sich die städtische Wohnungsbaugesellschaft HOWOGE, die jetzt auch in Kreuzberg besitzt, eine “Mieterfreudliche Sanierung” vorstellt, exekutierte sie jüngst in Reinickendorf, wo 170 Mieter mit einer Vorlauffrist von nur 6 Monaten darüber informiert wurden, dass ihre Wohnanlage komplett saniert werde und sie Umsetzwohnungen verteilt über das gesamte Stadtgebiet erhalten sollen, was gegen jede Rechtsprechung auf eine ‘Wohnortnahe Umsetzung’ verstößt.
Während börsenorientierte Unternehmen wie die ‘Deutsche Wohnen’ aufgrund von medialen Meltdowns gezwungen waren, besonders skandalöse Zustände in ihren Wohnungsanlagen abzustellen, glänzt die HOWOGE seit Jahren mit der weitgehenden Verweigerung der direkten Kommunikation mit ihren Mietern und dem Aussitzen von Problemen. Bezeichnenderweise wechselte der operative Leiter des Vorstandes der HOWOGE im Frühjahr dieses Jahres zu genau dem technischen Dienstleister, der in den letzten Jahren zahlreiche Aufträge der diversen ausgegliederten HOWOGE-Tochtergesellschaften erhalten hatte. Eigentlich können die betroffenen Berliner Mieter im Nachhinein wahrscheinlich froh darüber sein, dass sich der “Sieg” des ‚Volksentscheids Deutsche Wohnen und Co enteignen’ bisher im typischen Berliner Wohnungssumpf verloren hat. Denn nun kommt ja der “Vergesellschaftungshammer” der PdL.
Verkauf dich nicht
Berlin
Jung bist du nicht
Du alterst so schnell
Buckelst zu sehr
Trägst an den Geldern der Freier so schwer
Die werden gehn
Dich sterben sehn
Berlin
Geliebte Berlin
Klaus Hoffmann
“Ein Drittel Heizöl, zwei Drittel Benzin” sangen Slime einst, in Berlin bauen die Punks jetzt Molotows mit Urin und rufen dann dazu auf, nicht zu einer laufenden Räumung zu kommen, weil das den Standort der ‘angemeldeten Mahnwache’ gefährden würde. Der ‘Wohnungskampf’ in der geschichtsträchtigen Hausbesetzer-Hochburg Berlin ist auf den Hund gekommen, während der TikTok Wahlerfolg PdL auf dem harten Boden der staatstragenden Realität aufgeschlagen ist. Erste Bauern werden geopfert, die Nahost Frage wird erneut in Neukölln entschieden und zur der Demo von DGB und anderen Verbänden gegen den Generalangriff von BlackRock Merz auf die Überreste der “sozialen Marktwirtschaft” kommen gerade mal ein paar tausend Leute, darunter die wichtigsten Repräsentanten der aus dem geschichtlichen Mausoleum auferstandenen K-Gruppen. Es scheint, als habe Disney das Playbook für seine neueste dystopische Serie direkt an den künftigen ‘rot-rot-grünen’ Senat weiterverkauft. Während draußen alles in Kleinstaaten zerfällt, die Mauern hochgezogen werden und der Klimawandel und Pandemien ihr Werk verrichten, macht Berlin weiter auf weltoffen. In Wirklichkeit aber lebt lediglich die Bourgeoisie unter einem ‘Klima-Dom’ ihr angenehmes Leben weiter, während der Pöbel bei über 40 Grad dahinsiecht und unwillkürlich muss man an die “Grüne Wende” für die Innenstadt von Paris denken, die sowieso nur noch vom Bürgertum frequentiert wird, wenn wider Erwarten nicht gerade die Banlieue den Gewinn der CL durch den PSG mit Plünderungen und Randale bis in die Morgenstunden feiert oder les Misérables in gelben Westen das Ehrenmal am Triumphbogen verwüstet und Napoleon dabei seinen Kopf verliert.
Das geile Zeug, der heiße neue Stoff in der City of Blood ist aber das Blut, das Elixier, das durch unsere Adern pocht, das unser Herz im Takt schlagen lässt, so wie die Arterien der Strassen und Bahnlinien diese Stadt am Leben erhalten. Wer sie kontrolliert, kontrolliert die Stadt. Deshalb wurden in Paris nach der Niederlage der Commune noch weiter die breiten Schneisen quer durch die Stadt geschlagen, ein Modell, das Berlin übrigens übernommen hat, denn auch hier schlug immer wieder das Herz für den aufständischen Barrikadenbau. Die Zirkulation ist alles, sie muss um jeden Preis am Leben erhalten werden, aber wo alles just in time produziert und hin und her verschoben wird, wo alles zur Ware geworden ist, wo der Markt alles durchdringt, wird zugleich aber jegliche Macht und Kontrolle ebenso prekär wie die Bedingungen unter denen das neu zusammengesetzte Proletariat sich verdingen muss. Macht muss deshalb völlig neu gedacht, konzipiert und ausgeübt werden, Prävention ist das Gebot der Stunde oder besser der Epoche. Jeglicher sozialer Antagonismus muss schon in den Ansätzen erfasst, dechiffriert und umcodiert werden. Partizipation ist die Blutbank der City of Blood, die Affekte werden kanalisiert und umgeleitet, bevor sie sich in unkontrollierten Amplituden Raum verschaffen und das empfindliche Ökosystem von Kontrolle und Verwertung aus dem Gleichgewicht bringen. Die hybride Kriegsführung ist das Modell der Zukunft, das trifft ebenso auf den sozialen Krieg zu. Unvermittelte, scheinbar unwesentliche Zusammenstösse, die in der Summe das gesamte Kräfteverhältnis ins Wanken bringen. Deshalb durchzieht die konterrevolutionäre Kybernetik jeglichen sozialen Raum, in dem Leben auch nur theoretisch möglich ist.
„Denn in hundert Schlachten hundert Siege zu erringen ist nicht der Inbegriff des Könnens. Der Inbegriff des Könnens ist, den Feind ohne Gefecht zu unterwerfen.“
Sun Tzu
wird fortgesetzt..