Zusammenstehen, wenn es dunkler wird. 5.9.26 nach Halle!

Die Afd, eine extrem rechte Partei mit Verbindungen zu Neonazi-Netzwerken und rechtsterroristischen Gruppen, ist in bundesweiten Umfragen stärkste Kraft. Nach der Wahl in Sachsen-Anhalt am 6. September könnte sie eine erste Landesregierung stellen. Der Landesverband wird dem äußersten rechten Flügel der AfD zugeordnet.

Eine halbe Stunde entfernt gibt es Leipziger Stadtviertel, in denen sich der gesellschaftliche Rechtsruck noch erstaunlich weit weg anfühlen kann. Kieze mit linken Rückzugsräumen, einer sichtbaren antifaschistischen Szene und einem Alltag, in dem rechte Positionen zumindest nicht unwidersprochen den Ton angeben, können den Eindruck vermitteln, die Verhältnisse seien noch einigermaßen stabil. In Wahrheit ist das Gegenteil ist der Fall und für Genoss*innen jenseits der Stadtgrenzen muss es wahnsinnig frustrierend sein, das noch erklären zu müssen. Unsere Solidarität muss sich gerade dort bewähren, wo die eigene Umgebung noch vergleichsweise komfortabel erscheint. Wo antifaschistische Positionen im eigenen Freundeskreis selbstverständlich sind. Wo es linke Infrastruktur gibt, Veranstaltungen, Kneipen, Projekte, Demonstrationen. Wo man leicht vergessen kann, dass wenige Kilometer weiter Menschen unter Bedingungen politische Arbeit machen, die sehr viel härter sind.

Antifaschist*innen in Halle rufen zur Demo am Vorabend auf – trotz alledem, gerade jetzt. Wir haben keine Illusionen darüber, was eine solche Demonstration leisten kann. Sie wird das Wahlergebnis des nächsten Tages nicht beeinflussen. Sie wird den jahrzehntelang gewachsenen rechten Strukturen nicht schaden. Und sie ersetzt weder verbindliche Organisierung noch kontinuierliche antifaschistische Arbeit. Die Demo ist dennoch ungeheuer wichtig. In den kommenden Jahren wird es darauf ankommen, ob es weiterhin Menschen und Strukturen gibt, die einander den Rücken freihalten. Ob diejenigen, die vor Ort bleiben und weitermachen, wissen, dass ihre Kämpfe gesehen werden. Eine politische Verschiebung dieser Größenordnung verändert das Klima, in dem Menschen leben und handeln. Sie verändert, was ausgesprochen werden kann, wer sich sicher fühlt, welche Projekte unter Druck geraten und welche gesellschaftlichen Kräfte plötzlich mit dem Selbstbewusstsein einer vermeintlichen Mehrheit auftreten.

Gerade deshalb dürfen diejenigen nicht alleine bleiben, die in Sachsen-Anhalt seit Jahren gegen diese Entwicklung arbeiten: antifaschistische Gruppen, migrantische und jüdische Strukturen, queere Projekte, Beratungsstellen, alternative Kulturorte und all jene Menschen, für die die Erfolge der extremen Rechten schon lange keine abstrakte Nachricht aus der Wahlberichterstattung sind. Viele erleben längst, wie die Räume enger werden.

Wir werden einen Zustand, in dem eine extrem rechte Partei Wahlen gewinnt, nicht als neue politische Normalität hinnehmen und anschließend zur Tagesordnung übergehen. Wir werden ihre völkischen und autoritären Vorstellungen nicht als gewöhnliche politische Positionen behandeln. Und wir werden uns dem Versuch widersetzen, aus Wahlerfolgen gesellschaftliche Unantastbarkeit abzuleiten.

Kommt alle am 5. September mit! Wir fahren mit einer einfachen Botschaft nach Halle: Ihr seid nicht allein.

Antifa bleiben! Gerade jetzt.
Die Demo beginnt um 17 Uhr. Treffpunkt in Leipzig: 15:50 Uhr, Willy-Brandt-Platz am Hbf.