Prozess gegen anarchistischen Gefährten in Leipzig am 12.05

Am 12. Mai und am 2. Juni wird ein weiteres Verfahren gegen einen anarchistischen Gefährten zur „Tag X“-Demo vor dem Amtsgericht Leipzig stattfinden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Landfriedensbruch in Tateinheit mit tätlichem Angriff auf und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung in 18Fällen in Tateinheit mit Zerstörung wichtiger Arbeitsmittel vor. Dies ist kein isolierter Fall, das Verfahren ist Teil eines kollektiven Vorwurfs gegen verschiedene Personen – insgesamt wurden 1500 Strafverfahren an besagtem Wochenende eröffnet, wovon bereits 100 Personen verurteilt wurden und 100 weitere Personen noch offene Verfahren haben.

In diesem Fall basieren die Vorwürfe auf online veröffentlichten Bildern, die von einem Fotojournalisten aufgenommen wurden. Die Polizei glaubt den Gefährten basierend auf diesen Fotos identifizieren zu können, mithilfe eines sogenannten „Super-Recognizers“ – ein Begriff mit umstrittener Glaubwürdigkeit. In den Ermittlungen zum „Tag X“ arbeitete die Leipziger Polizei öfter mal mit diesen selbsternannten „Super-Recognizern“. Sie sind Polizeibeamte, die meinen besondere Fähigkeiten zur Wiedererkennung zu haben, tatsächlich aber genauso subjektiv wie alle anderen auch wahrnehmen. Es gibt keine wissenschaftlichen Belege für die Existenz dieser „Superkraft“.
Wir sehen dieses Verfahren als Teil einer eskalierenden Repression gegen revolutionäre und antifaschistische Bewegungen.
Die zweite Runde des Antifa-Ost Verfahrens läuft gerade. Sieben Antifaschist*innen wird die angebliche Teilnahme an militanten Aktionen gegen Nazis vorgeworfen; gleichzeitig sind in Düsseldorf sechs weiteren Antifaschist*innen im sogenannten „Budapest-Komplex“ vor Gericht – für die gleichen Aktionen für die Maja in Ungarn zu acht Jahren Knast, unter strengsten Haftbedingungen, verurteilt wurde.
Unsere Antwort auf dieses Verfahren lautet: Solidarität und Kompliz*innenschaft mit jenen, die für eine Welt frei von Faschismus kämpfen. Das war der Grund, warum wir uns entschieden haben die Straßen Leipzigs am 3. Juni 2023 zu nehmen und unsere Wut gegen die Knasturteile gegen Antifaschist*innen zu zeigen. Es ist mehr als klar: Die Strafen – Jahre im Knast – haben einen Preis, und wir schicken unsere tiefste Solidarität an die Gefährt*innen, die verurteilt wurden, damit sie wissen, dass sie nicht alleine sind. Ein Verfahren gegen eine*n von uns ist ein Verfahren gegen alle von uns.
Drei Jahre nach diesem „Tag X“ sehen wir Faschismus und Totalitarismus in der ganzen Welt weiter wachsen; die reaktionäre Welle gewinnt Regierungen für sich und durch fremdenfeindliche und antifeministische Rhetorik an Popularität in der Gesellschaft. Sie fesselt Millionen, indem sie die größte Angst der Leute schürt: den Wohlstand zu verlieren, der ihnen vom Kapitalismus versprochen wird.
Europäische Staaten bereiten sich auf Krieg vor, indem sie Milliarden ins Militär investieren, die Wehrpflicht wird wieder eine bittere Realität, in der junge Menschen dazu aufgerufen werden Deutschland gegen externe Bedrohungen zu verteidigen und einwanderungsfeindliche Politik wird immer grausamer.
Die Repression gegen jene die gegen den Genozid in Palästina demonstrieren, mit tausenden Verfahren von Berlin bis Leipzig, verdeutlicht den Autoritarismus des deutschen Staates gegen alle, die gegen Kolonialismus, gegen Kriege und Grenzen aufstehen.

Aus all diesen Gründen bleiben wir überzeugt davon, dass wir uns die Straßen nehmen und jede Autorität bekämpfen müssen, in Solidarität mit jenen, die sich weigern der Ungerechtigkeit und den Angriffen der Mächtigen nur still zuzusehen.
Wir glauben an einen antipatriarchalen Antifaschismus, in dem sich umeinander zu kümmern und eine andere Art von Beziehungen einzugehen im Zentrum stehen, wo wir uns gegenseitig herausfordern, um unsere Gemeinschaften zu besseren Orten zu machen.
Darum laden wir euch am 12. Mai und 2. Juni zu den Verhandlungen in Leipzig ein:

Dienstag, 12.05.2026 um 10:00, , Sitzungssaal 218,2.OG , Hauptgebäude Bernhard-Göring-Straße 64, 04275 Leipzig
Dienstag, 02.06.2026 um 10:00, , Sitzungssaal 218,2.OG , Hauptgebäude Bernhard-Göring-Straße 64, 04275 Leipzig

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Trial against Anarchist comrade in Leipzig in 12.05

On May 12th and 2nd of June another „Tag X“ demonstration- trial against an anarchist comrade will take place at Amtsgericht Leipzig. The state attorney is accusing him of serious breach of peace, physical and aggravated assault of police officers in 18 cases and destruction of work equipment. This is not an isolated case, the upcoming trial is part of a collective accusation against several people. with a total of 1500 opened investigations on the whole weekend, 100 people having charges and another 100 still having open investigation.

In this specific case the accusation is based on photos published online taken by a photo journalist. The police believes that they can identify our comrade based on these photos with the help of a so called „super-recognizer“, a figure of dubious credibility. In the investigation „Tag X” the Leipzig police worked several times with these self-proclaimed „super recognizers“. These are police officers who present themselves as having superior recognition abilities to others, but who in reality are as subjective as anyone else. There is no scientific evidence of the existence of this „super-power“.
We see this trial as a part of the escalating repression against revolutionary and anti-fascist movements.
The second round of the Antifa-Ost trial is currently ongoing. Seven anti-fascists are accused of alleged participation in militant actions against Nazis; at the same time in Düsseldorf, other six anti-fascists are on trial because of the so called „Budapest-Komplex“. The same actions Maja was sentenced in Hungary to eight years of prison under heavy prison conditions.
Our answer to these trials is: solidarity and complicity with those fighting for a world free of fascism. That was the reason why we decided to take the streets of Leipzig on 3rd of June 2023 to express our outrage against the sentences handed down to the anti-fascists. It´s more than clear: the sentences – years in prison – have a price and we sent our utmost solidarity to the comrades who were sentenced, so that they would feel they were not alone. A trial against one of us, is a trial against all of us.
Three years after „Tag-X“ we see how fascism and totalitarianism continue to grow all over the world; the reactionary wave is winning governments and gaining popularity in society through anti-immigration and anti-feminist rhetoric, captivates millions of people by pushing their deepest fear of losing the welfare that capitalism promises them.
European countries are preparing for war by investing billions of Euro in military equipment; compulsory military service is once again becoming reality, calling on young people to defend Germany from external threats, and anti-immigration policies becoming increasingly harsh.
The repression of those demonstrating against the genocide in Palestine, with thousands of court cases between Berlin and Leipzig, highlights the German state’s authoritarism towards anyone who speaks out against colonialism, wars and borders.
For all these reasons, we remain convinced that we must continue to take the streets, fight against all authority and to show solidarity to those who refuse to remain silent against injustices and the attacks of the ones in power. We belive in an anti-patriarchal anti-fascism, where care and other ways of relating to one another are at the center, where we challenge one another so that we can make our communities healthier places.
For all these reasons, we invite you on 12th of May and 2nd of June to come to the court in Leipzig

Tuesday 12.05.2026 at 10h , Sitzungssaal 218,2.OG , Hauptgebäude Bernhard-Göring-straße 64, 04275 Leipzig

Tuesday 02.06.2026 at 10h, Sitzungssaal 218,2.OG, Hauptgebäude Bernhard-Göring-straße 64, 04275 Leipzig