Wir müssen uns endlich gegen autoritäre Angriffe auf unsere Demos wehren!
8. März: Nach der Zwischenkundgebung der großen Demo bildet sich ein aggressiver Block autoritärer Gruppen, der offensiv die Demoregeln missachtet. Feminismus spielt auf ihren Transpis und in den Parolen eine untergeordnete Rolle – wenn überhaupt. Es werden Nationalfahnen geschwenkt, Umstehende bedroht und ordinäre Sprechchöre gegen andere Linke gerufen. Vertreter*innen der Demoleitung und des Awareness-Teams werden ignoriert oder niedergebrüllt. Die Provokation war geplant. Bundesweit gab es ähnliche Vorfälle.
20. Juni: Autoritäre der FKO sowie organisierte Antisemit*innen bilden einen Block auf der Demo gegen das neue sächsische Polizeigesetz. Sie haben vorab im Internet angekündigt, den Aktionskonsens des Bündnisses missachten zu wollen. Sie erzwingen damit letztlich den Abbruch der Demo und feiern sich anschließend bei Instagram dafür (“Kein Demokonsens oder Polizeigesetz wird die Fahne Palästinas unterdrücken” – Handala).
In beiden Fällen müssen sich die Demo-Organisator*innen Kritik gefallen lassen. Vielleicht war es falsch, nach dem 8. März die Klappe zu halten. Vielleicht war es falsch, zum 20. Juni mit Copwatch eine Gruppe ins Bündnis zu nehmen, die bekanntermaßen wenig Berührungsängste mit Antisemit*innen hat. Vielleicht war es falsch, nach den öffentlich angekündigten Provokationen die Füße still (und den Mund geschlossen) zu halten. Genoss*innen, die sich durch Rote Gruppen und Co. bedroht sehen und es als Antifaschist*innen nicht ertragen können, mit Hamas-Fans gemeinsam zu laufen, fühlten sich dadurch nicht gesehen und ausgeschlossen. Jede*r hat mitbekommen, dass mehrere Grüppchen am Auftaktort stehen geblieben sind, als die Demo losging. Wer weiß, wie viele aufgrund des absehbaren Schlamassels gar nicht erst gekommen sind.
Ebenso schwerwiegend ist die strategische Fehleinschätzung, die dem laxen Umgang mit dem Machtkampf der Roten Gruppen offenbar zugrunde liegt. Manche verfahren nach dem Motto “Ein paar Idiot*innen gibt’s halt immer, die wird man nicht los”. Diese Gleichgültigkeit wird sich rächen. Noch mehr, als bisher schon. Schaut mal nach Berlin.
Aber richtig ist auch: Wir sollten Organisator*innen mit solchen Situationen nicht alleine lassen, um uns dann hinterher im Internet über Defizite und Fehleinschätzungen zu beklagen. Auch wenn wir Demoregeln manchmal zu lasch oder allgemein formuliert finden oder die Organisator*innen vor Ort nicht so (schnell) reagieren, wie wir es uns wünschen, ist es doch letztlich die von ihnen organisierte und getragene Aktion, die angegriffen wird – das gilt auch, wenn sie es vielleicht gar nicht in dieser Deutlichkeit wahrhaben wollen.
Also lasst uns selbst aktiv werden! Besprechen wir uns in unseren Bezugsgruppen vorher oder sprechen wir andere Genoss*innen vor Ort an – wir erkennen uns doch eigentlich immer gegenseitig! Entscheiden wir bestenfalls vorab, oder notfalls spontan vor Ort, was wir tun können. Das könnte zum Beispiel bedeuten, eine Kette zu bilden, die den provozierenden Block abschneidet und so die Demo schützt. Wir müssen die zynische, stalinistische Raumnahme, mit der wir konfrontiert sind, endlich ernst nehmen und entschlossen beantworten. Die Autoritären freuen sich, wenn wir genervt, frustriert und hilflos zu Hause bleiben.