Zirkuszelt in Leipzig beschmiert – Direktor weist Vorwürfe der Tierquälerei zurück

Das neue Zirkuszelt des Zirkus Afrika auf dem Jahrtausendfeld ist in der Nacht zum Dienstag großflächig beschmiert worden. Die Schriftzüge beschuldigen das Unternehmen der Tierquälerei. Die Polizei ermittelt gegen unbekannt.

„Tierquäler raus, 161“ – Diese und weitere Parolen sind in der Nacht zum Dienstag an das neue Zelt des „Zirkus Africa“ auf dem Leipziger Jahrtausendfeld gesprüht worden. Auch der Kassencontainer wurde in der Nacht großflächig mit Graffiti beschmiert, so ein Polizeisprecher gegenüber der LVZ. Für Zirkusdirektor Ricardo Weisheit ist es ein Trauerspiel: „Das ist so zum Heulen. Wir haben ewig darauf gespart und sogar Schulden aufgenommen, um das neue Zelt zu kaufen“, sagte er am Dienstag und schiebt hinterher: „Es ist ein Desaster!“

Auch Teile der Zelplane sowie die Werbeplakate, die das Zirkusteam in der Stadt aufgehängt hatte, seien zerschnitten worden, berichtet der 71-Jährige. „Das ist das erste Mal überhaupt, dass wir das neue Zelt aufbauen. Wir sind erst seit Freitag in Leipzig und haben uns eigentlich riesig gefreut, endlich aus der Winterpause zu kommen. Natürlich waren wir ziemlich stolz auf das Zelt“, erklärt er. 80.000 Euro habe die neue Konstruktion gekostet und sei noch nicht einmal abbezahlt.

Zirkus weist Vorwürfe zurück

Den Vorwurf der Tierquälerei, der nun am Zirkuszelt zu lesen ist, weist der Artist zurück: „Das Leipziger Veterinäramt hat uns erst gestern einen Besuch abgestattet und uns die Note 1 gegeben. Außerdem haben wir nicht mal Wildtiere“, so Weisheit. Die je zwei Dromedare und Zebras, sechs Pferde, Ponys und eine Ziege seien allesamt im Zirkus geboren, der sich schon seit sieben Generationen im Besitz der Familie Weisheit befinde.

Noch 2022 gehörten allerdings auch mehrere Elefanten zum Ensemble. Dafür stand der Zirkus in der Vergangenheit immer wieder in der Kritik. Die Tierschutzorganisation PETA führt eine genaue Chronik über „tierschutzrelevante Vorfälle“ beim Zirkus Afrika seit 1996. Auch in Leipzig hatten Gastspiele des Zirkus wiederholt für Kritik gesorgt.

Mittlerweile habe der Zirkus im thüringischen Starkenberg laut Informationen von PETA eine Art „stationären Zirkus als vermeintliches Elefantenreservat“ eingerichtet. In der Vergangenheit bemängelte die Tierschutzorganisation „unzulässiges Fixieren der Elefanten während des Tages, mangelnde Beschäftigungsmöglichkeiten und Temperaturen im Stallzelt nahe dem Gefrierpunkt“.

Zirkuschef sieht Verleumdungskampagne – Premiere soll am 1. Mai stattfinden

Zirkusdirektor Ricardo Weisheit sieht sich und sein Unternehmen dagegen als Opfer einer Verleumdungskampagne – nicht zum ersten Mal. Mehrfach war es deshalb in den vergangenen 20 Jahren auch zu Sanktionen durch Veterinärämter oder auch Demonstrationen gegen den Zirkus gekommen.

Ricardo Weisheit geht im aktuellen Fall von einer organisierten Aktion aus. „Das müssen mehrere Personen gewesen sein. Es sind auch einige Leute mit dem Fahrrad vorbeigefahren und haben ‚Tierquäler‘ gerufen“, erzählt er. Weisheit vermutet, dass es sich dabei um die Täter handeln könnte. Er hofft, dass sich mögliche Zeugen zeitnah bei der Polizei melden.

Die Premiere des aktuellen Programms „Zirkus Maximus“ soll trotzdem wie geplant am 1. Mai stattfinden. Das beschmierte Zirkuszelt werde bis dahin auch vom „Zirkuspfarrer“ gesegnet werden, erklärt Weisheit. Die Polizei hat währenddessen die Ermittlungen wegen des Verdachts auf Sachbeschädigung aufgenommen.