Feminismus pur? Fehlanzeige! Gegen Alice Schwarzers Lesungen im Rahmen der Buchmesse!
Feminusmus pur? Fehlanzeige!
Gegen Alice Schwarzers Lesungen im Rahmen der Buchmesse!
Ende März wird in Leipzig wieder zur jährlichen Buchmesse eingeladen. In diesem Rahmen wird die Alt-Feministin Alice Schwarzer ihr neues Buch „Feminismus Pur. 99 Worte“ in zwei Lesungen vorstellen. In diesem Text möchten wir deutlich machen, warum wir Schwarzers Positionen klar ablehnen und uns gegen ihr Hofieren auf der Buchmesse aussprechen.
Alice Schwarzer ist transfeindlich!
Dass Alice Schwarzer nicht nur für den deutschen Feminismus eine entscheidende Rolle gespielt hat, möchten wir in keiner Weise ignorieren. Dennoch ist zu beobachten, wie sich Schwarzer vor allem in den vergangenen Jahren immer weiter von emanzipatorisch- feministischen Positionen verabschiedet hat. In ihrem Magazin EMMA fällt sie regelmäßig mit stark trans*feindlichen Positionen auf. Für sie sei Trans*geschlechtlichkeit nur eine Modeerscheinung und durch die gestiegene Sichtbarkeit von trans* Personen sei es „schick“ geworden, sich so zu bezeichnen.
Ja, die Sichtbarkeit von trans* Personen ist in den vergangenen Jahren um einiges gestiegen. Das bedeutet aber nicht, es hätte sie bis dahin nicht gegeben! Dass sich immer mehr Menschen wohl fühlen sich zu outen, sollte begrüßt werden und ist einer allgemein gestiegenen Offenheit, Awareness und gesellschaftlicher Akzeptanz, aber eben vor allem queerfeministischen Kämpfen zu verdanken. Diese Umstände zu verklären, verleugnet die Existenz von trans* Personen.
Auch fantasiert Schwarzer regelmäßig, es gäbe nur ein binäres, unveränderliches, biologisches Geschlechtsbild. Dass diese Position nicht erst seit gestern wissenschaftlich klar wiederlegt wurde, hält sie nicht davon ab, alle, die nicht in das uns patriarchal aufgezwungene binäre Menschenbild passen, unsichtbar zu machen.
Alice Schwarzer spricht sich aktiv gegen das, seit 2024 existierende, Selbstbestimmungsgesetz aus und fordert eine Rückkehr zum „Transsexuellengesetz“. Dieses war nicht nur veraltet, sondern vor allem demütigend und diskriminierend gegenüber trans* und nichtbinären Menschen. Sie begründet dies mit dem Vorwand, es gefährde Kinder und Jugendliche – auch ein genutztes Scheinargument von Konservativen und Rechten. Häufig sind queere Jugendliche von psychischen Problemen durch Diskriminierung und Mobbing betroffen. Ihnen bietet das Selbstbestimmungsgesetz endlich eine erste Möglichkeit, gesetzlich einen weniger traumatisierenden Prozess zur Änderung des Geschlechtseintrages und der Namensänderung zu gehen. Das Gesetz schützt also Kinder und Jugendliche.
Statt eines teuren, langwierigen und entwürdigenden Prozesses, mit zwei psychiatrischen Gutachten und einem Gerichtsbeschluss, reicht nun der Gang zum Standesamt aus, um die eigene Geschlechtsidentität offiziell anerkennen zu lassen. Dass das Selbstbestimmungsgesetz trotzdem kritisch bleibt und nur ein kleiner Schritt in Richtung der Gleichstellung aller Geschlechter, die nicht ins binäre System passen, sein kann, bleibt klar.
Vor allem Menschen mit Aufenthaltstitel in Deutschland sind von Unsicherheiten betroffen. Beispielswiese können mögliche Änderungen für ungültig erklärt werden, wenn ihnen der Titel entzogen wird.
In Schwarzers Erzählungen schürt sie immer wieder aktiv die Angst, das Gesetz könne von Männern ausgenutzt werden, um in Schutzräume für Frauen einzudringen. Auch wenn die durchaus berechtigte Angst und allgegenwärtige Realität vor übergriffigen Männern ernst genommen werden muss, lässt ein Blick in die Realität doch kaum einen Zusammenhang mit dem Selbstbestimmungsgesetz erkennen. Viel eher stärken solche Argumente weitere Ablehnung, vor allem gegenüber trans* Frauen und trans* Weiblichkeiten, wobei diese eh schon besonders häufig von Gewalt betroffen sind und ebenso Schutzräume benötigen. Übergriffige Männer werden sich nicht durch eine Gesetzesänderung davon abhalten lassen übergriffig zu sein. Das Problem heißt Patriarchat und nicht trans* Person!
Alice Schwarzer ist rassistisch!
Ein weiterer kritischer Standpunkt Schwarzers bildet ihre Position gegenüber Muslim*innen. Alice Schwarzers weißer Feminismus geht an vielen Stellen weit über berechtigte Kritik an patriarchalen und sexistischen Praktiken im Islam hinaus. Sie stellt Frauen, die Hijab tragen, per se als nicht feministisch dar, und spricht ihnen so ihr selbstbestimmtes Handeln ab. In dem sie das Kopftuch „als die Flagge des Islamismus“ bezeichnet, unterstellt Schwarzer einem Großteil der Muslim*innen pauschal religiösen Fundamentalismus. Mit ihrer Forderung nach einem Kopftuchverbot, nicht nur an deutschen Schulen, reiht sie sich in islamophobe und rassistische Haltungen der AfD und CDU ein.
Eine ideologische Nähe zeigt sich auch in ihrer Zustimmung von Friedrich Merz’ Stadtbild Aussage. So werden aus einer vermeintlichen feministischen Position heraus Vorurteile gegenüber migrantisierten Personen geschürt und die Falschdarstellung des „bedrohlichen kriminellen Ausländers“ für deutsche Frauen gestärkt.
Auch in ihrem neuen Buch widmet Schwarzer eine Seite dem Islamismus. Das Kopftuch signalisiere das “Anderssein“ und die „Rechtlosigkeit“ von Frauen und mache sie „in allen islamischen Staaten“ zu „Bürgerinnen zweiter Klasse“. Weiter schreibt sie, alle muslimischen Länder seien Apartheitsregime. Patriarchale Strukturen innerhalb des Islam sind das Problem und gehören auch klar benannt. Nicht das Kopftuch an sich, der Islam und schon gar nicht jene, die von unterdrückenden Strukturen betroffen sind. Davon ist weder der Islam, noch jede andere Religion befreit, die sich in einer patriarchalen Welt befindet. Das stetige Verallgemeinern und alleinige Beziehen auf den Islam als kritisches Subjekt an sich, ist nicht nur islamophob sondern rassistisch!
Alice Schwarzer ist misogyn und sympathisiert mit Konservativen und Rechten!
Schwarzer äußert sich regelmäßig sexarbeitendenfeindlich und slutshamend. Alice Schwarzer spricht Sexarbeiter*innen grundsätzlich ihre Selbstbestimmung ab. Knappe Kleidung gäbe bestimmte Signale ab und wäre „Nuttenmode“. Damit wertet sie mit ihrer Wortwahl nicht nur Sexarbeitende ab, sondern argumentiert auf der gleichen Ebene, wie (übergriffige) Männer, Bullen oder Gerichte, die nach sexualisierten Übergriffen die Schuld im Erscheinungsbild der betroffenen Personen suchen.
Ganz nach dem Motto „Wenn sie sich so anzieht, braucht sie sich nicht wundern!“. Das ist sogenannte Täter-Opfer-Umkehr in ihrer Reinform!
Schwarzers Kooperationen mit Sarah Wagenknechts Splitterpartei BSW, welche sich unter dem Deckmantel des Friedens mit dem Menschenfeind Putin anfreunden – oder ihre kürzlich getroffene Aussage, sollte Alice Weidel zur Kanzlerin gewählt werden, würde sie „trotz allem eine Ermutigung für Frauen“ sein, sind nur weitere Tropfen, die das angeblich feministische Fass Schwarzers endgültig zum Überlaufen bringen sollten.
Für einen intersektionalen Feminismus!
Alice Schwarzer gehört einem alten, weißen Feminismus an, der trotz aller Errungenschaften, auf die wir uns weiter beziehen müssen, nur noch wenig Aktualität besitzt. Als Feminist*innen ist es mit an uns, Unterdrückte aller Herkünfte, Religionen, Identitäten und Gesellschaften zu schützen und für die Befreiung aller zu kämpfen. Mit Schwarzers trans*feindlichem und rassistischem Feminismus, gehört sie einer Bewegung an, die schon lange von einem intersektionalem Feminismus abgelöst wurde. Dieser Feminismus ist queer, provokant, inklusiv, radikal – und hat den Anspruch sich endgültig von einem eurozentrischen Weltbild zu lösen. Intersektionalität möchte verschiedene Diskriminierungsformen mitdenken und den Kampf gegen diese verbinden. Diese Wichtigkeit muss immer wieder betont werden, denn nur wenn wir gemeinsam kämpfen, können wir das Patriarchat zerschlagen.
Wir fordern von der Leipziger Buchmesse, der Eisengießerei im Westwerk und der Alten Handelsbörse eine klare Distanzierung von Schwarzers queerfeindlichen und rassistischen Positionen!
Da zumindest die Buchmesse in der Vergangenheit regelmäßig auch damit geglänzt hat, rechte bis rechtsextreme Verlage zu hofieren, versprechen wir uns aber nicht allzu viel von ihr. Wir finden einen Austausch, vor allem mit dem bis jetzt unwissenden Teil der Besuchenden der beiden Lesungen wichtig, weshalb wir versuchen werden, am 19. und 21. März vor Ort zu sein, um vor dem Besuch der Lesung, über Schwarzers Positionen aufzuklären. Ihr seid herzlich eingeladen die Lesungen kritisch mit uns zu begleiten!
no one of us can be free until everybody is free.